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Auf der Suche nach dem Ursprung in Japan und Korea

"Out of the East it's coming.Burning, beaming bright
And all of the children come running-- Lord! What a wonderful sight."
Aus einem Lied der Vereinigungskirche

Sofern Sie die Japaner kennen, werden Sie sich vorstellen können, daß mein Besuch in Japan bestens durchorganisiert war. Mein Sohn Grant war vorausgeeilt, um bei der Vorbereitung zu helfen. Kaum war ich eingetroffen, arbeiteten wir auch schon--typisch japanisch--rund um die Uhr, um möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu erledigen. Nach Korea war Japan Reverend Moons erstes Missionsland, gefolgt von den Vereinigten Staaten. Dabei handelt es sich nicht um eine zufällige Reihenfolge, sondern um die Einhaltung eines göttlichen Planes. Da ich die Geschichte der langen Feindschaft zwischen Japan und Korea kannte, war ich nach Japan gekommen, um Antwort auf eine Frage zu bekommen: Wie war es angesichts der seit Generationen angestauten Verbitterung einem koreanischen religiösen Führer mit presbyterianischer Abstammung möglich, hier Erfolg zu haben--in einem Japan, das heute noch alles Koreanische geringschätzt und wo das Christentum kaum Anklang gefunden hatte? Diese Frage stellte ich einem internationalen Missionsteam, das in Japan arbeitete.

Eine Antwort ist, daß die Vereinigungs-Bewegung in Japan wie auch anderswo als eine Jugendbewegung anfing. Die Feindseligkeit zwischen den beiden Völkern ist bei jungen Leuten nicht so tief verwurzelt wie bei der älteren Generation. Daneben betonten mehrere der japanischen Leiter auch, daß die japanische Jugend aufgrund der vergangenen Eroberung und Unterdrückung Koreas ein ausgeprägtes Schuldgefühl entwickelte. Aus diesem Gefühl heraus öffneten sie sich der koreanisch-christlichen Botschaft bereitwilliger als sie es je gegenüber einer christlichen Bewegung aus dem Westen getan hätten. Ein junger Mann aus Korea bezeugte, daß er Japan nur im Kreise der Vereinigungskirche echte Anerkennung gefunden habe.

Die japanische Kirche beeindruckt durch immense Lebenskraft und finanzelle Stärke. Ihre Mitgliederzahl beläuft sich auf etwa 400 000. Für sie steht es außer Frage, daß sie im moralischen und politischen Lebensbereich Japans eine Rolle spielen, insbesondere als Gegengewicht zur wachsenden radikalen Linken. Die von ihnen herausgebrachte Zeitung bemüht sich um internationale Berichterstattung. Auf allen Gebieten breiten sie sich mit dem gleichen Expansionsdrang aus, der auch der japanischen Wirtschaft eigen ist. Da ich mich in Japan nur kurze Zeit aufhalten konnte, war mein Sohn mir vorausgeeilt und hatte sich schon außerhalb von Tokio umgesehen. Nach meiner Ankunft beschäftigten wir uns bis Mitternacht mit dem Besuch aller Zentren von Tokio. Zweifellos ist die japanische Kirche für das finanzielle Wachstum und den Erfolg der weltweiten Vereinigungsbewegung maßgebend. Ebenso hat sie hier auch ihren Lebenstil geprägt. Es ist jedoch ironisch und zugleich bezeichnend für das Leben in der Kirche, daß ich viele der japanischen (und koreanischen) Leiter erst in Amerika einholen mußte. Ihre Geschäfte und Kirchenkonferenzen führen sie ständig hierher, und oft verreisen sie ohne vorherige Ankündigung. Darüberhinaus sind viele, die über die Anfänge der Kirche im Osten gut Bescheid wissen, jetzt mehr oder weniger in Amerika ansässig.

Tokio. Diskussion mit japanischen Leitern in der Zentrale der Vereinigungskirche. September 1976.

"Reverend Moons Gedanken fanden bei der japanischen Jugend Anklang. Die Lehren haben geistigen Wert und sind gleichzeitig logisch und wissenschaftlich."

"Der erste Missionar in Japan war ein wahrhaft geistiger Mann. Er konnte den Menschen die Liebe Gottes wirklich übermitteln. Er war ein frommer Christ und konnte dadurch das Herz vieler junger Japaner rühren, die nach solchen Werten suchten."

"Was die Japaner vor allem auszeichnet, ist ihre Bereitschaft, in allem zusammenzuarbeiten und alles gemeinsam zu organisieren. Das Konzept, auf Lebenszeit in Zentren zusammenzuwohnen, stammt mehr oder minder aus Japan. Die Aufgabe der japanischen Leiter ist es, das Gefühl für die Familie zu vertiefen, das Zusammenleben in Gruppen, die gemeinsame Arbeit an einem Projekt zu fördern Dieser Lebensstil wurde von den Kirchenzentren der anderen Länder aus Japan übernommen. Den Japanern liegt diese Lebensweise allerdings viel besser als andern Völkern, die eine individuellere Ausrichtung haben."

"Am meisten hat mich an der Kirche beeindruckt, daß dort Menschen aller Welt nicht nur zusammenleben konnten, sondern auch zusammen arbeiteten, um etwas Großartigeres aufzubauen als ich je gesehen hatte. Da dachte ich mir, die Kraft, die Menschen solch verschiedener Herkunft vereinigen kann, kann nur die Wahrheit sein. und ich wollte mehr darüber wissen."

"Das Gesamtziel der Organisation ist es, Japan zur Entfaltung einer wahren Demokratie anzuregen und durch sie die Menschen zu Gottes Liebe zu führen."

"lch bin auf das Prinzip gestoßen, daß man nicht nur für seine eigene Nation arbeiten, sondern hauptsächlich für andere leben soll--für das Wohl und den Nutzen anderer. Sein Leben völlig für seinen Nächsten zu geben-- davon war ich zutiefst beeindruckt. Keine Nation gleicht der anderen, und wir müssen den wahren Charakter einer jeden entdecken."

"Nach der Ideologie Reverend Moons soll jede akademische Arbeit zur Verbesserung der Situation eines Landes, einer Gesellschaft beitragen. Deshalb versammeln wir die Professoren, die den Wunsch haben, etwas für Japan und Asien zu tun."

"lch bin Koreaner, in Japan geboren. Mein Leben lang bin ich unglücklich darüber gewesen, als Koreaner geboren zu sein. Hier in Japan war ich niemals stolz darauf. Als ich jedoch die Göttlichen Prinzipien fand, faßte ich neuen Mut. Ich spürte wieder Mut und Zuversicht für mein Leben. Endlich konnte ich stolz darauf sein, Koreaner zu sein und brauchte mich nicht mehr zu schämen. Ich kann nie hart genug daran arbeiten, die Kluft zwischen den Völkern zu beseitigen."

Washington, D. C. Interview mit einem froheren japanischen Leiter. November 1976.

"Nie zuvor habe ich einen solchen Menschen gesehen--einen Menschen, der seinen Mitmenschen neues Leben bringen will. Das hat mich zutiefst beeindruckt ....

Ich fing an, Abfälle zu sammeln, um sie zu verkaufen. Ich spendete jeden Monat ein paar Mal Blut, um Geld zu bekommen. Ich habe viele Kirchen in verschiedenen Gegenden errichtet. Diese Zeit werde ich niemals vergessen ....

Während meiner ersten vier Jahre in den Vereinigten Staaten habe ich Tag und Nacht zusammen mit Reverend Moon gearbeitet. Dennoch kenne ich immer noch nicht die volle Tiefe seiner Persönlichkeit. Ich kann ihn noch nicht völlig ergründen, er ist so tief ....

Ich weiß ganz genau, wie das Geld verwendet wird. Es macht mich wirklich ärgerlich, wenn die Leute behaupten, der koreanische CIA gäbe uns Geld. Wenn das wahr wäre, brauchten wir nicht so hart zu arbeiten. Wir könnten uns schonen ....

Ich habe bisher so vieles getan, aber ich sehe es nicht als mein Verdienst an. Gott hat es durch mich vollbracht ....

Reverend Moon ist immer allen voran; er hat so viele neue Ideen."

New York City. Interview mit einem der ersten koreaniseben Missionare in Japan. November 1976.

"Von seinem Aussehen war ich sehr enttäuscht. Er machte auf mich weder den Eindruck eines Heiligen noch den eines Führers. Aber ich glaubte zutiefst an die Göttlichen Prinzipien; deshalb konnte ich Reverend Moon akzeptieren ....

Ich ging zu keiner koreanischen Gemeinschaft (in Japan). Die Koreaner dort hatten schon von der Vereinigungskirche gehört und einen schlechten Eindruck von ihr bekommen. Das wäre mir bei der Verbreitung der Göttlichen Prinzipien hinderlich gewesen. Ich ging geradewegs zu den Japanern. Ich war der erste Missionar, aber die japanische Polizei verhaftete mich und steckte mich für sechs Monate wegen illegalen Aufenthalts ins Gefängnis ....

Als ich eine Gruppe von ungefähr zehn Studenten um mich versammelt hatte, konnte ich mich nicht länger verstecken. Wir waren schrecklich arm, aber es herrschte ein sehr guter Geist. Und dieser Geist ist heute Tradition in der japanischen Kirche."

Washington, D. C. Interview mit einem der ersten Nachfolger in Japan und jetzigen Kirchenleiter. November 1976.

"1966 kam Reverend Moon das erste Mal nach Japan. Damals hielt ich ihn nicht für den Messias, aber ich spürte, daß er derjenige ist, der die Welt retten wird ....

Wie klein ein Ort auch sein mag oder wie eng die Straße--die Japaner werden ihr Ziel in jedem Falle erreichen. Hinzu kommt, daß Japan Korea vierzig Jahre lang besetzt gehalten hat, und wir haben auch einen Krieg gegen Amerika geführt. Dadurch haben die Japaner diesen Ländern gegenüber ein schlechtes Gewissen entwickelt. Japan kann dafür materielle Wiedergutmachung leisten. Das ist das Besondere an der Mentalität der Vereinigungskirche in Japan ....

Wir mußten unseren Unterhalt selbst sichern, und so fingen wir mit Abfälle sammeln und Blumenverkauf an. Erst später gingen wir zu anspruchsvolleren Dingen über....

Bei uns in Japan heißt es, daß von zehn Leuten, denen man begegnet, sechs entweder Kommunisten oder deren Sympathisanten sind. Unsere Mitglieder beschäftigen sich täglich geistig mit den Kommunisten. Das ist eine schwere geistige Last. Je mehr uns die kommunistischen Kräfte zu erdrücken suchen, desto besser können wir wachsen und unsere Fähigkeiten entwickeln. In den letzten zwei Jahren hat ein bedeutendes Wachstum stattgefunden ....

Im Anfangsstadium der Bewegung hat es Probleme mit den Eltern neuer Mitglieder gegeben. Inzwischen jedoch sehen die Eltern ihre einzige Hoffnung in ihren Kindern, und sie vertrauen auf deren Tun. Es hat kaum Probleme mit christlichen Kirchen gegeben, da Japan keine nennenswerte christliche Grundlage hat ....

Zur Überwindung all dieser Probleme ist finanzielle Stärke notwendig. Wir können uns nicht mit dem bisher Erreichten zufriedengeben. Wir benötigen weitaus mehr, um der Herausforderung gewachsen zu sein. Japan ist das Vorbild für die Arbeitsweise der amerikanischen Kirche."

Korea war natürlich die wichtigste Erfahrung, auf die ich auch am meisten gewartet hatte. Hier lagen die Quellen der Bewegung--geheimnisvoll, dunkel und voller Widersprüche. Ich hatte den Teil eines Studienjahres in Japan verbracht und fühlte mich daher mit diesem Land vertraut. in Korea war ich dagegen noch nie gewesen und man hatte mir nur gesagt, daß es völlig anders sei. Bei unserer Ankunft am Flughafen von Seoul bemerkten mein Sohn und ich den ersten Unterschied: er ist eine streng bewachte Militärbasis. Fotografieren ist verboten, die Zollabfertigung eine endlose Prozedur. Wir wurden gründlich durchsucht. Die mitgebrachte Morgenausgabe einer japanischen Zeitung wurde beschlagnahmt. Als wir endlich aus dem Flughafen heraus waren, wußten wir, daß dieses Land in militärischer Alarmbereitschaft lebte.

Wirtschaftlich gesehen ist Korea zwar arm, es steckt jedoch mitten in einem industriellen Wachstumsschub. Auf jedem Hügel erblickt man eine Kirche--das reinste asiatische Neu-England. Es ist ein Land, das vor lauter Religionen buchstäblich aus allen Nähten platzt--ein wildgewordenes Los Angeles. Die Vereinigungslehre ist bei weitem nicht die neueste der Religionen, die hier wie Pilze aus dem Boden schießen. Die Geistheilungen der Pfingstkirche stehen zur Zeit im Rampenlicht. Die Vereinigungskirche hat sich etabliert, und es ist ruhiger um sie geworden, aber sie ist offensichtlich lebendig und lebensfähig--den ständigen Todeserklärungen ihrer Gegner zum Trotz. Kirchensprecher geben die Mitgliederzahl mit 280 000 an. Während die Kirche in anderen Ländern vornehmlich eine Jugendbewegung ist, umfaßt sie in Korea--sogar in noch größerem Maße als in Japan--sämtliche Altersschichten. Der Sonntagsgottesdienst entspricht der 11.00 Uhr Morgenandacht in jeder protestantischen Missionskirche. Am Beispiel der koreanischen Vereinigungskirche von heute kann man ablesen, wie sie sich in anderen Ländern mit zunehmender Reife ihrer Mitglieder entwickeln wird.

Die Geburt einer neuen Religion kann man nur dann richtig verstehen, wenn man die Zusammenhänge erfaßt und auch ihr Ursprungsland kennt. Ich kann mich nicht als Korea-Experte bezeichnen; jedoch kann ich mit Sicherheit sagen, daß mir von allen Reisen und Interviews die Fahrt nach Korea und die dort geführten Gespräche die wertvollste Aufklärung in der Sache gebracht haben. Ich vermute, daß nur wenige außerhalb Koreas über den wahren religiösen Charakter dieses Landes Bescheid wissen. Wie schon Billy Graham bemerkte, ist es eines der wenigen östlichen Länder, in denen das Christentum heutzutage noch stark vertreten ist. Die Koreaner bezeichnen sich jedoch selbst als ein Volk, das zu Uneinigkeit und Streitsucht neigt. Neue Religionen entstehen hier sehr schnell und zerfallen dann kurz nach ihrer Gründung in auseinanderstrebende Gruppen. Ganz im Gegensatz zu den Japanern, die als Erben der Samurei-Tradition Treue und Anpassung schätzen, blüht bei den Koreanern der Individualismus.

Dementsprechend haben wir es hier mit einem religiös fruchtbaren und unbeständigen Land zu tun, in dem neue Offenbarungen an der Tagesordnung sind. Die Koreaner betrachten ihr Land als "Jerusalem des Ostens", und der Vergleich beider Länder ist interessant: beide ertrugen durch Generationen hindurch Fremdherrschaft, religiöse Verfolgung, und beide sind unfähig, ihre eigenen Angelegenheiten friedlich zu regeln. In der Landspitze einer Halbinsel, die so viele Male von fremden Mächten überrannt und zum Schlachtfeld gemacht wurde, hat man ein gänzlich anderes Gefühl für Religion als in der Geborgenheit der Kornfelder von lowa. Man spürt die geschichtliche Nähe von Verfolgung, Besatzung und Kriegen, die häufig der Nährboden für aufkommende Religionen sind. Wenn der Körper unterdrückt wird, erhält der Geist neue religiöse Bedeutung.

Sun Myung Moon ist kein neues Phänomen in Korea--ebensowenig wie in Amerika, dem Boden, auf dem jede neue Religion zu blühen scheint. Darüber hinaus ist es aber auch so, daß aufgrund der Neigung zu Uneinigkeit und Streitsucht das Entstehen jeder neuen Religion in Korea zunächst auf eine gewisse Furcht und Ablehnung stößt. Aus diesem Zusammenhang heraus kann man gut verstehen, warum er (Moon) nicht zur Gründung einer

anderen, neuen Kirche aufrief, sondern vielmehr eine Bewegung des Heiligen Geistes zur Vereinigung aller Christen, ja sogar aller Religionen, gründete. Die unmittelbare Erfahrung des Mangels an zwischenkirchlicher Nächstenliebe und der Energieverschwendung im aufreibenden Konkurrenzkampf der Religionen verleiht dem Aufruf zur Vereinigung aller religiösen Männer und Frauen für eine gemeinsame Sache eine starke Anziehungskraft. Der ursprüngliche Name der Bewegung lautete "Die Heilig-Geist-Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums."

In Korea fanden die ersten Anhänger während der Gründungszeit ihrer Religion ständige Tröstung in dieser Botschaft, die die Wunden der sich ständig bekämpfenden Religionen zu heilen versprach. Es ist ein ironischer Widerspruch, daß die ersten Bemühungen der Bewegung noch größere Spaltungen und Spannungen hervorriefen. Diesen Widerspruch werden wir noch eingehender untersuchen müssen. Mit anfänglichen feindlichen Reaktionen war zu rechnen. Die Kirche sucht die Abgründe zwischen den Völkern zu schließen und alle Religionen zu vereinen. Es bleibt abzuwarten, ob sie ihr Ziel erreichen kann. Auf jeden Fall ist es eine mächtige Zielsetzung, die viele Menschen mit tiefer Loyalität erfüllt.

Neben einer gewissen Kenntnis der Eigentümlichkeit und Fruchtbarkeit des religiösen Bodens in Korea, ist es besonders aufschlußreich, die Entwicklung dieser Religion parallel zum Kommunismus und als seine Alternative zu betrachten. Ihrem Aufbau nach bildet sie in fast jeder Hinsicht ein Gegenstück zur kommunistischen Doktrin:

1. Die Vereinigungskirche untersteht in der Übergangsphase einer zentralen Autorität.

2. Darüber hinaus verspricht die Kirche jedoch das Kommen eines Himmelreiches--und zwar hier auf Erden: den Beginn einer Zeit, in der unser Leben nicht mehr von Macht und weltlicher Autorität beherrscht wird.

3. Die Errichtung des Himmelreiches wird durch die Kenntnis der geistigen Kräfte--nicht der materiellen--vollzogen, wenngleich auch materielle Kontrolle für den geistigen Sieg notwendig ist.

4. Den wenigen Privilegierten, dem inneren Kern, wird dieses wahre Verständnis offenbart. Das gibt ihnen die Macht, die auf der Kenntnis der Wahrheit beruht. Diese Macht sind sie nun mit anderen Menschen zu teilen verpflichtet. (Daher die oft geführte Anklage der bewußten Täuschung, die auch gegen den Kommunismus erhoben wird. Beide Ideologien gehen davon aus, daß nicht jeder die gesamte Wahrheit auf einmal erfassen kann, sondern schrittweise zu ihr hingeführt werden muß.)

5. Es gibt eine esoterische Lehre (für den Gläubigen) gegenüber einer exoterischen Lehre für Außenstehende), weil die Wahrheit der Göttlichen Prinzipien nicht einfach jedem aufgedrängt werden kann. Diejenigen, die sie akzeptiert haben, können dadurch besser verstehen, wie die Menschen und die Welt regiert werden und was getan werden muß.

6. Die Vereinigungskirche unterscheidet sich deutlich vom Marxismus durch ihre völlige Gottbezogenheit--eine Tatsache, die dem Außenstehenden zunächst einmal entgeht. Das Hauptziel ist das "Einssein" mit Gott, dem im Marxismus die Vereinigung mit dem Proletariat gegenübersteht.

Natürlich wurden Amerika und Europa erst auf Reverend Moon aufmerksam, als er schon Erfolg zu verzeichnen hatte und die Kirche beträchtlichen Grundbesitz erworben hatte. Soweit ich es auf meiner Reise durch Korea feststellen konnte, sind die Berichte vom bescheidenen Anfang, der Gefangenschaft und der Leidenszeit im wesentlichen wahr. Die ersten Nachfolger aus dieser Zeit, seine Familie sowie Studienkollegen berichteten alle das gleiche über seine Jugend. Interessant ist, daß seine zwei Cousins, mit denen ich sprach, nichts von der "Offenbarung" wußten. Das muß nicht bedeuten, daß es sie nicht gab. Es zeigt jedoch, daß er seine Mission eine Zeitlang für sich behielt.

Moon wurde am 6. Januar 1920 (Mondkalender) in einer ländlichen Stadt Nordkoreas geboren. Als Moon 10 Jahre alt war bekehrte sich seine Familie zum Presbyterianismus. So erhielt er also eine christliche Erziehung. Seine Familie schilderte ihn als einen ruhigen, ernsthaften Jungen, der sich gut allein beschäftigen konnte. Am Ostermorgen des Jahres 1936, in seinem 16. Lebensjahr, so berichtet Moon später, erschien ihm Jesus. Er sagte ihm, daß er auserwählt sei, die Vollendung der Mission Jesu zu versuchen. Während der darauffolgenden neun Jahre kämpfte Moon um das Verständnis seiner Aufgabe. Durch tiefes Gebetsleben und Studieren entdeckte er die Prinzipien, die später zum Kernstück der Göttlichen Prinzipien wurden. Er mußte geistige Kämpfe mit kosmischen Kräften des Bösen bestehen, ähnlich wie es auch Einsiedler berichten, die allein in der Wüste zum Mittelpunkt geistiger Kämpfe wurden. Im Jahre 1938 ging er zum Studium der Elektrotechnik nach Japan. Er begann 1946, am Ende des Zweiten Weltkrieges, seine öffentliche religiöse Mission.

War auch der geistige Kampf zu der Zeit schon gewonnen, so mußte doch die physische Welt erst noch nachvollziehen, was er erreicht hatte. Er zog nach Pyongyang, der Stadt, die sich das "Jerusalem des Ostens" nennt und begann dort 1946 zu predigen. Von seinen ersten Nachfolgern wissen wir, daß es nur langsam voran ging und daß die Lebensbedingungen äußerst dürftig waren. Unter der russisch-kommunistischen Besatzung des Landes wurde Reverend Moon wegen des Aufruhrs, den seine Predigten verursachten, verhaftet und schließlich im Februar 1948 in ein Arbeitslager überführt. Von Solschenyzin wissen wir, wie hart die Lebensbedingungen in solchen Lagern sind. Moon schaffte es jedoch, zu überleben. Eine der beiden allerersten Nachfolgerinnen berichtete von einem Gefängnisbesuch. Sie ging die hundert Meilen bis zum Gefängnis zu Fuß. Von ihr haben wir einen Augenzeugenbericht über die Härte der Haftbedingungen.

Nach dem Einschreiten der Vereinten Nationen in den Koreakrieg wurde Moon am 14. Oktober 1950 durch die UN-Truppen befreit. Zusammen mit zwei der noch verbleibenden Anhänger flüchtete er in die Gegend südlich von Pusan, die er im Januar 1951 erreichte. Dort begann er, die Göttlichen Prinzipien zu predigen. Die Mitglieder aus jener Zeit berichten von dem harten Überlebenskampf in einer von Flüchtlingen überfluteten Stadt. Alle Mitglieder arbeiteten, um sich selbst durchzubringen. Reverend Moon fand einen Job als Hafenarbeiter. Alle lebten gemeinsam in äußerst primitiven Verhaltnissen in einer Lehmhütte, die sie selbst gebaut hatten. Eine ihrer Erinnerungen aus dieser Zeit ist der Tag, an dem Moon verkündete, daß er die erste schriftliche Ausarbeitung der Göttlichen Prinzipien fertiggestellt habe. Im Jahre 1954 begann die öffentliche Missionsarbeit, die sich 1958 mit der Entsendung des ersten Missionars nach Japan ausbreitete. Die damals noch tief verwurzelten bitteren Gefühle zwischen Japan und Korea zwangen zu äußerster Vorsicht, und man muß sich wundern, daß die Mission überhaupt Erfolg hatte. 1959 erreichte der erste Missionar Amerika. Mittlerweile sind Missionarsgruppen in insgesamt 120 Ländern tätig. Im Jahre 1960 heiratete Moon zum zweiten Mal und gründete seine verheißene Familie. Es kursieren vereinzelte Gerüchte über weitere Heiraten, aber sicher ist zumindest, daß seine erste Frau die ihr auferlegte religiöse Rolle nicht akzeptieren konnte. Sie widersetzte sich Moon eine Zeitlang, bevor die Ehe aufgelöst wurde.

Das ist die ganze Geschichte. Verleumder stellen sie als Schwindel hin. Anhänger sehen darin ein Leben aus Folter, Kampf, Aufopferung und einen eventuellen geistigen Sieg, umgeben von Zeichen und Voraussagen zu-künftiger Ereignisse. Interessant ist, daß ein und derselbe Mann solch gegensätzliche Empfindungen weckt. Es sieht so aus, daß wir nicht nur Hoffnung und hohe Ideale brauchen, sondern einen Menschen, der diese Dinge verkörpert. Daneben sind wir frustriert und suchen nach Sündenböcken, die wir für unser eigenes Versagen verantwortlich machen können. Das Ganze wäre einfacher, wenn verschiedene Personen im Brennpunkt dieser gegensätzlichen Bedürfnisse ständen. Verblüffend und interessant zugleich wird es jedoch, wenn ein Mann Haß und Liebe zugleich erzeugt.

Glücklicherweise haben wir es mit einer Bewegung zu tun, deren erste Anhänger noch leben. Noch ist es also möglich, all diese Quellen aus erster Hand zu erfahren, etwas, das es in absehbarer Zeit nicht mehr geben wird. Die älteste, noch lebende Anhängerin ist Frau Se Hyun Ok, eine ehrwürdige alte Dame in den Achtzigern. An einem Abend erzählte sie mir ihre Geschichte, wie sie Moon am Anfang seiner Mission im Norden Koreas traf, ihn dann durch seine Gefängniszeit begleitete. Damals nahm sie regelmäßig den langen Fußmarsch quer durch Korea auf sich, um ihm Nahrung ins Konzentrationslager zu bringen. Später, nach der Gefangenenbefreiung, folgte sie ihm in den Süden. Ich sprach mit den frühen Anhängern aus den Tagen von Pusan, als sie noch in jener Lehmhütte wohnten. Sie alle lebten in engem Kontakt mit Reverend Moon, während er seine Prinzipien in eine schriftliche Form brachte. Es waren dieselben Menschen, die seine Lehren schon in Predigten gehört hatten, lange bevor sie niedergeschrieben wurden.

Seoul, Korea. Gespräch bei einem Abendessen mit Frau Se Hyun Ok, Moons erste Nachfolgerin aus dem Norden. September 1976.

"Zu der Zeit, als Reverend Moon Familien in Nordkorea unterrichtete, erzählte er ihnen die Göttlichen Prinzipien nicht wie in einem Vortrag, sondern als Predigt im Sonntagsgottesdienst, oder auch mittwochs oder sonnabends .... Die Niederschrift der Göttlichen Prinzipien in geordneter Form wurde erst in Pusan begonnen ....

Während dieser Zeit in Nord-Korea kamen alle Mitglieder einfach zu Reverend Moon. Er hat niemanden ausgesucht. Alle schlossen sich ihm an. Sie waren auf der Suche nach Gottes Offenbarung. Ich selbst hatte eine Offenbarung über die Ankunft des Messias erhalten. Gott sagte mir, daß der Messias sehr bald käme....

Eine der Familien kümmerte sich um Reverend Moon. Dort wohnte er auch. Die Mitglieder wohnten getrennt voneinander. Sonntags trafen sie sich alle zum gemeinsamen Gottesdienst....

Als Reverend Moon gefangen genommen wurde, hatte er zwanzig Nachfolger. Dann wurde er von der Polizei verhaftet und kam ins Gefängnis. Seine Nachfolger zweifelten an ihm und zerstreuten sich ....

Als ich ihn in Pusan wiedertraf, sah er sehr heruntergekommen aus, in seiner koreanischen Nationalkleidung, sehr dürftig und schmutzig. Sein erster Eindruck auf mich war der eines armen Fabrikarbeiters."

Seoul, Korea. Gespräch mit Moons ersten Nachfolgern. September 1976.

"lch erwartete immer, daß der Messias eines Tages wiederkommen würde, aber ich dachte nie daran, daß es in Korea geschehen könnte. Wenn er uns lehrte, sprach er über die Wiederkunft des Messias. Wir waren in einem kleinen Raum, und ich konnte es genau sehen: Seine Augen leuchteten. Sie waren so ungewöhnlich."

"Reverend Moon bestand darauf, daß ich mit seiner Kirchenfamilie zu Abend essen sollte. Es gab ein sehr bescheidenes Mahl: etwas Reis und Bohnenpürree."

"Reverend Moons Art zu beten war völlig anders: stets schenkte er Gott etwas, er gab immer ...."

»Eines Tages ging ich zu ihm und fragte ihn: ,Warum leben Sie hier so ärmlich wie ein Bettler?' Ich sagte ihm: ,Wie kann ich wissen, ob alles wahr ist oder nicht?', und er entgegnete: ,Du mußt beten, und dann wirst du heraus-finden, ob die Lehren Reverend Moons wahr sind oder nicht."'

"Als ich ihn zum ersten Mal traf, war er sehr abgemagert und heruntergekommen."

"Reverend Moon sagte mir, daß dieser Tag sehr bedeutungsvoll sei, aber ich wußte nicht, warum. Später erfuhr ich dann, daß er an jenem Tage die erste Niederschrift der Göttlichen Prinzipien beendet hatte. (10. Mai 1952)"

"Das koreanische Christentum ist wirklich sehr verschieden vom Christentum des Westens. Geistig steht es viel höher."

"ln Korea ist es nichts Außergewöhnliches, daß Christen so viel beten und weinen."

"Der Gottesdienst sah damals noch ganz anders aus. Es gab keine festen Formen. Die Menschen sangen und beteten ganz einfach. Jeder hatte geistige Erlebnisse. Es war ein ganz anderer Stil. Alle weinten und wehklagten ständig."

Zum routinemäßigen Rahmenprogramm gehörte auch der Besuch des Titanwerkes und der Ginsengteefabrik, beides Kirchenunternehmen. Ein wichtiges Anliegen der Theologie der Vereinigungskirche findet seinen Ausdruck in einer Vortragsserie über Antikommunismus. So verbrachte ich einen Vormittag in Vorträgen über den "Sieg über den Kommunismus". Als wir das größte der dortigen Trainingszentren besuchten, waren gerade Tausende versammelt, um Tonbandaufnahmen von Reverend Moons Ansprache am Washington Monument zu hören. Da ich geradewegs von Washington kam, empfing man mich wie eine kleine Berühmtheit, als Augenzeuge, der dieses bedeutende Ereignis kommentieren konnte. Man benutzt keine Stühle; auf diese Art können viele Menschen in einem Raum Platz finden. Tausende lauschten, dicht zusammengedrängt, jener Ansprache. Ich wurde gebeten, in einigen Worten meine Eindrücke von der Veranstaltung in Washington zu schildern.

Korea. Gespräch mit Gläubigen im Trainingszentrum vor den Toren von Seoul. September 1976.

"Manche Mitglieder antworten (auf die Frage ,Wer ist Sun Myung Moon?') als erstes, daß sie niemals vergessen könnten, was er für sie getan hat."

"Einige dieser Mitglieder haben Probleme mit ihren Familien, wenn sie der Kirche beitreten, andere mit den Kirchen, von denen sie kommen. Hier in Korea aber haben wir dieses Stadium schon hinter uns gebracht, und es ist jetzt viel leichter."

"Der von anderen Kirchen ausgehende Widerstand bildet ein großes Problem. Wenn wir jedoch diese Ablehnung hinnehmen und unsererseits die Menschen in dem gleichen Maße lieben wie sie sich gegen uns stellen, werden sie sich eines Tages unserer Liebe ergeben. Dann wird das Problem gelöst sein."

"Die Lehre Reverend Moons hat mich verändert. Jetzt sehe ich, daß wir für andere leben müssen, für das Wohl anderer. Vor meinem Eintritt in die Kirche glaubte ich, auf Kosten anderer leben zu können. Die Lehre Reverend Moons hat mir verständlich gemacht, daß wir uns selbst für andere hingeben müssen."

"Bevor ich zur Kirche kam, war ich oft im Rausch und daran gewöhnt, eine Menge zu rauchen. Durch die Göttlichen Prinzipien habe ich ein aufopferungsvolles Leben begonnen."

Einen Tag lang interviewte ich Leute, die keine Verbindung zur Kirche hat-ten und mit denen ich schon vor meiner Abreise aus Amerika Verbindung aufgenommen hatte. Darunter waren sowohl unvoreingenommene, abgeklärte Koreaner wie verbitterte, ängstliche und feindselige Gegner, die düster von Vergeltungsmaßnahmen sprachen. Überall, wo die Bewegung ihre ersten Erfolge verzeichnen konnte, erzeugte sie das gleiche Spektrum von Emotionen und aktiver Opposition. Demgegenüber war es leicht, die Cliquenbildung aufzuspüren, die für das politische und religiöse Leben in Korea so charakteristisch ist. Diese Streitsucht macht die Koreaner zu einem Volk, das zwar spontan zu tiefer Religiosität fähig ist, sich aber gleichzeitig in Gruppen aufspaltet, die ihre Zeit und Energie damit verschwenden, sich gegenseitig aufzureiben. Was kann Korea religiös und politisch vereinen und somit von seinem selbstzerstörerischen Kurs abhalten? So fragt man sich immer wieder.

Seou/, Korea. Interview mit einem Universitätsdozenten, der nicht Mitglied der Kirche ist, aber ihre Entwicklung von Anfang an verfolgt hat. September 1976.

"lch suchte nach einer soliden geistigen Basis. Bezeichnend ist, daß alle Intellektuellen dort sind. Menschen, die rational denken--das ist der Typ, der ihm folgt. Mein Eindruck war, daß sie nicht einfach alles blind glaubten, nicht gedankenlos -- vielmehr hatte ihr Glaube ein Fundament, eine Grundlage ....

Zu jener Zeit kursierten wirklich dunkle Gerüchte über diesen Moon ....

Ich habe stets die Einstellung vertreten, daß man die Vereinigungskirche nicht global verurteilen kann. sie hat ihre Stärken und Schwächen."

Seoul, Korea. Interview mit Missionsleitern der Protestantischen Kirche. September 1976.

"Nach Beendigung des Koreakrieges entwickelten sich hier viele geistige Religionen. Sie entsprangen zum Teil einem geistigen Nachholbedarf nach der schrecklichen Verwüstung."

"Sie ist hier noch nicht gestorben, wenngleich sie auch keine mächtige Gruppe in Korea darstellt--jedenfalls nicht, soweit ich weiß."

"Sie ist ein typisches Beispiel für das, was wir in Korea Synkretismus nennen. Das ist hier eine weitverbreitete religiöse Methode: nimm von allem etwas und mache dir daraus etwas Neues."

"Er ist die moderne Version dessen, was wir früher den "Himmlischen Weg" nannten."

Seoul, Korea. Interview mit einem Sprecher der Yonsei Universität. September 1976.

"Die Koreaner sind auf vielfältige Art von messianischen Erwartungen erfüllt .... Besonders unmittelbar nach Kriegsende begannen in Korea alle Arten von Sekten zu sprießen ....

Wirklich bekannt wurde Moon erst in den siebziger Jahren. Bis 1965 war seine Gruppe nur eine Sekte unter vielen .... Das Land war geradezu reif für alle möglichen religiösen Bewegungen ....

Die christliche Kirche ist hier, insgesamt gesehen, eher konservativ, wenn nicht gar urkirchlich ....

Korea ist ein Land, das in den letzten zwei oder drei Jahrhunderten von Zersplitterungen jeglicher Art durchzogen wurde. Dieses Phänomen hat auch vor den Kirchen nicht halt gemacht. Jede halbwegs dynamische Führernatur gründete folglich sehr bald eine eigene Sekte ....

Warum wuchs die christliche Kirche in Korea? Letzten Endes werden Sie sagen müssen, es geschah durch das Wirken des Heiligen Geistes."

Ich fuhr zu dem See, an dem Reverend Moon betet und meditiert, bevor er wichtige Entscheidungen fällt. Wir trafen uns dort mit den Cousins, die mit ihm aufgewachsen waren. Während wir unter den Bäumen saßen und auf den See hinausblickten, erzählten sie mir Anekdoten aus seiner Kindheit. Ein Freund aus seiner Studentenzeit schilderte mir sein Wirken in Japan, wo sie alle in Untergrundbewegungen zur Befreiung Koreas und in religiösen Bewegungen engagiert waren. Von Anfang an hatte Moons religiöse Lehre einen Bezug zum politischen Leben--was in Anbetracht der koreanischen Situation verständlich war. Ich hatte ein ausgedehntes Frühstück mit den Studenten, die damals von der Yonsei und der Ewha Universität verwiesen wurden, als die Bewegung zum ersten Mal durch viele Bekehrungen aus Studentenkreisen stark anschwoll. Die Vereinigungsdoktrin ist eindeutig synkretistisch. Sie entstand aus der Vielfalt des damals explodierenden religiösen Milieus, hat jedoch ihre eigene Tradition in Doktrin und Lebensstil hervorgebracht.

Seoul, Korea. Frühstück mit Lehrern und Studenten, die 1955 wegen ihres Beitritts zur Vereinigungskirche von christlichen Universitäten verwiesen wurden. September 1976

"Man zwang uns zu wählen: die Universität oder unsere Religion."

"Nach Kriegsende suchten sie (die Studenten) nach einem starken Glauben. Nachdem sie unter dem kommunistischen Regime jahrelang nicht hatten zur Kirche gehen können, erschien ihnen die Vereinigungskirche als eine hoffnungsvolle Religion der Zukunft."

"Während des Koreakrieges fragten die Kommunisten immer: ,Wo ist Gott? Kannst du denn glauben, daß Gottes Reich auf Erden errichtet wird?'

Die Christen konnten jedoch darauf keine Antwort geben. Weil sie die Antwort nicht hatten, konnten sie keine Lösung für die Probleme der Menschen herbeiführen. Die Vereinigungskirche kann diese Antwort geben."

"Zu der Zeit waren die Kirchen untereinander sehr zerstritten. Ein Pfarrer aus einer Gruppe begann, andere Gruppen zu denunzieren. Ich wollte so gerne einem Glauben angehören, aber auf den Kirchen ruhte kein Segen, keine Gnade."

"Nach dem Koreakrieg suchte ich nach einem Konzept, das den Kommunismus überwinden könnte. In den Prinzipien fand ich schließlich die Antworten, nach denen ich lange gesucht hatte."

"Die Menschen, die die Bibel kennen und Gottes Willen verstehen wollten, konnten keine Hilfe von den Pastoren bekommen, weil diese damit beschäftigt waren, sich gegenseitig zu bekämpfen. Die Menschen fanden keine Befriedigung in ihrem Glauben. Zu der Zeit erschien die Vereinigungskirche."

Alles war damals so verwirrt, und die Koreaner wußten nicht, welchen Weg nehmen. Die Vereinigungskirche brachte ihnen die echte Wahrheit und zeigte ihnen den Willen Gottes. Das bewegte sie alle zutiefst."

Jetzt stehen viele der ersten Mitglieder natürlich an der Spitze der missionarischen Unternehmungen im Ausland. Einige zählen zu Moons engstem Beraterkreis, und es ist im besonderen ihre Aufgabe, den frühen Geist der Kirche durch ihr eigenes Beispiel den jungen Mitgliedern zu übermitteln, die Korea wohl noch nie gesehen haben und auch nicht um das Erbe dieses Landes wissen. Die koreanischen und japanischen Leiter bilden offensichtlich den inneren Kern der Bewegung und sind die Quelle ihrer Energie und Vitalität. Einer von ihnen nennt sich "der Kämpfer" und nahm den Namen David an. Ein anderer ist die treibende Kraft für geistiges Wachstum, wieder ein anderer ist ruhig und nachdenklich, ein weiterer ein geistiger Seher. Alle diese Menschen sind grundverschiedene Persönlichkeiten, die ihre eigenen, ausgeprägten Ansichten vertreten. Allen gemeinsam jedoch ist die tiefe Loyalität, die sie sowohl für die Sache als auch für Moons Führerschaft bekunden.

Barrytown, M Y. Interview mit einem frühen Mitglied aus Korea, der jetzt Kirchensprecher ist November 1976.

"lch glaube fest an die Bibel, und ich stehe keineswegs mit dem Christentum in Konflikt....

In Portland, Oregon, wurde am 3. Januar 1961 eines der ersten Zentren der Vereinigungskirche gegründet .... Bis 1972 waren vier Schlüsselpersonen an der Wiederherstellung Amerikas beteiligt. Das waren an der Westküste Herr Kim und Herr Choi, an der Ostküste Fr. Young Kim und Colonel Pak. Wir alle haben sehr verschiedene Persönlichkeiten. Fr. Kim ist die Theologin, ich bin kontaktfreudig, Herr Choi ist der Politiker....

Ich bin ein Kämpfer, und ich habe für ihn gekämpft .... Ich trainierte die jungen Leute in jeglicher Verfassung. Ich war mit dem Vater zusammen; daher habe ich die Autorität. Ich habe Kämpfergeist .... Ich liebe die jungen Leute. Sie wissen, daß ich sehr streng mit ihnen bin, aber sie akzeptieren es. Sie brauchen Disziplin und Führung ....

Warum hören die Leute ihn an? Weil Gottes Geist hinter ihm steht. Gott benutzt Reverend Moon; Gottes Kraft lebt in dieser Bewegung. Das Problem ist, daß gewöhnliche Leute nur den äußeren Aufbau sehen. Es ist ein Kampf zwischen Gottes Seite und der Seite Satans, der sich im Menschen selbst abspielt. Dies ist ein Krieg ....

Unser Problem ist die Eifersucht. Der geistige Vater ist Reverend Moon-- das macht die leiblichen Eltern eifersüchtig. Ich glaube nicht, daß das auf-hören wird. Das geschieht immer wieder. Jede neue Bewegung steht den Auswirkungen gegenüber, die sie auf die Familie hat. wir halten unsere Mitglieder zum Schreiben an. wir vermitteln ihnen Respekt für die Eltern."

Tarrytown, N. Y. Interview mit einem frühen Nachfolger aus Korea. November 1976.

"Die christlichen Kirchen in Korea begannen interne Kämpfe auszufechten, die zu Trennungen zwischen den verschiedenen Konfessionen führten. Die innere Zerrissenheit der christlichen Kirchen enttäuschte mich zutiefst, und ich war versucht, meinen Glauben an sie ganz aufzugeben. Dann kam mir der Gedanke, in die Berge zu gehen und zu Gott zu beten, damit Er mir sagte, wie ich mit dieser Situation fertig werden könnte ....

Ich war um die Zukunft des Christentums sehr besorgt, ebenso um die Wiederkunft des Herrn. Ich wußte von der Existenz Gottes und Satans, hatte aber noch keine wirklichen Erfahrungen damit gemacht. Im Gebirge hatte ich dann solche Erlebnisse. Zu der Zeit lernte ich, Satans Angriffe abzuwehren .... Gott sagte mir, ich solle nicht einfach auf den Messias warten, ihn nicht wie ein Wunder erwarten, sondern ihn unter den Menschen suchen. Ich erfuhr, daß ich in der Zeit der letzten Tage lebte und daß Gott eine Gruppe von Menschen beauftragen würde, andere Gruppen zu führen, damit Seine Vorsehung erfüllt werde. Ich erfuhr auch, daß sie durch große Verfolgung gehen müßten. Später war ich überzeugt, daß dies die Gruppe war, von der Gott gesprochen hatte. Damals trat ich aus der presbyterianischen Kirchengemeinschaft aus und schloß mich dieser Gruppe an .... Ich erfuhr, daß nicht die traditionelle christliche Denkweise ihr Leben retten könnte, sondern der Glaube an eine neue Wahrheit in einem neuen Zeitalter. Dies alles geschah 1956....

Jemanden ,Vater' zu nennen bedeutet, daß man die innigste Beziehung zu der Person hat. Es bedeutet, daß man dieser Person sehr nahesteht. Vor zwanzig Jahren benutzten die Mitglieder dieses Wort noch nicht so häufig wie heutzutage. Sie nennen ihn jetzt eher Vater, weil er nicht mehr nur das Wort predigt, sondern auch mehr Liebe ausgibt. Er zeigt und übermittelt mehr Liebe. Vor zwanzig Jahren war er eher streng. Er gab nichts als die Lehre. Deshalb nannten ihn die Leute damals Meister. Heute nennen ihn fast alle Mitglieder Vater. Die Zeiten haben sich geändert."

Tarrytown, M Y. Interview mit einem frühen Kirchenleiter und Dolmetscher aus Korea. November 1976.

"Die letzten vier Jahre waren sozusagen meine goldenen Jahre. Reverend Moon und ich lebten praktisch zusammen. So hatte ich die Gelegenheit, ihn in jeder Lebenslage zu beobachten und daraus zu lernen ....

Es ist eine fast unmögliche Aufgabe für mich, Reverend Moon zu dolmetschen, denn seine Botschaft ist so tiefgehend und manchmal sehr abstrakt; sie beruht auf orientalischer Philosophie und Ausdrucksweise. Er setzt niemals ein Manuskript auf, sondern betet viele Stunden lang und spricht dann aus der Inspiration heraus. Auf unseren Reisen kniete er oft um zwei Uhr morgens auf dem Boden, in tiefes Gebet versunken. Aber schreiben tut er nie. Bis zum letzten Augenblick vor einer Ansprache betet er. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet. Also kann der Dolmetscher keine andere Hausarbeit machen als auch zu beten. Selbst ein guter Dolmetscher der Vereinten Nationen wäre niemals fähig, Reverend Moon zu dolmetschen, das ist ganz sicher. Die Geschicklichkeit ist nicht entscheidend, ebensowenig genügen gute Sprachkenntnisse. Dies ist eine völlig andere Art von Dolmetschen. Ich übersetze Reverend Moons Geist, seine Überzeugung. So übersetze ich aus dem Glauben heraus. Ich muß geistig völlig auf ihn eingestellt sein, so daß ich gänzlich zu seinem Werkzeug werde. Es muß mir gelingen, seine Seele, den Geist, in dem er lehrt, seinen Zuhörern zu übermitteln. Wenn ich nicht selbst Feuer gefangen habe, dann wird es nichts--dann kann ich niemanden inspirieren ....

Ich könnte bezeugen, was für ein Mensch er ist, was für eine Art religiöser Führer. Es besteht für mich nicht der geringste Zweifel, daß ich Gottes Wort hörte, wenn er sprach und ich übersetzte. Aus meinem tiefsten Innern heraus rief es: ,da ist Gottes Wort--welch eine Wahrheit'--so stark waren meine Inspiration und Ergriffenheit....

Von meinem Wesen her bin ich eigentlich nicht so geistig; ich habe keine Visionen oder höre Stimmen. Derartige Erfahrungen habe ich nicht. Ich bin ein bodenständiger Mensch. Auch Reverend Moon hat niemals in seinem geistigen Amt Gebrauch von ungewöhnlichen, übernatürlichen oder mystischen Kräften gemacht. Auch er ist ein sehr nüchterner Mensch. Seine einzige Waffe ist die Wahrheit. Er sagt keine mystischen Dinge--niemals. Seine Lehren sprechen das menschliche Herz an, sie inspirieren das Herz; er möchte die Herzen rühren, sie verändern ....

Er sagt, daß des Menschen ärgster Feind, der ihn an der Erlangung des Himmels hindert, der Mensch selbst ist. Solange der Mensch nicht seine Selbstsucht zerstört, kann er keinen Zutritt zu Gottes Reich bekommen. Das war natürlich auch Jesu Lehre, aber durch Reverend Moon ist mir ihr Sinn viel klarer geworden. Sie wurde Wirklichkeit für mich und brachte mich zu dieser Aufgabe. In dieser Hinsicht kann ich von meinem geistigen Wachstum sprechen. Ich bin noch nicht annähernd vollkommen. Trotzdem versuche ich, jeden Tag so gut wie möglich nach den grundlegenden Kriterien zu leben, die Reverend Moon erarbeitet hat ....

Ganz zu Anfang meiner Mitgliedszeit gab es etwa einhundert Mitglieder in der Gegend von Seoul, und im übrigen Land nicht ganz zwei- oder dreihundert. Reverend Moon beeindruckte mich damals auf zwei verschiedene Weisen. Einmal als der demütige Mensch, der sehr bescheiden lebte. Aber der stärkere Eindruck war, daß ich in meinem Leben nie einen Menschen so hart habe arbeiten sehen. Er war ein Mann von absoluter Selbstdisziplin. Nie schlief er mehr als zwei Stunden pro Tag .... Etwas gibt es, das sich niemals geändert hat, und das sind sein absoluter Glaube, sein Verständnis und seine feste Überzeugung von Gott und der Wahrheit. Damals wie heute ist das so gewesen. Reverend Moon ändert sich niemals; er strauchelt nicht und geht völlig unbeirrt seinen Weg. Er ist wie ein Fels, der niemals verwittert oder ausmergelt. An seinem schwärzesten Tag, ob im Gefängnis oder unter welchen Umständen auch immer, ist seine Überzeugung unveränderlich geblieben. Er kennt die ewige Wahrheit. Er kennt Gott. Seine Lehren haben ewigen Wert ....

Damals sagte Reverend Moon immer, daß er noch in Amerika predigen wurde. Und ich fragte mich, wie das möglich sein sollte. Er sagte auch, daß er eines Tages Missionen in 120 Nationen haben wurde. Und während er von alledem sprach, versuchte die koreanisehe Regierung, die Bewegung zu zerschlagen. Er aber ließ nicht nach. Zu der Zeit dachte ich: ,Wie kann sich denn die Bewegung jemals weltweit ausbreiten? Völlig ausgeschlossen.' Und heute, zwanzig Jahre danach, geschieht alles genauso, hundertprozentig.

Reverend Moon gibt der Welt eine Alternative zur kommunistischen Machtübernahme. Er bringt eine gleichermaßen drastische Veränderung, oder sogar eine noch stärkere. Aber es ist ein Leben mit Gott im Mittelpunkt. Re-verend Moons nächstes Ziel ist Moskau. Er meint damit, daß Moskau das Symbol des Kommunismus ist. ihn zu bekämpfen und zu Oberwinden ist unsere Aufgabe. Damit meine ich nicht auf militärische, sondern auf religiöse Weise. Kommunismus kann man nur durch ein positives religiöses Prinzip Oberwinden ....

Reverend Moon hat einen Meisterplan im Sinn, in seinem Herzen. Er ist jetzt seit über dreißig Jahren im geistigen Amt. In den ersten zwanzig Jahren kümmerte er sich nicht um die materialistische Seite. Die berührte ihn gar nicht. Nur geistige Dinge. Seit den letzten zehn Jahren befaßt er sich auch mit Geschäften .... in der Wiederherstellung müssen wir beides zu meistern wissen: sowohl die geistige als auch die physische Welt. Die geistige Welt hat er schon erobert, jetzt ist sein Ziel jedoch die Errichtung des Reiches Gottes auf Erden. Das wurde schon sehr früh betont .... Zur Errichtung des Reiches Gottes brauchen wir materielle Dinge. Wir brauchen materielle Mittel oder Macht, um die Wahrheit zu lehren und auszubreiten. In dieser Hinsicht ist er sehr realistisch. Er ist ein äußerst tüchtiger Unternehmer. Im Rahmen der Prinzipien richtet sich unsere Bewegung jetzt auf zwei gleichlaufende Erfüllungen aus. Die eine ist geistiger Natur, wie etwa das Lehren der Prinzipien, die Errichtung von Seminaren, Zentren usw.; ebenso benötigen wir eine materielle Grundlage zur Unterstützung der geistigen Arbeit und zur Errichtung unseres Paradieses auf Erden. Ein wirkliches Reich Gottes, im wahrsten Sinne des Wortes ....

Die Leute hätten niemals geglaubt, daß aus Bethlehem etwas Gutes kommen könnte:--warum ausgerechnet aus Bethlehem !? Und genauso denken die Leute heute Warum gerade Korea -- dieses arme, elende Land?' . . .

Reverend Moon betrachtet es als unsere Pionierarbeit, daß wir eine eigene Tradition aufbauen. Darauf legt er ganz besonderen Wert, damit diese Tradition weiterleben und in der nächsten Generation gefestigt werden kann. Eine Tradition der harten Arbeit, der Selbstlosigkeit. Darum treibt Reverend Moon die Menschen zu harter Arbeit an. All diese Leidens- und Pioniererfahrungen werden ein unschätzbares Geschenk für die Menschen sein ....

Unsere Bewegung, unser Ziel selbst, hat keine eigentlich politische Ausrichtung, um etwa die Regierung zu übernehmen. Reverend Moon sagt klar und deutlich, daß er vielmehr die Führerschaft durch einen Erziehungsprozeß beeinflussen möchte. Es ist sein ganzes Streben, eine Führerschaft heranzubilden, die Gott akzeptiert und dem Kommunismus überlegen ist. Das läßt ihn manchmal sehr politisch erscheinen. Er möchte, daß die Vereinigungskirche zu einer einflußreichen Macht heranwächst ....

Ich spüre eine gewisse Wandlung. Jetzt ist seine Lehre stärker auf zukünftige Führungsaufgaben unserer Bewegung ausgerichtet. Ständig fragt er uns ,Was macht ihr, wenn Reverend Moon stirbt?' Er beginnt jetzt damit, den reifen, erfahrenen Führern unserer Bewegung mehr Freiheit und Flexibilität zu geben ....

Wissen Sie, wo die wirkliche Stärke der Vereinigungskirche liegt? Die Menschen der Vereinigungskirche sind buchstäblich bereit, für ihre Überzeugung zu sterben. Es gibt keine stärkere Armee als die, die den Tod nicht fürchtet .... so eine Armee hatte Jesus auch--seine eigenen Nachfolger wurden zu Tode gesteinigt, gefoltert. Es hat schon vereinzelt Märtyrer in der Vereinigungskirche gegeben, und praktisch ein jeder ist wirklich bereit, Martyrium glorreich auf sich zu nehmen. Wie etwa im Yankee Stadium während des riesigen Sturms. Da empfand ich Martyrium. Da habe ich die wirkliche Kraft der Vereinigungskirche gesehen. Nicht einer suchte Schutz. Keiner zögerte, keiner war ratlos. Ich bin seit zwanzig Jahren in der Vereinigungskirche--aber das war wohl eines meiner schönsten Erlebnisse. Es war mir ein sicherer Beweis für die Macht und Stärke der Vereinigungskirche. Damit können wir nicht scheitern."

 

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