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Nachwort: Wirkt Gott durch Reverend Moon?

Die Prinzipien lehren uns den Glauben an providentielle Ereignisse. Wir, die wir außerhalb der Bewegung stehen, sehen selten die Bedeutung zum Beispiel der Rallies im Madison Sqare Garden, Yankee Stadium und Washington Monument. Diese Veranstaltungen sind keine extravagante Art der Öffentlichkeitsarbeit. Vielmehr, so sehen es Moonies, handelt es sich um Ereignisse, die Gottes Zeitplan vorschreibt, damit die nötigen Bedingungen für die Erlösung der Menschheit und zur Erleichterung des Leidens Gottes erfüllt werden. In allen Zentren der Welt fand ich Plakate von Rallys und ein tiefes Interesse an diesen "providentiellen" Ereignissen, an denen in Europa kaum jemand teilnähme. Einmal wurde ich Mitgliedern als für die Kirche von "providentieller Bedeutung" vorgestellt. Ich bin mir über diese Bezeichnung nicht so sicher, aber umso sicherer bin ich, daß die Vorführung des Filmes "Der Mann von La Mancha" zum Kindertag November 1976 in Belvedere für mich ein providentielles Ereignis war. Wir waren seit dem frohen Morgen auf den Beinen gewesen und hatten Reverend Moons Ansprache gehört und mit ihm bis zum Mittagessen zu mehreren Tausend Teilnehmern auf dem Rasen gefeiert. Am Nachmittag begann das Bunte Programm, ein "religiöses Woodstock", wie mir mein Begleiter erklärte Weil ich fror und auch schon einmal Moonie-Völkerball im Boonville Trainingszentrum gespielt hatte, schlug mir mein Begleiter vor, den Film anzusehen, der in der Garage gezeigt wurde. "Der Mann von La Mancha" ist eine etwas verdrehte Version der Geschichte von Don Quichotte. Der traurige Kampf dieses Mannes, der in der rauhen und nüchternen Welt. in der er lebt. unerreichbare Träume träumt, findet seinen Höhepunkt in dem berühmten Lied "The Impossible Dream" (Der unmögliche Traum). Ich bin normalerweise kein weichlicher Mann, aber ich mußte bei dieser fesselnden Szene beinahe weinen.

To dream the impossible dream, To fight the Unbeatabee foe,
To bear with unbearable sorrow, To run where the brave dare not go. . .
To right the unrightable wrong, To lose pure and Haste Arom afar,
To try when your arms are too weary, To reach the unreachable Star?

Ich bin überzeugt, daß Reverend Moon zwar eine bessere Chance hat als der Mann von La Mancha, seinen Traum zu verwirklichen, aber letzten Endes scheint es--in meinen Augen--ein unmöglicher Traum zu sein, das Reich Gottes auf die Erde zu bringen--das heißt. jetzt. durch unsere Bemühungen, die wirtschaftlichen, kulturellen und intellektuellen Kräfte in den Dienst Gottes zu stellen. Dennoch ist dieses Lied heutzutage sehr ver breitet, weil es den Idealismus unserer Generation anspricht, der allem zum Trotz versucht, den unmöglichen Traum zu verwirklichen. Ich glaube gewiß, daß vieles erreicht werden kann, wenn auch der volle Traum unser Vorstellungsvermögen übersteigt. Natürlich werden die Menschen oft von Verzweiflung erfaßt, wenn sie etwas zu erreichen suchen, das über ihre Kräfte geht, und auf diese Schwäche möchte ich die Irrtümer zurückführen, die die Bewegung in der Vergangenheit gemacht hat.

Das Lied hat eine tiefere Bedeutung als nur die Behandlung eines sinnlosen Idealismus, wenn wir den "unmöglichen Träumer" in Zusammenhang mit Gottes providentiellem Wirken sehen. Zunächst müssen wir fragen: Benutzt Gott Sun Myung Moon, um uns eine Botschaft zu übermitteln oder um durch ihn einen Zweck zu erfüllen, auch wenn es nicht buchstäblich die Botschaft ist, die die Vereinigungskirche verkündet oder nicht einmal die, die Sun Myung Moon selbst zu verstehen glaubt? Für alle, die an religiösen Phänomenen interessiert sind, gibt es in dieser Bewegung soviel zu lernen, wie uns nur selten geboten wurde. Gott könnte uns durch Sun Myung Moon herausfordern, wenn auch die meisten unter uns diese Herausforderung nicht richtig verstehen und wir es vorziehen, unsere ursprünglichen, grundlegenden Annahmen ohne tiefere Untersuchung zu verteidigen. Vielleicht zeigt sich Gott niemals direkt, sondern nur indirekt. Wenn wir Reverend Moon "korrigieren", können wir über Gottes Botschaft für die Gegenwart mehr erfahren, als Gott uns direkt offenbaren kann oder will.

Die Wahrheit in einer Häresie zu entdecken, wenn es eine starke Häresie ist, hat für uns eine verborgene religiöse Bedeutung. Die wesentlichste Frage ist jedoch: Wird Gott Reverend Sun Myung Moon und seine Bewegung erlösen? Ich begann fast jedes Interview mit der Frage: "Was brachte Sie zur Vereinigungskirche?" Dann schloß ich mit der Frage ab: "Was werden Sie tun, wenn sich die Dinge zu ihrer Lebzeit nicht so entwickeln, wie Sie es erwarten?" Daran schloß ich die Erklärung, daß ich nicht feindlich gesinnt sei, sondern nur meine Theorie darlege, daß jede bedeutende religiöse Bewegung und auch jede individuelle religiöse Erfahrung viele Kreuzigungstage durchstehen muß, wenn sich ihre ursprünglichen und vielleicht oberflächlichen Hoffnungen zerschlagen. Erst an diesem Punkt beginnt die Glaubensprüfung--mit dem Beginn der Zerstörung der ersten und vielleicht zu leicht entbrannten Begeisterung.

Ein Mitglied sagte mir einmal halb ernst, halb spaßend, daß seine Glaubensprüfung in der Kirche darin bestünde, ihrem Brauchtum zu folgen und seine Heirat nach orientalischer Sitte von Reverend Moon arrangieren zu lassen. Das ist jedoch eine unbedeutende Glaubensprüfung für die Mitglieder im Vergleich zu dem, was passiert, wenn die Tage kommen und gehen, ohne daß die Welt ihren grundlegenden Charakter ändert. Natürlich kann ich nicht mit Gewißheit behaupten, daß derartiges auf sie zukommt. Wenn sich aber ihr Traum nicht verwirklicht, wird darin die Bewährungsprobe für die Bewegung liegen--und nicht im Heiraten, im Fundraising oder in der Bedrohung durch Entführung oder Deprogrammierung. Wird auch Reverend Moon seine Kreuzigungserfahrung durchstehen müssen, nicht tatsächlich wie Jesus, aber auf geistiger Ebene?

Natürlich wissen wir, daß die Moonies nicht behaupten, die von ihnen vorausgesagten Ereignisse seien prädestiniert. Diese providentiellen Ereignisse können aufgrund menschlicher Treulosigkeit vereitelt oder verschoben werden. Wenn die Welt jedoch am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts noch immer dieselbe wesentliche, äußere Struktur aufweist, dann wird das eigentliche Erscheinen ihres Gottesreiches einmal mehr gekreuzigt worden sein--wie groß der Nutzen auf der geistigen Seite auch sein mag. wie ich den Mitgliedern auch im Zusammenhang mit meiner Frage erklärte, wurde meiner Auffassung nach das Christentum in erster Linie aus den zerschmetterten Hoffnungen der Jünger geboren und dann auch aus der unerfüllten Erwartung heraus, daß Jesus zu ihren Lebzeiten wiederkehren würde. Sie verarbeiteten diese Erfahrung und lernten, Gottes Hand in diesen Ereignissen auf eine Art wirken zu sehen, die ihren Augen in der Begeisterung, daß sie ihre idealen Hoffnungen sofort verwirklicht sehen würden, verborgen geblieben war.

Die "Heilig-Geist-Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums" ist knapp dreißig Jahre alt. In Anbetracht dieses jungen Alters hat sie schon eine erstaunliche Geschichte. Aber ihre eigentliche Geburt steht noch bevor, glaube ich, ebenso wie die wirkliche Glaubensprüfung Reverend Moons und auch die Bewährung des Glaubens der Mitglieder an Gottes providentiellen Plan. Wenn man bedenkt, daß Gott oft auf ungewöhnliche Weise, zu unerwarteten Zeiten und an unerwarteten Orten gewirkt hat, ist es nicht mehr so verwunderlich, daß ein neues Israel aus dem zersplitterten koreanischen Volke erstehen könnte oder daß Sun Myung Moon sich selbst als Gottes Sprecher berufen fühlt. Die Frage ist, ob er eine Botschaft von Gott übermittelt, die noch immer in seiner offenen Lehre verborgen liegt. Die entscheidenden Ereignisse, die uns darüber Klarheit bringen werden, müssen noch stattfinden.

"Amazing grace, how sweet the sound, that saved a wretch like me." Die Vereinigungskirche behauptet, daß sie geistige Segnungen und Gaben erhalten habe; ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln. Wird aber Gott auch dann noch seine Gnade über sie ausschütten, wenn sie nicht darum bitten? Wird er ihre Hoffnungen wieder aufrichten, nachdem sie zunichte gemacht wurden, damit sie dann zu neuen Zeugen dafür werden können, wie Gottes Wirken dem menschlichen Versagen zur Rettung wird? Die Gegner bezeugen das Versagen menschlicher Kräfte innerhalb der Kirche--vielleicht malen sie ein zu düsteres Bild von ihr. Die Frage ist jedoch: Wird Gott eingreifen, um die Zerstörung wiedergutzumachen, wenn die menschliche Kraft der Moonies versagt oder Amok läuft? Wieder einmal sind wir Zeugen der Entwicklung des uralten religiösen Dramas--und vielleicht erleben wir sogar seinen Höhepunkt zu unserer eigenen Lebzeit.

 

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