
O, the Lord is come, O, the Lord is come!
In the East where the sun appears,
Land that is Chosen of God.
(Aus einem Lied der Vereinigungskirche)
Wie Herausgeber und Kirchensprecher schon in ihrem Briefwechsel mit mir bestätigt hatten, stand das Interview mit Reverend Moon von Anfang an fest. Es sollte den Höhepunkt und Abschluß meiner Studie bilden. Als der Tag heranrückte, ergaben sich einige Schwierigkeiten. Moon hatte zuvor dem Magazin Newsweek ein Interview gegeben, das als Titelgeschichte der internationalen Ausgabe erscheinen sollte. Es ist aber nicht Reverend Moons Art, ständig öffentlich aufzutreten. Auftritte wie bei der Washington Monument Rally haben eine ganz andere Bedeutung, auf die ich später noch eingehen werde. Darüber hinaus wußte ich, daß Moon nach dieser Rally angekündigt hatte, daß es sogar derartige Veranstaltungen nicht mehr geben werde. Als der erste Entwurf des Buchmanuskripts fertiggestellt war, fuhr ich also nach New York, um einige Interviews nachzuholen, die auf meinen anderen Reisen nicht zustande gekommen waren. Damit überbrückte ich die Zeit, bis das Moon-Interview arrangiert war. Nach langwierigen Verhandlungen erhielt ich einen Termin. Gleichzeitig gab man mir klar zu verstehen, daß es keine derartigen Interviews mehr geben werde und daß dieses das letzte Mal sei. Dadurch erhielt das Ereignis eine zusätzliche Bedeutung.
Die Kirchensprecher lehnten es ab, Moon meine Fragenliste vor dem Interview zu zeigen. Das sei nicht seine Arbeitsweise, so erklärte man mir-- und nach einigem Nachdenken glaube ich, daß es stimmt. Niemand konnte über die Dauer des Interviews genauere Auskünfte geben oder darüber, wie viele meiner Fragen ich stellen könnte. Unser Zusammentreffen gestaltete sich dann so, daß wir nach dem Mittagessen am Tisch blieben und sprachen, bis Moon das Abendessen auftragen ließ. Und unser Gespräch dauerte noch an, nachdem der Tisch schon lange wieder abgeräumt war. Beobachter der Begegnung berichteten später, daß sich Reverend Moon selten so entspannt und offen mit Besuchern unterhalten habe wie mit mir. Das war gewiß auch mein Eindruck. Das Interview übertraf in seiner Freimütigkeit alle meine Erwartungen--und allem Anschein nach auch die der anderen Beteiligten. Bei der Gelegenheit wünschte ich, ein erfahrener Interviewer zu sein oder mehr Fragen vorbereitet zu haben. Ich hätte auch gerne mehr Zeit gehabt, um seine Antworten besser im Hinblick auf die Fragen auszuwerten, die sich daraus ergaben. Wenn ich bedenke, daß einerseits der genaue Verlauf des Interviews und seine Dauer nicht vorher bekannt waren und daß andererseits ich kein erfahrener Interviewer bin, dann erfüllte die freimütige Begegnung doch alle meine Hoffnungen. "Er hat sich Ihnen geöffnet" sagte einer der Beobachter. Auch ich hatte diesen Eindruck. Natürlich spricht Moon wie alle Philosophen in abstrakten Begriffen. Dadurch ist es schwierig, ihn auf bestimmten Punkten festzunageln.
Dieses ausgedehnte Interview fand am Donnerstag, dem 3. Februar 1977 in New York City, im ehemaligen New Yorker Hotel und jetzigen Weltmissionszentrum der Vereinigungskirche statt. Wir eröffneten es um 12.30 Uhr mit einer einleitenden Unterhaltung beim Mittagessen, an dem auch Frau Moon teilnahm, ebenso wie das Team, das für die Aufzeichnung verantwortlich war. Die Interview-Sitzung wurde von Bo Hi Pak, Moons offiziellem Dolmetscher, geleitet. Der Präsident der Vereinigungskirche Amerikas, Neil Albert Salonen, war die meiste Zeit zugegen. Yong Whi Kim, Präsident der Vereinigungskirche Koreas, verfolgte den Ablauf des ganzen Gesprächs. Moon, der für seine Vorliebe für Eleganz bekannt ist, erschien zur Überraschung aller Anwesenden im Sporthemd. Es scheint so, als sei das konservative Zeitalter zu Ende und eine sportlich-entspannte Zeit angebrochen.
Die formellen Interviewaufzeichnungen belaufen sich auf sechs Stunden, und das gesamte Treffen dauerte über neun Stunden. Im Verlauf meiner Arbeit an dem Buch hatte ich aus dem wesentlichen Themenkreis 49 Fragen vorbereitet. Sie entsprechen den in Kapitel 7 aufgeführten Punkten. In meinen Fragen behandelte ich Probleme, von denen ich annahm, daß sie für die allgemeine Öffentlichkeit interessant seien. Abgesehen von einigen unbedeutenderen Fragen konnte ich alles in unser Gespräch einbauen. Das 104 Seiten starke Skript des Interviews habe ich auf Kernpunkte reduziert, die die wichtigsten Antworten enthalten. Weggelassen habe ich ausgefeilte Erklärungen der Lehre und Theologie der Vereinigungskirche, da der interessierte Leser diese in der entsprechenden Fachliteratur finden kann.
Frederick Sontag:
Zu den Mitgliedern Ihrer Kirche sprechen Sie sehr häufig, der Durchschnittsbürger jedoch hat Sie niemals eingehend über die kontroversen Sachverhalte sprechen hören. Ich habe einen Grund gefunden, warum es so wichtig ist, Ihre eigenen Worte zu kennen: Eine an sich wahre Aussage kann so ausgedrückt werden, daß gegnerische Seiten sie verschieden interpretieren können. So sind viele Beschreibungen der Kirche zutreffend, aber in einer Weise dargestellt, die dem Augenstehenden ein völlig falsches Bild vermittelt. Aus diesem Grunde habe ich Gespräche sowohl mit Kirchenmitgliedern als auch mit Nichtmitgliedern so ausführlich zitiert. Ich hoffe, daß mein Buch unter anderem dadurch an Interesse gewinnt, daß die Gesprächsteilnehmer in ihren eigenen Worten das zum Ausdruck bringen konnten, was ihnen besonders am Herzen liegt.
Sun Myung Moon:
Ja, dem stimme ich voll zu. Aus diesem Grunde bin ich zutiefst dankbar, daß sich ein Wissenschaftler wie Sie Zeit nimmt, genaue Nachforschungen sowohl innerhalb unserer Bewegung als auch in den Reihen unserer Kritiker anzustellen, um eine objektive Darstellung herauszubringen. Der größte Teil der Mißverständnisse darüber, was unsere Bewegung und ich hier in Amerika tun, beruht auf Unwissenheit. Darum beantworte ich sehr gerne einige Ihrer Fragen.
Wie Sie wahrscheinlich wissen, habe ich mein Leben, meine Ehre, meine ganze Familie und alles, was ich habe, dieser Bewegung gegeben. Wäre ich nicht absolut von der Bedeutung dieser Sache überzeugt, hätte ich das nicht getan. Ich weiß, daß es etwas Wahres zu erstreben gibt, und deshalb wird niemand, der sich mir anschließt, zum Verlierer werden. Ich arbeite nicht ins Blaue hinein oder nach Lust und Laune. Unsere Bewegung schöpft aus einer tiefgeistigen Quelle. Sie wurde von Gott in dieser besonderen Zeit ins Leben gerufen. Ich folge einer göttlichen Führung. Wenn auch viele denken, daß ich einfach nach meinem eigenen Willen handle-- so etwas wie meinen ,eigenen' Willen gibt es nicht.
Im gewissen Sinne bin ich für diese durchweg negativen Schlagzeilen dankbar, ebenso dafür, daß die amerikanische Öffentlichkeit mich so negativ einschätzt. Daran erkennt man, wie neu meine Offenbarung ist. Alle religiösen Pioniere--Jesus eingeschlossen--sind von ihren Zeitgenossen verfolgt worden. Bei den Menschen, die zu begreifen beginnen, vollzieht sich dann häufig eine derart starke Wandlung wie die des heiligen Paulus. Von Anfang an wußte ich, daß ich Prüfungen und schreckliche Leiden durchmachen müßte, wenn ich nach Amerika ginge. Aber all die Verfolgung und Feindseligkeiten machen mich und unsere Mitglieder nur noch stärker. Wahre religiöse Bewegungen blühen und gedeihen in der Verfolgung.
Sontag:
Wenn Sie glauben, daß Gott Korea dazu ausersehen hat, eine besondere Rolle in der heutigen religiösen Entwicklung zu spielen, könnten Sie näher erklären, warum Sie Korea in dieser Rolle sehen?
Moon:
Korea besitzt mehrere einzigartige Eigenschaften. Die erste und wichtigste ist, daß die Koreaner ein homogenes, geeintes Volk sind. Zweitens sind sie sehr religiös. Drittens verstehen sie zu leiden. Die gesamte Geschichte hindurch sind sie durch ungeheuer schwere Prüfungen und Leiden gegangen. Unter diesen Lebensbedingungen hat das koreanische Volk einen unsterblichen Geist der Loyalität und Aufopferung entwickelt.
Das sind die wichtigsten Eigenschaften eines Volkes, soll es für Gott in Frage kommen--denn sie entsprechen seinen eigenen Eigenschaften. Niemand hat im Verlauf der Geschichte mehr gelitten als Gott. Er leidet, weil sich seine eigenen Kinder von ihm abgewandt haben. Seit dem Sündenfall arbeitet Gott unermüdlich an der Wiederherstellung der Menschheit. Die Menschen wissen nichts von Gottes gebrochenem Herzen. Die drei Eigenschaften, die ich vorher genannt habe, sind unerläßlich, wenn man Gottes Leiden wirklich verstehen und eine Beziehung zu ihm aufbauen will. vor 2000 Jahren besaß das Volk der Israeliten diese Wesenszüge. Heute hat Korea viel mit dem Herzen Gottes gemeinsam. Aus seiner eigenen Leidenserfahrung und geschichtlichen Tragödie heraus kann dieses Volk Gottes Sorgen und sein gebrochenes Herz nur allzu gut verstehen. Es kann dem Ruf Gottes bereitwillig folgen.
Unter den gleichen Gesichtspunkten können wir auch die Frage beantworten, warum Gott mich in dieser Zeit der Vorsehung als sein Instrument erwählt hat. Die gleichen Aussagen treffen auf mich zu: Ich habe einen unwandelbaren Willen; ich bin tief religiös, und auch ich bin geprüft und durch Drangsal und Leiden gestärkt worden. Als Gott sich mir offenbarte und mir seinen Auftrag gab, konnte ich sein Herz zutiefst verstehen. Ich konnte nur noch weinen. Ich entschloß mich, mein ganzes Leben dafür einzusetzen, sein gebrochenes Herz zu erleichtern. Seitdem ist es meine Ehre und mein Privileg, seine Sorgen auf meinen Schultern zu tragen. Alles was ich tue, tue ich nur, um Gott von seinen Sorgen zu befreien.
Sontag:
Können Sie die religiöse Situation Koreas während der Anfangszeit Ihrer Mission näher beschreiben?
Moon:
Korea war in der Zeit um 1945 tatsächlich sehr gut darauf vorbereitet, die Geburtsstätte dieser neuen geistigen Bewegung zu sein. Das Christentum zum Beispiel stand in voller Entfaltung. Der christliche Glaube hatte zu der Zeit in Korea eine außergewöhnliche Tiefe. Es gab auch viele Gruppen, die Prophezeiungen über das Erscheinen einer neuen geistigen Bewegung erhalten hatten--darunter einige, die gut die Rolle Johannes des Täufers übernehmen konnten. Aber warum legten diese Gruppen dann, als die neue Bewegung schließlich da war, kein Zeugnis für uns ab?
Es dreht sich dabei immer um die menschliche Verantwortung. Vor zweitausend Jahren fehlte es den Menschen an der notwendigen Demut, um Jesus zu akzeptieren. Diese Situation wiederholt sich in Korea. Die Anerkennung wurde uns verweigert--aus Arroganz. Die bestehenden Kirchen lehnten unsere neue geistige Bewegung ab. Ich mußte in der Rolle Johannes des Täufers anfangen, um so die erste Grundlage zu legen, auf der ich meine eigene Mission aufbauen konnte.
Sontag:
Wenn Sie von der traditionellen Theologie ausgehen und ihr die Göttlichen Prinzipien gegenüberstellen, dann muß man letztere als Häresie bezeichnen. Sie bringen etwas Neues. Ich frage mich -- ohne ein Werturteil geben zu wollen -- was in Ihren Augen die Rolle solcher neuen Offenbarungen Gottes ist. Stellen sie eine Abweichung dar?
Moon:
Zunächst einmal ist das Christentum selbst in seiner zweitausendjährigen Entwicklung beträchtlich von Gottes ursprünglichem Willen oder seiner Dispensation abgewichen. In diesen zweitausend Jahren ist es in Hunderte von Konfessionen zersplittert; es ist durch Sektierertum zerfallen. Durch die Schranken, die sich die Christen selbst errichtet haben, hindern sie sich am Erreichen ihres eigenen Zieles. Das ist der wichtigste Grund, warum Gott es für unerläßlich hält, daß der Mensch eine völlig neue und frische Perspektive gewinnt. Gott möchte unbedingt diese neue Lebensvision ins Herz der Menschen einprägen. Nur in einer neuen, klaren Haltung sieht Gott den Weg, wie er sein ursprüngliches, absolutes Ziel erreichen kann. Die Göttlichen Prinzipien sind diese neue Offenbarung. Die Menschen, die sich dieser Bewegung anschließen, erhalten eine neue Vision und neue geistige Kraft. Diese Menschen bilden die treibende Kraft hinter der Idee, ein bleibendes Christentum aufzubauen.
Zum anderen--und weitaus wichtiger--setzt sich unsere Bewegung die Erlösung der Welt als oberstes Ziel. Unser persönliches Heil wird zweitrangig. Wir sind bereit, uns selbst für das Wohl der Welt und der Menschheit zu opfern. Demgegenüber sorgen sich viele konventionelle Kirchgänger nur um ihren eigenen Platz im Himmel und um ihr eigenes ewiges Leben. Diese Haltung entspricht jedoch nicht der grundlegenden Lehre
Jesu Christi. Jesus kam, um die Welt zu retten--nicht sich selbst. Irgendwie hat das Christentum diese entscheidende Vitalität Jesu und seinen ureigenen Geist verloren: sein Lebenszweck wurde verfälscht. Ich kam aus dem einzigen Grunde, diesen Geist Jesu wieder aufleben zu lassen. Die Idee besteht schon lange, aber irgendwie hat sie an Leuchtkraft verloren. Wir beleben sie heute neu, verwirklichen sie. Ich lehre stets, daß die Vereinigungskirche selbst nicht das Ziel ist. Ich muß Gott als Instrument dienen, durch das er die Erlösung der Welt vollbringen kann. Das ist der einzige Daseinsgrund der Vereinigungskirche. Es gibt schon genug Kirchen, aber Erlösung braucht die Welt noch immer.
Die Vereinigungskirche arbeitet sehr tatkräftig an der Verwirklichung dieser Idealwelt. Wo Sünde ist, da gehen wir sie an, um sie zu beseitigen. Wir greifen die Sünde an, anstatt vor ihr zurückzuschrecken. Nehmen Sie zum Beispiel meine Erklärung zu Watergate. Das weiseste, was ich hätte tun können, war, die Situation zu übergehen. Der Fall war höchst unpopulär. Aber anstatt die Sache unbeachtet zu lassen, tauchte ich mitten hinein. Warum? Weil ich weiß, daß religiöse Führer zu den wesentlichen Problemen ihrer Zeit Stellung nehmen und versuchen müssen, Lösungen dafür anzubieten.
Aus diesem Grunde berücksichtigt die Vereinigungskirche viele Dinge, die andere nicht verstehen. Unsere Weltanschauung ist anders. Es mag sein, daß es für uns nicht immer von Nutzen ist, zu einem bestimmten Zeitpunkt gewisse Angelegenheiten in die Hand zu nehmen, aber wir sehen alles unter einem weltweiten, langfristigen Gesichtspunkt. Wir handeln für das Wohl der Nation, der Welt, der Nachwelt. Wenn ich sehe, daß im Interesse zukünftiger Generationen ein gewisses Ziel erreicht werden muß, dann setzen wir uns dafür ein--selbst, wenn die Sache unpopulär ist und kaum Erfolg verspricht. Wir leiden sehr darunter, dennoch tun wir es. Es ist abenteuerlich und ausgesprochen kühn. Den Menschen mögen wir zwar manchmal unvernünftig erscheinen; solange aber unser Tun von Gott gebilligt wird, schreiten wir voran.
Sontag:
Sie begeben sich in weltliche Lebensbereiche und erzeugen damit Kontroversen. Besteht bei dem Versuch, in diesen Bereichen zu arbeiten, um die Welt zu Gott zurückzuführen, nicht die Gefahr, daß Sie selbst ein Opfer der Unordnung werden, die Sie zu beseitigen versuchen?
Moon:
Wir sind eine religiöse Bewegung. Alles, was wir tun, geschieht aus religiöser Überzeugung. Deshalb können wir nur als Gewinner aus der Situation hervorgehen--wenngleich wir den Preis dafür zahlen müssen. Aber auf keinen Fall können wir von der Situation überwältigt und zu einem Opfer der Umstände werden. Unter meiner Führung widmet sich die Vereinigungskirche eher überaus schwierigen und ungewöhnlichen Aufgaben, aber niemals werden wir eine Arbeit unerledigt oder unbeendet lassen. Ich möchte den Ruf erlangen, daß die Vereinigungskirche stets erfüllt, wofür sie sich einsetzt.
Das Wunderbare an unserer Washington Monument Rally war, daß dort Menschen aller Rassen Seite an Seite arbeiteten, die sogar aus Europa, Afrika, Süd-Amerika und Indien gekommen waren--während ihr Leiter ein Mann aus Korea, also ein Mann der gelben Rasse war. Gott sieht echte Schönheit in der vielfarbigen Harmonie der wahrhaft internationalen Familie, die wir aufbauen wollen.
Sontag:
Ihre Städte- und Staatentouren sowie die Raffies von Madison Square Garden, Yankee Stadium und Washington Monument haben eine besondere Bedeutung. Ich glaube, daß die Außenwelt dies kaum versteht. Könnten Sie uns die Bedeutung dieser Ereignisse aus Ihrer Sicht darlegen?
Moon:
In erster Linie kam ich nach Amerika, um das Neue Zeitalter und eine neue Wahrheit zu verkünden. Ob die Menschen mich akzeptieren oder nicht-- Gott hat mir die Pflicht zu sprechen auferlegt. Darum erschien mir Gott und schickte mich nach Amerika, damit ich die Wahrheit verkünde. Ich zögerte, weil ich nicht einmal englisch sprach, aber er bestand darauf, daß ich ging. Durch meine Ländertouren erfüllte ich gewissermaßen diese Mission der Verkündigung. Auf der "Day of Hope" Tour (Tag der Hoffnung) besuchte ich alle fünfzig Staaten. Das waren keine bloßen Evangelisationsveranstaltungen im herkömmlichen Sinne. Sie hatten große providentielle Bedeutung, einen tiefen geistigen Wert.
Ich weiß nicht, wie tief Ihre Kenntnis und Ihr Verständnis der geistigen Welt ist, in unserer Bewegung ist sie jedenfalls sehr lebendig. Wir sind keine bloße horizontale Bewegung--wir sind vertikal ausgerichtet. Alles, was wir tun, hat Auswirkungen in der geistigen Welt, und die geistige Welt drückt sich auch durch uns aus. Beide Welten arbeiten in unserer Bewegung zusammen. Aus horizontaler Sicht scheinen einige unserer Aktionen keinen Sinn zu haben. Manchmal mag es so aussehen, als verschwendeten wir Zeit, Geld und Energie. Diese Taten helfen aber der geistigen Welt. Wir legen auch durch gewisse Aktionen die Grundlagen, auf denen die Macht des Geistes auf die Erde strömen kann. Die etablierten Kirchen oder religiösen Organisationen dieses Landes verlieren allgemein an Kraft, weil sie weltlicher Anschauung, weltlicher Kultur erliegen. Die Vereinigungskirche ist nicht so; in unserer Bewegung verspüren wir keinen geistigen Verfall. Wir sind Pioniere--ein ausbrechender Vulkan.
Ich bin sicher, daß Sie aus einigen meiner Reden nach der Washington Monument Rally erfahren haben, daß jetzt die Zeit reif ist, in der die gesamte geistige Welt zusammenarbeitet. Sie ist bereit, auf unsere Bewegung herabzukommen, um uns zu helfen. Wie Sie wissen, habe ich am 4. Oktober 1976 nach der Washington Monument Rally den Sieg des Himmels erklärt. Ein neues Zeitalter bricht an; die Schranken zwischen den Religionen sind in der geistigen Welt buchstäblich niedergebrochen worden. Einigkeit wurde erreicht, und die geistige Welt hat die Welt schon in Angriff genommen. Das geschieht auf verschiedene Art und Weise.
Sontag:
Wie sehen Sie Ihre eigene Rolle im Vergleich zu der Rolle Jesu?
Moon:
Eine meiner wichtigsten Offenbarungen ist, daß Jesus Christus nicht kam, um zu sterben. Er kam in diese Welt, um das Erlösungswerk, das Gott ihm aufgetragen hatte, zu vollbringen, das heißt, er sollte das Reich Gottes hier auf Erden errichten. Durch den Kreuzestod jedoch gab er sich selbst als Opfer für den Unglauben der Welt. Durch seine Auferstehung brachte er ihr geistige Erlösung. Das ist die Lehre der Göttlichen Prinzipien. Gottes feste Absicht und sein gewünschtes Ziel war es, der Menschheit zur Zeit Jesu vollkommene Erlösung--sowohl geistig als auch physisch--zu bringen. Dieses Werk wurde nicht vervollständigt. Wir müssen uns jedoch darüber im klaren sein, daß dies in keiner Weise Jesu Verschulden war. Vielmehr lag es daran, daß die Menschen ihn ablehnten. Diesen Punkt mißversteht man heute zutiefst. Weil die Mission beim ersten Mal nicht vollständig erfüllt wurde, erhielten wir die Voraussage der Wiederkunft. Deshalb muß ein messianischer Kreuzzug hier auf Erden beginnen, damit Gottes Wille erfüllt werde. Die Arbeit der Vereinigungskirche und meine Mission ist es, das Kommen des Messianischen Zeitalters zu verkünden.
Aus der Sicht der christlichen Kirchen ist meine Lehre, meine Offenbarung, nicht nur außergewöhnlich--sie ist sogar revolutionär. Ich kann verstehen, warum die Christen uns Häretiker nennen. Weitaus wichtiger ist jedoch die Frage: Wen bezeichnet Gott als Häretiker? Aus Gottes Sicht ist
meine Offenbarung völlig orthodox. Wäre die Mission Jesu Christi damals vollständig erfüllt worden, wäre die Vereinigungskirche nicht ins Leben gerufen worden. Meine Mission wäre dann unnötig.
Sontag:
Es ist das Ziel Ihrer Kirche, alle Kirchen zu vereinigen und die vereinigte Familie zu errichten. Sie haben aber zuvor in Korea und nun auch hier sehr große Spannungen herbeigeführt; Sie haben Familien gespalten und den Widerstand der Kirchen heraufbeschworen. Betrachten Sie das als eine Ironie? Wie werden Sie vorgehen, um Ihr Ziel zu erreichen?
Moon:
Es ist wahrhaftig eine Ironie. Vom geistigen Standpunkt aus gesehen kommt großer Segen auf die Familien, deren Söhne und Töchter für diese neue messianische Mission der Vereinigungskirche arbeiten. Darüber hinaus geht es hier um eine himmlische Dringlichkeit auf weltweiter Ebene. Bei einer nationalen Notlage verläßt der Soldat seine Frau und seine Kinder für einige Zeit, um zur Verteidigung seines Landes auszuziehen. Aus Gottes Sicht wurden diese Kinder für die größte Notlage des Himmels und für eine außerordentlich ruhmreiche Mission berufen. Nur, weil die Menschen diesen geistigen Gesichtspunkt außer acht lassen, kommen diese unglaublichen Beschwerden.
Ich habe niemals Familienzerbrochen. In vielen Fällen habe ich eher Familien wiederhergestellt und in neuem Glück vereint. Ich habe zahllose Dankesbriefe von dankbaren Eltern erhaltenen einigen anderen Fällen versuchen Familien, mich für Schäden verantwortlich zu machen, die schon lange vorher bestanden.
Es ist keine Altersfrage, ob jemand der Kirche beitritt oder nicht; auch nicht, ob es Kinder sind oder Eltern. Das entscheidende ist die Anziehungskraft der Wahrheit. Ein jeder, der mit der Wahrheit in Berührung kommt, muß von ihr entflammt werden. Wenn man die absolute, brillianteste aller Wahrheiten erfährt, kann man sich nicht länger mit irgendeiner Halbwahrheit begnügen. Die Eltern-Kind Beziehung ist schön und voller Liebe. Nehmen wir aber einmal an, das Kind entdeckt eine noch größere Liebe als die, die es zu Hause bei seinen Eltern erfahren hat. Nehmen wir einmal an, es erfährt eine tiefere Beziehung als die gewöhnlichen Familienbeziehungen. Dann spürt dieses Kind, daß es zu der Quelle dieser größeren Liebe gehen muß, um geistige Befriedigung zu finden.
Wenn die Menschen diese Lebenskraft entdecken, werden sie unweigerlich davon angezogen. Im geistigen Sinne ausgedrückt erschien Gottes neue
Wahrheit als die Quelle des Lebens und des Lichts. Jesus Christus war der Friedensprinz, der in der Tat kam, um wahren Frieden zu bringen. Dennoch sagte er: "Denkt nicht, daß ich gekommen bin, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert."
Stehen diese Worte im Gegensatz zu Jesu, dem Friedensprinzen ? Nein. wir müssen verstehen, daß Jesus wahren, ewigen Frieden bringen wollte. Zur Errichtung eines solchen Friedens war eine grundlegende Veränderung im Leben der Menschen notwendig. Eine menschliche Revolution war unvermeidlich.
Um diesen wahren Frieden zu erreichen, suchte Jesus zunächst die Menschen zu revolutionieren. In diesem Sinne brachte er Krieg. Er hatte die volle Absicht, eine tiefgreifende Veränderung im Menschen, in der Gesellschaft, der Nation, der Welt zu bewirken. Deshalb traf er auf heftige Reaktionen, wenn er lehrte. Jede etablierte Gesellschaft widersetzt sich größeren Veränderungen. Jesus wurde verfolgt und schließlich gekreuzigt.
Heute noch braucht unsere Welt einen drastischen Wandel, wenn sie sich auf Gott ausrichten will. ich bin gekommen, zu diesem Wandel aufzurufen. Die Göttlichen Prinzipien werden den Menschen revolutionieren. Die Macht dieser Wahrheit berührt Millionen menschlicher Leben und wird in Hunderttausenden ein Feuer entzünden. Sie wird die wahre, bleibende Vereinigung der menschlichen Familie und der Welt herbeiführen. Dennoch begegnet man uns mit Spannungen und Widerstand. Wenn wir jedoch auf die Erfahrungen der Geschichte zurückblicken, erkennen wir, daß dies der normale, unvermeidliche Werdegang einer jeglichen ernsthaften, geistigen Bewegung war.
Während unserer Pionierzeit in Korea kamen viele Hausfrauen in unsere Kirche. Am Anfang schienen überwiegend Frauen von der Wahrheit angezogen zu werden. Sie sind religiöser, schätze ich. sie erlitten aber eine enorme Verfolgung bei sich zu Hause. Manche Ehemänner haßten die Tatsache, daß ihre Frauen in die Kirche gingen; folglich griffen sie zu extremen Maßnahmen, um sie davon abzuhalten. Einige schnitten ihren Frauen die Haare ab; sie rasierten ihnen den Kopf kahl, so daß sie nicht auf die Straße gehen konnten, weil die Leute über sie gelacht hätten. Diese Frauen kamen aber immer noch um Mitternacht in die Kirche, um zu beten und Gott zu ehren. Sie banden sich Taschentücher um den Kopf und kamen. Manchmal verloren sie das Tuch, aber das störte sie nicht. Sie wollten unbedingt in die Kirche kommen, auch wenn sie dafür gedemütigt wurden. Manchen anderen Frauen nahmen die Männer die Kleider ab, aber sie kamen dennoch-- in Lumpen. Erstaunlich. Die Macht, die die Menschen zur Quelle des Lebens zieht, ist erstaunlich--unglaublich. Solche, in gewisser Weise verrückten Taten führten dazu, daß Reverend Moon in den frühen Tagen soviel ungerechtfertigte Verfolgung erlitt. Jene Menschen wurden einfach so stark von der Kirche angezogen. Die Leute sagten oft: "Reverend Moon muß ihnen eine Gehirnwäsche gegeben haben oder irgendwelche Pillen um sie verrückt zu machen." Derartige Verfolgung kam nicht nur hier in Amerika--auch in Korea.
Sontag:
Wie Sie wissen, finden heiße Auseinandersetzungen um Ihre Ausbildungs-und Bekehrungsmethoden statt. Ich wüßte gern, ob Sie irgendeinen wesentlichen Unterschied im Vergleich zu anderen Evangelisations- oder klösterlichen Bewegungen sehen, was die Ausbildungsmethoden und die Art angeht, mit denen Gläubige in Ihre Kirche gebracht werden.
Moon:
Sie waren in vielen Zentren der Vereinigungskirche. Sie wissen so gut wie ich, daß unsere Arbeit ein Erziehungsprozeß ist. wir sprechen mit den Menschen und bringen sie zu einem Seminar über die Göttlichen Prinzipien. Alles, was wir machen, ist, die Göttlichen Prinzipien zu lehren. Wir halten Workshops ab--aber was ist das, ein Workshop? Dort werden schlicht und einfach die Göttlichen Prinzipien gelehrt. Außerdem gibt es keine verschlossenen Türen, so daß jeder jederzeit unsere Zentren verlassen kann. Die Menschen bleiben aber, um die Vorträge zu hören. Die Bekehrungs- und Ansprechmethoden sind im Grunde nicht neu. sie unterscheiden sich nicht von denen der konventionellen Kirchen. Der Unterschied liegt in der Wahr heit, die wir bringen: die Wahrheit der Göttlichen Prinzipien.
Einen anderen Punkt möchte ich noch erwähnen. Viele Leute außerhalb der Kirche denken, daß die amerikanischen Jugendlichen zu mir gebracht würden und daß ich sie irgendwie hypnotisierte; irgendwie machte ich sie zu Mitgliedern. Tatsache ist vielmehr, daß ich noch nie einem Neuankömmling einen Vortrag gehalten habe. Bevor sie nicht Mitglieder sind, treffen sie mich nicht. Manchmal mögen sie zum Sonntagsgottesdienst kommen und mich dort sprechen hören, aber das ist alles. Ob ich hier bin oder nicht-- davon gewinnt oder verliert die Vereinigungskirche keine Mitglieder. Es gibt die Wahrheit, die Göttlichen Prinzipien, und jeder kann sie lernen und lehren. Sie führen die Menschen zu einem tieferen Verständnis des Wirkens Gottes und einer erfüllteren, persönlichen Beziehung zu ihm.
Viele Mitglieder der fahrenden "fundraising" Teams haben mich noch nie getroffen. Sie lernen die Prinzipien, werden starke Mitglieder und widmen sich ganz der Sache. Sie tun das nicht aufgrund meines persönlichen Einflusses oder weil ich ihnen sage, daß sie es tun müssen oder verflucht werden. Viele Leute außerhalb der Kirche denken, daß irgendein leistungsfähiges Instrument an jedem Mitglied eines "fundraising" Teams befestigt ist, durch das ich sie kontrollieren kann. Das ist Unsinn.
Sontag:
Außenstehende wollen in der Kirche und ihren Aktivitäten eine Art von Verschwörung entdecken. Warum erregt sie diesen Verdacht bezüglich ihrer Tätigkeiten?
Moon:
Sie wissen, daß die Vereinigungskirche keine Geheimnisse hat. Viele Menschen glauben, sie sei geheimnisumwittert wie eine Art Super-CIA Organisation. Das ist eine geradezu erstaunliche Ironie, denn unsere Aktivitäten sind völlig offen. Ich habe nichts zu verbergen. Allzu oft kommen diese Leute nicht einmal selbst in die Kirche, um die Wahrheit herauszufinden. Auch sie sind willkommen; wir arbeiten ganz offen. Woher kommt also diese "geheimnisumwobene" Atmosphäre?
Die Wahrheit ist, daß diejenigen, die sich von mir oder der Vereinigungskirche bedroht fühlen, diese Gerüchte verbreiten. Die christlichen Kirchen fürchten sich. sie glauben, daß wir ihre Einrichtungen abernehmen, ihr Land und ihre Strukturen, daß ihre jungen Leute Mitglied bei der Vereinigungskirche werden. Aus der Angst heraus, daß sie ihre Jugendlichen verlieren könnten, verteidigen sie sich so sehr. und um sich zu verteidigen, ist es am wirksamsten--wie schon seit jeher in der Geschichte--wenn man das schwärzeste Bild von der Lehre seiner Opponenten und deren Arbeitsmethoden malt.
Unsere Kirche und ich haben während der letzten dreißig Jahre so unglaublich viel Verfolgung erlitten, daß ich Gott dankbar dafür sein muß, daß wir heute schließlich etabliert und erfolgreich sind. Ohne Gottes Kraft wären wir schon viele Male vernichtet worden.
Heutzutage gibt es viele Leute, die sich von mir bedroht fühlen und die deshalb glauben, mich irgendwie beseitigen zu müssen. Sie glauben, ich sei eine derartige Bedrohung ihres Wohlstands, ihrer Zukunft und ihrer Kinder, daß sie soweit gehen zu sagen: "Wir müssen etwas unternehmen, um Reverend Moon zu beseitigen und die Vereinigungskirche auszurotten." Ich bin diesen Menschen, die mich zu zerstören suchen, nicht feindlich gesinnt. Meine Arbeit, meine gottgewollte Mission ist es, sie von Haß und Furcht zu befreien, ihnen das Licht zu geben, das sie in die ewige Erlösung führt. Wir wollen sie zu Empfängern des höchsten Segens Gottes machen.
Sontag:
In den Kritiken, die die Kirche treffen, spielt Ihre Kontrolle über Besitztümer und Geld eine kontroverse Rolle. Könnten Sie etwas darüber sagen, inwiefern Sie die Kontrolle von und das Arbeiten mit Vermögen für das Programm der Kirche für notwendig halten, und wie sie diese Kontrolle sehen?
Moon:
Die Besitztümer, die wir in New York und auf der ganzen Welt haben, sind Teil des Segens Gottes. Alle materiellen Dinge wurden von Gott zum Segen und als Geschenk für seine Kinder erschaffen. Aber aufgrund des Sündenfalls wurden Männer und Frauen nicht zu Gottes wahren Söhnen und Töchtern. Die Zeit wird kommen, in der Gottes eigene Kinder wieder in seine Familie aufgenommen und zu seinen direkten Erben werden, die berechtigt sind, alle Dinge der Schöpfung für Gottes Ruhm zu beherrschen und zu benutzen. Ich verwerfe materielle Dinge nicht als etwas Satanisches. Der Mensch, der sie kontrolliert und benutzt, ist der entscheidende Faktor. Wenn seine Motivation absolut auf Gott ausgerichtet und völlig selbstlos ist, dann sind materielle Dinge dazu da, um von ihm zum Wohle der Menschheit benutzt zu werden.
Lassen Sie uns einen Augenblick untersuchen, was wir an Besitztum haben. Wie Sie wissen, hat unsere Kirche das alte New Yorker Hotel an der Ecke 8. Avenue/34. Straße erworben. Dieses gigantische Zweitausend-Betten Hotel stand leer in der Mitte von Manhattan. Als ich es das erste Mal besichtigte, traute ich meinen Augen nicht. Es war ein totales Wrack. Es sah aus, als sei es ausgebombt worden; ein Anblick wie Seoul nach dem Koreakrieg. Ich konnte nicht begreifen, wie solch ein Katastrophengebiet im Herzen der Stadt New York liegen konnte.
Wir kauften das Gebäude und restaurieren es seitdem, damit es wieder zu vollem Gebrauch kommt. Zur Zeit benutzen wir es als unsere Zentrale für die Weltmission. Das Reich Gottes ist ein Reich, das man benutzt. Es ist, als erwecke man einen toten Körper zu neuem Leben, um ihn dann in Gottes Dienst zu stellen. Das New Yorker Hotel ist ein typisches Beispiel für fast alle unserer Immobilienkäufe. Wir erwerben tote, heruntergekommene Gebäude und erneuern sie dann zum vollen Nutzen Gottes und der Menschheit. Wir kauften das verfallene ehemalige Clubhaus der Columbia Universität, gaben ihm neues Leben und benutzen es jetzt als Kirchen-Zentrale der Vereinigten Staaten. Wir kauften auch das Manhatten Center. Es war einst New Yorks berühmtestes Opernhaus, aber dann blieb es mehrere Jahrzehnte dem Verfall überlassen. Jetzt haben unsere jungen Leute schon mehrere Monate an seiner Renovierung gearbeitet. Das Opernhaus ist zu einem bedeutenden Gotteshaus unserer Kirche geworden.
Noch vor kurzem haben wir das alte Tiffany Gebäude erworben. Es stand einmal als Symbol für Amerikas Anmut und Reichtum. Dieses Haus beherbergt nun die Redaktion unserer Zeitung News World. Wir übernahmen auch die heruntergekommene Lofts Candy Fabrik, die wir jetzt als Kirchenverlag benutzen. Weiter erwarben wir das geräumte Seminar der "Christian Brothers" (Christliche Brüder), das fünf Jahre lang in Barrytown verwahrloste, mitsamt seinen 270 Morgen Land. Wir bauten es als unser theologisches Seminar wieder auf. wir haben mehrere hundert Morgen Land in Tarrytown, New York gekauft, auf denen eine Universität entstehen soll. Der Großteil unserer Gelder wurde in solche Projekte investiert.
Alles in allem--wer wird aus alledem einen Nutzen ziehen? Letzten Endes die breite Öffentlichkeit und natürlich unsere Mitglieder und ihre Kinder. Wir machen all das als Dienst für Gott und die Menschheit. Ich sollte meinen, daß New York City diese Verbesserungen begrüßt, schon allein deswegen, weil dadurch die Stadt verschönert wird und die anliegenden Gebiete einen Wertzuwachs erfahren. Was wir machen, ist wahrhaft erfreulich, und wenn die Amerikaner es erst tiefer verstehen, werden sie es auch begrüßen. Unsere Bewegung hat die nötige Vitalität, Energie und Entschlossenheit, um den alten Pioniergeist Amerikas wiederherzustellen. Wir streben nicht nur danach, den sterbenden christlichen Geist und den Gründergeist dieser Nation wiederherzustellen, sondern in Wirklichkeit machen wir auch verfallene Gebäude und brachliegendes Land wieder rentabel und errichten so eine Art Paradies.
New Yorks Achte Avenue könnte man die Avenue der Prostituierten nennen. Wir möchten aus dieser Achten Avenue eine Straße des Himmels und der Schönheit machen. Unser Ziel ist Wiederherstellung--sowohl geistig als auch physisch. Wie Sie vielleicht wissen, eröffneten wir während unserer Yankee Stadium Rally das Programm "Schönes Amerika". Jeden Morgen säuberten unsere jungen Leute zu Tausenden die schmutzigen Straßen von New York City. Wir hoffen, daraus ein nationales Programm zu machen. Jeder muß daran mitarbeiten, damit es funktioniert. Die Amerikaner müssen stolz sein auf ihr schönes Erbe und auf das Land, mit dem Gott sie gesegnet hat.
Die Zeitungen geben weiterhin ein falsches Bild von der Situation, indem sie behaupten, ich würde mich bereichern. Sie sagen es nicht offen, sondern deuten unterschwellig an, daß ich irgendwo auf einer Schweizer Bank Reichtümer anhäufte. Unsere Leute hier kennen mich besser. Ich habe keinen Privatbesitz. Unsere Bewegung besitzt alles und benutzt es ordnungsgemäß zur Errichtung des Reiches Gottes hier auf Erden.
Heutzutage werden viele Verdächtigungen bezüglich der Quellen unserer Mittel laut. Manche Leute denken, unser Geld käme vom koreanischen CIA, der koreanischen Regierung oder einer Reihe anderer Orte. Die Wahrheit ist jedoch, daß alles Geld ausschließlich von den Mitgliedern der Vereinigungskirche verdient wird. Dieses Geld ist die Frucht aus Blut und Schweiß dieser Mitglieder. Es wurde durch aufopferungsvolle Pflichterfüllung verdient. Unsere Mitglieder lachen jeden aus, der behauptet, daß unsere jungen Leute zu Robotern würden, daß sie manipuliert würden. Sie wissen, was sie tun und warum sie es tun.
Mein Wunsch und Ziel ist es, etwas in Amerika zurückzulassen. Ich bin nicht für immer hier. Viele Menschen aus der ganzen Welt kommen nach Amerika, um etwas zu erhalten. Ich bin ein Mann, der kam, um Amerika alles zu geben. Und doch bin ich derjenige, dein man am meisten kritisiert.
Sontag:
Das politische Interesse der Kirche ist ein anderer äußerst kontroverser Streitpunkt. Könnten Sie etwas darüber aussagen, wie Sie Ihre eigene Beziehung und die der Kirche zur politischen und weltlichen Autorität sehen?
Moon:
Unsere Bewegung ist grundlegend geistig und religiös. Wir sind dazu ausersehen, die Welt zu verändern, da unser Ziel nicht nur Geistiges, sondern auch Physisches umfaßt. Es betrifft einen jeden. Wie sollen wir es erreichen? Nicht durch militärische Machtübernahme oder Gewalt, sondern durch einen Erziehungsprozeß, insbesondere durch die Erziehung der für die Nationen Verantwortlichen. Das ist das Gebiet, auf dem die Vereinigungskirche und ich uns betätigen. Wir gehen hinaus und legen Zeugnis ab für Gott--nicht nur vor der Menschenmenge auf den Straßen, sondern auch vor den Menschen, die fähig sind, ein Land zu Gott zu führen. Unser Wunsch ist es, neues Leben in ihre Herzen zu säen, damit sie zu Führern werden, für die Gott im Mittelpunkt steht. Das sind die Mittel, mit denen wir die Welt verändern wollen.
Es ist nicht meine Absicht. die Macht oder die Führung einer Nation zu übernehmen. Ich habe nicht den Ehrgeiz, Senator oder Staatschef irgendeines Landes zu werden. Aber als Gottes Botschafter habe ich die Verantwortung, den Menschen Gottes Botschaft zu überbringen, die tatsächlich das Land und die Gesellschaft regieren--sie jenen zu übermitteln, die tatsächlich die Nation beeinflussen können.
Während der Watergate-Krise sagten die Leute: "Oh, das ist ja eine politische Organisation--die unterstützen ja Nixon. Sie haben also politische Beweggründe." Was haben wir denn wirklich getan? Wir haben eine Gebets- und Fastengruppe für einen nationalen Notstand organisiert, und wir haben eine Menge gebetet und gefastet. Viele Mitglieder der Vereinigungskirche fasteten drei Tage und auch sieben Tage hintereinander, um der Nation zu helfen. Wir hielten auf den Stufen des Kapitols Gebetsnachtwache. Wir beteten vor dem Weißen Haus und an der Lincoln Gedächtnisstätte. Wir beteten für Kongreßmitglieder, für Senatoren und für den Präsidenten. Ich erinnere mich, daß Präsident Lincoln einmal die gesamte Nation zu einem nationalen Sündenbekenntnis und zum Gebet um Gnade und Vergebung aufrief, als sich das Land in einer Notlage befand.
Ich empfand Watergate als eine nationale Notlage. Es war eine Moralkrise, eine nationale Sünde. Während amerikanische Soldaten in Vietnam starben, waren die Menschen zu Hause innerlich verwundet und gespalten. Sie verloren völlig den Glauben und konnten die Soldaten im Ausland nicht unterstützen. Ich spürte, daß die heilende Gnade nur von Gott kommen konnte, und die Macht des Gebetes konnte sie herabrufen. Ich wollte diese Nation auf die Knie rufen, damit sie bereute. Ich hoffte, daß der Präsident wieder, wie Linsoin damals, einen Aufruf zum nationalen Gebet herausgeben würde. Unsere Bewegung wollte ein Beispiel geben, und das haben wir auch getan. Ich wollte Amerikas Gewissen aufwecken. Ist das eine politische Handlung?
Wenn Sie meine Stellungnahme zu Watergate lesen, werden Sie feststellen, daß es eine wahre Predigt ist, die von demselben Geist erfüllt ist wie die Bergpredigt: Vergebung, Liebe, Vereinigung. Diese drei Worte drücken wirklich das Wesentliche der christlichen Lehre aus und sind von jeglicher politischer Ambition weit entfernt.
Sontag:
Könnten Sie etwas über die Entwicklung Ihres eigenen Gebetslebens sagen? Es scheint mir, daß das Gebetsleben in der Kirche etwas Einzigartiges ist. Viele Mitglieder berichten auch, daß sie erst in der Kirche beten gelernt haben.
Moon:
Zunächst einmal glaube ich, daß das Gebet die machtvollste Sache ist. Es kann das Unmögliche möglich machen. Deshalb lege ich in der Vereinigungskirche großen Wert auf das Beten; allerdings gibt es einen Unterschied: Betet nicht für euch selbst--das lehre ich. Betet für eure Mission, betet für andere; betet so, daß Gott durch euer Gebet getröstet werden kann.
Sontag:
Ich glaube, daß die Lehre von den Wahren Eltern häufig mißverstanden wird. Welche Beziehung besteht zwischen den Wahren Eltern und den natürlichen Eltern, und welche Verpflichtungen hat das Kind beiden gegenüber?
Moon:
Mit dem Wort Eltern bezeichnet man den Vater und die Mutter einer Person, jene Menschen also, die ihr das Leben gegeben haben. Unser Konzept der Wahren Eltern bezieht sich auf die Wiedergeburt eines Menschen. Das wahre Wesen des Menschen ist geistig. Unser wirkliches Selbst ist unsichtbar, und doch ist es das, was korrumpiert wurde. Deshalb müssen alle Menschen wiedergeboren werden. Letzten Endes ist Gott unsere "Wahren Eltern". Weil Gott aber ein unsichtbarer Geist ist, erwählt er eine Hauptperson oder mehrere Personen, durch die die Menschheit Gottes Wort empfangen und die Wiedergeburt erfahren kann. Diese Personen sind die Wahren Eltern. Dieses Konzept der Wahren Eltern mißachtet auf gar keinen Fall die natürlichen Eltern.
Seit Adam und Evas Fall hat Gott am Wiederaufbau der menschlichen Familie gearbeitet. Die aktuelle Menschheitsfamilie stammt von dem gefallenen Paar Adam und Eva ab, und Gott kann diese Familie so nicht akzeptieren. Sie muß durch einen Reformations- oder Wiedergeburtsprozeß gehen. Das hat sogar Jesus vor zweitausend Jahren gelehrt. Darum brauchen wir Gott und von Gott eingesetzte Wahre Eltern. Die natürlichen Eltern geben ihren Kindern physisches Leben und lieben und erziehen sie nach den besten moralischen Prinzipien, die sie kennen. Die Wahren Eltern geben geistiges Leben. Im Kirchenleben wird ein Stellvertreter Gottes schon lange als Heiliger Vater bezeichnet. Aus diesem Grunde sollte das Konzept der Wahren Eltern nicht so fremd erscheinen.
Adam und Eva sollten nach Gottes Plan die Wahren Eltern der Menschheit sein. Nachdem sie versagt hatten, wollte Gott Jesus als Wahren Vater der Menschheit einsetzen. Als er gekreuzigt wurde, versprach Gott einen anderen Messias. Er kommt, um Gottes Ideal der Wahren Eltern, die Gott zum Mittelpunkt haben, zu verwirklichen. Er wird eine neue Gottesfamilie hervorbringen, indem er die Familieneinheit im Sinne von Gottes Ideal wiederherstellt. Wenn wir die Wahren Eltern Gottes haben, können wir alle wahre Brüder und Schwestern werden.
Sontag:
Was wird nach der Wiedergeburt aus der Pflicht und Beziehung des Kindes zu seinen Eltern?
Moon:
Seine natürlichen Eltern bleiben ganz gewiß seine Eltern, und diese Familienbeziehung wird sich nicht ändern. Nach der geistigen Wiedergeburt ist man jedoch mit der wahren Gottesfamilie verbunden und somit für die Wiederherstellung seiner eigenen natürlichen Eltern, Brüder, Schwestern und Verwandten verantwortlich. Dadurch wird den Menschen, die man am meisten liebt, eine ewige Verbindung mit Gott ermöglicht. Die Beziehung zur Wahren Familie ist ewig, während die irdische Familie nur zeitlich ist. Deshalb muß man beide Beziehungen haben, um so seiner Familie vollkommene Wiederherstellung zu bringen. Zu wahren Söhnen und Töchtern Gottes zu werden, ist die höchste Erfüllung des irdischen Lebens.
(Teepause. Ginsengtee wird serviert)
Sontag:
Es gibt noch einen anderen Nutzen, den ich aus meiner Reise nach Korea ziehen konnte: Ich habe Ginsengtee lieben gelernt. Vorher mochte ich ihn nicht, aber jetzt schmeckt er mir. So hatte ich also ein Bekehrungserlebnis in Korea!
Col. Pak:
Obwohl Reverend Moon die Ginsengtee-Fabrik gegründet hat, war er zuerst auch kein Liebhaber davon. Auch er hatte ein Bekehrungserlebnis mit Ginseng. Im Laufe der Zeit schmeckte ihm die honiggesüßte Ginsengwurzel. Reverend Moon sagt, daß man enorme Energie und Vitalität erhält, wenn man täglich eine honiggesüßte Ginsengwurzel ißt.
Sontag:
Ist das Reverend Moons Quelle der Vitalität?
Col. Pak:
Ja, gottgegebene Vitalität und Ginseng mit Honig, das ist jetzt eine doppelte Garantie!
Moon:
Sonntag morgens, zum Beispiel, spreche ich mehrere Stunden lang. Vorher nehme ich nur eine Ginsengwurzel mit Honig, damit kann ich bis Mittag sprechen, ohne müde oder hungrig zu werden: Es ist erstaunlich. Ganz besonders im mittleren Alter--und ich fürchte, da herum sind wir beide inzwischen--im mittleren Alter und darüber hinaus.
Neil Albert Salonen:
Als wir in Korea waren, sagten einige der Leiter der Ginsengtee Handelsgesellschaft: "Unter Vaters Führung brauchen wir zwei Religionen: Göttliche Prinzipien für den Geist und Ginseng für den Körper. Wir sollten eine Ginsengteereligion haben !"
(Großes Gelächter)
Sontag:
Ich muß Reverend Moon vor dem Lachen warnen. Ich habe mit dem Psychiater in Boston gesprochen, der behauptet, ein Deprogrammierungsexperte zu sein. Er erklärte mir, daß es ein sicheres Zeichen sei, daß ein Mitglied erfolgreich deprogrammiert wurde, wenn dessen Sinn für Humor zurückkehre. Also darf Reverend Moon nicht zuviel lachen, sonst deprogrammiert er sich selbst !
(Gelächter. Ende der Teepause)
Sontag:
Die Kirche wächst und breitet sich aus; sie hat mehr Erfolg und läßt ihre Pioniertage hinter sich. Sehen Sie ein Problem, den Pioniergeist lebendig erhalten zu können?
Moon:
Unser Pioniergeist wird fortleben. Niemand kann sich entspannen oder ruhen, bis Gottes Ziel wirklich erreicht ist. Unser Ziel ist nicht, einfach nur Christen zu werden. Mein Ziel ist die Erlösung der Welt--und das ist sogar noch nicht alles. Wir müssen sogar Gott und die gesamte geistige Welt befreien. Die Vereinigungskirche ist wahrscheinlich die erste Bewegung, die Gott als leidend beschreibt. In diesem Sinne ist unser Ziel die vollkommene Befreiung: die Befreiung Gottes von allem Kummer.
Ein Teilerfolg ist kein wirklicher Erfolg. Unser Ziel ist so hoch, daß wir uns auf gar keinen Fall ausruhen oder uns leicht zufrieden geben können. Ich könnte sehr gut zu unseren Mitgliedern sagen: "Wißt ihr, ich habe jetzt dreißig Jahre lang hart genug gearbeitet. Glaubt ihr nicht, daß das lange genug für mich ist und daß ich mich jetzt zurückziehen, ausruhen und ein wenig Spaß haben könnte?" Aber solche Gedanken kommen mir nicht einmal in den Sinn. Warum nicht? Weil ich immer im Pioniergeist vorauseile, um das Ziel näher zu bringen.
Eigentlich kann ich die Leute verstehen, die uns als häretisch bezeichnen. Aus ihrer Sicht sind wir tatsächlich häretisch, weil unser Lebenskonzept revolutionär ist: wir wollen Gott befreien; wir wollen Jesus Christus befreien. Wir wollen sie von ihren Sorgen, ihrem gebrochenen Herzen befreien. Wer hat jemals im Verlauf der Geschichte solche Dinge geäußert? Wir sagen es nicht nur, wir leben auch danach.
Mein Konzept, Gott zu dienen, ist in der Tat revolutionär. Gott versteht das Lachen, aber, was wichtiger ist, er verstellt Sorgen und Leiden. Er schaut mit dem schmerzerfüllten Herzen eines Vaters auf die leidende Menschheit. Er möchte dem Leid ein Ende bereiten--wie es auch besorgte Eltern wollen. Er mochte seine Kinder glücklich sehen. Nehmen wir einmal an, Jesus sitze zur Rechten Gottes. Ich sage: "Laßt uns nicht nur diese menschliche Welt von Sonde befreien, sondern last uns auch Gott von seinem gebrochenen Herzen, der Sorge Jesu, befreien. Glauben Sie, daß Jesus sagen könnte: "Gott, dieser Mann ist im Unrecht, nimm ihn fort. wir brauchen seine Hilfe nicht. Er ist ein Gotteslästerer. Ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben, und niemand kommt zu dir, außer durch mich.
Könnte Jesus mich so dafür kritisieren, daß ich versuche, seine Arbeit zu tun?
Nein, Jesus wird sagen: "Gott, segne ihn. Seine Arbeit muß erfolgreich sein. Die Erfüllung dieser Arbeit wird die Erfüllung meiner eigenen Mission werden. Deshalb ist sein Erfolg mein Erfolg, ist sein Erfolg dein Erfolg. Gott, bitte hilf ihm. Bitte, steige herab und inspiriere Reverend Moon, und laß ihn soviel in seinem Leben vollbringen wie er kann.
Das Urteilskonzept der christlichen Kirchen ist gröblich verkehrt. Gott ist Liebe. Er verdammt niemanden. Aber die Menschen ernten die Früchte ihrer Saaten. Die Menschen, die hier auf Erden ein egoistisches Leben säen, werden danach die Hölle ernten. Das ist aber nicht das Ergebnis einer Verdammung durch Gott. Niemand kann den Himmel ernten, wenn er gegen Gott lebt und handelt. Gott ist ein Gott der Liebe, und wenn die Menschheit in der Hölle leidet, leidet sein Herz. Daran kann er sich nicht erfreuen. Gottes Wunsch ist es, letztlich auch die Hölle zu beseitigen.
Hier, in der Welt des Fleisches, können wir durch große Taten vorwärtskommen. Unser irdisches Leben ist eine einmalige Gelegenheit. Nehmen wir an, wir leben hundert Jahre hier auf Erden. Das ist unsere Gelegenheit, das Fundament für unser ewiges Leben zu legen. Verglichen mit der Ewigkeit sind unsere hundert Jahre auf Erden weniger als der Blitz einer Sekunde. Wir müssen diese hundert Jahre für Gott und die Menschheit investieren. Laßt uns nicht nur für uns selbst, nicht nur für den Augenblick leben. Wir werden viel größeres Glück finden, wenn wir unsere einhundert Jahre selbstlos Gott geben: dann wird Gott uns mit der Ewigkeit im Himmel belohnen.
Sontag:
Welche Probleme sehen Sie für die Kirche und dieses Werk, wenn Sie einmal nicht mehr leben werden, um es führen zu können ? Wie werden die Mitglieder auf Ihre Abwesenheit reagieren?
Moon:
Ich habe meine persönliche Mission hier auf Erden erfüllt. Deshalb wird es keinen Unterschied machen, ob ich hier auf Erden bleibe oder in die geistige Welt aufgenommen werde. Unsere Bewegung hat ein festes Fundament gelegt. Sie besteht hier auf physischer Ebene, aber sie ist geistig aufgebaut; ihre Wurzeln sind Gott und die geistige Welt. Auf diesem Fundament kann die Bewegung niemals versagen. Es wird ohne mich weitergehen, und das Reich Gottes wird hier auf Erden Wirklichkeit werden.
Sontag:
Ich möchte wissen, ob Sie eine Gefahr dafür sehen, daß die Kirche im Laufe der Zeit zu einer unter vielen werden könnte. Es könnte doch geschehen, daß auf das Establishment ausgerichtete Leute ihre Kontrolle übernehmen und durch sie ihren Machthunger befriedigen.
Moon:
Der entscheidende Unterschied zwischen den bestehenden Kirchen und der Vereinigungskirche ist, daß wir keine Konfession, sondern eine Vereinigungsbewegung sind. Deshalb wird diese Bewegung nicht eher ihre revolutionären Bemühungen oder ihre Pionierarbeit aufgeben, bis das endgültige Ziel, nämlich die Errichtung des Reiches Gottes hier auf Erden, physisch realisiert ist. Dadurch wird Gott nach sechstausend biblischen Leidensjahren großen Trost und tiefe Freude empfinden können.
Wir könnten ganz bestimmt nicht zu einer bloßen Kircheninstitution werden. Dieses hier ist eine echte Bewegung, und sie wird sich nicht niederlassen, bevor sie nicht ihren Daseinszweck vollständig erfüllt hat.
Sontag:
Glauben Sie, daß jede der von Ihnen geplanten Phasen erfolgreich war? Beabsichtigen Sie in irgendeiner Weise, das zukünftige Programm zu modifizieren, oder hat die Bewegung wirklich jede Entwicklungsphase so durchlaufen, wie Sie es ursprünglich planten? Wird der Zeitplan revidiert werden?
Moon:
Nein, keine Revision. Jeder vorgegebene Zeitplan wurde auch eingehalten. Ich glaube, daß wir soweit unsere geplanten Ziele erreicht haben.
Meine Ankunft in Amerika verlief nach Plan, und die Arbeit der darauffolgenden dreieinhalb Jahre erfolgte genau wie vorgesehen. Die Yankee Stadium Rally verlief nach Plan, desgleichen die Washington Monument Rally. Und bis jetzt entspricht auch das Zweijahresprogramm, das ich für 1977 und 1978 zur Evangelisierung des ganzen Landes begonnen habe, genau der Zeiteinteilung.
Sontag:
Wie ich hörte, gab es die Göttlichen Prinzipien ursprünglich nur in mündlicher Form. Die ersten Jünger berichteten mir, daß sie sie in Predigtform gehört hätten, und die Nachfolger aus der Zeit von Pusan sagten, daß sie dabei waren, als die Prinzipien schließlich schriftlich abgefaßt wurden. Im Gegensatz zur ersten Niederschrift ist das heutige Buch ausführlicher geworden und besser gegliedert. Halten Sie es für möglich, daß weitere Veränderungen, Ausarbeitungen, Erweiterungen oder eventuelle Reduzierungen des gegenwärtigen Buches der Göttlichen Prinzipien vorgenommen werden? Ist seine Form jetzt endgültig?
Moon:
Bezüglich der Formulierung von Teilen der Prinzipien hat es vereinzelt ziemliche Experimente gegeben; aber von Anfang bis Ende blieb die fundamentale Aussage der Offenbarung unverändert. Zum Beispiel "Die Prinzipien der Schöpfung", "Der Sündenfall' und "Die Mission Jesu" wurden niemals in ihrer Grundidee modifiziert. Ich weiß, daß es schwierig ist, gewisse Konzepte und Ideen unserer Philosophie auszudrücken. Eines meiner Projekte ist daher, die Prinzipien persönlich noch einmal zu überarbeiten, um sie dann standardisiert der Geschichte zu übergeben. Diese Arbeit wird viel Zeit und Mühe kosten, aber sie muß getan werden.
Die Göttlichen Prinzipien sind nicht die Art von Wahrheit, über die man eine Konferenz abhält und die man einfach ändert, falls sie den Leuten nicht paßt. Das wird niemals geschehen. Daneben muß ein noch erheblicher Teil der Wahrheit offenbart werden..lch habe diese Offenbarungen schon empfangen, aber ich reserviere die Enthüllung gewisser Teile der Wahrheit für die Zukunft.
Sontag:
Da Sie glauben, daß es noch zukünftige Offenbarungen geben wird, ist die bisherige also noch nicht abgeschlossen?
Moon:
Die Göttlichen Prinzipien sind keine Philosophie, keine Theorie -- sie sind Prinzipien. Sie sind unveränderliche, von Gott gegebene Wahrheit. Wenn diese Wahrheit einmal enthüllt ist, muß auch nach ihr gelebt und gehandelt werden. Damit dies erreicht werden kann, muß wenigstens das nötige Fundament gelegt werden. Dann kann Satan nicht eingreifen. Einen Menschen, der völlig eins mit der Wahrheit ist, kann Satan nicht von Gott fortnehmen. Zum Beispiel: Wären Gott und Adam und Eva vollständig durch die Wahrheit vereinigt gewesen, hätte Satan keinen Angriffspunkt gefunden. Die Wahrheit muß verkörpert werden; sie muß in einem lebendigen Menschen verwirklicht werden und in ihm leben. Andernfalls kann Satan sich ihrer bemächtigen und sie mißbrauchen. Aus diesem Grunde offenbare ich eine Wahrheit erst, wenn alle Bedingungen dafür erfüllt sind oder die Wahrheit schon bis zu einem bestimmten Grad verkörpert ist. In gewisser Weise sind also die Göttlichen Prinzipien, diese neue Offenbarung, die Aufzeichnung meines Lebens. Sie sind meine eigene Lebenserfahrung. Die Göttlichen Prinzipien sind in mir, und ich bin in den Göttlichen Prinzipien.
Sontag:
Viele außerhalb der Kirche glauben, daß jedes Mitglied als Individuum Reverend Moon treu ist; wenn ich aber mit Mitgliedern spreche, dann richten sich ihre Aussagen und ihr Ziel immer auf die Prinzipien. Stimmen Sie dem zu, daß die Loyalität der Menschen den Prinzipien gilt? Beide sind miteinander verbunden, da Sie der Überbringer der Prinzipien sind--ihr Offenbarer, ihre Quelle. Ist das korrekt ausgedrückt?
Moon:
Sie stellen mir da eine äußerst wichtige Frage. Viele Leute sagen, ich sei nur der Offenbarer der Wahrheit, ein Instrument, aber ich lebe sie auch, ich verkörpere sie. Deshalb können die Leute mich oder meine Handlungen nur durch die Prinzipien verstehen. Nur mit dieser Kenntnis, dem Studium der Prinzipien, können sie verstehen. Daran liegt es, daß die Mitglieder umso loyaler werden und mich umso tiefer verstehen können, je mehr sie die Prinzipien studieren. Beide sind ein und dasselbe. Aber in unserer Bewegung gibt es bisher niemanden, der Gott hundertprozentig versteht.
Sontag:
Sie werden oft beschuldigt, autoritär--ja, sogar diktatorisch und militaristisch zu sein. wie sehen Sie selbst Ihren Sinn für Autorität, und wie üben Sie sie aus? Wie geben Sie Ihrer Autorität Mitgliedern gegenüber Ausdruck?
Moon:
Niemand, der die Göttlichen Prinzipien kennt, würde es auf diese Art sehen, da so nur die äußere Form betrachtet wird. Wenn jemand nur einen flüchtigen Blick auf uns wirft, könnte er meinen, ich sei autoritär. Betrachten wir einmal Gott. Man könnte sagen, Gott ist ein Diktator. Er muß keinem Kongreß Bericht erstatten und er wird nicht gewählt. Aber niemand nennt Gott einen Diktator, denn Gott ist Liebe. Liebe ist stärker als jegliche Autorität. Wenn also Außenstehende nur meine Autorität sehen, könnten sie mich als Diktator betrachten. Doch da sind sie völlig im Unrecht. Ich bin den Mitgliedern ein Vater. Eltern lieben ihre Kinder--sie regieren sie nicht. Gott liebt, er regiert nicht. Wenn man in der Vereinigungskirche die geistige Qualität der Liebe vermißte, könnte man sie als die schlimmste Hölle bezeichnen.
Sontag:
Warum, glauben Sie, übersehen die meisten und ganz gewiß die öffentliche Presse den geistigen Aspekt Ihrer Kirche und insbesondere Ihre eigene geistige Seite?
Moon:
Sie scheinen sich ganz bewußt zu weigern, diese Seite zu sehen. Das könnte einer der Hauptgründe sein. Es ist, als hätten sie schon ihr Urteil gefällt und versuchen nur noch, Beweise dafür zu finden. Die vielen Menschen aber, die uns näher kennenlernen, sehen, daß uns ein starkes Band der Liebe und Wärme verbindet und daß Gott diese Liebe durch mich ausgibt. Immerzu werden wir angegriffen, und doch gewinnen wir immer und haben zunehmend größeren Erfolg. Es ist ein erstaunliches Prinzip: stets angegriffen zu werden und doch immer zu gewinnen.
Letztes Jahr, 1976, bezog die gesamte Welt Stellung gegen mich. In allen Nationen gab es Anfechtungen. Um sie zu beseitigen, sandte ich Missionare in 120 Nationen. Warum? Ich sandte sie als Fackeln in jedes Land, damit sie der Verfolgung durch die Welt ausgesetzt würden. Je größer die Verfolgung, desto schneller verliert die satanische Welt an Kraft. Das ist himmlische Strategie--aber wer versteht schon etwas davon? Es wird aber der Tag kommen, an dem alle die Vereinigungskirche und mich wirklich kennen werden. Der Tag wird kommen, an dem die Wahrheit offenbar sein wird. An dem Tage werden sie tiefstes Bedauern empfinden.
Sontag:
Sie sprachen davon, wie Sie angegriffen werden. Sie selbst greifen nicht an, aber das Interessante ist, daß die Leute das anders sehen. Die Menschen draußen haben Angst, weil sie glauben, daß die Bewegung eine militaristische Entwicklung nehmen wird und daß Sie Ihren Mitgliedern befehlen werden, mit Gewehren auszuziehen. Halten Sie die Anwendung von Macht oder Gewalt zur Erreichung Ihrer Ziele für gerechtfertigt?
Moon:
Es ist seit jeher Gottes Prinzip, nicht als erster anzugreifen. Gott greift niemals zuerst an. Das Übel und Satan greifen an und suchen zu vernichten, aber die himmlische Seite hat die Verantwortung, sich selbst zu verteidigen. Ich stelle unsere Bewegung stets als von Grund auf gewaltlos und als nicht militaristisch dar. sie hat die stärkste Waffe--wenn man das Wort benutzen kann--die Wahrheit. Wir haben auch das größte Ziel: das Herz des Menschen. Die Wahrheit kann das menschliche Herz verändern, und dadurch ändert sich der ganze Mensch. Weil sich seine Motivation geändert hat, ändern sich auch seine Handlungen und Pläne. Das ist die Hauptgrundlage, auf der wir diese Welt des Bösen erobern wollen: mit dem Wort. Wir sind Eroberer durch Liebe, Eroberer durch Wahrheit, aber nicht durch Gewalt, nicht durch Waffen.
Gerade jetzt, mit der Drohung eines Dritten Weltkrieges, hängt es von der menschlichen Verantwortung ab, ob es einen heißen Krieg geben wird oder nicht. Aber unabhängig davon, ob es Krieg gibt, ist es Realität, daß zwei Welten aufeinanderstoßen: die eine repräsentiert Satan, die andere steht auf Gottes Seite. Der Kommunismus versucht, die Welt mit Gewalt an sich zu reißen. Gott aber möchte die Welt mit Liebe nehmen. Wir müssen die Verkörperung dieser Liebe werden.
Sontag:
Eine häufig geführte Anklage der Presse ist, daß die Mitglieder beim "fundraising" ihre Zugehörigkeit verschleiern und auch, daß die Kirche Deckorganisationen benutzt. Würde die Kirche das jemals zulassen, und welche Gründe gäbe es, die Aktivitäten der Kirche zu verheimlichen?
Moon:
Ich lege größten Wert darauf, daß Ehrlichkeit, Reinheit und Selbstlosigkeit das erste Gebot unserer Mitglieder ist. Ehrlichkeit ist das wichtigste-- besonders zwischen Gott und dem Menschen. Unsere Prinzipien lehren, daß die Unehrlichkeit des Menschen zur Trennung zwischen ihm und Gott geführt hat. Wenn auch unsere Mitglieder glauben, daß sie noch mehr Verfolgung auf sich ziehen, betone ich, daß sie sich als Gesandte Gottes vorstellen und den Menschen als erstes sagen müssen, wer sie sind.
Ein Mitglied muß sagen, daß es in der Vereinigungskirche ist und daß es ein Nachfolger Sun Myung Moons ist. wer nicht den Mut dazu hat, ist meiner nicht wert. ich sage ihnen, daß es falsch ist, es zu verbergen--aus Angst, sie könnten noch größere Verfolgung erleiden; denn die größere Verfolgung wird ihnen auch größeren Segen bringen. Wenn sie versuchen, der Verfolgung zu entkommen, verfehlen sie tatsächlich den gesamten Segen. Einige örtliche Leiter haben vielleicht versucht, ihren Vorteil auszunutzen, aber dann geschah das nicht aus einer schlechten Absicht heraus. Ich kann solche Dinge verstehen, wenn jemand der Verfolgung ausgesetzt ist, aber ich billige solch eine Handlungsweise nicht.
Der Begriff Deckorganisation stammt nicht von uns, sondern ist ein Wort der Massenmedien. Wir haben viele Organisationen, aber es sind keine "Deckorganisationen". Sie alle erfüllen legitime Aufgaben, durch die sie der Menschheit auf verschiedene Weise helfen. Wir haben die International Cultural Foundation ("Internationale Stiftung für Kultur") wir haben Kliniken, medizinischpflegerische Teams, Geschäfte. Wir haben die Professors' World Peace Academy ("Professorenakademie für den Weltfrieden"). Jede Organisation besteht, weil sie notwendige Projekte zu erfüllen hat. Jede hat ihre bestimmte Funktion. Unsere Bewegung beschäftigt sich mit der Realität der Welt. Letzten Endes wollen wir allen menschlichen Bedürfnissen genügen; schließlich ist unser Ziel die Errichtung des Reiches Gottes auf Erden. Wir sondern uns nicht von der Welt ab. Unsere Bewegung ist eine Bewegung der Tat, nicht nur der Meditation.
Sontag:
Reverend Moon, Sie werden oft beschuldigt, öffentlich eine Sache zu lehren und intern eine ganz andere, stärkere Lehre zu verbreiten. Das macht viele Leute mißtrauisch. Woher könnte dieser Verdacht kommen? Er ist weit verbreitet, möchte ich sagen.
Moon:
Ich fürchte mich niemals, öffentlich ganz klar zu sprechen. Gottes Worte duiden keinen Kompromiß. Alle Propheten der Vergangenheit haben klar und unmißverständlich gesprochen, und so halte ich es auch. Bei öffentlichen Ansprachen, nicht nur im Yankee Stadium oder am Washington Monument, sondern auch vor Mitgliedern--wo jeder so wie Sie kommen und zuhören kann--spreche ich oft mit außergewöhnlicher Offenheit. Manchmal spreche ich in der Öffentlichkeit sehr hart und direkt. Warum? Weil ich möchte, daß meine Worte registriert werden. Ich spreche nicht als Diplomat, der die Dinge beschönigt. Ich spreche nicht als Politiker, der den Leuten gefallen will. Das, was die Geschichte einmal von mir sagen wird, ist äußerst wichtig. Ich schwimme nicht im Strom einer alltäglichen Popularität. Ob ich heute bei den Amerikanern beliebt werde oder nicht, ist für mich unwichtig. Ich spreche so, wie Gott mir zu sprechen gebietet.
Manchmal spreche ich auch entsprechend den Bedürfnissen oder dem Niveau der Zuhörerschaft, aber daran ist nichts Geheimes. Jesus selbst hat gesagt: "lch habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen." Es gibt Dinge, die ich den Mitgliedern und sogar den Leitern deshalb nicht sagen kann, weil sie sie einfach nicht verstehen würden und nicht etwa, weil ich etwas vor ihnen geheimhalten will. Die Tiefe des Prinzipienverständnisses ist bei jeder Person unterschiedlich. Der heilige Paulus sagt auch, daß er den Nachfolgern eher "Milch" als "feste Speise" geben mußte, weil sie geistig noch nicht so weit waren. Jeder Sprecher muß sich dem Niveau seiner Zuhörer anpassen. Die Vereinigungskirche hat Geheimniskrämerei nicht nötig.
Unsere Vergangenheit ist dafür ein guter Beweis. Was habe ich in den letzten dreißig Jahren getan, oder was hat die Vereinigungskirche in Korea, Japan oder den USA getan? Darin liegt der Beweis. Wir haben uns völlig im Dienst für andere eingesetzt, für die Nation und die Menschheit. Unsere Hauptarbeit war es, die neue Wahrheit zu predigen und die Herzen der Menschen für Gott zu gewinnen. Haben Sie jemals gehört, daß wir einen Regierungssturz oder Bankraub versucht hätten?
Sontag:
Nein, natürlich nicht, aber es besteht doch eine gewisse Furcht vor Ihnen. Die Leute haben dieses Unbehagen, wobei man die eigentlichen Ursachen kaum definieren kann.
Moon
Wahrscheinlich liegt das an unserer enormen Energie und unserem Erfolg. Hier in Amerika haben die Leute nie zuvor irgendeinen Orientalen erlebt, der so plötzlich zu einer prominenten und kontroversen Persönlichkeit wurde. Bis vor wenigen Jahren hatte Amerika niemals etwas von Reverend Moon gehört, aber heute taucht er plötzlich überall auf. Die Leute hören von einer Menge Reichtum, von Wachstum und Expansion. Und sie können sich nicht vorstellen, was durch absoluten, selbstlosen Einsatz erreicht werden kann. So kommen sie dann eventuell zu dem Schluß, daß irgendeine Verschwörung dahinter stecken muß: wie könnten diese Dinge denn sonst menschenmöglich sein? Aber ich versichere Ihnen, daß jedes einzelne Werk unter Schweiß und Tränen und durch harte Arbeit vollbracht wurde. Sie selbst sind Zeuge für den noch nie dagewesenen Einsatz, den unsere Kirche leistet. Wenn Menschen Gott kennenlernen, werden viele unmögliche Dinge möglich. In unserer Kirche ist jeder Tag ein Wunder.
Sontag:
Eines der Probleme, unter denen die Kirche heutzutage leidet, ist die negative Meinung, die sich hier im Lande gegen Korea und Präsident Parks Regierung entwickelt. Natürlich ist es wahr, daß Priester und führende Männer ins Gefängnis kamen, weil sie gegen ihn protestierten. Sind Sie sich dessen bewußt, und wie stehen Sie dazu?
Moon:
Viele Leute haben den Verdacht, daß eine besondere Bindung zwischen Park Chung Hees Regierung und der Vereinigungskirche besteht. Dieser Verdacht ist völlig unbegründet. Des weiteren hat die Regierung unserer Kirche auch keine Privilegien eingeräumt. Tatsächlich war ich jahrzehntelang Anklagen und Verfolgung ausgesetzt, weil die Regierung mich nicht verstand. Auch die jetzige Regierung brachte unserer Kirche anfangs eine Menge Leid, und zur Zeit verstärkt sich der Druck erneut. Es ist Unsinn, wenn die Leute behaupten, daß eine besondere Bindung zwischen der koreanischen Regierung und der Vereinigungskirche besteht.
Alles, was wir tun, entspringt unserem religiösen Gewissen. Wir betrachten den Kommunismus als den Feind der Menschheit und als den Feind Gottes; deshalb nehmen wir eine starke Stellung im Kampf gegen den Kommunismus ein und unterstützen jede starke, antikommunistische Regierung. Wir unterstützen nicht die Übernahme Süd-Koreas durch Nord-Korea. Die Regierung hat uns jedoch keine besondere Beachtung oder Privilegien geschenkt. Zufällig deckt sich die Haltung der koreanischen Regierung gegenüber dem Kommunismus mit unserer religiösen Überzeugung. Ich kämpfte auch gegen den Kommunismus, als ich noch in Nord-Korea war. Wegen meiner religiösen Überzeugung warf mich die nordkoreanische Regierung für mehr als drei Jahre in ihr schlimmstes Gefangenenlager. Gott allein hat mich gerettet.
In dem Interview, das ich Newsweek International gegeben habe, sage ich, daß Präsident Park seine Arbeit als Präsident des Landes tut und ich tue die meine als religiöser Führer. Es entspricht jedoch der Wahrheit, daß viele der politischen Gefangenen in Süd-Korea Priester und religiöse Führer sind. Die koreanische Regierung hat in der Vergangenheit niemals die religiöse Freiheit--ob christlich, buddhistisch oder konfuzianisch--mutwillig unterdrückt. Sie reagiert aber hart auf jegliche umstürzlerische Bedrohung. Daher kommt die Schwierigkeit.
Die Vereinigungskirche hat nicht die geringste Absicht, die Regierung zu stürzen oder ihre Position zu verunsichern. Wir haben nichts mit der Regierungspolitik zu tun. Dennoch gibt es viele Fälle, in denen die Vereinigungskirche von der Regierung belästigt wird. Unseren Leitern, die in der Weltmission tätig sind, wird die Ausreise aus Korea sehr erschwert; oft ist es für unsere Organisationen in Korea schwierig, gewisse Genehmigungen zu erlangen, und vieles andere mehr.
Was mich persönlich betrifft, stehe ich unter keiner unmittelbaren religiösen Verfolgung. Wäre das in Süd-Korea der Fall, spräche ich mich sofort gegen die koreanische Regierung aus. So etwas toleriere ich keineswegs, ebensowenig wie die grobe Verletzung der Bürgerrechte.
Sontag:
Das ist natürlich der Punkt, wo es problematisch wird. Die religiösen Menschen glauben, daß sie für bürgerliche Freiheiten kämpfen.
Moon:
Die Art, wie sie über Bürgerrechte sprechen, ist erstaunlich. Hinter dem Eisernen Vorhang, in der Sowjetunion, der Tschechoslowakei, Ungarn, Polen u.s.w. gibt es Millionen von Verletzungen der Bürgerrechte, und viele Millionen Male werden sie in China mißachtet. Es existieren Milliarden von Fällen, in denen die Bürgerrechte der Menschen gröblich verletzt werden. Warum erheben sie keine Anklage gegen all diese Bürgerrechtsverletzungen? Warum versuchen sie lediglich, die vereinzelten Fälle in Korea groß herauszustreichen ?
Ich mißbillige jegliche Unterdrückung von Bürgerrechten, aber es sollte nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Ein einziges Prinzip und ein Maßstab der Gerechtigkeit sollten für jeden Menschen, für jede Nation gelten. Im Hinblick auf diesen einen Maßstab sollte jeder, der wahrhaft um die Menschenrechte besorgt ist, zum absoluten Gegner des Kommunismus werden. Ich bin der entschiedenste Kämpfer für die Wahrung der Menschenrechte.
Aus diesem Grunde können wir es nicht zulassen, daß die südkoreanische Regierung schwach wird, da sie sonst von einer nordkoreanischen Invasion bedroht wäre. Die Menschenrechte von fünfzig Millionen Menschen stehen auf dem Spiel. Eine jegliche Bewegung oder Kampagne, die die Unterminierung der koreanischen Regierung und ihrer starken antikommunistischen Politik anstrebt, wird unweigerlich den nordkoreanischen Angriff und damit die Vernichtung des südkoreanischen Volkes herausfordern. 30 bis 50 Millionen Menschen gerieten dann im Namen sogenannter "Menschenrechte" in kommunistische Unterdrückung. Wir sollten nicht zur naiven Beute des Kommunismus werden und ihm Millionen unschuldiger Menschen überlassen.
Es ist eine willkommene Erleichterung zu sehen, daß sich die Regierung Carter so stark für die Menschenrechte ausspricht. Ich begrüße das, doch sollte sie einen für die gesamte Welt gültigen Maßstab entwickeln. Derselbe Maßstab sollte für Korea und jede andere Nation gelten. Alles Koreanische muß heutzutage durch das Verschulden der Presse leiden. Da sind die Enthüllungen über koreanische Korruption, Machtkäufe, usw. Sogar Präsident Park blieb nicht von düsteren Verdächtigungen verschont. Sofern sich die koreanische Regierung irgendwelcher illegalen Akte schuldig gemacht hat, könnte ich das niemals billigen, aber ich muß die Frage stellen, warum nur Korea beschuldigt wird. Warum sagt niemand etwas gegen Sowjetrußland oder den KGB? Warum sollte Korea, die Nation, die den USA am freundlichsten gegenübersteht--eine Nation, die verzweifelt zu Oberleben sucht, der Sündenbock sein? Ich befürchte zutiefst, daß dieser doppelte Maßstab Korea dazu treiben könnte, ein zweites Vietnam zu werden. Wer wird dann der nächste sein? Die Vereinigten Staaten sind wahrhaftig auch nicht weit davon entfernt.
Ich habe Präsident Park niemals getroffen, und Präsident Park hat mir niemals persönliche Gefühle entgegengebracht. Zwischen uns gibt es absolut keine freundschaftlichen Bindungen. Nichtsdestoweniger unterstütze ich prinzipiell eine starke Regierung und Verteidigung sowie eine absolut antikommunistische Politik.
Sontag:
Kirchenkritiker betonen häufig, daß die Prinzipien nicht die Auferstehung Jesu als das für Christen zentrale Ereignis hervorheben. Dies ist auch der Hauptpunkt der gegen Sie erhobenen Beschuldigung der Ketzerei. Könnten Sie zur Bedeutung der Auferstehung Jesu Stellung nehmen?
Moon:
Die Vereinigungskirche betont die Auferstehung aus einer andern Sicht. Gottes Dispensation ist ein Prozeß der Auferstehung, und in diesem Sinne betrachten wir die Auferstehung als einen Prozeß der Wiederherstellung und Erlösung. Wir lehren, daß die wahre Auferstehung des Menschen die Auferstehung des Herzens ist, die Wiederherstellung der Vollkommenen Beziehung zwischen dem Menschen und Gott. Gott hofft auf die Auferstehung der gesamten Menschheit. Das ist tatsächlich sein Ziel und auch das größte Ereignis der gesamten Geschichte. Ich hebe die Auferstehung der ganzen Welt, eines jeden Individuums und jeder Nation als die vollkommene Erfüllung der Erlösung hervor.
Auferstehung hat die gleiche Bedeutung wie Wiederherstellung. Deshalb strebt die Vereinigungskirche sowohl nach physischer als auch nach geistiger Wiederherstellung. Das Reich Gottes auf Erden ist wirklich die auferstandene Welt. In jener Welt erfolgt die Auferstehung des Individuums, das auf ewig die volle geistige Perfektion erreicht, dann die Auferstehung der Familie, der Gesellschaft, des Stammes, der Nation und schließlich der Welt. Wir werden als Söhne und Töchter Gottes auferstehen; wir werden zu Kindern Gottes werden.
Das wird ein glorreicher Tag sein, wenn alle auferstehen und in sein Himmelreich einziehen. Jesus war, ist und wird die bleibende Quelle der Auferstehung des Lebens sein.
Ich erwarte keine großen Veränderungen in der Aufmachung, der Struktur unserer Kirche oder etwa unseres Lebensstils. Ich betone, daß unsere Bewegung stets auf die Familie als die grundlegende Einheit der himmlischen Gesellschaft gebaut hat. Dieser Schwerpunkt wird unverändert bleiben. Das bedeutet, daß mehr Ehen gesegnet, mehr Kinder geboren und mehr Familien gegründet werden. Dann werden wir vom gegenwärtigen Gemeinschaftsleben in Zentren zur familienorientierten Wohnform übergeben. Die Familie wird stets die Grundlage des Glücks und der Grundstein des Reiches Gottes hier auf Erden und danach im Himmel sein.
Sontag:
Also auf praktischer Ebene könnte es mehr Segnungen, mehr Ehen, mehr Kinder, vielleicht mehr individuelle Familien geben, und alle werden vielleicht nicht mehr so wie jetzt in Zentren zusammenwohnen. Es könnte einige Veränderungen des Lebensstils geben, wie etwa das Auflösen der umherziehenden "fundraising" Teams--schließlich kann man keine Familie gründen, solange man diese Arbeit tut !
Moon:
Es wird eine Ansiedlung stattfinden. Zur Zeit gibt es das noch nicht, aber nach und nach werden wir in Familiensiedlungen leben. Wir werden unsere eigenen Unternehmen und Geschäfte haben. In Zukunft werden wir viele, viele Orte haben, an denen Familien tätig sein und ihre Kinder aufziehen können; sie werden Schulen für die Erziehung ihrer Kinder bauen. Wir werden anwachsen. Unsere Bewegung wird größer werden.
Mein Plan ist es, ideale Städte und Dörfer an vielen Orten zu bauen. Wir werden produktive Arbeitsgemeinschaften haben, in denen unsere Mitglieder sich wirtschaftlich selbst unterhalten können. Dort wird eine andere Atmosphäre herrschen als in der Außenwelt. Geld wird nicht der Hauptbeweggrund sein; vielmehr werden unsere Mitglieder, während sie ertragreiche Unternehmen aufbauen, ihre Verantwortlichkeit Gott gegenüber und ihren Dienst am Nächsten erfüllen.
Sontag:
Noch eine abschließende Frage: Ich bin Amerikaner und Sie sind Koreaner. Viele Leute, glaube ich, verstehen nicht, warum Sie hierher gekommen sind. wie sehen Sie Amerika?
Moon:
Im Licht der Dispensation sind die USA die christliche Musternation und somit in der Position eines zweiten Israel. Amerika hat ein christliches Erbe, das das Rückgrat der amerikanischen Stärke sein sollte. Wenn Amerika dieses Erbe verliert, wird es am Ende seine Größe und seinen wahren Wert verlieren. Weil sie von christlichem Geiste getragen war, hat die amerikanische Demokratie überlebt und sich entfaltet. Wenn aber der christliche Geist verworfen wird, wird Amerika weltlich und geistig unproduktiv werden. Trennungen zwischen Gläubigen und Ungläubigen, Schwarz und Weiß, Armen und Reichen werden einsetzen. Viele potentielle Krisen werden aufbrechen.
Um es kurz zu sagen: Gott hat Amerika als seinen Champion auserwählt, der das Reich Gottes auf Erden bauen soll. Das ist Amerikas Rolle. Aber Amerikas christlicher Geist ist die Grundlage dafür, und unglücklicherweise verfällt er immer mehr. Eine weltliche Kraft hat eingesetzt, und ohne eine bedeutende geistige Veränderung oder Reform wird Amerika seine Mission auf gar keinen Fall ausführen können.
Ich bin nach Amerika gekommen, den christlichen Geist wiederzubeleben, indem ich mit neuer geistiger Wahrheit ein neues geistiges Feuer entfache. Ich bin gekommen, um in diesem Lande eine christliche Revolution zu beginnen, die das Erbe dieser Nation wieder aufleben läßt und Amerika in die Lage versetzt, seine gottgewollte Mission zu erfüllen.
Ich bin auch nach Amerika gekommen, um die amerikanischen Familien und die Jugend durch bedeutende moralische Prinzipien wiederherzustellen. Der Abbau der Moral durch Drogenprobleme, Moralkrisen und Familienprobleme versetzt Amerikas junge Menschen in eine hoffnungslose Lage. Wenn nicht eine neue, wirkungsvolle Jugendbewegung erscheint, sieht Amerikas Zukunft hoffnungslos aus. Diese neue geistige Revolution ist in der amerikanischen Jugend entfacht worden.
Ich habe die Vereinigungskirche mit mir nach Amerika gebracht. Indem Gott mit dieser Bewegung hier in Amerika anfängt und diese große Nation zuerst beeinflußt, kann er die restliche Welt bewegen. Das ist der Grund, warum ich nach Amerika gekommen bin.
Am 18. Dezember 1971 landete ich in Washington, D.C. Das war der Tag, an dem die Bewegung wirklich aktiv wurde. Unsere Mitglieder fragten sich, wie ich jemals davon hatte träumen können, soviel in so kurzer Zeit zu erreichen. Auch ich selbst bin ganz erstaunt darüber. Aber wer hat das eigentlich getan? Nicht Reverend Moon--Gott war es. Nur mit Gottes Macht konnte ein Fremder wie ich, der nicht einmal englisch konnte, in dieses Land kommen und die Arbeit vollbringen, die ich getan habe. Nur mit der Kraft Gottes war so etwas möglich.
Ich habe eine Hoffnung. Ich schaue dem Tag entgegen, an dem das amerikanische Volk den wahren Grund meines Kommens verstehen wird. Wenn Amerika begreift, warum ich gekommen bin, welche Wahrheit ich bringe-- das wird wahrhaftig ein Tag der Hoffnung in Amerika werden. Nicht aus meinem eigenen Willen heraus bin ich gekommen, und die Botschaft, die ich bringe, ist nicht meine eigene--es ist die Botschaft Gottes. Ich bin als sein Abgesandter gekommen und habe sein Wort gebracht. Obwohl diese Bewegung ihren Ursprung in Korea hat, ist doch Korea nicht der Mittelpunkt; auch Japan wird diesen Platz nicht einnehmen. Amerika ist der Mittelpunkt für den gesamten Erfolg der Dispensation Gottes. Glauben Sie, daß dieser Tag kommen wird?
Sontag:
Es ist schon vorgekommen, daß die Menschen blind waren und ihre Führer ablehnten. Aus welchem Grunde nehmen Sie an, daß Amerika positiv reagieren wird?
Moon:
Wenn auch Presse und sonstige Medien großen Einfluß ausüben, auf lange Sicht sind die intellektuellen Gruppen, Professoren und Studenten, viel wichtiger. Deshalb lege ich ganz besonderen Wert auf diese Bereiche. Wir haben eine Studenten und eine Professorenbewegung gegründet, dazu eine neue Tageszeitung. Innerhalb weniger Jahre müssen wir die Achtung der amerikanischen Gesellschaft gewinnen--nicht etwa, weil wir auf uns selbst stolz sein wollen, sondern weil wir dieses Volk, diese Nation im Sinne Gottes beeinflussen wollen. Dafür setze ich mich voll und ganz ein.
Mein größter Wunsch ist es, diese Nation wirklich unter Gottes Führung zu sehen. Möge diese Nation eins werden unter Gott und so die Welt zur Einheit unter Gott zu bringen. Amerika hat mich aus Unwissenheit und falschem Verständnis heraus mißhandelt, aber ich hege keinen Groll in meinem Herzen. Ich weiß, warum solche Situationen entstehen, und ich sehe sie als Teil des Planes Gottes. Ich kam, um Amerika und der Welt eine Erklärung abzugeben, und diese Erklärung mußte rasch verbreitet werden.
Die Denkweise der Medien ist jedoch so, daß sie wahrscheinlich, wenn mich niemand abgelehnt hätte, nur folgendes berichtet hätten: "Ein religiöser Mann, der behauptet, für Gott zu sprechen, ist aus Korea gekommen und versucht, die Botschaft in Amerika zu verbreiten." Das wäre als unbedeutende Meldung irgenwo auf Seite 78 erschienen. Als aber erst einmal ein paar Leute beschlossen, gegen mich vorzugehen und gemeine Gerüchte zu verbreiten begannen, wurde die Aufmerksamkeit der Presse geweckt. Eine schreckliche Anschuldigung nach der anderen wurde veröffentlicht. Ob nun positiv oder negativ--heute kennt mich ganz Amerika, und es ging ganz schnell. Wenigstens habe ich jetzt Amerikas Aufmerksamkeit. Jetzt können die Menschen vielleicht Gottes Wahrheit, die neue Offenbarung, erkennen. Das Schlimmste, was Amerika mir hätte antun können, wäre völlige Gleichgültigkeit gewesen; das ist aber nicht geschehen. Nun kann ich die Wahrheit zeigen.
Ich habe eine kosmische Mission. Meine Sorge gilt der gesamten Menschheit--nicht nur der heutigen Welt, sondern auch der zukünftigen. Meine Mission durchdringt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie umfaßt die gesamte Menschheit.
Bevor ich diese Welt verlasse, muß ich dafür sorgen, daß die gesamte Welt irgendwann einmal die Gelegenheit hatte, mich kennenzulernen, mich zu hören und zu verstehen. Die Botschaft muß weltweit verkündet werden. Deshalb muß ich selbst durch die ganze Welt ziehen und predigen, und das ist auch der Grund, warum ich die Missionare der Vereinigungskirche in die ganze Welt gesandt habe. Das ist himmlische Strategie, aber niemand kann sie verstehen. Manche denken, ich sei nur ein verrückter Mann.
Viele Mitglieder der Vereinigungskirche waren auf diesen Ruf vorbereitet und auserwählt. Andere hatten nur Glück; sie fanden uns zufällig und erhielten einen großen Segen. Sie alle sind jedoch besondere Menschen. Sie antworten auf Gottes Ruf und waren bereit, sich selbst für die Aufgabe der kosmischen Wiederherstellung einzusetzen. Diese außerordentliche Gelegenheit wird einmalig in der Geschichte sein, und sie bietet sich heute hier in Amerika. Dies ist eine Dringlichkeit für Gott und die Menschheit.
Amerika ist heutzutage ein Mikrokosmos der Welt. Amerikas Schicksal wird das Schicksal der Welt und auch Gottes Vorsehung beeinflussen. Gott hat mit Sicherheit einen Schwerpunkt in seinem Plan, an dessen Entfaltung er hier in diesem Lande arbeitet. Bei meiner Ansprache im Yankee Stadium erklärte ich: "Wenn es Krankheit in eurem Heim gibt, holt ihr dann nicht einen Arzt herbei? Wenn euer Haus Feuer fängt, ruft ihr dann nicht die Feuerwehr zu Hilfe? Gott hat mich nach Amerika gesandt--in der Rolle eines Arztes, in der Rolle eines Feuerwehrmannes."
Ebenso verkündete ich am 18. September 1976 am Washington Monument: "Gott hat mich in dieses Land gesandt, damit ich seine Offenbarung verkünde. Insbesondere hat er mich gerufen, damit ich die jungen Leute Amerikas, die Führer von morgen, zu Gott zurückführe."
Ich habe noch keinen amerikanischen religiösen Führer solch eine kühne Aussage machen hören. Wie kann dann ein Mann aus Korea so etwas sagen? Ich spreche nicht aus mir selbst und suche auch keine Selbstherrlichkeit. Ich weiß, wer Gott ist und wie sein Auftrag lautet. Jedes Wort, das ich gesprochen habe, ist wahrhaft prophetisch. Manche Menschen verstehen nicht, dennoch muß ich sprechen. Ich bin Koreaner, doch in Gottes Augen bin ich ein wahrer Amerikaner, der die Seele des amerikanischen Geistes darstellt. Wenn sich dieser Geist in diesem Lande durchsetzt, wird Amerika leben und Früchte tragen.
Angenommen, Gott erschiene plötzlich hier in Amerika. Was würde er sagen? Etwa: "Ihr Amerikaner handelt vollkommen richtig. Ich bin zutiefst erfreut. Macht so weiter wie bisher." Die Antwort ist nein ! Tief im Innersten unseres Herzens wissen wir alle, daß Amerika in geistigen, moralischen Problemen steckt und daß es, wenn es die gegenwärtige Richtung beibehält, dem Zorn Gottes nicht entgehen wird. wir wissen es genau.
Wenn ich als Gottes Botschafter spreche, muß ich die Wahrheit sprechen. Jemand muß Gottes Interessen verteidigen, bevor es zu spät ist. ich bin mit einer Warnung, einer Erklärung, nach Amerika gekommen. Gegenwärtig lachen viele Leute über mich. Aber die Geschichte wird niemals lachen, weil nicht ich es bin, der sie erfüllt. Gott erfüllt sie. ich bin sein Werkzeug.
Die geistige Welt ist ein Labyrinth. Es ist nicht menschenmöglich, den richtigen Pfad dort allein zu finden. Niemand kann seine Bestimmung finden, wenn er nicht einen Führer hat, der ihn leitet--wenn er nicht jemanden hat, der den Weg pflastert. In dieser Hinsicht sind die Mitglieder der Vereinigungskirche sehr glücklich. Warum? Unsere Mitglieder haben ein geistiges Licht, das sie auf ihrem Wege führt--wie eine Laterne in der Dunkelheit.