Staatl. Diskriminierung
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Inhalt

 
Vorwort
I. Richtigstellung von groben Fehlaussagen und Fehlinterpretationen
1. Zur Geschichte der Vereinigungskirche und ihres Gründers
2. Zum Thema "Reich Gottes"
3. Zur Ethik der Vereinigungskirche
4. Völlige Verkennung von "Subjekt und Objekt"
5. Ehe und Familie
II. Methodische Mängel
1. Sinnentstellte Zitate
2. Meinungen und Gerüchte
3. Weitere mangelhafte Quellenarbeit
4. Schlampige Recherchen
5. Veraltete Informationen
III. Noch ein Wort zu den Quellen
1. Fraser-Report des 'Subcommittee for Foreign Relations'
2. Koch, G., Himmlische Soldaten
3. Ehemalige Mitglieder
4. Kirchliche Stellen und Sektenexperten
5. Wichtige, unberücksichtigt gebliebene Quellen über die Vereinigungskirche
Schlusswort
Anmerkungen
Anlagen

Vorwort

Im Dezember 1996 wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) vom Bundesverwaltungsamt Köln eine Broschüre herausgegeben mit dem Titel "Sogenannte Sekten und Psychogruppen – Die Mun-Bewegung".

Bereits im Frühjahr 1996 hatte sich die Enquete-Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen" des Deutschen Bundestages konstituiert. Trotz der auffälligen Übereinstimmung von Broschürentitel und dem Namen der Kommission haben beide keine direkte Verbindung. Von der Enquete-Kommission wurden der Vereinigungskirche Fragen zur Stellungnahme vorgelegt. Zudem wurden ihre Vertreter eingeladen, vor der Kommission mündlich Stellung zu beziehen.

Ganz anders stellt sich das Vorgehen des Bundesverwaltungsamtes dar. Auf Stellungnahmen der Vereinigungskirche bzw. ein Gespräch mit uns wurde verzichtet. Es gab keinerlei diesbezügliche Anfrage von Seiten des Bundesverwaltungsamtes. Noch vor der Anhörung der Vereinigungskirche am 13. Januar 1997 durch die Enquete-Kommission war die Broschüre erschienen. Sie stellt quasi eine amtliche Vorverurteilung dar, wobei den Verurteilten keine Chance zur Stellungnahme gegeben wurde.

Sachliche Information und Aufklärung?

In ihrem Vorwort schreibt Frau Bundesministerin Claudia Nolte: "Die vorliegende Broschüre soll daher eine Orientierungshilfe und in der Auseinandersetzung mit dem Problemfeld der sogenannten Sekten und Psychogruppen eine sachliche Information und Aufklärung sein."

Man muss jedoch davon ausgehen, dass sie sich dabei nicht bewusst war, welch gravierende Mängel diese Broschüre aufweist. Denn sie enthält eine Vielzahl falscher Behauptungen, grober Unwahrheiten, verzerrter Darstellungen und unzulässiger Wertungen, welche die Vereinigungskirche in höchstem Maße diskreditieren. Den Vorwürfen weniger Ex-Mitglieder wird unbesehen Glauben geschenkt. Hingegen wird beispielsweise die sogenannte Wiener Studie, die 1981 im Auftrag des damaligen Bundesministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit durchgeführt wurde, totgeschwiegen. Diese Studie kam zu ganz anderen (unerwünschten?) Ergebnissen:

"Nicht nur die Mitglieder, sondern auch die Ehemaligen vertraten die Ansicht, dass die Öffentlichkeit eine falsche Einstellung zur VK hat… Den staatlichen Behörden warfen sie vor, nicht objektiv zu sein, sondern sich mit größter Selbstverständlichkeit auf die Seite der Gegner der VK zu stellen und damit den Gleichheitsgrundsatz zu verletzen."1

 

Inhaltliche Kritik

Es ist unseriös, bei Deutungsversuchen religiöser Schriften nicht das Verständnis der Gläubigen zu berücksichtigen, sondern sich stattdessen nur auf Aussagen der Gegner zu stützen. Genau dies ist an der vorliegenden Broschüre zu kritisieren. Ihre Darstellung der Lehre der Vereinigungskirche widerspricht in zahlreichen Fällen eklatant unserem Selbstverständnis.

Die wichtige Auseinandersetzung um Gottesverständnis, Menschenbild, Ethik und weitere religiöse Inhalte ist eine theologische Diskussion. Der Staat hat auf diesem Gebiet neutral zu sein. Artikel 4, Abs. 1 des Grundgesetzes verbietet dem Staat, sich mit dem einen oder anderen Bekenntnis zu identifizieren oder Glaubensinhalte von Religionsgemeinschaften nach eigenem Gutdünken auszulegen.

Bei der Beschreibung der Praxis der Vereinigungskirche wurde die Entwicklung der letzten 20 Jahre weitgehend ignoriert. Man stützt sich weiter auf veraltete Anschuldigungen und Informationen aus den 70er Jahren, die bereits damals nur ein Zerrbild der Realität vermittelten.

Methodische Kritik

Methodisch weist die Broschüre schwerwiegende Mängel auf. Die Autoren verletzen nachhaltig ihre Sorgfaltspflicht.

Die Broschüre des Bundesverwaltungsamtes genügt deshalb dem hohen Anspruch, den man von Publikationen eines Ministeriums erwarten muss, in keiner Weise. Das Vorgehen ist geprägt von plakativen Anklagen und der Polemik der späten 70er Jahre. Die Quellenarbeit erscheint umfangreich, ist jedoch schlampig und methodisch zweifelhaft durchgeführt:

• Es werden Quellen verwendet, die nicht im Literaturverzeichnis angeführt sind.

• Es werden Quellen angegeben, die nichts zur betreffenden Textstelle aussagen.

• Die Quellenangaben erweisen sich immer wieder als ungenau, wenn z. B. ein ganzes Buch als Quelle angeführt wird.

• Die Literatur der Vereinigungskirche wird größtenteils sinnentstellt wiedergegeben.

• Meinungen und Gerüchte werden als Tatsachen dargestellt.

• Zitate werden sinnentstellt wiedergegeben.

Im folgenden sollen wesentliche Fehlaussagen und Fehlinterpretationen richtiggestellt (I), methodische Mängel aufgezeigt (II) und zu der Einseitigkeit und Unausgewogenheit der herangezogenen Quellen Stellung genommen werden (III).

Angesichts der Fülle von unkorrekten Aussagen kann allerdings nur auf eine Auswahl und nicht auf jede einzelne eingegangen werden.

Mit dieser Stellungnahme macht die Vereinigungskirche darauf aufmerksam, dass vieles, was in der Öffentlichkeit über sie verbreitet wird, nicht stimmt. Mit dieser Broschüre wollen wir zu einem fairen und und offenen Dialog auf der Basis objektiver und sachlicher Informationen beitragen.

 

Der Vorstand der Vereinigungskirche im Juli 1997

 

I.

Richtigstellung von groben Fehlaussagen
und Fehlinterpretationen

 

I. 1. Zur Geschichte der Vereinigungskirche und ihres Gründers

 

Die Gründung der Vereinigungskirche (damaliger Name: "Heilig Geist Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums") erfolgte am 1. Mai 1954 in Seoul, Korea.

Aus einer kleinen Gruppe von Mitgliedern entwickelte sich im Laufe der letzten 40 Jahre eine weltweite Religionsgemeinschaft, in der Menschen aus unterschiedlichen religiösen und kulturellen Traditionen eine geistige Heimat gefunden haben.

Die Vereinigungskirche hat eine umfassende Glaubenslehre, in welcher Gott als Schöpfer und Eltern aller Menschen im Zentrum steht. Sie ist bestrebt, geschwisterliche, nationenübergreifende Beziehungen aufzubauen. Dadurch soll das Ideal einer großen universellen Familie mit Gott als Mittelpunkt verwirklicht werden. Sie glaubt an ein ewiges Leben des Menschen und geht davon aus, dass Gott eines Tages alle Menschen erlösen wird.

Eileen Barker (Department für Soziologie, London School of Economics) erklärt, dass die Vereinigungskirche

"…nach allen denkbaren (akzeptierten) Kriterien …eine religiöse Bewegung" ist. "Diejenigen, die behaupten, die VK sei gar keine richtige Religion, wissen einfach nicht, wovon sie reden".2

 

Ihre grundlegende Schrift ist laut Prof. Moritzen

"eine Auslegung der Heiligen Schrift …Wie diese beginnt sie mit der Schöpfung und endet mit dem Ausblick auf das erwartete Heil."3

Selbst von Kritikern wie F. W. Haack wurde der religiöse Charakter der Vereinigungskirche nicht bestritten.4 Ihr rechtlicher Status entspricht in vielen Ländern dem anderer Kirchen oder religiöser Gemeinschaften.5

Die Lehre des Gründers, Rev. Sun Myung Moon, ist im Buch "Die Göttlichen Prinzipien" niedergeschrieben. Der erste veröffentlichte Text "Wol-li Hae-sul" (Erklärung des Prinzips) erschien bereits 1957 in Seoul (nicht übersetzt). Völlig abwegig ist die Behauptung in der Broschüre (S .15), die Göttlichen Prinzipien seien ein "Plagiat" eines Buches mit dem Titel "Basic Principles For Christianity" von Kim Baek-Mun. Bezüglich der "Kritiker", die solches angeblich behaupten, wird auf das "Handbuch Religiöse Gemeinschaften" verwiesen, wo auf S. 822 lediglich von "Ähnlichkeiten" die Rede ist. Von den behaupteten "inhaltliche(n) Parallelen" oder gar einem "Plagiat" steht dort nichts. Dies wäre auch schon deshalb unmöglich, weil die erste Veröffentlichung der Göttlichen Prinzipien vor dem angeführten Buch von Kim Baek-Mun erfolgte.6

Vereinigungskirche und andere Organisationen

Bereits im ersten Satz bekommt der Leser der Broschüre eine unsachliche Auskunft, wenn da steht, "Mun- oder Vereinigungsbewegung" sei eine "Sammelbezeichnung für die 1954 … gegründete Bewegung…" (S. 5) und die Vereinigungskirche sei eine Unterorganisation dieser Bewegung.

Wer Leben und Werk von Rev. Moon beschreiben will, wird diesem Vorhaben nur gerecht, wenn er dabei zwischen der Vereinigungskirche und den später von Rev. Moon initiierten Organisationen und Projekten, wie z. B. "Professors World Peace Academy" (PWPA), "Interreligious Federation for World Peace" (IRFWP), die Hilfsorganisation "International Relief Friendship Foundation" (IRFF), etc. differenzieren kann.

Mitglieder der Vereinigungskirche akzeptieren die Lehre der Göttlichen Prinzipien in ihrer Gesamtheit und erkennen Rev. und Frau Moon als Begründer der "Wahren Elternschaft" 7 an.

Mitglieder der verschiedenen Organisationen identifizieren sich mit den konkreten Zielvorstellungen ihrer jeweiligen Vereinigung. Ihre persönliche religiöse Überzeugung bleibt davon unberührt.

Diese Organisationen haben bei der Verfolgung der Ziele, denen sie sich widmen, vollständige Eigenständigkeit und sind keine Unterorganisationen der Vereinigungskirche – wie in der Broschüre auf S. 5 fälschlicherweise behauptet wird.

Das erklärt, dass renommierte Leute wie die ehemaligen US-Präsidenten George Bush und Gerald Ford, der britische Ex-Premier Sir Edward Heath sowie führende christliche, moslemische oder jüdische Wissenschaftler und hochrangige religiöse Repräsentanten an Veranstaltungen unterschiedlicher Organisationen teilnehmen, "ohne auch nur das geringste obligo auferlegt zu bekommen" (s. Anlage 1, Nr. 5).

Das Bundesverwaltungsamt versucht mittels veralteter Quellen, die schon zu ihrer Zeit ein völlig verzerrtes Bild lieferten, die heutige Vereinigungskirche zu beschreiben.

Während in den 60er und 70er Jahren Straßenmission und Wohngemeinschaften ("Zentren") üblich waren, hat sich hier längst ein grundlegender Wandel vollzogen. Zum einen ist der größte Teil der Mitglieder verheiratet und lebt in Familien, zum anderen proklamierte Rev. Moon zu Beginn der 80er Jahre die Heimkirchenarbeit.

Die Weitergabe der Lehre in Form von Missionsteams stand besonders in der Anfangszeit im Mittelpunkt der Aktivitäten. Seit dem Beginn der Heimkirchenarbeit fordert Rev. Moon die Mitglieder auf, sich dienend in die Umgebung einzubringen, um für die Liebe Gottes Zeugnis abzulegen. Ziel der Aktivitäten ist nicht die Vereinigungskirche selbst, sondern, dass Gott in den Herzen der Menschen wohnen kann, dass seine Liebe in den zwischenmenschlichen Beziehungen praktiziert wird, und dass schließlich eine Welt entsteht, die keine Kirchen – auch keine Vereinigungskirche – mehr braucht.

Dazu sagt Rev. Moon:

"Gottes unveränderliches Ziel ist die Verwirklichung der Welt wahrer Liebe. Die Erfüllung des Zweckes aller Religionen liegt im Erscheinen wahrer Liebe und der idealen Familie. Sollte eine Religion sich einem anderen Ziel widmen oder nur für sich selbst existieren, dann hat sie nichts mit Gott zu tun, so sehr sie auch von Gott reden mag. Gott und die Welt bestehen nicht aufgrund der Religion. Religion wurde ins Leben gerufen, damit der Wille Gottes, die Wiederherstellung ursprünglicher wahrer Liebe und der Welt wahrer Familien, erfüllt werden könnte." 8

 

An anderer Stelle heißt es:

"Sobald wir beginnen, hier auf Erden unser Leben nach dem Willen Gottes zu führen, leben wir bereits im Himmel … Jesus sagt deshalb, dass das Reich Gottes ‘mitten unter uns’ ist." 9

Zu Beginn der 90er Jahre wurde von Rev. Moon der Begriff der "Stammesmessiasschaft" eingeführt. In Anlehnung an das Beispiel Jakobs in der Bibel, der schließlich von Haran zurückkehrte, um sich mit seinem Bruder Esau zu versöhnen, ermuntert Rev. Moon vor allem jene Mitglieder in ihre Heimat zurückzukehren, die in der Anfangszeit bereit waren, sich als Missionare in anderen Ländern einzusetzen.

Als eine weitere Entwicklung sei hier die Gründung der "Familien-Föderation für Weltfrieden" am 1. August 1996 in Washington genannt. Sie:

"will die Familie als moralisches Zentrum der Gesellschaft stärken, weil das Wohlergehen dieser Gesellschaft davon abhängt." (s. Anlage 2, Grundsätze der Familien-Föderation für Weltfrieden)

   

I. 2. Zum Thema "Reich Gottes"

Im Mittelpunkt der Lehre und aller Aktivitäten der Vereinigungskirche liegt das Sehnen nach der Errichtung des Reiches Gottes auf Erden und in der geistigen Welt.

Wie die katholische, die lutherische oder andere christliche Kirchen macht auch die Vereinigungskirche Aussagen zum Staatsverständnis, deren Ansätze in den Göttlichen Prinzipien deutlich werden. Diese Aussagen stellen den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat keineswegs in Frage, sondern sehen im Gegenteil in ihm das Muster für die ideale Welt:

"Das politische System dieses Zeitalters wurde durch die Französische Revolution wiederum in drei Machtbereiche geteilt - Legislative, Exekutive und Judikatur -, …" Indem die politischen Parteien "das verfassungsmäßige politische System der Demokratie errichteten, konnten sie das Muster des Systems einer idealen Welt verwirklichen." (Die Göttlichen Prinzipien, S. 507)

Die "Trennung der drei Machtbereiche (ist) die von der himmlischen Seite geplante ideale Gesellschaftsstruktur." (Die Göttlichen Prinzipien, S. 506)

Rev. Moons Verständnis von Demokratie drückt sich auch in folgendem Zitat aus:

"Was ist Demokratie? Ich möchte, dass ihr eines klar versteht, sie ist ein Geschenk Gottes. Durch die Demokratie kann Er ohne Blutvergießen die himmlische Souveränität von der satanischen Souveränität wiederherstellen." 10

Klar und deutlich ist in den Göttlichen Prinzipien ausgesagt, dass der "Wille des Volkes" – und keinesfalls Mittel der Gewalt – unabdingbare Voraussetzung für die Verwirklichung des Reiches Gottes ist:

"Wenn die Wiederkunft Christi unter der demokratischen Regierungsform stattfindet, die vom christlichen Geist geprägt ist, wird es ihm möglich sein, nach dem Willen des Volkes die Herrschaft Gottes auf Erden aufzurichten und das irdische Himmelreich wiederherzustellen. Wir müssen uns klar darüber sein, dass die Demokratie der Erfüllung der Vorsehung Gottes dient, die Diktatur der satanischen Seite zu zerstören und in Übereinstimmung mit dem Willen des Volkes die Herrschaft Gottes mit dem Herrn der Wiederkunft als Mittelpunkt wiederherzustellen." (Die Göttlichen Prinzipien, S. 479)

Auch an anderen Stellen erläutern die Göttlichen Prinzipien, dass sich religiöse Wahrheitsansprüche und Ziele nicht ohne Mitwirkung jedes einzelnen Menschen oder gegen ihn realisieren lassen. So wird betont, dass jeder Mensch für sich den Weg zur Wahrheitserkenntnis zurückzulegen hat. Erst danach treffen sich

"alle Menschen als Brüder und Schwestern am gleichen Bestimmungsort" und es entsteht eine Welt, "in der die gesamte Menschheit eine große Familie bildet mit Gott als Mittelpunkt." (Die Göttlichen Prinzipien, S.18 f)

 

In § 5 der Satzung der Vereinigungskirche ist folgendes festgelegt:

"Es ist der unmittelbare und ausschließliche Zweck des Vereins, über die kirchlichen, politischen, nationalen, rassischen und sozialen Schranken hinweg, die Menschen der Welt unter Gott zu vereinigen"

 

– und nicht unter Moon, wie die Autoren der Broschüre krampfhaft zu belegen versuchen.

Es ist des weiteren die Tatsache anzuführen, dass Rev. Moon niemals ein politisches Amt angestrebt hat. Es gibt auch nicht das geringste Anzeichen dafür, dass er diesen Grundsatz im Alter von 77 Jahren aufgeben wird.

Unzutreffend ist auch die Behauptung der Broschüre, das Ziel Rev. Moons sei "die Vereinigung der Welt unter seiner Herrschaft" (S. 34) oder eine weltweite "Theokratie", um die Welt zu regieren (S. 35). Der Versuch, diese Behauptungen aus den Göttlichen Prinzipien herzuleiten, ist fadenscheinig. Bei einer sorgfältigen Betrachtung geht dies aus der Lehre eben gerade nicht hervor.

Auch die angeführte Textstelle über den "Dritten Weltkrieg" (Die Göttlichen Prinzipien, S. 529) ist völlig aus dem Zusammenhang gerissen und falsch ausgelegt. Die Aussagen in den Göttlichen Prinzipien über einen Dritten Weltkrieg sind Teile einer Geschichtsinterpretation der Vereinigungskirche. Sie hat bereits in den 50er Jahren davor gewarnt, dass es zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen dem kommunistischen Block und der freien Welt kommen könnte, wenn die Auseinandersetzung nicht auf geistigem Gebiet im Bereich der verschiedenen Anschauungen geführt wird. Daraus abzuleiten, Rev. Moon strebe die "Errichtung einer politischen Weltordnung" an und dies sei "die Beschreibung handfester Vorstellungen auf die Durchsetzung weltlicher Ziele hin" (S. 34), ist völlig absurd.

Prof. Konrad Löw, Politikwissenschaftler an der Uni Bayreuth, kam nach gründlichen Untersuchungen zu folgendem Schluss:

"Es handelt sich um eine massive Irreführung, wenn Moon ohne weiteres der Vorwurf gemacht wird, er predige den Krieg." 11

Auf S. 43 der Broschüre wird – ohne jegliche Quellenangabe – behauptet, die der Vereinigungskirche nahestehende Vereinigung CAUSA organisiere "den Söldnerheereinsatz". Bisher waren Aussagen dieser Art nur in Hetzschriften, wie z. B. aus dem Militärverlag der DDR, und in der Sensationspresse zu finden. Behauptungen über vermeintliche militärische Verwicklungen von CAUSA konnten bereits 1984 einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten12. Solche Verleumdungen haben mit sachlicher Information und Aufklärung, wie im Vorwort der Broschüre beansprucht, nichts zu tun.

Zur Vereinigung der Religionen

Korrekt angeführt ist auf S. 15 der Broschüre, dass das Ziel der Vereinigungskirche "die Errichtung eines Himmelreichs auf Erden" ist. Völlig falsch ist aber der Nachsatz, dies würde die "Vereinigung aller Religionen unter seiner (Rev. Moons, Anm. d. Verf.) Herrschaft" bedeuten.

Aufgrund ihrer großen Wertschätzung für andere christliche Kirchen und andere Religionen ist die Vereinigungskirche weltweit eine der treibenden Kräfte für den interreligiösen Dialog und für das Zustandekommen eines friedvollen Miteinanders der Weltreligionen. Dieses langjährige Engagement wird auch von führenden Vertretern anderer Kirchen und Religionsgemeinschaften anerkannt. Diana Eck, Verantwortliche der Dialogabteilung im Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf und Harvard-Professorin, schreibt beispielsweise:

"Auf weltweiter Ebene müssen wir feststellen, dass eine der Hauptinitiativen für interreligiösen Dialog heute von einer neuen religiösen Bewegung ausgeht - der Vereinigungskirche durch ihre International Religious Foundation, Inc." 13

Hinsichtlich der verschiedenen Religionen bemüht sich die Vereinigungskirche darum, alle in gemeinsamen Anliegen zusammenzuführen, wobei sie gleichzeitig den Wert jeder Tradition anerkennt. Ganz in diesem Sinne hat die von Rev. Moon initiierte "International Religious Foundation" (IRF) 1991 das einmalige Werk "World Scripture" herausgegeben, eine über 900 Seiten starke vergleichende Anthologie heiliger Texte aus den verschiedensten Religionen.14

Diese einschließende und nicht ausgrenzende Einstellung ergibt sich aus den Göttlichen Prinzipien. Dort heißt es beispielsweise auf S. 11, dass

"Philosophie und Religion … Großes geleistet" haben und dass "alle Religionen der Vergangenheit die Menschen ihres Zeitalters, die sich im Dunkel bewegten, erleuchteten …"

 

  

I. 3. Zur Ethik der Vereinigungskirche

Nach den Göttlichen Prinzipien hat Gott den Menschen als sein Ebenbild geschaffen, mit dem er das Ideal der Liebe erleben und verwirklichen will. Da Gott ein freies Wesen ist, muss auch der Mensch Freiheit erhalten, damit er das Potential hat, wahres Kind und Mitschöpfer zu werden. Mit der Freiheit trägt er auch die Verantwortung, nach den Gesetzen und Prinzipien Gottes ein rechtschaffenes Leben zu führen.

Amtliche Täuschung?

Die Vorwürfe des Bundesverwaltungsamts zum Thema "himmlische Täuschung" (auf S. 18ff) beruhen auf den Aussagen dreier ehemaliger Mitglieder, die in den 70er Jahren in den USA mit der dortigen Vereinigungskirche in Berührung gekommen sind, nämlich v. Hammerstein, Hassan und Underwood. Selbst wenn in Oakland eine lokale Gruppe zeitweise zweifelhafte Methoden angewendet haben mag, so traf und trifft das keinesfalls auf die Vereinigungskirche generell zu. Barbara Underwood selbst bestätigt, dass die sogenannte "Oakland family" durch ihre "zweifelhafte Taktik, ohne Genehmigung zu arbeiten", innerhalb der nationalen Vereinigungskirche in Verruf geriet.15 Ihre Methoden waren und sind nicht typisch für die Vereinigungskirche.

Die Broschüre verschweigt des weiteren, dass die Vereinigungskirche in der Vergangenheit Objekt mehrer wissenschaftlicher Studien und Untersuchungen war. In keiner von ihnen wurden die Behauptungen, wie sie von den ausgewählten Ex-Mitgliedern gemacht werden, bestätigt. Im Gegenteil, F. Sontag, Professor für Philosophie, schreibt:

"Es ist ganz klar, dass die Anweisung aus obersten Kirchenkreisen lautet, ehrlich und vorschriftsmäßig zu arbeiten."16

Das Bundesverwaltungsamt führt auf S. 18-21 als Beleg für die angebliche "himmlische Täuschung" die in den Göttlichen Prinzipien (S. 235 und 312ff) erzählte Geschichte von Jakobs Erlangung des Erstgeburtsrechts an. Dort steht jedoch nirgends, dass Gott die Täuschung Jakobs zur Erreichung des Erstgeburtsrechts für richtig erachtet habe, weil sie seinen Zielen diente. Stattdessen heißt es auf S. 314:

"Jakob, der bereits im Mutterleibe die Mission hatte, das Erstgeburtsrecht wiederherzustellen, handelte weise, als er für Brot und ein Linsengericht das Erstgeburtsrecht von seinem Bruder Esau übernahm (1. Mose 25:34). Gott veranlaßte Isaak, Jakob zu segnen, da Jakob das Erstgeburtsrecht schätzte und wiederherstellte. Esau dagegen erhielt keinen Segen, da er das Erstgeburtsrecht verachtete und gegen ein Linsengericht verkaufte (1. Mose 27:27)."

 

Zum Verständnis von Gut und Böse

Der Maßstab von Gut und Böse wird in der Vereinigungskirche nicht dadurch definiert, ob ein Gegenstand, eine Person oder ein Grundstück für die Ziele der Vereinigungskirche vereinnahmt werden kann oder nicht - wie auf S. 18 der Broschüre behauptet wird. Diese Auslegung entspricht in keiner Weise dem Verständnis der Vereinigungskirche, die sich durchaus bewusst ist, dass es Gut und Böse sowohl innerhalb als auch außerhalb ihrer Gemeinschaft gibt.17

Ferner bleiben die aus der Luft gegriffenen Behauptungen unbestätigt, dass es "entsprechend dem ‘Polaritätsprinzip’" nur die Unterscheidung in "Gut" und "Böse" gibt, dass "die Anhänger Muns" immer "auf der Seite des Guten" stünden und dass die Menschheit "außerhalb der Bewegung zum Untergang verurteilt" sei (S. 17f).

Gott schuf diese Welt als eine Welt des Guten und der Harmonie. Die Vereinigungskirche will dazu beitragen, diesen ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Das geschieht in ihrem Selbstverständnis dadurch, dass die Menschen eine göttliche Art der Lebensführung wählen.

In der Ansprache "Jesu Standard des Guten" führt Rev. Moon dazu aus:

"Gottes Definition für das Gute ist völlige Hingabe, völliges Dienen und absolute Selbstlosigkeit. Wir sind dazu bestimmt, unser Leben für unsere Mitmenschen zu leben. Sie leben für andere, und andere leben für Sie. Gott lebt für den Menschen und wir leben für Gott. Der Ehemann lebt für seine Frau und die Frau lebt für ihren Ehemann. Das ist das Gute. Und da gedeihen Einheit, Harmonie und Wohlstand." 18

Wenn Mitglieder der Vereinigungskirche das Reich Gottes beschreiben, meinen sie die Menschheit, die sich freiwillig für die göttliche Art der Lebensführung entschlossen hat.19

I.4. Völlige Verkennung von "Subjekt und Objekt"

 

Die Vereinigungstheologie stimmt mit christlichen Vorstellungen vom Menschen als einem von Gott erschaffenen Wesen mit Freiheit und Verantwortung überein.

Die Göttlichen Prinzipien gehen davon aus,

"dass der Mensch nur Vollkommenheit erreichen kann, indem er aus freiem Willen heraus seinen Teil der Verantwortung erfüllt, wobei nicht einmal Gott eingreifen kann. Daher liegt das Streben nach Freiheit in der ursprünglichen Natur des Menschen. Die ursprüngliche Natur des Menschen strebt nach Unabhängigkeit seiner Persönlichkeit, da er geschaffen war, um als vollkommen unabhängige Persönlichkeit aus freiem Willen heraus seinen Teil der Verantwortung zu erfüllen, Vollkommenheit zu erreichen und eins zu werden mit Gott." (Die Göttlichen Prinzipien, S. 491)

"Als Gott das Universum und den Menschen erschuf, legte er das Prinzip des Lebens als eine selbstlose Beziehung zwischen Subjekt und Objekt fest." 20 (s. Anlage 3)

 

Zentrale Bedeutung kommt dabei den Begriffspaaren "Subjekt und Objekt" und "Geben und Nehmen" zu. Alle geschaffenen Wesen existieren auf Grund von

"Paarbeziehungen von Subjekt und Objekt. Es gibt eine Grundstruktur des Aussendens und des Empfangens zwischen Subjekt und Objekt, wo immer sie durch das Wirken der universalen Primärenergie in Beziehung treten. Dieses Grundmuster wird der Vorgang des Gebens und Nehmens (Wechselbeziehung ) genannt." 21

 

Die dynamische Wechselwirkung zwischen initiierender, ausgebender Subjektposition und erwidernder, unterstützender Objektposition stellt ein Prinzip des Lebens dar. Dabei sind diese Positionen keinesfalls starr oder statisch zu verstehen. Während bei einem Vortrag der Referent zunächst in der ausgebenden Subjektposition und die Zuhörer in der aufnehmenden Objektposition sind, kommen in der anschließenden Diskussion die Zuhörer selbst zu Wort und der Referent wird zum Zuhörer. Die Positionen wechseln.

Die Autoren haben diese Zusammenhänge offensichtlich völlig missverstanden. In der Broschüre wird auf S. 21 ausgeführt, der "Unterlegene" sei immer der "Gebende" oder "das Objekt", der "Höherstehende" sei "Subjekt" und "Nehmer". Bezeichnenderweise fehlt in der Broschüre jeglicher Quellennachweis für diese Unterstellungen. Richtig ist vielmehr das genaue Gegenteil: Die Subjektposition hat ausgebenden, initiierenden und die Objektposition erwidernden, empfangenden Charakter.

Herbert W. Richardson, Professor für Religionswissenschaften an der Universität Toronto, Kanada, schreibt zu diesem Themenbereich:

"Eine Beziehung des Gebens und Nehmens ist eine wechselseitiger, zeitlicher Vorgang von Aktion und Reaktion, der auf beiden Seiten Neues hervorbringt. Solch ein Geben und Nehmen ist überhaupt die Grundlage für eine gesündere Persönlichkeit und für ein menschliches Wachstum." 22

 

Selbst eine hierarchische Struktur schließt nicht automatisch ein gleichwertiges, partnerschaftliches Prinzip aus.

Dr. Paul Schwarzenau, Prof. emer. für evangelische Theologie und Religionswissenschaft, meint zum Gottesbild der Vereinigungskirche:

"Das ist ein Gottesbild, wie es der Würde des Menschen erst voll entspricht und dem modernen Menschen, der auf Partnerschaft und Demokratie angelegt ist, angemessen ist." 23

Frederick Sontag sah die Praxis der Vereinigungskirche bereits Ende der 70er Jahre folgendermaßen:

"Die Beschreibungen in der Presse vermitteln dem Leser den Eindruck, dass die Kirche etwas Militärisches an sich hat … Aus meiner Beobachtung der Arbeit der Kirche betrachte ich es als irreführend. Es gehen keine täglichen Befehle aus. Die Hierarchie ist weitaus weniger strukturiert, und sie ist auch viel flexibler als die einer Militärorganisation, ja sogar flexibler als die der katholischen Kirche … Projekte werden beschlossen und Leiter dafür ernannt; diese sind dann sich selbst überlassen und können das neue Projekt eigenständig betreiben." 24

 

Für die Vereinigungskirche der 90er Jahre gilt dies in noch verstärkterem Maße.

Der bereits oben erwähnte Prof. Konrad Löw kam bei seinen Untersuchungen zu folgendem Schluß:

"In mehreren Gesprächen mit Anhängern Moons habe ich diese Bindung (zu Rev. Moon) nachdrücklich thematisiert. Natürlich ist er für sie die große Autorität. Aber von einem Kadavergehorsam, ein Ausdruck, der seine Entstehung dem vierten Gelübde der Jesuiten verdanken dürfte, könne keine Rede sein. Wollte er sie zu einem unsittlichen Tun verpflichten, würden sie ihn nicht wiedererkennen und demzufolge auch nicht respektieren." 25

Der allgemeine Vorwurf des Bundesverwaltungsamts (S. 18), es herrsche absolute Konformität und es gäbe keinen Freiraum für individuelle Entfaltung, widerspricht also völlig der Lebenswirklichkeit und der Lehre der Vereinigungskirche. Die Mitglieder sind zum größten Teil verheiratet und haben Familien. Sie sind als Arbeitnehmer, Selbständige, Künstler, Studenten und als Mitglieder in verschiedensten gesellschaftlichen Gruppierungen und Vereinen in ihrem sozialen Umfeld verankert. Von einer "ständige(n) Nähe anderer Mitglieder", die angeblich "ein Abweichen unmöglich" macht (S. 22), kann keine Rede sein. Die mit derartigen Behauptungen verbundenen Vorwürfe einer Überwachung der Mitglieder entbehren jeglicher Grundlage.

I. 5. Ehe und Familie

 

Nach Auffassung der Vereinigungskirche ist die Ehe keine menschliche Erfindung und kein Ergebnis sozialer Notwendigkeit, sondern sie ist in Gott begründet. Gott ist vor allem ein Gott des Herzens, ein Gott elterlicher Liebe. Menschen sind, wie es in der Bibel heißt, als Mann und Frau zum Ebenbild Gottes geschaffen und tragen somit das göttliche Potential an Liebesfähigkeit in sich, das in der liebenden Beziehung von Mann und Frau und in der vollendeten Elternschaft die höchste Ausdrucksform findet.

Die Familie ist die Schule der Liebe. In ihr lernen wir die verschiedenen Erscheinungsformen der Liebe: als Kind, als Bruder oder Schwester, als Mann oder Frau und als Eltern. Von unserem Lernerfolg in dieser Schule wird es weitgehend abhängen, welche Beziehungen wir zu den anderen Mitgliedern der Weltfamilie aufbauen und wie wir unsere Rolle als Bürger unserer Nationen und der Welt erfüllen.

Liebende Familien sind somit die Bausteine für eine friedliche Welt, Bausteine für das Reich Gottes auf Erden. Eine harmonische und gesunde Gesellschaft, Nation und Welt kann nur durch harmonische und liebende Familien verwirklicht werden. Die Familie stellt somit die Keimzelle der vollkommenen, von Gott gewollten Welt dar. Wahre Liebe kann am besten in einer Familie realisiert werden, in der Gottes Liebe wohnt. Daher sollen die Beziehungen von Mann und Frau, Eltern und Kindern sowie Brüdern und Schwestern von erfüllter und dauerhafter Liebe geprägt sein.

Wahre Elternschaft, der Ausgangspunkt liebender Familien

Durch den Sündenfall hat sich der Mensch von Gott und Seiner Liebe getrennt. Diese Trennung hat sich bis heute leidvoll ausgewirkt.

Rev. Moon und seine Frau Hak Ja Han sehen ihre Berufung darin, den Fehler Adams und Evas wiedergutzumachen und der Menschheit als Begründer der "wahren Familie", d. h. der auf Gott ausgerichteten Familie, zu dienen und den Grundstein für "wahre Eltern" zu legen. Durch die Segnungszeremonien wird dieses geistige Erbe von Rev. Moon und seiner Frau Hak Ja Han den Paaren weitergegeben. Danach begibt sich jedes Paar selbst auf den Weg, zu wahren Eltern zu werden und wahre Familien zu errichten, die Gottes Ideal wahrer Liebe in der Familie manifestieren.

Sichtbar vollzogen wird dieser Prozess bei der Segnung u. a. in der "Heiligen Wein Zeremonie". Der "Heilige Wein" symbolisiert die Liebe und Abstammungslinie Gottes. Das Trinken des Weines gilt als Zeichen der Versöhnung mit Gott, so dass das göttliche Potential der Liebe im Menschen ohne Hindernisse freigesetzt werden kann.26

In falscher Anspielung auf christliche Traditionen ("Blut Christi") sprechen die Autoren der Broschüre (S. 25) entstellenderweise vom "Trinken von ‘Blut’", wodurch die "satanische Blutslinie gelöscht" werde.

Die Kinder der von Rev. und Frau Moon "gesegneten Paare" werden "gesegnete Kinder" des "gesegneten Paares" und nicht etwa "wahre Kinder" der "Wahren Eltern" (Broschüre S. 25) genannt. Entgegen der Behauptung des Bundesverwaltungsamtes gelten sie nicht als Kinder des Ehepaares Moon. Die Vereinigungstheologie geht davon aus, dass die herkömmliche "natürliche" Familie einer "wahren" (d. h. auf Gott ausgerichteten) Familie entsprechen sollte. Es geht also nicht um die Fragestellung "Welche Familie hat Vorrang?" (S. 26) Vielmehr geht es um ein Sakrament, das die "natürliche" Familie heiligt und ihr somit Stärke und Stabilität verleiht.

Im Gegensatz zu den Aussagen in der Broschüre (S. 26 – "Mun versteht unter ‘Familie’ nicht die Familie im herkömmlichen Sinne"), kommt der Reiligionssoziologe Prof. Günter Kehrer zu einem völlig anderen Schluss:

"Es ist gewiss keine überpointierte Feststellung, wenn man das Ethos der Familie als das zentrale Moment des unifikatorischen Ethos bezeichnet. Die Familie als soziale Institution ist von höchster Relevanz für die Vereinigungskirche … Während im Arbeitsethos der Vereinigungskirche und nicht zuletzt bei Moon selbst eine äußerst geglückte Synthese von ostasiatischem Fleiß und puritanischer Betriebsamkeit vorzuliegen scheint, ist dies in der Familienvorstellung nicht gegeben. Hier dominiert vollkommen das westliche Familienideal." 27

Bei der Segnung verspricht jedes Paar, Gott und einander eheliche Treue zu halten, gute Eltern und eine Familie zu werden, die durch ein Leben zum Wohle anderer zu einer Welt der Kultur des Herzens beiträgt (s. Anlage 4). Diese Eheversprechen sind nicht "im wesentlichen ein Gelöbnis an Mun", wie in der Broschüre auf S. 28 fälschlich behauptet wird.

Da die Broschüre nicht auf die Geschichte der Segnungen eingeht, fehlt ihren Darstellungen von "Matching" und "Segnung" jeglicher Bezug zur heutigen Praxis.

Die Geschichte der Segnungen

Viele Mitglieder der Vereinigungskirche betrachten es als ein großes Privileg, einen Vorschlag für ihren Partner von Rev. Moon zu erhalten (sogenanntes "Matching"). Es steht jedem frei, diesen Vorschlag anzunehmen oder abzulehnen.

Bei der Segnung im Jahre 1992 nahmen zum ersten Mal auch Angehörige anderer Religionen teil. Im August 1995 – Segnung von 360.000 Paaren – erhielten nur noch ca. 10 % der Paare von Rev. Moon einen Partnervorschlag. Etwa 90 % der Teilnehmer waren bereits verheiratete Paare, darunter ein Großteil aus anderen Religionen. Es wurde und wird nicht erwartet, dass sie ihr Religionsbekenntnis wechseln.

Seit Anfang 1997 werden Geistliche anderer Kirchen und Religionen eingeladen, zuerst selbst an einer Segnung teilzunehmen. Anschließend können sie in ihren Gemeinden Segnungszeremonien durchführen.

Das Frauenbild in der Vereinigungskirche

Der Frau kommt in der Vereinigungskirche der gleiche Wert wie dem Mann zu. Gemeinsam offenbaren sie die beiden ursprünglichen Aspekte des Wesens Gottes.

"Um Gottes zweiten Segen erhalten zu können, sollten Adam und Eva … persönliche Vollkommenheit erreichen und damit Gottes Polarität vollkommen reflektieren, dann als Mann und Frau in der Ehe eine Einheit bilden, Kinder zeugen und somit die Grundlage der vier Positionen auf der Familienebene mit Gott als Mittelpunkt errichten." (Die Göttlichen Prinzipien, S. 62)

Die Frau, auch in ihrer Rolle als Mutter, erfährt in der Vereinigungskirche besondere Wertschätzung. Völlig falsch ist hingegen die Behauptung in der Broschüre (S. 28), wonach sich ihre Rolle auf "das Gebären und die Aufzucht der Kinder" reduziere.

Am 11. November 1992, bei ihrer Ansprache in Frankfurt anlässlich der Gründung des deutschen Zweiges der "Frauen Föderation für Weltfrieden", erläuterte Frau Hak Ja Han Moon dazu:

"Wir sind Frauen, vereint in der Anstrengung, eine bessere und sicherere Welt für unsere Kinder und Familien zu schaffen … Unsere Familien und unsere Kinder sind Opfer einer Kultur, die in erster Linie betont, für das eigene Vergnügen zu leben … Als Frauen weisen wir die Ideologien der Vergangenheit zurück, die die Menschen unterdrückt haben. Wir sind einig in unserer Sehnsucht, Kriege, Unterdrückung und Ausbeutung aus dieser Welt verschwinden zu lassen und das Kommen einer Zukunft der wahren Freiheit, des Friedens und des Wohlstandes zu beschleunigen." 28

 

Weltfrieden durch liebende Familien.

Es ist bezeichnend, dass der Vereinigungskirche ein Ehepaar vorsteht, nicht ein einzelner Mann oder eine einzelne Frau. In Zusammenarbeit und in sich ergänzender Weise sollten Männer und Frauen in der Gesellschaft die vielseitigen Probleme lösen. Große Verantwortung tragen sie in der Erfüllung der Elternschaft, denn die Familie hat sich für eine gedeihliche Zukunft als unersetzlich erwiesen. Familien, die auf Gott ausgerichtet sind und in denen die Liebe Gottes erlebbar gemacht wird, werden zu einem Ort der Geborgenheit und des stärkenden Zusammenhalts, ohne den es auch dem modernen Menschen schwer wird, sein Leben zu meistern. In der Gründung solcher Familien sieht das Ehepaar Moon seinen besonderen Beitrag zur Lösung der anstehenden gesellschaftlichen Probleme. Aus solchen Familien können Menschen heranreifen, die in Freiheit und Verantwortung ihre Aufgabe annehmen und erfüllen. Dadurch wird es der Menschheit schließlich möglich werden, in Frieden als Brüder und Schwestern, verbunden mit Gott, zusammenzuleben.

II.

Methodische Mängel

Die schwerwiegenden inhaltlichen Fehler der Broschüre beruhen nicht nur auf der einseitigen Auswahl und Interpretation von Quellen und Literatur seitens des Bundesverwaltungsamtes. Sie sind auch das Ergebnis schlampiger Recherchen und äußerst mangelhafter Quellenarbeit. Die folgende Auflistung bietet lediglich eine Auswahl gröbster Fehlleistungen. Fußnoten (FN) und Seitenzahlen (S.) beziehen sich im folgenden Text auf die Broschüre des BMFSJ.

 

II.1. Sinnentstellte Zitate aus der Literatur der Vereinigungskirche und mangelnde Kompetenz für Religion und Theologie

 

Religiöse Schriften sind nicht immer aus sich selbst verständlich. Sie bedürfen der Interpretation und Erläuterung. Bezüglich des Alten und Neuen Testamentes ist dies eine Binsenweisheit. Hunderttausende theologischer Schriften geben Zeugnis davon. Wer Bibelstellen verstehen will, kommt an solchen Interpretationen nicht vorbei. Es wäre allerdings absurd, wenn man bei den Deutungsversuchen nicht das Verständnis der Gläubigen berücksichtigen wollte, sondern sich stattdessen nur auf Anklagen ihrer Gegner stützen würde. Genau dies tun die Verfasser mehrfach, wenn sie Deutungen der Lehre der Vereinigungskirche verkünden, die unzutreffend sind und von ihren Mitgliedern nicht geteilt werden.

Sündenfall

Als "christliche" Vorstellung des Sündenfalls wird vom Bundesverwaltungsamt (S. 15) der "Ungehorsam der ersten Menschen Adam und Eva" beschrieben, die "trotz des göttlichen Verbots Äpfel vom Baum der Erkenntnis gegessen haben sollen". Offenbar ist den Verfassern nicht bekannt, welch intensive Diskussionen in Theologiekreisen über diese Frage seit Jahrhunderten geführt wurden und dass "Äpfel" jedenfalls nicht mehr "in" sind.

Jakob und Esau

Wer die Lebensgeschichte von Jakob und Esau – den Anweisungen des Bundesverwaltungsamtes auf S. 19 folgend – unter "vgl. Altes Testament, 2. Moses" sucht, wird sicherlich nicht fündig werden. Die richtige Bibelstelle lautet: 1. Mose, Kapitel 25 ff.

Jesus und Johannes

Auf den Seiten 382–411 der Göttlichen Prinzipien wird Gottes Vorsehung mit Jesus ausführlich erläutert. Dort heißt es u. a.:

"Jesus kam als der einzige Sohn Gottes und Herr der Herrlichkeit und sollte ursprünglich nicht den Leidensweg gehen … Da jedoch Johannes der Täufer, der eigens für die Mission geboren wurde, den Weg des Herrn zu ebnen …, versagte, seine Mission zu erfüllen, mußte Jesus selbst die Leiden auf sich nehmen, die Johannes der Täufer für ihn tragen sollte." (S .388)

Die Broschüre (S. 14, FN. 43) verdreht Ursache und Wirkung, indem sie behauptet, "Jesus… habe… versagt. Durch seinen frühzeitigen Kreuzestod sei es Jesus nicht gelungen, die physische Wiederherstellung zu vollenden".

Autorität

Die bei Religionen durchaus nicht ungewöhnliche höchste Autorität eines Religionsgründers in Glaubensfragen ("As in all aspects of our life of faith, True Father’s words have final authority", The Tradition S. X) wird in der Broschüre (S. 16, FN 56) verfälschend pauschaliert: "Innerhalb der Vereinigungsbewegung gilt Mun als die absolute Autorität." Es ist völlig abwegig, einen Alleinherrschaftsanspruch von Rev. Moon zu konstruieren. Um die angeblich "autoritäre Führergestalt" Rev. Moon zu illustrieren, wird auf S. 16 so getan, als ob eine Stelle aus den Göttlichen Prinzipien sich einzig auf ihn beziehen würde. "Dieser Mensch… wird daher zum Tempel Gottes und somit zu einem göttlichen Wesen. Er hat also göttlichen Wert." Aus dem vollständigen Zitat und dem Gesamtzusammenhang ist jedoch klar erkennbar, dass sich diese Sätze grundsätzlich auf jeden (!) Menschen beziehen, der im Einklang mit Gott lebt, und dass sie eine Erläuterung der Worte Jesu darstellen. Zum einen wird von den Autoren der Broschüre der Nebensatz " (dieser Mensch) der den Zweck der Schöpfung erfüllt" weggelassen. Zum anderen wurde der Verweis auf den 1. Korintherbrief 3,16 einfach gestrichen – ohne dies kenntlich zu machen. Auch der sich anschließende Satz fehlt: "Jesus sagte: Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist (Matth. 5:48)".

Dem gleichen "Kurzschluss" unterliegt die nächste Behauptung (S. 16, FN. 60), nach der sich Rev. Moon befähigt fühle, "das gesamte Universum zu regieren". Auch hier werden die Aussagen der Göttlichen Prinzipien (GP, S. 61, 63) entstellt. Denn Gottes Auftrag in der Genesis: "Macht euch die Erde untertan" verstehen sie als "dritten Segen" für alle Menschen: "Gottes dritter Segen bestätigt die Vollkommenheit der menschlichen Qualifikation, das gesamte Universum zu regieren." (GP, S. 63)

Historische Personen

Unzutreffend ist, welche Bedeutung die Broschüre (S. 17, FN. 64) Begriffen wie "Champion Gottes" oder "Soldaten Gottes" unterschiebt. Rev. Moon (Christianity in Crisis S. 39, S. 128) bezeichnete damit in einer öffentlichen Ansprache in Washington D. C. historische Personen wie Noah, Abraham, Jakob, Mose oder Jesus und forderte alle Zuhörer auf, zu eben solchen "Champions" für die Erlösung der Welt zu werden. Die Broschüre jedoch leitet aus diesen Begriffen ab, dass die Anhänger der Vereinigungsbewegung glauben, den "einzigen Schlüssel zu einem erfüllten Leben zu besitzen". Dazu jedoch findet sich weder in Rev. Moons Ansprache noch in den beiden anderen hier zitierten Quellen (Fraser-Report, Göttliche Prinzipien) irgendein Anhaltspunkt.

Anwerbung

Es wird fälschlicherweise behauptet, jedes Mitglied der Vereinigungsbewegung müsse "durch die Anwerbung ‘geistiger Kinder’ den eigenen geistigen Entwicklungsstand demonstrieren…" (S. 20, FN. 79). Neben der Quelle "Karow", bei der sich mehrere Fragmente dieser Aussagen in einer Aufzählung von Drittquellen wiederfinden, wird in FN. 79 als überraschender Beleg ein Sammelband mit Ansprachen Young Whi Kims (eines frühen Nachfolgers Rev. Moons) angegeben. In den acht Zeilen der angegebenen S. 54 finden sich freundliche Anmerkungen über spanische Mitglieder und die Aussage: "When we achieve good results, we will have a reason to celebrate." Die Behauptung des Bundesverwaltungsamtes ist unzutreffend und wird durch solche "Belege" auch nicht gestützt.

"Gelöbnis"

Zu Behauptungen im Zusammenhang mit dem mittlerweile veralteten "Gelöbnis" (S. 22-24) wird in FN. 90 das gesamte Buch "The Tradition" (insgesamt 225 Seiten!) als "Beleg" angegeben. Eine düstere Drohung – wie: "Wird der Gelöbnisschwur gebrochen, sollen das Mitglied und seine Familie Satan anheimfallen" – ist dort nirgendwo zu finden.

Stattdessen heißt es im Vorwort (The Tradition S. X):

"… the most important condition for the fulfillment of any tradition is the heart with which one acts, not the external form of the ritual itself. … Ours is a movement of heart, and one’s restoration through Principle is not predicated upon the strict external observance of ceremony."

 

Entscheidend ist für die Vereinigungskirche also nicht die strikte Einhaltung eines Rituals, sondern die innere Einstellung, d. h. die Herzenshaltung des einzelnen.

Weltfamilie

Wieder werden (S. 36, FN. 138) die Göttlichen Prinzipien (S. 574) herangezogen, um das "Weltreich Muns" begründen zu können. Von solch einem Weltreich ist dort allerdings keineswegs die Rede. Es handelt sich vielmehr um eine auf Gott ausgerichtete Weltfamilie (vgl. I. 5.). Wenn in der Vereinigungskirche von Vereinigung von Sprache und Kultur gesprochen wird, ist damit eine Umkehrung der im Alten Testament beschriebenen babylonischen Sprachverwirrung gemeint. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass auf diese Weise die vielfältigen Spannungen zwischen den Menschen – für die die babylonische Sprachverwirrung lediglich ein alttestamentarisches Bild ist – überwunden werden können.

 

II.2. Meinungen und Gerüchte

 

Was heißt "CAUSA"?

Das Bundesverwaltungsamt behauptet, die "frühere Bezeichnung" von CAUSA sei "Combattants Against Universal Soviet Aggression" (S. 5). Als Quelle wird das "Handbuch Religiöse Gemeinschaften, S. 821" angegeben. Auf S. 821 steht jedoch nichts darüber. Allerdings findet man auf S. 833 (!) die folgende Aussage: "Manche Experten meinen, ‘CAUSA’ könne auch bedeuten: ‘Combattants Against Universal Sowjet Aggression’". Das Handbuch weist also nur auf einen Deutungsversuch ungenannter "Experten" hin. Es wird jedoch zweifelsfrei nicht behauptet, dass dies die tatsächliche CAUSA Bezeichnung gewesen sei. Bei auch nur geringer Sorgfalt war dies auch für die Verfasser der Broschüre erkennbar. Fakt ist, dass CAUSA von Anfang an unter dem Namen "Confederation of Associations for the Unity of the Societies of the Americas" gegründet wurde. Mit der Ausbreitung der Aktivitäten über den amerikanischen Bereich hinaus wurde der Name in seiner lateinischen Bedeutung von "Ursache, Grund" verwendet. CAUSA steht also für die Erste Ursache des Universums, Gott.

Vermutungen als Tatsache

In der Broschüre wird als feste Tatsache behauptet, Rev. Moon habe in den 50er Jahren "erneut" geheiratet, nämlich zum zweiten Mal. Dies trifft nicht zu. Die einzige Quelle (FN. 17, Minhoff/Lösch, S. 71) führt dies auch nur als unbewiesene Vermutung von Kritikern an. Nach Minhoff/Lösch "soll er im Oktober 1954 erneut geheiratet haben…", und zwar zum dritten Mal. Dabei beziehen sich die Autoren auf Hauth, Vereinigungskirche, S. 12f. Dort fand die vermeintliche Hochzeit im Oktober 1955 statt. Fakt ist: Rev. Moon heiratete 1945 zum ersten Mal und ist seit 1960 mit Hak Ja Han Moon verheiratet.

"Wahre Christen"

Die Broschüre (S. 22, FN. 88) behauptet: "‘Wahre Christen’ sind im Sprachgebrauch der Bewegung nur die Anhänger Muns." (Hervorhebung d.Verf.) Um diesen angeblichen Exklusivanspruch zu entlarven, werden vergeblich zwei Primärquellen bemüht: In den Göttlichen Prinzipien, S. 151, wird nichts dergleichen ausgesagt. In der zweiten Quelle, einer Ansprache Rev. Moons (Christianity in Crisis, S. 157) taucht nicht der Begriff "Wahre Christen" auf, sondern "reborn Christians".

In der dritten Quelle, einer Analyse des Philosophen und Theologen Frederick Sontag, lesen wir auf S. 162:

"Perhaps the first thing to understand is that the Unification Church considers itself to be a ‘new Christianity’" – (Man muß vielleicht als erstes verstehen, dass die Vereinigungskirche sich als eine neue Christenheit’ betrachtet). (Hervorhebungen d.Verf.)

 

"Wiedergeburt"

Die gleichen Quellen (FN. 88) sollen für die Aussage auf S. 22 der Broschüre herhalten, dass man durch die "geistige Wiedergeburt während der Adoption" als "wahre Menschen" und "Kinder der ‘Wahren Eltern’ wiedergeboren" würde. Was mit "geistiger Wiedergeburt während der Adoption" überhaupt gemeint sein soll, bleibt das Geheimnis des Bundesverwaltungsamtes. Diese Formulierung ist in der Theologie der Vereinigungskirche unbekannt.

Romanhaft

Zusätzliche Zweifel an der Seriosität der vom Bundesverwaltungsamt verwendeten Literatur weckt der Hinweis auf einen "Roman über eine Jugendsekte", der auf S. 52 als "Literatur über die Vereinigungsbewegung" empfohlen wird.

 

II.3. Weitere mangelhafte Quellenarbeit

 

Ungenaue Quellenangaben

Wie ungenau bei der Abfassung der Broschüre gearbeitet wurde, zeigen u. a. die Fußnoten 22, 90 und 115. Dort verweist das Bundesverwaltungsamt auf ganze Bücher und überlässt es dem Leser, in Hunderten von Textseiten nach der genauen Belegstelle zu suchen.

Fußnote 31 verweist unbestimmt auf "Wahlpropagandamaterial" (ohne Jahresangabe).

In Fußnote 32 sind mit "S. 129ff" wohl folgende Seiten zusammengefasst: S. 139 ("Negativschlagzeilen") und S. 164 ("Pressearbeit" und "Hausmission").

Fehlerhafte Quellenangaben

• Wer gemäß der Fußnote 23 nähere Angaben über einen Prozess gegen Rev. Moon sucht, findet in der Quelle "H. Obst" an der angegebenen Stelle lediglich ein Bild von Scientology-Gründer Ron Hubbard an Bord seiner Yacht!

Mysteriös sind die Fußnoten 41, 42 und 46. Sie verweisen alle auf einen Aufsatz des Religionswissenschaftlers Rainer Flasche in dem Buch "Das Entstehen einer neuen Religion – Das Beispiel der Vereinigungskirche" (Hrsg.: Günter Kehrer). Unter FN. 41 findet man jedoch nur einen Aufsatz von David Bromley & Anson Shupe, unter FN. 42 und 46 einen Aufsatz von Bert Hardin & Wolfgang Kuner.

• Ähnlich verhält es sich mit der Fußnote 89, die u. a. auf einen Artikel von "Seel, in Becker/Schreiner, Wahn oder ….S.32ff" verweist. Dort aber schreibt eine "Sibylle Wahmhoff".

• In Fußnote 47 wird u. a. auf die koreanische Theologin Young Oon Kim hingewiesen, die in ihrer "Vereinigungstheologie" auf S. 260 das Thema "wahre Eltern" bzw. "wahre Familie" erhellen helfen soll. Dort findet sich jedoch nichts darüber.

• Auf S. 17 behauptet das Bundesverwaltungsamt: "Jedes Mitglied glaubt, einen Beitrag zur Welterrettung leisten zu können, wenn es die Bedingungen der Gruppe erfüllt und zum Dank für seine Bemühungen durch Mun adoptiert wird." Fußnote 66 soll diese Aussage erhellen. Doch in zwei der genannten Quellen steht überhaupt nichts über die Mitglieder der Vereinigungskirche. Und in der dritten beschreibt Prof. Frederick Sontag u. a., dass es das Lebensziel der Mitglieder ist, "Gottes Freude wiederherzustellen".

• Fußnote 77 soll die falsche Aussage belegen, dass ein internationales Missionsteam – "International One World Crusade (IOWC)" – sich "ausschließlich mit den weltweiten Einsätzen der Fundraising-Teams befaßte". Auf den zitierten drei Seiten des Fraser-Reports (S. 42, 52, 64) sind derartige Aktivitäten des Teams nicht erwähnt. Richtig ist vielmehr, dass es überwiegend mit missionarischen Aktivitäten betraut war und auch zahlreiche kulturelle Veranstaltungen durchführte.

• Wer mehr über die angeblich "aufdringlichen" (S. 30, FN. 107) oder gar "aggressive(n)" Werbemethoden erfahren will, wird beim Studieren der Quelle ins Grübeln kommen. Dort wird vom "Babyboom", von "neuen Zeitschriften", dem "Rückzug ins Private" und von einer "Aktion bei Rupert Mayer" in der Münchner Fußgängerzone berichtet.

• Nähere Information über Rev. Moons neue "Tageszeitung", die in "19 Staaten Nord- und Südamerikas erscheinen soll", verspricht Fußnote 148. Dort heißt es jedoch lapidar: "vgl. FN 148".

• Die völlig abstruse Theorie, wonach "Mun versucht", ein "staatenähnliches, weltweites Gebilde zu errichten", in der die "Nation der ‘wahren Christen’" sein "Staatsvolk" sein soll (FN. 163), soll durch drei Verweise auf das Buch "The Tradition" belegt werden. In einem (S. 73ff) wird die Fahne, im zweiten (S. 59ff) Gebetsplätze der Vereinigungskirche beschrieben. Auf S. 45/46 schließlich wird über "Holy Songs", also über die Kirchenlieder berichtet. Besonders erwähnt werden acht dieser tiefreligiösen Lieder, die Rev. Moon in den fünfziger Jahren unter "Tränen und Gebet" geschrieben hat. Schlußfolgerung der Broschüre: Diese acht stünden als "Hymne" zur Verfügung. Das Buch "The Tradition" beschreibt religiöse Rituale und Traditionen der Vereinigungskirche, z. B. zu Themen wie Geburt, Heirat, Tod, Gebets- und Glaubensleben. Daraus politische Ziele welcher Art auch immer abzuleiten, ist völlig absurd. Zudem ist es einfach unsinnig, Gebetsplätze, wie sie sich im Frankfurter Grüneburgpark, im Berliner Tiergarten oder anderen öffentlichen Plätzen befinden, als "staatenähnliche Gebilde" zu bezeichnen. Mit sachlicher "Information und Aufklärung" (S. 3 der Broschüre) hat dies nun wirklich gar nichts mehr zu tun.

 

Sinnverdrehte Quellen

Unklar (FN. 121)

Bei der ausdrücklich als wörtliches Zitat gekennzeichneten "Aussage in einem Gerichtsverfahren" fehlt jeglicher Verweis auf die entsprechende Gerichtsakte. Es handelt sich in der ersten Quelle (Underwood, S. 166) anscheinend um die Wiedergabe eines Gespräches mit einem Ex-Mitglied, die aus der Erinnerung des Gesprächspartners niedergeschrieben wurde. In der zweiten Quelle ist diese "Aussage" überhaupt nicht zu finden.

Falscher Anschein

Mit der vagen Formulierung auf S. 29, "Mun soll von seinen Mitgliedern verlangen, ‘wahre Kinder’ an andere Ehepaare abzugeben", vermeidet das Bundesverwaltungsamt zwar eine unhaltbare Tatsachenbehauptung, kolportiert aber ein Gerücht und erzeugt den falschen Anschein einer erzwungenen Adoption. Wer bei den beiden zitierten "Sektenexperten" nachliest (FN. 105), begreift die dreiste Verdrehung: Keiner von beiden unterstellt Zwang, einer schreibt sogar explizit, dass die Vereinigungskirche die persönliche Entscheidung jeder Familie, "auf die die Organisation keinen Einfluss nimmt", respektiert und niemanden drängt.

Dreimal daneben

Um die Behauptung zu erhärten, dass "Kritiker" die "Göttlichen Prinzipien" als ein "Plagiat" bezeichnet hätten, werden drei Quellenangaben (FN. 50, 51, 52) bemüht. Dabei handelt es sich jedoch immer um dieselbe Quelle: Handbuch Religiöse Gemeinschaften, S. 822ff. Dort ist aber weder von "Kritikern" noch von "Plagiat" die Rede (vgl. I.1. Zur Geschichte der Vereinigungskirche und ihres Gründers).

Keine "Kerzenrauch-Bepustungs-Zeremonie" (FN. 92)

"Alle Gegenstände … müssen mit Salz bestreut oder Kerzenrauch bepustet werden." Als Beleg wird das Buch "The Tradition", S. 8ff, angegeben. Dort geht es um Gebetsräume, in denen auch Kerzen und "Heiliges Salz" Verwendung finden. In Kapitel 8 wird erklärt, wie man mit Heiligem Salz Gegenstände segnet (ähnlich dem Weihwasser in der katholischen Kirche) oder – alternativ – Speisen dreimal anhaucht ("blow softly three times on our food instead"). Eine "Kerzenrauch-Bepustungs-Zeremonie" gibt es in der Vereinigungskirche nicht!

Verheimlichte Quellen

Schamhaft verschwiegen?

Die Broschüre (S.12) berichtet über Aktionen der Hochschulvereinigung CARP gegen die Teilung Deutschlands. Die Informationen dazu finden sich aber nur teilweise unter der zitierten Quelle (FN. 34). Den Rest haben die Autoren offensichtlich bei Gandow (S. 102) abgeschrieben, ohne dass dies angegeben wäre.

Engelsgleich ?

"‘Engelsgleich’ bedeutet schlicht ‘böse sein’, denn Satan war ein gefallener Engel" (Broschüre, S. 22). Dieser Unsinn wurde – ohne Quellenangabe – bei Hans-Joachim Rosina, "Faszination und Indoktrination", (S. 169) abgeschrieben.

Zusammengeflicktes "Zitat"

Die Fußnote 48 sollte dem Leser eigentlich die Herkunft einer wörtlich zitierten Aussage Rev. Moons erklären. Drei Quellen werden genannt, zwei erwähnen das Zitat überhaupt nicht. In der ersten Quelle findet sich nur der erste Satz des Zitats, allerdings auf Englisch (Christianity in Crisis, S. 94). Die Herkunft der übrigen Sätze bleibt im Dunkeln. Wurde dieses "Zitat" aus ungenannten Quellen selbst zusammengeschustert?

Versiegte Quellen

Tägliche Rituale?

Auf S. 22 der Broschüre ist von einer "Ritualisierung des täglichen Lebens" die Rede. Abgesehen davon, dass jede Religion Rituale kennt, und diese keineswegs – wie unterstellt – "zu einer weiteren Ausgrenzung der Umwelt" führen, können die Autoren kein einziges Ritual anführen, das in der Vereinigungskirche "täglich" wiederholt werden müsste.

Normen und Bestrafung ?

Ebenfalls auf S. 22 heißt es: "Die gruppenspezifischen Normen lassen keinen Freiraum für individuelle Entfaltung. Durch die ständige Nähe anderer Mitglieder wird ein Abweichen unmöglich oder die Bestrafung der Gruppe erfolgt auf dem Fuß." Diese Behauptungen sind völlig unzutreffend und im übrigen realitätsfern, wenn man bedenkt, dass über 80 % der deutschen Mitglieder Familien haben und ihren eigenen Haushalt führen. Dementsprechend fehlen jegliche Belegstellen.

 

Fehlerhafte Zitate

Falscher Untertitel

Unter "Literatur der Vereinigungsbewegung" (S. 51) wird eine Zeitschrift "Neue Perspektiven – Magazin der Vereinigungsbewegung" erwähnt. Richtig heißt sie jedoch: "Neue Perspektiven – Magazin für Spiritualität, Familie und Weltgestaltung".

KCIA-Mythos

(FN. 164 = Fraser-Report, S. 73ff) Auf S. 41 der Broschüre wird der falsche Eindruck erweckt, als hätte "der koreanische Geheimdienst die Grundorganisation der Vereinigungsbewegung geplant" und sie "für seine Dienste nutzen" wollen. Richtig ist, dass die "Heilig Geist Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums" in Korea bereits jahrelang bestand, bevor der KCIA gegründet wurde oder der erwähnte Kim Jong Pil an die Macht kam.

Selbst im Fraser-Report (S. 73) steht: "Der Begriff ‘organisiert’, wie er in dem Bericht benutzt wird, ist insoweit unrichtig, als er gleichbedeutend mit ‘gegründet’ ist oder besagt, dass Kim Jong Pil die Moon-Bewegung ins Leben gerufen habe."

Unzutreffend ist im übrigen auch die Behauptung in der Broschüre, Rev. Moon sei ein Freund Kim Jong Pils gewesen und dieser einer seiner Anhänger.

Unauffindbar

"Deshalb werden alle Religionen vereinigt werden, indem sie sich dabei auf das Christentum ausrichten". Dieses auf S. 14 angeführte angeblich wörtliche Zitat findet sich so nicht in den angegebenen Quellen (FN. 46), weder in den Göttlichen Prinzipien (S. 222ff) noch in Zeitenwechsel (S. 41f).

"Weiterführende Literatur …"?

Für den Leser völlig unbrauchbar sind die auf S. 53 gemachten Hinweise auf folgende Publikationen: "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Giessener Allgemeine, Tageszeitung", "Giessener Anzeiger, Tageszeitung", "IPS – Dritte Welt Nachrichtenagentur", "Top-Business, Monatsmagazin". Jeglicher Hinweis auf die konkrete Ausgabe der angegebenen Quelle fehlt.

Dagegen fehlen die in der Broschüre zitierten Quellen "Hassan" (13 x zitiert) und "Eimuth" (1 x zitiert) in der Literaturliste völlig!

 

II.4. Schlampige Recherchen

 

Staatliche Anerkennung verschwiegen

Bezüglich des von Rev. Moon initiierten "Unification Theological Seminary" (UTS) in Barrytown, New York wird auf S. 17 behauptet: "Die Absolventen werden überwiegend in ‘Fundraising’ (Geldbeschaffung) und ‘Hausmission’ trainiert." Bei der Überprüfung der Belegstellen (Lindner und Karow) stellt sich heraus, dass sich Karow auf Lindner bezieht. Bei Lindner handelt es sich lediglich um eine Fußnote in einem Beitrag aus dem von Prof. Kehrer 1981 herausgegebenen Buch "Das Entstehen einer Religion". Dort heißt es: "Die Studenten verbringen jetzt einen Großteil ihrer Arbeit bei der Heimkirchenarbeit und beim ‘Fundraising’" (Kehrer, S. 224, FN 24). Aus dieser alten und inhaltlich unkorrekten Fußnote wird in der Broschüre eine offizielle Verlautbarung eines Bundesministeriums. Völlig unberücksichtigt bleiben folgende Tatsachen: Das UTS bietet ein Graduiertenprogramm mit einem Abschluß als Master of Religious Education bzw. Master of Divinity an. Die genannten Abschlüsse sind vom Erziehungsministerium des US-amerikanischen Bundesstaates New York anerkannt worden, das dem UTS am 21.11.1986 die vorläufige und am 17.1.1990 die endgültige staatliche Anerkennung verlieh (s. Anlage 5).

Geographieschwäche?

1995 unternahm Rev. Moon nicht, wie auf S. 9 behauptet, eine "Missionsreise" nach Russland. Er besuchte lediglich Kiew, die Hauptstadt der Ukraine.

Verwechslung

London ist nicht, wie auf S. 15 angeführt, der Geburtsort von Emanuel Swedenborg, sondern sein Sterbeort. Geboren wurde er 1688 in Stockholm.

Statistischer Mittelwert? (FN. 25)

Das Bundesverwaltungsamt schreibt: "Schon 1964" wurden die ersten deutschen Mitglieder der Vereinigungskirche "als Missionare nach Deutschland und Österreich gesandt". Die Belegstelle nennt korrekterweise das Jahr 1963 für Deutschland und 1965 für Österreich.

Falsches Datum (FN. 27)

Als Gründungsdatum der deutschen Vereinigungskirche weist die Quelle richtig den "11.12.64" aus. Die Broschüre macht daraus "November 1964".

Erworben oder gegründet? (S. 37)

Das Bundesverwaltungsamt behauptet, Rev. Moon habe "Anfang der 70er Jahre" die Tageszeitung "Washington Times" erworben. Fakt ist, dass diese Zeitung im Jahre 1982 (!) von ihm gegründet wurde.

Kleiner Hinweis (FN. 126)

Die Textstelle, die aus den "Göttlichen Prinzipien" zitiert wird, findet sich auf S. 574 und nicht – wie angegeben – auf S. 547.

II.5. Veraltete Informationen

 

Das Bundesverwaltungsamt erwähnt das "Forum für geistige Führung" (S. 5) als bestehenden Teil von CAUSA e.V. Richtig ist jedoch, dass dieses Forum unmittelbar im Anschluss an die Überwindung der Teilung Deutschlands seine Arbeit beendet hat.

Als angeblich "weiterführende Literatur" wird allgemein – ohne jegliche genauere Angabe – das schon vor Jahren eingestellte Wochenmagazin "Quick" empfohlen (S. 54).

Das auf S. 24 abgedruckte Gelöbnis der Vereinigungskirche (nicht der "Munbewegung"!) wird seit dem 1.5.1994 nicht mehr verwendet. Entsprechend der Weiterentwicklung der Vereinigungskirche gilt seit dem 40. Jahrestag ihrer Gründung das neue "Familiengelöbnis" (siehe Anlage 6). Bei auch nur geringer Sorgfalt hätte das Bundesverwaltungsamt erkennen müssen, dass zwei der von ihm zitierten Bücher (Vereinigungskirche e.V., Hrsg., Gottes Herz Heilen; Eimuth, K.-H., Sektenkinder) bereits auf den neuen Text hinweisen.

 

III.

Noch ein Wort zu den Quellen

Woher das Bundesverwaltungsamt seine Fehlaussagen und Fehlinterpretationen bezieht, wird deutlich, wenn man sich einige der herangezogenen Quellen genauer ansieht.

 

III.1. Fraser-Report des ‘Subcommittee for Foreign Relations’

 

In wesentlichen Teilen seiner Argumentation stützt es sich auf den sogenannten Fraser-Report. Dieser stammt aus dem Jahre 1978. Der US-Kongreßabgeordnete Donald M. Fraser wollte den Untersuchungsausschuß für internationale Beziehungen, dessen Vorsitzender er damals war, als Sprungbrett für seine Wahl zum US-Senator benutzen.

Die Arbeit dieses Komitees basierte u. a. auf Frasers Unterstellungen, bei der weltweiten Vereinigungskirche handle es sich nicht um eine Religion, sondern um einen Interessenvertreter der Regierung bzw. des Geheimdienstes Süd-Koreas.

Diese Verleumdungen, die lange Zeit durch die Massenmedien geisterten, führten zu einer schwerwiegenden Diskriminierung der Vereinigungskirche über die Grenzen der USA hinaus.

Inhaltlich konnten die erhobenen Vorwürfe, trotz monatelanger intensiver Untersuchungen, in keiner Weise aufrecht erhalten werden. Fraser forderte - nach dieser ebenso aufwendigen wie ergebnislosen Prozedur – lediglich weitere Untersuchungen.

Unmittelbare rechtliche Folgen gegen die Vereinigungskirche in den USA konnten aus einem derartig dürftigen Ergebnis nicht abgeleitet werden. Die damals in die Welt gesetzten Vorwürfe hielten sich jedoch hartnäckig und werden bis heute immer wieder kritiklos aufgegriffen.

Sinnentstellende Übersetzungen

Mehrfach beruft sich der Fraser-Report auf angebliche Zitate Rev. Moons. Dabei handelt es sich um Mitschriften, die von Zuhörern bei englischen Ad-hoc-Übersetzungen seiner in Koreanisch gehaltenen Ansprachen angefertigt wurden. Sie sind unter der Bezeichnung "Master Speaks" bekannt geworden. Diese Übersetzungen sind unvollständig und teilweise auch sinnentstellend. Sie erfolgten damals nicht durch professionelle Dolmetscher, sondern durch koreanische Mitglieder, die der englischen Sprache nur in ungenügender Weise mächtig waren.

Dieser Sachverhalt wurde im Rahmen eines in Großbritannien im Jahr 1987 anhängigen Rechtsstreites festgestellt.29 Die deutsche Übersetzung des Fraser-Reports, aus der das Bundesverwaltungsamt ausgiebig zitiert, wurde darüber hinaus nicht von einem öffentlich bestellten und vereidigten Übersetzer, sondern von der "Aktion für geistige und physische Freiheit – Arbeitsgemeinschaft der Elterninitiativen e.V." angefertigt, einer seit Jahren bekannten Gegnerin Neuer Religiöser Bewegungen. In dieser Übersetzung fehlen sämtliche ursprünglichen Fußnoten. Außerdem sind die Übergänge zwischen wörtlichem Zitat und wertender Meinung nicht immer kenntlich, weil Anführungszeichen teilweise weggelassen wurden.

Auf diesem Fraser-Report, der in weiten Teilen nichts anderes ist als eine Ansammlung unbewiesener und böswilliger Vermutungen, basiert einer der Hauptvorwürfe der Broschüre: Im Falle der Vereinigungskirche handele es sich nicht um eine Kirche bzw. eine Religion, sondern sie verfolge in erster Linie wirtschaftliche, politische, ja sogar militärische Ziele.

III.2. Koch, G., Himmlische Soldaten

Ein militärisches Ziel hingegen verfolgte das Buch "Himmlische Soldaten" des Autors Günter Koch, das 1987 im Militärverlag der DDR erschienen ist. Es heißt: Desinformation. Koch beschreibt die "Verschwörung" aller Feinde des Kommunismus, angefangen vom CIA über Oliver North, südamerikanische Militärs bis hin zu Rev. Moon und der Vereinigungskirche. Die abenteuerlichen Behauptungen Kochs entbehren jeglicher tatsächlicher Grundlage.

Es ist deshalb völlig unverständlich, weshalb das Bundesverwaltungsamt eine derart fragwürdige und dubiose Quelle siebenmal als Beleg anführt, u. a. sogar, um Rev. Moons religiöse Berufung durch Jesus (FN. 4) zu erläutern.

III.3. Ehemalige Mitglieder

Während in der Wiener Studie eine größere Anzahl ehemaliger Mitglieder befragt wurde, beschränkt sich das Bundesverwaltungsamt nur auf Aussagen dreier ehemaliger Mitglieder. Ihnen ist gemeinsam, dass sie gewaltsam zur Aufgabe ihres Glaubens gebracht wurden. Diese gewaltsame Methode der Glaubensaustreibung wird als "Deprogramming" bezeichnet. Die damit einhergehende Freiheitsberaubung ist strafbar. Die einzige Möglichkeit der "Deprogrammer", straffrei zu bleiben, besteht darin, das Opfer zum "Komplizen" zu machen, so dass es schließlich seine Peiniger als "Retter" ansieht und nicht anzeigt. Da dies nicht immer gelingt, wurden "Deprogrammer" bereits strafrechtlich belangt.

Steven Hassan

Steven Hassan war vom Februar 1974 bis zum Sommer 1976 Mitglied der Vereinigungskirche und wurde dann "deprogrammiert". Seitdem verdient er sein Geld als "Ausstiegsberater".

Barbara Underwood

Barbara Underwood war vier Jahre lang, bis April 1977, Mitglied der sogenannten "Oakland-Family." Auf Betreiben ihrer Mutter Betty wurde Barbara deprogrammiert. In ihrem Buch schreibt sie (Underwood, S. 190), sie hätte während ihrer vierjährigen Mitgliedschaft die Lehre der Vereinigungskirche niemals genau geprüft. Sie hatte "glauben wollen" und nicht den Glauben "verstehen" wollen.

Oliver von Hammerstein

Seine Mitgliedschaft, ebenfalls in Kalifornien, dauerte lediglich sechs Monate (April bis Herbst 1978). Seine Eltern wollten ihn herausholen, "koste es, was es wolle"… "Wir waren auch bereit, amerikanische Gefängnisse zu riskieren" (Hammerstein, S. 75). Hammerstein wurde "deprogrammiert". Trotzdem sagte er: "Auch ich habe als Munie religiösen Bezug in vorher nicht gekannter Intensität erfahren." (Hammerstein, S. 108)

III.4. Kirchliche Stellen und Sektenexperten

Im Reich des Bösen – Der Kreuzzug der Munsekte, eine Dokumentation des Katholischen Filmwerkes, 1991

Zu diesem Film, der auch im ZDF ausgestrahlt wurde, kommentierte Prof. Redhardt:

"Es war ein TV-Streifen, der ziemlich gemein zusammengeschustert war. Dennoch ließ sich bei den zahlreichen Interviews, die man eingeblendet hatte und in denen fast nur kritische Anti-Moon-Stimmen zu Wort kamen, nicht vermeiden, dass ständig unter der Hand anerkennende Voten lautiert wurden. Häufig wurde das Positive etwas heruntergespielt, in dem man einräumte, wie sehr man zuweilen erstaunt sei, was diese kleine kirchliche Gruppierung schon alles zu Wege gebracht hätte, obwohl man doch wisse, was für gefährliche Absichten dahinter lauerten. Hier muß ein Nachsatz nachträglich die Aufgabe übernehmen, über das vorher Positive zum Abschluß die schmutzige Brühe der anonymen Anschuldigungen und Verdächtigungen zu gießen." 30

 

Kirchliche Sektenbeauftragte

Kirchliche Sektenbeauftragte widmen sich der Aufgabe, über andere Glaubensgemeinschaften aus der Sicht ihrer eigenen Kirche zu informieren. Einige vermochten sich in der Öffentlichkeit als sogenannte "Sekten-Experten" zu profilieren. Sie haben dazu beigetragen, dass hierzulande die Auseinandersetzung mit Neuen Religiösen Bewegungen und auch mit der Vereinigungskirche von übertriebener Polemik und aggressiv gegen die Gruppen gerichtetem Grundtenor geprägt ist. dass es auch anders geht, zeigen die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) und die Katholische Sozialethische Arbeitsstelle, welche die Auseinandersetzung mit der Vereinigungskirche viel sachlicher führen.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Wissenschaftlern, die zum Thema Neue Religiöse Bewegungen geforscht und veröffentlicht haben. Ihre Schriften zeichnen sich in der Regel durch gründliche Recherche und saubere Trennung von Bericht und Kommentar aus.

III.5. Wichtige, unberücksichtigt gebliebene Quellen über die Vereinigungskirche

 

Aus der Fülle der in Betracht kommenden Studien gibt die folgende Liste einen kurzen Überblick.

Wissenschaftliche Studien, von der Bundesregierung in Auftrag gegeben

a) Wissenschaftliche Vorstudie im Bereich der "Neuen Jugendreligionen", durchgeführt im Auftrag des Bundesministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit, vom 1. Juli bis 15. November 1978 (unter der Federführung des Tübinger Religionssoziologen Prof. Dr. Günter Kehrer)

b) Herbert Berger / Peter C. Hexel, "Ursachen und Wirkungen gesellschaftlicher Verweigerung junger Menschen unter besonderer Berücksichtigung der "Jugendreligionen", eine Grundlagenstudie aus der Sicht der betroffenen jugendlichen Mitglieder, deren Eltern und Freunde sowie ehemaliger Mitglieder. Untersucht bei Ananda Marga, Divine Mission, Scientology, Vereinigungskirche, Wien, 1981, durchgeführt vom European Centre for Social Welfare and Research, Vienna, Austria

 

Weitere sozialwissenschaftliche Studien

a) Kuner Wolfgang, Soziogenese der Mitglieder in drei Neuen Religiösen Bewegungen, Peter Lang-Verlag, Frankfurt/M. 1983

b) Kuner, Wolfgang, Veröffentlichung "Ein Sammelbecken für Verrückte?" in: Psychologie heute, September 1979

c) Scheel, Marianne und Röllgen, Peter, "Jugendsekten" – eine Antwort auf die Suche nach Identität? Diplomarbeit im FB Sozialpädagogik, Fachhochschule Köln, 1984

Religionswissenschaftliche und theologische Studien

a) Schneider, Karl-Wilhelm, Jenseits von Kirche und Konvention – Eine Untersuchung neuer spiritueller Bewegungen. Hannemann-Verlag, Hannover 1981

b) Scheffler, Albert Cornelius, "Jugendsekten" in Deutschland. Öffentliche Meinung und Wirklichkeit. Eine religionswissenschaftliche Untersuchung. Peter Lang-Verlag, Frankfurt/M. 1989

c) Usarki, Frank, Die Stigmatisierung Neuer Spiritueller Bewegungen in der Bundesrepublik Deutschland. In der Reihe "Kölner Veröffentlichungen zur Religionsgeschichte", Böhlau Verlag, Köln 1988

d) Moritzen, Niels-Peter, San Myung Muns Vereinigungskirche. Verlag der ev.-luth. Mission, Erlangen 1981

e) Schwarzenau, Paul, Die Göttlichen Prinzipien – Anmerkung zum grundlegenden Buch der Vereinigungskirche. In: Religio – Das ökumenische Magazin für Unterricht in Schule und Kirche. Deutscher Studien Verlag, Weinheim, März 1992

Internationale Studien

a) Bromley, David G. / Anson D. Shupe Jr., Strange Gods, Boston, Beacon Press, 1981

b) Barker, Eileen, The Making of a Moonie, Oxford, 1984

c) Chryssidis, George D., The Advent of Sun Myung Moon, London 1991

d) Lofland, John, Doomsday Cult, New York 1977

Weitere Untersuchungen

a) Löw, Konrad, Von "Hexen" und Hexenjägern, Baierbrunn 1994

b) Thiel, Norbert, Der Kampf gegen Neue Religiöse Bewegungen, 1. Aufl., Mörfelden-Walldorf 1986

c) Sherwood, Carlton, Inquisition, Washington 1991

 

Schlußwort

Die Geschichte der Verfolgung religiöser Minderheiten ist so alt wie die Religion selbst. So wurde z. B. das Christentum von seinen ersten Anfängen an praktisch in allen Ländern, wo es sich ausbreitete, verfolgt. Die Argumente, mit denen neue religiöse Gemeinschaften diskriminiert wurden, haben sich in vielen Punkten bis heute kaum verändert. Durch die Stigmatisierung als "Sekte" wurden und werden die Betroffenen ausgegrenzt, massiv benachteiligt oder gar an Leib und Leben bedroht.

Der Höhepunkt einer Verfolgung wird immer dann erreicht, wenn zwischen Staat und Kirche bzw. Religion keine Trennung vorhanden ist, oder wenn der Staat einseitig Partei ergreift. Die vom BMFSFJ im Auftrag gegebene Broschüre gegen die Vereinigungskirche ist ein eindeutiges Beispiel für eine Verletzung der Neutralitätspflicht des Staates. Sie wird ihren eigenen Ansprüchen keineswegs gerecht und bietet weder die von Bundesministerin Claudia Nolte versprochene "Orientierungshilfe" noch "sachliche Information und Aufklärung". Sie verleiht lediglich einer Reihe von diffamierenden Fehlaussagen und Behauptungen einen amtlichen Stempel und trägt zur weiteren Diskriminierung einer religiösen Minderheit bei. Publikationen mit einer derart fragwürdigen "Qualität" sind eines Bundesministeriums unwürdig.

Geradezu unfaßbar ist es, dass ausgerechnet das für die Familie zuständige Ministerium sich auf eine solche Art und Weise gegen eine Gruppe von Menschen wendet, die sich in ganz besonderem Maße weltweit für den Schutz der Familie einsetzt!

Es ist an der Zeit, dass der Staat seine Neutralitätspflicht ernst nimmt und Bestrebungen nach mehr Dialog und Verständigung unterstützt, statt weitere Konfrontationen zu schüren.

Durch die Broschüre des Bundesverwaltungsamtes ist der Vereinigungskirche großer Schaden zugefügt worden. Wir fordern daher vom BMFSFJ, vom Bundesverwaltungsamt und von all den Stellen, die solche Desinformationen über die Vereinigungskirche verbreiten, Verantwortung für die Richtigstellung zu übernehmen. Insbesonders vom Staat fordern wir, dass er aufhört, Bürger wegen ihres religiösen Bekenntnisses zu diskriminieren.

 

Anmerkungen

1 Berger, H., Hexel, P., Ursachen und Wirkungen gesellschaftlicher Verweigerung junger Menschen unter besonderer Berücksichtigung der "Jugendreligionen", Wien 1981, S. 340. Zurück zu Textstelle

2 Barker, E., Der professionelle Fremde, Erklärung des Unerklärlichen beim Studium einer abweichenden religiösen Gruppe, in: Kehrer (Hrsg.), Das Entstehen einer Religion - Das Beispiel der Vereinigungskirche, München 1981, S. 25.Zurück zu Textstelle

3 Moritzen, Niels-Peter, S. M. Muns Vereinigungskirche, Erlangen 1981, S. 41. "Und zum Verständnis der Lehre S. M. Muns trägt der Vergleich mit den Propheten und Reformen unabhängiger Kirchenbewegungen in Missionsgebieten mehr bei als der Vergleich mit den anderen sogenannten ‘Jugendreligionen’", ebd., S. 31.Zurück zu Textstelle

4 Haack, F. W., Jugendreligionen, Ursachen Trends Reaktionen, München 1979, S. 93.Zurück zu Textstelle

5 Seit dem 27.11.85 wird die Vereinigungskirche in den USA (HSA-UWC) steuerrechtlich als "Kirche" klassifiziert. In Großbritannien war sie schon vor 1988 als "Charity"Zurück zu Textstelle (wohltätige Organisation) anerkannt.

6 Das Prinzip in Grundzügen, Stufe 4, Vereinigungskirche e.V., 2. Aufl., Frankfurt 1991, S. 18. Das Handbuch (s.o.) bezieht sich auf O, Sek-Keun, Der Volksglaube und das Christentum in Korea, München 1979. Danach schrieb Kim Baek-Mun die "Christlichen Grundprinzipien" 1958 (!), "deren Aufbau und Inhalt weitgehend denjenigen von Die Göttlichen Prinzipien vergleichbar" sei (ebd., S. 209, Anm. 2).Zurück zu Textstelle

7 Dieser Begriff wird im Abschnitt I.5. "Ehe und Familie" näher erklärt.Zurück zu Textstelle

8 Moon, S. M., in: Zeitenwechsel, Vereinigungskirche e. V., Frankfurt 1995, S. 42.Zurück zu Textstelle

9 Mun, S. M., Die neue Zukunft des Christentums, Frankfurt 1977, S. 35. Zurück zu Textstelle

10 Sun Myung Moon, Parents Day 1974, USA, Ansprache vom 24. 03. 1974.Zurück zu Textstelle

11 Löw, K., Von "Hexen" und Hexenjägern – Die Moonies und die Glaubensfreiheit, Baierbrunn 1993, S. 14.Zurück zu Textstelle

12. Landgericht Hamburg, AZ 74 0 251/84Zurück zu Textstelle

13 New Religious Movements and the Churches, WCC Publications, World Council of Churches, Genf 1987, S. 140, eigene Übersetzung.Zurück zu Textstelle

14 WORLD SCRIPTURE, A Comparative Anthology of Sacred Texts, New York 1991.Zurück zu Textstelle

15 Underwood, B., Im Bann des Himmels, München 1985, S. 75.Zurück zu Textstelle

16 Sontag, F., Sun Myung Moon und die Vereinigungskirche, Krefeld 1981, S. 162.Zurück zu Textstelle

17 "Wo liegt die Basis für Gut und Böse? Sie liegt nicht in der Außenwelt, sondern in uns selbst." Mun, Ein Prophet spricht heute, S. 21. "Im Anfang schuf Gott eine Welt des Guten, in der nur eine göttliche selbstlose Lebensweise herrschen sollte. Der Vater des Bösen kehrte jedoch die göttliche Lebensweise um und verwandelte das selbstlose Geben in ein selbstsüchtiges Nehmen." Mun, Die neue Zukunft des Christentums, Frankfurt/M 1977, S 32.Zurück zu Textstelle

18 Rev. Moon, Gottes Mahnung an die Welt, 1. Aufl., Mörfelden-Walldorf 1985, S. 29.Zurück zu Textstelle

19 "Von Anfang an hat Gott daran gearbeitet, der Menschheit diesen selbstlosen Weg des Lebens zu zeigen. Eines Tages wird Gott diese vollkommene Lebensweise auf der Erde einführen. Dieser Tag ist der Anbruch des Reiches Gottes." Mun, Die neue Zukunft des Christentums, S. 31.Zurück zu Textstelle

20 Mun, S. M., Ein Prophet spricht heute, Frankfurt 1976, S. 38.Zurück zu Textstelle

21 Kim, Young Oon, Vereinigungstheologie, Eine Annäherung, Frankfurt 1995, S. 47.Zurück zu Textstelle

22 Richardson, H., Bezugsorientiert denken - Beiträge für eine Theologie der Zukunft, Mörfelden-Walldorf, 1979, S. 8.Zurück zu Textstelle

23 Schwarzenau, Paul, Die Göttlichen Prinzipien - Anmerkungen zum grundlegenden Buch der Vereinigungskirche, Mörfelden -Walldorf 1992, S. 11.Zurück zu Textstelle

24 Sontag, F., Sun Myung Moon und die Vereinigungskirche, Krefeld 1981, S. 142Zurück zu Textstelle.

25 Löw, K., Von "Hexen" und Hexenjägern – Die Moonies und die Glaubensfreiheit, Baierbrunn 1993, S. 41.Zurück zu Textstelle

26 Es sei darauf hingewiesen, dass bei der Segnung moslemischer Ehepaare, die aus religiösen Gründen keinen Alkohol trinken, dieser "Heilige Wein" keinen Alkohl enthält.Zurück zu Textstelle

27 Kehrer, G., Das Entstehen einer Religion, München 1981, S. 183 f.Zurück zu Textstelle

28 Vereinigungskirche e.V., Zeitenwechsel, Frankfurt 1995, S. 21f.Zurück zu Textstelle

29 High Court of Justice, AZ. 1984-A-6263 und AZ. 1984-A-6264, Eidesstattliche Zeugenaussage des Herrn M. eh. Kim Setton, Orientalisches Institut an der Universität Oxford und des Herrn W. E. Skillend, Universität LondonZurück zu Textstelle

30 Stellungnahmen zu Theologie und Praxis der Vereinigungsbewegung, Zwei deutsche Theologen äußern sich, Mörfelden-Walldorf 1992, S. 34.Zurück zu Textstelle

Anlagen

 

Anlage 1: Redhardt, J., Allgemeine Stellungnahme zur Broschüre: Die Mun-Bewegung

Anlage 2: Grundsätze der Familien-Föderation für Weltfrieden

Anlage 3: Das Prinzip in Grundzügen Stufe 4, 1. Aufl., Frankfurt 1981, S. 27

Anlage 4: Gelöbnis der Paare bei der Segnung, Vereinigungskirche, Segen der Liebe, Frankfurt 1995, S. 28 und S. 29

Anlage 5: Staatliche Anerkennung des UTS

Anlage 6: Familiengelöbnis – Das Gebet der Familien

 

ANLAGE 1

 

Prof. Dr. theol. Dipl.-Psych. Jürgen Redhardt, Professor für Religionspsychologie und Didaktik des Religionsunterrichts.

Allgemeine Stellungnahme zur Broschüre
"Die Mun-Bewegung"

1. Bedauerlich ist, dass die zur breiten Verteilung bestimmte Broschüre so wenig auch nur ansatzweise wissenschaftlichen Ansprüchen genügen kann. Es wird contra regulam schlampig zitiert, sich viel zu viel auf bloßes Hörensagen, allgemeine Meinungen u. ä. berufen. Und geradezu naiv unbesonnene Auskünfte werden erteilt (z. B. Moon strebe auch "politische Herrschaft" an, S. 15).

2. Überdies wird von einer allzu dezidierten Voreingenommenheit ausgegangen. Der Vereinigungskirche (VK) wird schon im "ministeriellen" Vorwort eine auch durch die später folgenden defizienten Ausführungen kaum zu belegende gravierende Gefährlichkeit attestiert.

3. Die selektive Auswahl der Zitate von meist der VK gegenüber aversiv eingestellten Autoren und Autorinnen und mehr oder minder aleatorischen Meinungsbekundungen verhindert zusätzlich die Aufzeichnung eines glaubwürdigen Gesamtbildes der VK Mit der gleichen Methode würde es einem geschulten Kulturredakteur nicht schwerfallen, eine "Kriminalgeschichte des Christentums" zu Papier zu bringen.

4. Man vermißt schmerzlich versierte, im wissenschaftlichen Betrieb längst bekannte Auseinandersetzungen z. B. mit der "Wiener Studie" (Wien 1981) oder mit anderen Forschungsergebnissen aus der Feder Flasches, Redhardts, Röhrs, Schwarzenaus, Seiwerts, Tworuschkas usw., wo übrigens jeder giftige, unbelegbare Seitenhieb auf die VK unterbleibt.

5. Es fehlt die dringend anzumahnende Analyse, warum renommierte Leute wie Bush, Ford, Heath oder die breite Anzahl führender christlicher, moslemischer oder jüdischer Wissenschaftler und hochrangiger religiöser Repräsentanten sich gerne auf meetings mit Moonies einlassen, ohne auch nur das geringste obligo auferlegt zu bekommen.

6. Die meisten gegen die VK gerichteten Anwürfe sind längst beantwortet und längst größtenteils fair und nobel - widerlegt worden (Im Gegensatz zu dem rüden Ton, wie er sich seit F.-W. Haack in der Polemik gegen die VK und S. M. Moon eingeschlichen hat).

7. Es mangelt überdies an einer nüchternen Erklärung, warum gerade in Deutschland die Auseinandersetzung – faktisch die nur aufs Niedermähen bedachte Polemik gegen die VK – derart hektisch betrieben wird. Der Grund dafür liegt nach Auskunft des Marburger Religionswissenschaftlers M. Baumann vor allem in der "Ausgrenzung der Religionswissenschaft aus der bundesdeutschen Kontroverse um neue Religionen" (ZfR 95/2).

8. Die beiden, zumindest in den Zentren größerer Weltreligionen bekannten und anerkannten Hauptverdienste der VK werden schon gar nicht gewürdigt (oder fallweise auch kritisiert!), nämlich auf dem Feld der interreligiösen Kontaktnahme von keiner vergleichbaren Organisation überflügelt zu werden und über ein elaboriertes Glaubenssystem zu verfügen, das mutatis mutandis in keiner anderen neuen religiösen Bewegung zu finden ist.

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ANLAGE 2

Grundsätze der Familienföderation für Weltfrieden

 

Die FAMILIENFÖDERATION FÜR WELTFRIEDEN will die Familie als moralisches Zentrum der Gesellschaft stärken, weil das Wohlergehen dieser Gesellschaft davon abhängt.

Gesunde Familien sind das Fundament für gesunde, ausgeglichene Nationen. Denn die Werte, die den Frieden in der Weltgemeinschaft zustande bringen, sind die direkte Fortsetzung jener Werte, auf denen der Friede in den einzelnen Familien beruht.

Die Familie ist die Schule der Liebe. In ihr lernen wir die verschiedenen Erscheinungsformen der Liebe: als Kind, als Bruder oder Schwester, als Mann oder Frau und als Eltern. Von unserem Lernerfolg in dieser Schule wird es weitgehend abhängen, welche Beziehungen wir zu den anderen Mitgliedern der Weltfamilie aufbauen und wie wir unsere Rolle als Bürger unserer Nationen und der Welt erfüllen.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft begegnen einander in der Familie. Traditionen und Ideale werden hier von einer Generation an die nächste weitergegeben, damit man auf ihnen aufbaut und sie weiterentwickelt. Die ideale Familie wird eine Tradition der wahren Liebe begründen - einer Liebe, die selbstlos und unveränderlich ist. Durch eine solche Liebe können die Menschen das Wesen Gottes kennenlernen.

Die Entwicklung solcher Familien zu fördern, ist die zentrale Aufgabe der FAMILIENFÖDERATION FÜR WELTFRIEDEN. Vor allem bestärkt sie die Eltern in ihrer Verantwortung, sich um ihre Kinder zu sorgen und sie zu lieben; sie in ihrer Charakterbildung, körperlich und geistig im höchsten Maße zu fördern und sie vor Mißhandlung und Ausbeutung zu schützen.

Die Verantwortung von Mann und Frau ist es, die Reinheit in der ehelichen Liebe zu bewahren, indem sie das Ideal der ehelichen Treue aufrechterhalten. Die Verantwortung der Kinder ist es, ihre Eltern zu lieben und zu ehren. Eine Gesellschaft, die sich aus Familien mit diesen Maßstäben zusammensetzt, kann selbst die tiefsten und durchdringendsten sozialen Probleme lösen.

Da die Welt heute nicht mehr in einander bekämpfende ideologische Lager geteilt ist, haben die Führer der Welt zunehmende Möglichkeiten, ihr Hauptaugenmerk auf die humanitären Probleme zu richten, die in jedem Land der Welt verbreitet sind: Gewalt in der Familie, Jugendprobleme, Mißhandlung und Vergewaltigung von Kindern und Ehepartnern und ungewollte Schwangerschaften.

Die FAMILIENFÖDERATION FÜR WELTFRIEDEN ist eine weltweite, politisch unparteiische Organisation. In religiöser Hinsicht ist sie ökumenisch. Sie anerkennt und bejaht die Spiritualität, wie sie sich in den verschiedenen Religionen der Welt ausdrückt; denn sie spielt eine entscheidende Rolle unter den Werten, die einer Familie Kraft geben.

Die FAMILIENFÖDERATION FÜR WELTFRIEDEN wird ihre Arbeit in Abstimmung und Kooperation mit anderen nationalen und weltweiten Organisationen durchführen, die durch ihren Einsatz für die Lösung der oben genannten Probleme Anerkennung und Respekt verdienen.

Die FAMILIENFÖDERATION FÜR WELTFRIEDEN wird sich in Bildungs- und Wohlfahrtsprogrammen engagieren, an denen sich alle Menschen guten Willens bezeiligen können, welcher Nationalität, Rasse, Religion und politischer Überzeugung sie auch angehören mögen.

Quelle: Broschüre anläßlich der Gründungsveranstaltung der Familienföderation für Weltfrieden, Frankfurt am Main 17.10.1996

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ANLAGE 3

DIE SCHÖPFUNGSPRINZIPIEN

Die ideale Wechselbeziehung besteht darin, dass Subjekt und Objekt eine gute Beziehung des Gebens und Empfangens unterhalten. Dieses gute Geben und Empfangen zwischen Subjekt und Objekt wird von der Universalen Ursprungskraft in Bewegung gesetzt. Wir nennen es Geben und Nehmen. Indem die Subjekt- und Objekt-Aspekte innerhalb eines Seins und die einzelnen Geschöpfe untereinander ein Geben und Nehmen ausführen, werden alle Kräfte erzeugt, die sie für ihre Existenz, Vermehrung und Aktion benötigen.

 

Betrachten wir einige Beispiele: Der Körper erhält sich am Leben durch Geben und Nehmen zwischen Arterien und Venen sowie zwischen Einatmen und Ausatmen. Ein Mensch kann durch Geben und Nehmen zwischen dem geistigen und dem physischen Ich seinen Lebenszweck erfüllen. Eine Familie oder eine Gesellschaft lebt durch Geben und Nehmen zwischen einzelnen Menschen und Personengruppen. Materie entsteht und besteht, wenn Subjekt- und Objektelemente in ihr durch Geben und Nehmen eine harmonische Bewegung und physikochemische Reaktionen erzeugen. Sowohl Pflanzen als auch Tiere erhalten ihre Funktionen aufrecht durch Geben und Nehmen zwischen ihren verschiedenen Organen und Systemen. Und schließlich besteht sogar das Sonnensystem aufgrund des Gebens und Nehmens zwischen der Sonne und den Planeten, die sich in ihren Umlaufbahnen bewegen.

 

 

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ANLAGE 4

 

Gelöbnis der Paare bei der Segnungsfeier (1995)

Wollt ihr geloben, das himmlische Gesetz zu befolgen als ursprünglicher Mann und als ursprüngliche Frau und, solltet ihr versagen, gelobt ihr, die Verantwortung dafür zu übernehmen?

Wollt ihr als ein idealer Mann und als eine ideale Frau geloben, eine ewige Familie zu errichten, mit der Gott glücklich sein kann?

Wollt ihr geloben, die himmlische Tradition zu ererben und als ewige Eltern des Guten eure Kinder zu erziehen, Vorbilder dieses Standards gegenüber der Familie und der Welt zu sein?

Wollt ihr geloben, auf der Grundlage der idealen Familie das Zentrum der Liebe zu sein gegenüber der Gesellschaft, der Nation und dem Universum?

Mit dem "Ja" zu diesen vier Fragen verspricht jedes Paar Gott und einander, die eheliche Segnung zu verwirklichen.

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ANLAGE5

 

 

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ANLAGE 6

 

 

Familiengelöbnis

 

1. Wir, als Familie, gegründet auf wahre Liebe, geloben, unsere wahre Heimat zu finden, und das ursprüngliche Schöpfungsideal, das Reich Gottes auf Erden und im Himmel, zu errichten.

2. Wir, als Familie, gegründet auf wahre Liebe, geloben Gott und den Wahren Eltern Herzenserwiderung, um als Familie den Kosmos zu repräsentieren und sein Mittelpunkt zu werden. Wir geloben, unsere Aufgaben als treue Söhne und Töchter in der Familie, als Patrioten unseres Landes, als Heilige in der Welt und als wahre Söhne und Töchter des Himmels und der Erde zu erfüllen.

3. Wir, als Familie, gegründet auf wahre Liebe, geloben, die Vier Großen Herzensbereiche, sowie die Souveränität der Drei Generationen und die Tradition der Wahren Königlichen Familie zu verwirklichen.

4. Wir, als Familie, gegründet auf wahre Liebe, geloben, das Schöpfungsideal Gottes, die kosmische Familie, zu schaffen, und die Welt der Freiheit, des Friedens, der Vereinigung und des Glücks zu verwirklichen.

5. Wir, als Familie, gegründet auf wahre Liebe, geloben, den Prozess der Vereinigung der himmlischen Welt als Subjekt mit der irdischen Welt als Objekt stetig voranzubringen.

6. Wir, als Familie, gegründet auf wahre Liebe, als Stellvertreter Gottes und der Wahren Eltern, geloben, eine Familie zu werden, die die Gunst des Himmels erwirkt und den himmlischen Segen weitergibt.

7. Wir, als Familie, gegründet auf wahre Liebe, geloben, die Welt der Kultur des Herzens zu verwirklichen, die mit der ursprünglichen Abstammungslinie verbunden ist.


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10.08.2003