
Barrytown, New York 14. Oktober 1976
Wir, die Unterzeichneten, proklamieren an diesem bedeutungsvollen Tag des 14. Oktober 1976 vor dem Himmel und der Erde die folgenden zwölf theologischen Artikel zur Förderung der Einheit
Amen
1. Gott. Es gibt einen lebendigen, ewigen und wahren Gott, eine Person jenseits von Zeit und Raum, die vollkommenen Intellekt, vollkommenes Gemüt und vollkommenen Willen besitzt, deren tiefstes Wesen Herz und Liebe ist, das Männlichkeit und Weiblichkeit in sich verbindet. Er ist die Quelle aller Wahrheit, der Schönheit und des Guten. Er ist Schöpfer und Erhalter des Menschen und des Universums, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Der Mensch und das Universum reflektieren Seine Persönlichkeit, Seine Natur und Seinen Zweck.
2. Der Mensch. Der Mensch wurde von Gott als eine besondere Schöpfung geschaffen, nach Seinem Bild als Seine Kinder, Seiner Persönlichkeit und Seinem Wesen gleich. Der Mensch wurde geschaffen, um Gottes Liebe zu erwidern, die Quelle Seiner Freude zu sein und an Seiner Schöpfung teilzuhaben.
3. Gottes Wunsch für Mensch und Schöpfung. Gottes Wunsch für Mensch und Schöpfung ist ewig und unveränderlich; Gott wünscht, daß Männer und Frauen drei Dinge erfüllen: als erstes zur Vollkommenheit heranzuwachsen, so daß sie im Herzen, im Willen und in der Tat eins sind mit Gott, indem sie Körper und Geist in vollkommener Harmonie--mit Gottes Liebe als Mittelpunkt--vereinen; zweitens, von Gott als Ehemann und Ehefrau vereint zu werden, sündenlosen Kindern Gottes das Leben zu schenken, da-durch eine sündenlose Familie zu errichten und schließlich eine sündenlose Welt; und drittens, Herrscher über diese erschaffene Welt zu werden, in-dem eine Herrschaft der Liebe durch ein gegenseitiges Geben und Nehmen errichtet wird. Durch die Sünde des Menschen wurde all dies nicht erfüllt. Darum ist es Gottes gegenwärtiges Verlangen, daß das Problem der Sünde gelöst werde, daß alles wiederhergestellt werde, damit auf diese Weise das irdische und himmlische Reich Gottes errichtet wird.
4. Sünde. Der erste Mann und die erste Frau (Adam und Eva) wurden-- ehe sie vollkommen waren--vom Erzengel Luzifer zu unerlaubter und verbotener Liebe verführt. Dadurch wandten sich Adam und Eva willentlich von Gott und Seiner Bestimmung für sie ab und brachten somit sich selbst und der menschlichen Rasse den geistigen Tod. Als Resultat dieses Falles bemächtigte sich Satan der Position des wahren Vaters, so daß seither alle Menschen geistig und physisch in Sünde geboren werden und einen Hang zur Sünde haben. Deshalb neigen die Menschen dazu, sich gegen Gott und Seinen Willen aufzulehnen, sie leben in Unwissenheit um ihre wahre Natur, um ihre Elternschaft und um alles, was sie verloren haben. Auch Gott trauert um Seine verlorenen Kinder und um die verlorene Welt. Er mußte unaufhörlich darum kämpfen, sie wieder zu sich zurückzuführen. Die Kreatur sehnt und ängstigt sich und wartet darauf, durch die wahren Kinder Gottes vereint zu werden.
5. Christologie. Die gefallene Menschheit kann nur durch Christus (den Messias) wieder zu Gott zurückgeführt werden, der als der neue Adam kommt, um das neue Haupt der menschlichen Rasse zu werden (er ersetzt die sündigen Eltern). Durch ihn kann die Menschheit in Gottes Familie wiedergeboren werden. Damit Gott den Messias senden kann, muß die Menschheit bestimmte Bedingungen erfüllen, die all das wiederherstellen, was durch den Fall verloren ging.
6. Geschichte. Die Wiederherstellung geschieht durch das Leisten von Wiedergutmachung für die Sünde. Die menschliche Geschichte ist die Aufzeichnung der Bemühungen Gottes und des Menschen, diese Wiedergutmachung in einer bestimmten Zeit zu leisten, damit die Bedingungen erfüllt werden, auf deren Grundlage Gott den Messias senden kann, der kommt, um den Prozeß der völligen Wiederherstellung zu beginnen. Wenn die Bemühungen zur Erfüllung von Wiedergutmachungsbedingungen mißlingen, müssen sie wiederholt werden, gewöhnlich nach einer gewissen Zeitspanne und von einer anderen Person. Darum weist die Geschichte ein sich wiederholendes Muster auf. Die Geschichte erfüllt sich mit dem Kommen des Messias, und zu dem Zeitpunkt endet das alte Zeitalter und ein neues Zeitalter beginnt.
7. Auferstehung. Der Vorgang der Auferstehung ist der Prozeß der Wiederherstellung des Menschen zu geistigem Leben und geistiger Reife, so daß der Mensch sich schließlich mit Gott vereint. Es ist der Prozeß, vom geistigen Tod zum geistigen Leben zu gelangen. Dieses wird zum Teil durch die Bemühungen des Menschen (durch Gebete, gute Taten etc.) unter Mithilfe der Heiligen in der geistigen Welt erreicht. Die Vollendung geschieht durch Gottes Wirken, indem Er den Menschen durch Christus (den Messias) zur Wiedergeburt bringt.
8. Prädestination. Gottes Wille, daß alle Menschen zu Ihm wiederhergestellt werden, ist absolut prädestiniert, und Er bestimmte alle Menschen dazu, erlöst zu werden. Er hat aber dem Menschen auch einen Teil der Verantwortung gegeben (die der Mensch aus seinem freien Willen heraus tragen soll), um sowohl Seinen ursprünglichen Willen als auch Seinen Willen für die Ausführung der Wiederherstellung zu erfüllen. Diese Verantwortung bleibt für den Menschen unveränderlich bestehen. Gott hat ihnen verschiedene Verantwortungen übertragen. Wenn sie versagen, müssen andere ihre Rollen übernehmen, und größere Wiedergutmachung muß geleistet werden.
9. Jesus. Jesus von Nazareth kam als der Christus, der Zweite Adam, Gottes eingeborener Sohn. Er wurde eins mit Gott, er sprach Gottes Worte, tat Gottes Werke und offenbarte so Gott den Menschen. Die Menschen jedoch lehnten ihn ab, kreuzigten ihn und hinderten ihn so, das Reich Gottes auf Erden zu errichten. Jesus aber war in seiner Kreuzigung und Auferstehung siegreich über Satan und machte dadurch die geistige Erlösung für diejenigen möglich, die durch ihn und den Heiligen Geist wiedergeboren werden. Die Wiederherstellung des Reiches Gottes auf Erden wartet auf die Wiederkunft Christi.
10. Die Bibel. Die Schriften des Alten und Neuen Testaments sind die Aufzeichnungen über Gottes fortschreitende Offenbarungen den Menschen gegenüber. Die Bibel soll uns zu Christus bringen und uns Gottes Herz offenbaren. Wahrheit ist einzigartig, ewig und unveränderlich, also wird auch jede neue Botschaft von Gott mit der Bibel übereinstimmen und wird sie tiefer verständlich machen. Und doch muß in den letzten Tagen eine neue Wahrheit von Gott kommen, um es der Menschheit zu ermöglichen, all das zu erfüllen, was noch getan werden muß.
11. Vollständige Wiederherstellung. Sachgemäßes Verständnis der Theologie konzentriert sich gleichzeitig auf die Beziehung Gott--Mensch (vertikal) und auf die Beziehung des. Menschen zu seinen Mitmenschen (horizontal). Die Sünde des. Menschen zerstörte beide Beziehungen, und daraus entstanden alle Probleme unserer Welt. Diese Probleme werden durch die Wiederherstellung des Menschen zu Gott durch Christus gelöst werden, ebenso durch Maßnahmen wie die Einführung guter moralischer Maßstäbe und Lebensführung, die Gründung wahrer Familien, die Vereinigung aller Völker und Rassen (Orient, Okzident, Afrika etc.), die Lösung der Spannung zwischen Wissenschaft und Religion, die Beseitigung ökonomischer, rassischer, politischer und erzieherischer Ungerechtigkeiten und die Überwindung Gott-verleugnender Ideologien wie dem Kommunismus.
12. Wiederkunft oder Eschatologie. Die Wiederkunft Christi wird sich in unserer Zeit ereignen, einem Zeitalter, das sehr dem des ersten Kommens gleicht. Christus wird wie zuvor als ein leibhaftiger Mann kommen. Durch die Hochzeit mit seiner Braut, einer leibhaftigen Frau, wird er eine Familie errichten, und sie werden die Wahren Eltern der gesamten Menschheit werden. Indem wir die Wahren Eltern akzeptieren (die Wiederkunft Christi), ihnen gehorchen und nachfolgen, wird unsere ursprüngliche Sünde ausgelöscht und wir werden schließlich vollkommen werden. Wahre Familien, die Gottes Ideal erfüllen, werden entstehen, und das Reich Gottes wird auf Erden wie auch im Himmel errichtet werden. Dieser Tag ist jetzt nahe.
![]()
Bevor wir uns jetzt den Göttlichen Prinzipien* selbst zuwenden, noch ein Wort über ihre Entwicklung und ihren Status. Natürlich ist, das schon genügend Stoff für ein gesondertes umfassendes Buch und auch nicht mein eigentlicher Fachbereich. Allerdings ist ein Studium über die Entstehung neuer "Heiliger Schriften" eine faszinierende Sache. Moons erste Nachfolger berichten, daß seine Lehren damals nur in mündlicher Form bestanden, jedoch beinhalteten sie schon alles, was als die Kernaussage des Buches Die Göttlichen Prinzipien betrachtet wird. Dieselben Nachfolger waren dann Zeugen der Fertigstellung des ersten schriftlichen Entwurfes in Pusan. Den Berichten zufolge wurden Gliederung und Ausarbeitungen, insbesondere historische Unterlagen, erst in späteren Auflagen hinzugefügt. So erreichte das Werk dank all dieser Unterstützung seine heutige Form.
Woher kamen die Lehren, bevor sie sich in Sun Myung Moons Geist konkretisierten? Nun, Korea war zu der Zeit ein brodelnder Kessel von religiösen Auffassungen und Lehren. An keiner Stelle behauptet Reverend Moon, daß er alles in einer direkten Offenbarung erhalten habe. Beobachtern zufolge ist Synkretismus ein für Korea typischer religiöser Lebensstil. Darüber hinaus war es Reverend Moon jedoch vergönnt, die inneren Zusammenhänge zu erfassen. Er erscheint nicht als namentlich genannter Autor auf der Titelseite des Buches, weil er die darin ausgedrückten Ideen buchstäblich nicht als seine eigenen betrachtet. Was waren die Quellen seiner Inspiration? "Gebet und die Bibel"--kam es kurz und bündig von einem der Kirchenleiter, als ich ihm die Frage stellte. Solch eine Antwort befriedigt keinen Gelehrten. Zweifelsohne haben auch die Göttlichen Prinzipien wie so viele andere große Werke eine historische Vorgeschichte. Nichtsdestoweniger war es keine schlechte Antwort auf eine neugierige Frage.
Die Göttlichen Prinzipien gehen von der Annahme aus, daß es ein universelles Streben nach Glück gibt (S. 1). Der Mensch besitzt ein "ursprüngliches Gemüt", eine nicht gefallene Natur, die das Gute sucht und das Böse verabscheut, jedoch besteht im Menschen, wie wir ihn kennen, ein Widerspruch. Dieser Widerspruch wurde durch die Sünde herbeigeführt. Des Menschen Aufgabe ist es, sein ursprüngliches, ungeteiltes Gemüt wieder-herzustellen (S. 3). Religion und Wissenschaft müssen sich vereinigen. Die Philosophen allein können das menschliche Elend nicht beseitigen. Das Christentum ist erstarrt und somit unfähig, die Bedürfnisse der Menschheit zu stillen. (S. 6). Wir können aber kein Glück auf der geistigen Ebene ohne wahres physisches Glück erlangen (S. 8). Folglich zielen die Prinzipien auf eine beidseitige Wiederherstellung hin, durch die sowohl die physische als auch die geistige Welt wieder in harmonischen Einklang mit Gott gebracht werden soll. Diese Wiederherstellung muß simultan geschehen, um die beiden Welten nach Gottes ursprünglichen Plan zu vereinen.
Da die bestehenden Lehren sich als unfähig erwiesen haben, diese Wandlung auf beiden Ebenen zu ermöglichen, muß eine "neue Wahrheit" erscheinen (S.9). Die Frage dabei ist, ob Gottes Offenbarung abgeschlossen oder aber noch offen ist. Die Moonies legen die Bibel ganz offensichtlich nicht wörtlich aus, ebensowenig sind das Alte und Neue Testament für sie völlig ausreichend. Ihrer Auffassung nach ist unsere Gottesvorstellung verblaßt. Die neue Wahrheit hat daher die Aufgabe, uns zu der Erkenntnis zu führen, daß Gott eine Realität ist (S.10). Die Eröffnung dieses neuen Zeitalters geschieht mit der ideologischen Auseinandersetzung zwischen den Ideologien der Demokratie und des Kommunismus (S.11). Genauso wie die Lehre das Materielle mit dem Geistigen verbindet, enthält sie auch zwei politische Komponenten. Alle bestehenden Religionen sollten durch die Wahrheit vereinigt werden. Demgegenüber plädiert die Lehre eindeutig für den Sieg des Theismus--vertreten durch die Ideologie der Demokratie--über den Atheismus, der durch die Ideologie des Kommunismus verkörpert wird.
Das Ziel ist das Zusammenleben aller Menschen in geschwisterlicher Liebe unter Gott, unserem Vater (S.12). Zur Erreichung dieses Zieles muß aber die eine Ideologie gegen die andere ausgespielt werden. Die neue Welt kommt jedoch noch zu unserer Zeit. Darin liegt die Macht ihres Rufes. Die sündige Menschheitsgeschichte, die bis heute vorherrschte, wird ein Ende finden--eine erstaunliche Verheißung. "Wiederherstellung" heißt ihr Ziel und ihr Schlüsselwort. In der traditionellen Theologie findet es seine Entsprechung in der " Auferstehung". Gott hat einen feststehenden Plan, den er methodisch verwirklicht. Zusammengefaßt sind Die Göttlichen Prinzipien die Enthüllung dieses Planes und damit der Schlüssel für die bisher mißverstandenen Aspekte der Heiligen Schrift.
Die neue Wahrheit ist erschienen, und Sun Myung Moon ist Gottes Botschafter; das läßt sich eindeutig zur Person Reverend Moons feststellen. In seiner Jugend ging er durch Versuchungen und mußte mit satanischen Mächten kämpfen. Durch seine enge Verbindung zu Gott gelang es ihm, himmlische Geheimnisse ans Licht zu bringen. (S.16). Niemand kannte den ursprünglichen, absoluten Schöpfungsplan für den Menschen und das Universum. Bisher waren nur Teile davon bekannt; erst in unserer Zeit und durch Gottes Wirken in der Vorsehung wurde Gottes Plan in seiner Vollständigkeit offenbart. (S.19). Gott ist von polarer Wesensart--wie auch alle anderen Dinge--und es ist von größter Wichtigkeit, daß wir diese beabsichtigte Polarität der Schöpfung begreifen. Gott hat positive und negative Wesenszüge (nicht zu verstehen als Gegensatz von Gut und Böse), zum Beispiel einen männlichen und einen weiblichen Aspekt (S.24). Die Natur arbeitet nach dem Prinzip des "Gebens und Nehmens". Das gleiche gilt für den Menschen und auch für Gott.
Die Lehre wird mit ausgeteilten metaphysischen Erklärungen unterlegt, die ich aber hier der Einfachheit halber auslassen werde. Darüber hinaus ist es auch so gut wie sicher, daß der metaphysische und geschichtliche Rahmen erst später als der Kern der Prinzipien erarbeitet wurde. Ein Schlüsselwort in der gesamten Abhandlung ist Geben und Nehmen, ebenso wie horizontale und vertikale Kraft. Anhand dieser Ausdrücke werden viele Vorgänge in der Natur und im Menschen analysiert (S.28). Subjekt-und Objektposition sind ebenso erklärende Schlüsselbegriffe, und das eigene Selbst wird als Gottes Objekt bezeichnet. Der Fall bedeutet, daß der Mensch vom Vorgang des Gebens und Nehmens mit Gott abgeschnitten wurde. Die Wiederherstellung dieses Verhältnisses ist unser Hauptziel (S.30). um das zu erreichen, müssen wir uns in einer vollkommenen Beziehung des Gebens und Nehmens mit Jesus vereinen. Diese Lehre ist nicht weit von der des traditonellen Christentums entfernt, aber sie drückt sich hier durch andere Begriffe aus.
Ein weiterer erläuternder Begriff ist die Grundlage der vier Positionen, deren elementares Vorbild in der Beziehung Gott, Ehemann, Ehefrau und deren Nachkommen liegt (S.30). Daraus erklärt sich teilweise die Betonung der Familie, da die Familie, die Gott zum Mittelpunkt hat, der einzige Weg zur Wiederherstellung dieser Grundlage der vier Positionen ist. Keine Einzelperson kann dies aus sich selbst schaffen. Somit macht sich Einzelgängertum in der Religion selbst zunichte. Die Lehre ist gemeinschaftsorientiert, mit Gott und der Familie an erster Stelle. Körper und Geist müssen sich vereinen, um sich vereint auf Gott auszurichten. Nach Erlangen dieser Vollkommenheit ist der nächste Schritt die Verbindung von Mann und Frau als Eheleute, die dann mit Gott als Mittelpunkt die vollkommene Familie bilden. Gemeinsam werden sie zum Mittelpunkt der Schöpfung. Mit Gott als Mittelpunkt können sie dann Gottes Reich auf Erden errichten (S.36). Gott hatte diesen Mittelpunkt schon geschaffen, aber mit Adams Fall ging er wieder verloren. Jetzt ist die Zeit gekommen, in der die Wiederherstellung geschehen kann (S.39).
Der Zweck der menschlichen Existenz ist es, Gott Freude zu bereiten--eine Aussage, die in fast allen traditionellen Katechismen vorkommt (S.41). Der Anthropomorphismus Gottes in den Prinzipien ist jedoch unverkennbar. "Die Freude Gottes wird auf dieselbe Art hervorgerufen wie die des Menschen" (S.42). Wenn wir uns also vor Augen halten, wie menschlich Gottes Freude ist, kommt die Feststellung, daß der Mensch "Göttlichkeit erreichen" (S.43) kann, nicht mehr so überraschend. Gott und Mensch sollten sich ursprünglich in ihrem Wesen sehr nahe kommen--und nicht grundlegend voneinander abweichen. Wahre Eltern sind diejenigen, welche von der Erbsünde--der Trennung von Gott--reingewaschen wurden und nun mit Gott als Mittelpunkt leben. Der Begriff der Wahren Eltern steht im Mittelpunkt des Lebens der Vereinigungskirche und ihrer Theologie; jedoch hat er hier nicht seine volkstümliche Bedeutung. Er bezeichnet die Gründung eines neuen Geschlechts in der Gegenwart, das wieder Gott zum Mittelpunkt hat und Freude hervorbringt. In der Öffentlichkeit ruft dieser Begriff heftige Reaktionen bei Eltern hervor, die meinen, daß dadurch die natürlichen Familienbande verworfen würden. Das ist aber keinesfalls die Absicht der Kirche; vielmehr will sie damit zum Ausdruck bringen, daß die Bindung zu Gott die höhere von beiden ist.
Gottes ureigenster Wesenszug ist Liebe. Adam und Eva gründeten aber keine Familie mit Gott im Mittelpunkt, und so haben seither Männer und Frauen unter diesen Bruch gelitten. Wie daraus leicht ersichtlich ist, bilden alttestamentliche Themen den Kern der Lehre--weit mehr als Konzepte, die Jesus als Ausgangspunkt haben. Gott handelt jedoch auch "mathematisch". Er lenkt seine Beziehung zum Menschen und zur Welt nach einem Schema von bedeutsamen Zahlen, wie zum Beispiel drei oder zwölf und auch die 120 Länder, in die Missionare der Kirche entsandt wurden, oder etwa Zahlen und Daten der sorgfältig geplanten Massenhochzeiten oder Segnungen. Ein zentraler Punkt in der Lehre der Vereinigungskirche über den Menschen ist die Auffassung, daß wir erst dann Vollkommenheit erlangen können, wenn wir fähig sind, mit der übrigen Natur umzugehen. Geistiges Wachstum allein reicht nicht aus; jeglicher Fortschritt muß gleichzeitig physisch erfolgen. Deshalb legen sie großen Wert auf industrielle Entwicklung und streben bewußt nach politischer und materieller Kraft. Der Mensch ist der Mittelpunkt der Harmonie und die Verbindung zwischen der geistigen und der physischen Welt. (S.59). Allerdings sucht er die Macht nicht für sich, sondern um sie in Gottes Sinne zu verwenden.
Jesus kam als solch ein vollkommener Mensch in Geist und Körper (S.60), aber die Verwirklichung des Reiches Gottes im Himmel kann nicht vor der Errichtung des Reiches Gottes auf Erden erfolgen. Wie man daraus ersehen kann, handelt es sich hier nicht um eine Lehre, die das Physische für das Geistige aufgibt, sondern vielmehr aussagt, daß als erstes Gottes Reich auf Erden kommt (S.62). in diesem Konzept ist der Mensch Herr über sein Schicksal, allerdings im Rahmen der mitwirkenden geistigen Kräfte, die uns umgeben (S.63). Da der Mensch fiel, muß Christus jedoch erst wiederkommen, um die irdische Rolle zu beginnen (S.69). Eva und Satan hatten ein unerlaubtes Verhältnis miteinander, das der Ursache des menschlichen Sündenfalls eine Freud'sche Auslegung gibt. (S.80). In dieser neuen Interpretation liegt die Erklärung für das puritanische Verbot vorehelicher Beziehungen sowie die Herabsetzung der Bedeutung von Sex als Vergnügen sogar in der Ehe.
Der Mensch wurde erschaffen, um in Einklang mit den Prinzipien zu leben, aber durch unerlaubte Liebe kam er von seinem Weg ab (S.82). so ist auch die Liebe allein imstande, uns zu Gottes PrinzEpien zurückzuführen; jedoch muß es eine Liebe sein, die nicht auf menschliches Verlangen, sondern auf Gott ausgerichtet ist--daher die arrangierten Ehen in der Vereinigungskirche. Adam und Eva waren unreif und konnten keine auf Gott ausgerichtete Liebesbeziehung aufbauen, also fielen sie (S.84). Unsere Aufgabe ist es jetzt, die Liebe zur Reife zu bringen und erfolgreich den Weg zu gehen, auf dem sie scheiterten. Wir müssen eine Welt errichten, in der Satan niemals wirken kann. Gott kann uns aber nicht mit Gewalt wiederherstellen. Wenn Gott auch nur bedingt eingreifen kann (S.85), so kann doch der Mensch die Wiederherstellung vollbringen, denn Gott hat ihm heute den rechten Weg der Führung gegeben. So kann der Mensch die Welt der Sünde umwandeln in eine Welt, die Christus zum Mittelpunkt hat. Gottes Reich auf Erden wird dann Wirklichkeit (S.86). Das Signal zum Aufbruch ist schon ertönt.
Bemerkenswert ist, daß die Prinzipien im Einklang mit der amerikanischen "Volksbibel" den Anbruch der Zeit verkünden, in der Gott den Menschen die Macht gibt, die Welt in seinem Sinne zu verändern. Die Wahren Eltern können die Wurzel des Übels bloßlegen und ausrotten (S.89). Das ist die religiöse Aufgabe der Wahren Eltern gegenüber der der physischen Eltern. Freiheit bedeutet, sich für die Prinzipien zu entscheiden. Jede andere Freiheit ist geradezu zügellos, denn allein ein Leben mit Gott zum Mittelpunkt kann den Menschen zu seiner ursprünglichen Position zurückbringen. Alles andere hält ihn unter der Herrschaft der Sünde. Auch der heilige Paulus stimmt dem zu. wir fielen am Anfang, weil eine nicht prinzipiengemäße Liebe stärker als die richtungsweisende Kraft Gottes wurde. Dieses Kräfteverhältnis muß umgekehrt werden (S.93). Es liegt nun an uns: die Menschheit kann "durch die Kraft der Liebe innerhalb der Prinzipien die ursprüngliche Natur der Schöpfung wiederherstellen" (S.94). Welch eine gewaltige Herausforderung !
Gott verhinderte den Sündenfall nicht, weil er nur innerhalb der Prinzipien wirkt; wenn die Menschen den Prinzipien zuwider handeln, kann er ihnen keinen Einhalt gebieten. Der Mensch lebt, um Gott Freude zu bereiten. Dazu muß er Gottes Willen kennen und sich entsprechend verhalten (S.100). So kann er zu einer vollkommenen Einheit mit Gott gelangen. Das Ziel der Prinzipien ist die Verschmelzung des göttlichen und menschlichen Selbst. Ein Mensch mit vollkommener Individualität kann nicht mehr fallen, sobald er dieses Niveau erreicht hat. Adam und Eva hatten sich noch nicht so weit entwickelt. Gott will, daß wir sein Himmelreich hier auf Erden erleben und nicht erst in einem zukünftigen Leben in einer himmlischen Sphäre (S.100).
Ein neuer Tag ist angebrochen. Den Beweis dafür sieht die Kirche in der Bildung eines weltweiten Kulturbereiches, der alle Religionen umschließen, das Christentum aber zum Mittelpunkt haben wird (S.107).
Die letzten Tage haben begonnen. Das bedeutet, daß die Hölle auf Erden in ein
Himmelreich auf Erden verwandelt wird (S.112). Jesus kam, um diese Welt
wiederherzustellen; er konnte diese Aufgabe jedoch nicht zu Ende führen. Das lag nicht an
ihm selbst, sondern an dem Zweifel einer ungläubigen Generation. Aus diesem Grunde mußte
die Erfüllung des Willen Gottes auf die Zeit der Wiederkunft des Herrn verschoben werden.
Jesus selbst war rein--das bestätigen alle orthodoxen Theologien. Durch das Versagen
seiner Mitmenschen konnte er aber nur eine geistige Erlösung bringen (S.113). "Mein
Reich ist nicht von dieser Welt." Fast alle Menschen stimmen darin überein, daß
sich ihr physischer Zustand seit der Zeit Jesu kaum verändert hat. Dies wird auch durch
den traditionellen Glauben an die Notwendigkeit der Wiederkunft des Herrn bestärkt.
"Christus wird wiederkommen." (S.116). Die heutige Zeit ist endlich die Zeit der
Letzten Tage.
Wir treten in ein neues Zeitalter ein. Der gefallene Mensch wird auf sein
ursprüngliches geistiges Niveau zurückgeführt (S.120). Gott stellt seine Herrschaft
schrittweise wieder her (S. 124). Weder Noah noch Jesus zerstörten vollends die
Herrschaft des Bösen, der Mensch der heutigen Zeit hat aber sein geistiges Niveau
wiederhergestellt (S.128). Die Worte der Bibel enthalten die Wahrheit, aber es ist noch
nicht die volle Wahrheit. (Die Lehre der Vereinigungskirche ist weit entfernt von
buchstäblicher Bibelauslegung). Die Wahrheit muß eine wissenschaftliche Ausdrucksform
erhalten (S.131). Die neue Wahrheit muß die Bibel so klar verständlich machen, daß alle
Menschen sie erkennen und akzeptieren können. "Wegen des Unglau-beuns des Volkes
starb Jesus am Kreuz und hatte nicht die Möglichkeit, al-les zu sagen, was er sagen
wollte." (S.132). Die unausgesprochenen Worte Jesu sollen nicht für immer ein
Geheimnis bleiben, sondern in den Letzten Tagen offenbart werden. Demnach sind Die
Göttlichen Prinzipien "geheime Worte", die jetzt öffentlich ausgesprochen
werden.
Unsere Aufgabe ist es, die zentrale Figur der neuen Geschichte ausfindig zu machen;
allerdings besteht die Gefahr, daß ihre Ankunft dieses Mal von den Christen nicht erkannt
wird--genauso wie sie damals von Gottes Auserwählten verleugnet wurde. Durch Gebet kann
man geistige Dinge erfahren; darum ist tiefes Gebet für die Wiederherstellung
unerläßlich. So wie es das Zeitalter des Neuen Testaments gab, gibt es jetzt das
Zeitalter des Erfüllten Testaments. Ein Mensch ohne Erbsünde kann sündenlose Kinder zur
Welt bringen, die dann "keinen Erlöser zur Vergebung ihrer Sünden brauchen"
(S.141). Der Kreuzestod Jesu stellte die ursprüngliche Natur des Menschen nicht wieder
her; deshalb muß es jetzt noch geschehen. "Jesus kam nicht, um am Kreuz zu
sterben" (S.143); vielmehr sollte er die ganze Welt wiederherstellen.
Die Kreuzigung Jesu war das Resultat der Ignoranz und des Unglaubens des Volkes; sie
entsprach nicht dem Plan der göttlichen Vorsehung (S.145). Gott wird hier also als ein
Gott dargestellt, der zwar bestimmte Pläne verfolgt, den Menschen aber beträchtliche
Freiheit in der Ausführung dieser Pläne läßt. Durch die Kreuzigung Jesu wurde die
körperliche Erlösung verhindert; deshalb muß Christus wiederkommen. Jesus legte das
Fundament für die geistige Erlösung, während die physische Erlösung bis zur Zeit der
Wiederkunft unerfüllt bleiben mußte (S.156)--eigentlich eine ganz traditionelle
Auffassung. Jesus war gezwungen, den Weg des Kreuzes zu gehen, weil Johannes der Täufer
ihm seine Unterstützung versagte. Bis heute hatte niemand dieses "himmlische
Geheimnis" enthüllen können (S.163). Den zweitausendjährigen Zeitabschnitt, der
hinter uns liegt, bezeichnet man als "Zeitalter der verlängerten Vorsehung"
(S.174).
Wir leben jetzt in der Zeit, in der der Mensch so direkt mit Gott und der geistigen
Welt in Verbindung treten kann, wie er es auch vor dem Sündenfall konnte (S.177).
Diejenigen, die als erste an den Herrn der Wiederkunft glau-ben, werden mit ihm
zusammenarbeiten und die Bedingungen der Wiedergutmachung auf weltweiter Ebene schaffen
(S.180). Die Zahl der Heiligen, die der Herr der Wiederkunft finden muß, ist die in der
Offenbarung angegebenen Zahl 144 000 (S.180). Dabei werden die Menschen in der geistigen
Welt mit denen dieser Erde zusammenarbeiten. Die verantwortliche Person muß eine
Bedingung der Wiedergutmachung schaffen, die sich dann über die Familie auf die Nation
und die Welt ausdehnt. Alle männlichen und weiblichen Geister des Paradieses werden
herabsteigen, um zu irdischen Heiligen zu werden, die gemeinsam mit uns in den Letzten
Tagen arbeiten werden.
Der Sündenfall war nicht von Gott vorherbestimmt, sondern unterlag der freien
Verantwortung des Menschen (S.194). Also kann "Gottes Bestimmung für die Schöpfung
nur erfüllt werden, wenn der Mensch seinen Teil der Verantwortung übernimmt"
(S.197). in diesem Sinne hängt die Erlösung vom Menschen ab. Dabei ist der Hauptträger
der Mission von entscheidender Wichtigkeit. Rechnerisch gesehen übernimmt Gott 95 Prozent
der Verantwortung, und der Mensch 5 Prozent. Allerdings sind die fünf Prozent für die
Erfüllung ebenso entscheidend wie der Wille oder die Macht Gottes (S.198). Der
Hauptträger der Vorsehung der Wiederherstellung muß aus einer auserwählten Nation
hervorgehen (S.200). Jesus ist nur insofern Gott als ein vollkommener Mensch eins mit Gott
ist (S.209). in der traditionellen Aussage heißt es ebenfalls, daß Jesus ein Mensch wie
jeder andere war, Jedoch unterschied er sich dadurch, daß er frei von der Erbsünde war
(S.212).
Es gibt Kain-Typ-Personen und Abel-Typ-Personen. Die Kain-Typ-Person muß sich der Abel-Typ-Person unterwerfen (S.246). Noah und Abraham waren die Hauptträger des damaligen Dramas der Wiederherstellung; jedoch wurde ihre Mission niemals erfüllt. Gott in seiner Macht kann die Vorse-hung der Wiederherstellung nicht allein erfüllen; in dieser Hinsicht sind ihm Grenzen gesetzt. Sie kann nur durch das vereinte Handeln Gottes und des Menschen erreicht werden (S.283). Die geheimnisvolle Bedeutung der biblischen Aussagen kann man nur verstehen, wenn man das Prinzip der Vorsehung Gottes kennt. Das ist die Bedeutung der Göttlichen Prinzipien (S.285). Gott kann dem Menschen nicht bedingungslos vergeben (S.341). Der Herr der Wiederkunft muß so wie Jesus auf Erden im Fleische geboren werden (S.369). Er muß das Fundament für den Messias wiederherstellen, ndem er es auf der Familienebene beginnt und anschließend auf die nationale und die Weltebene ausdehnt (S.369).
Verbunden mit diesem dramatischen Überblick ist eine ausgeteilte historische und
mathematische Analyse der Personen und Zeitalter, die die Lehre allerdings eher belegt als
erweitert. Die Ideologie einer christlichen Demokratie schafft die richtigen
Voraussetzungen, um den Messias zu empfangen; dagegen verwirklicht sich die satanische
Welt zunehmend in einer kommunistischen Gesellschaft. Es muß eine politische
Gesellschaftsform und eine entsprechende wirtschaftliche Grundlage entstehen, die Gottes
Ideal als Mittelpunkt haben. In diesen Glaubensaussagen ist die Vereinigungstheologie
tausendjährig und theokratisch; jedoch muß man diese Begriffe in ihrem speziellen
Zusammenhang verstehen. Weltkriege sind unvermeidlich, da durch sie die weltweiten
Bedingungen der Wiedergutmachung gelegt werden. Natürlich wird es im Zeitalter des
Erfüllten Testanentes keine Kriege mehr geben (S.477).
Es muß eine Vereinigung aller Religionen erfolgen. Das Christentum ist aber nicht eine
Religion unter vielen--vielmehr hat sie als Religion in der Schlüsselposition die
Mission, die Bestimmung aller anderen Religionen zu erfüllen (S.480). Es gibt eine
Voraussage über die Unvermeidlichkeit eines Dritten Weltkrieges (S.491), aber gleich
darauf wird sie zu einer geistigen Schlacht abgemildert--es wird also nicht unbedingt
geschossen. Auf jeden Fall wird eine letzte Auseinandersetzung stattfinden, aus der der
ewige Friede hervorgehen wird (S.493). Die Gläubigen der Vereinigungskirche sind
überzeugt, daß Gott seinen Propheten alle Geheimnisse der Wiederkunft enthüllen wird,
bevor sie stattfindet. Ich persönlich bezweifle es, daß Gott--wie hier dargelegt--sein
Vorgehen uneingeschränkt offenbart. Mit der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg begann die
Periode der Wiederkunft. Christus muß wiederkommen, um die physische Erlösung zu
vollenden. Die Nation aus dem Osten, aus der Christus hervorgehen wird, ist keine andere
als Korea (S.520). Das koreanisehe Volk wird zum dritten Israel.
Die Geschichte stellt sich als Weg der Rückführung der Menschheit zu Gott dar. Alle
geschichtlichen Entwicklungen müssen unter dem Aspekt ihrer providentiellen Bedeutung
betrachtet werden. Das Hauptereignis im Verlauf der Wiederherstellung oder Erlösung ist
die Ankunft des Messias, der Gottes Reich auf Erden errichten soll. Damit der Messias
kommen kann, müssen die Menschen bestimmte Bedingungen im Rahmen des Prinzips der
Wiederherstellung durch Wiedergutmachung erfüllen. Eine Hauptperson muß erscheinen, die
bestimmte Handlungen ausführen muß (wie zum Beispiel Noah, der die Arche baute), um ein
Glaubensfundament zu legen. Dadurch wird das Versagen Adams, Gottes Willen zu folgen,
wiedergutgemacht. Gleichzeitig wird die Menschheit von der satanischen Welt getrennt, so
daß Gott sie für sich beanspruchen kann.
Als nächstes muß das substantielle Fundament gelegt werden, wodurch eine symbolische
Bedingung für die Entfernung der gefallenen Natur des Menschen gelegt wird. Der Erzengel
hätte Adam gehorchen und ihn nicht verführen sollen. Dieses Versagen muß
wiederhergestellt werden. Abel war von Gott auserwählt, während Kain der Herrschaft
Satans entkommen sollte, indem er seine vorrangige Stellung als älterer Bruder aufgeben
und Gottes Segen durch Abel empfangen sollte. Wenn eine Kain-Typ-Person einer
Abel-Typ-Person gehorcht und Gottes Segen und Führung durch diese Person annimmt, dann
wird dadurch die symbolische Bedingung für die Entfernung unserer gefallenen Natur
gemacht. Diese Grundlage bildet für Gott das Fundament, auf dem Er den Messias senden
kann. Dann müssen die Menschen den Messias empfangen und sich von der Erbsünde reinigen.
Die gesamte Geschichte richtet sich auf dieses Ziel aus. Von Adam angefangen bis zur Zeit
Jesu hat Gott immer wieder versucht, den Messias zu senden.
Wenn jedoch gewisse Hauptpersonen in ihrer Mission versagen, kann Got-tes Wille, den
Messias zu senden, nicht erfüllt werden. Folglich hat es in der Geschichte wiederholt
Zyklen der Vorbereitung gegeben, wobei man aber auch gleichzeitig ein lineares Zeitelement
in der Geschichte entdecken kann. Die Vorbereitung geschieht nicht nur auf einer
besonderen individuellen Basis, sondern ebenso in wirtschaftlicher und politischer
Hinsicht auf nationaler und weltweiter Ebene. Die Wichtigkeit des Glaubensfundamentes für
die Nachfolger Moons zeigt sich in solchen physischen Handlungen wie der Yankee Stadium
Rally, Fastenaktionen oder etwa der Renovierung von Gebäuden. All diese Tätigkeiten
gelten als Bedingungen. Das substantielle Fundament legen sie durch die
"fund-raising" Aktionen, bei denen ein Nachfolger, dem Gott vertrauen kann,
weitere potentielle Nachfolger auf den Empfang der Botschaft Gottes vorbereitet. Darin
liegt die Vorbereitung für den eigentlichen Empfang des Messias. Die Abel-Person muß das
Vertrauen der Kain-Person gewinnen, die auf diese Art Gottes Liebe und Wahrheit durch die
Abel-Person empfangen kann.
Die messianische Erwartung liegt tief im koreanischen Boden verankert. Das verleiht den
Koreanern eine gewisse geistige Verwandtschaft mit den Juden. Die Leiden der
Fremdherrschaft und Verfolgung haben stets derartige Hoffnungen erweckt und die Religion
durch tiefe geistige Wurzeln verankert. Die vorstehenden Aussagen sind eine kurze
Darlegung der Lehre und keineswegs als kritische Auswertung zu verstehen. Die daraus
resultierenden Fragen bleiben offen; jedenfalls berührt die Lehre jeden der
entscheidenden Punkte, über die sich die Christen Klarheit verschaffen müssen--
angefangen mit einem spezifischen Verständnis der Natur Gottes und seiner Handlungsweise.
Jesus betete Dein Reich komme". Die Frage ist nun, ob und wie Gott Jesu Gebet
beantworten wird. Wenn die Nachfolger Moons sagen: "Gott hat uns die Wahrheit
gegeben", dann meinen sie damit die Prinzipien. Und da für sie Macht mit der
Wahrheit kommt, erwarten sie auch Erfolg.
Das Alte Testament gab den Christen die Kunde von geistigem Kampf und geistiger
Vorbereitung in der Erwartung einer zukünftigen Botschaft; jedoch ging dieses Bewußtsein
häufig mit dem Aufkommen einer gewissen "Verweichlichung" im Neuen Testament
verloren. Die Lehre der Vereinigungskirche versetzt uns eindeutig in eine Zeit geistiger
Kämpfe zurück. Führt uns das Erfüllte Testament nun wieder in die Zeit des Alten
Testaments? Bedeutet das, daß wir noch einmal den Messias erwarten? Sich darauf
vorbereiten--so lehren sie uns--heißt nicht etwa, das bestehende Christentum
auszuschalten, sondern vielmehr, alle Christen in einer Stimmung der Erwartung zu
vereinen.
![]()
Veröffentlicht durch "The Holy Spirit Association for the Unification of World Christianity," Washington, D.C. 1973. Alle hier zitierten Seitenzahlen entsprechen dieser Ausgabe.
![]()
Das zitierte Buch "Die Göttlichen Prinzipien" finden Sie auch online.