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"Wahre Eltern"und was die Vereinigungskirche mit diesem Begriff verbindetJohannes Stampf Die Menschheit besteht aus Männern und Frauen. Jeder von uns wurde als Sohn oder Tochter geboren und hat ganz konkrete, persönliche Eltern, Großeltern und weiter zurückreichende Vorfahren. Das bedeutet, daß jeder Mensch das Resultat einer sehr langen Kette von Eltern und Kindern ist. Natürlich treten Menschen auch in ihrer Funktion als Lehrer oder Schüler, Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, Produzenten oder Konsumenten, wirtschaftliche, politische und religiöse Wegbereiter oder deren Nachfolger usw. auf, aber in dieser Position haben sie eines nicht: die lebenspendende Liebe von Mann und Frau, die mit eigenen Kindern belohnt wird. Kinder sind die Zukunft. Sie sind diejenigen, die ihre Eltern beerben; zuerst mit Fleisch und Blut, dann mit der Art zu leben und schließlich mit ihren materiellen Gütern. Woher kommt das größte vorstellbare Glück und die höchste Freude?Es gibt für ein Kind keinen besseren Start ins Leben als in eine liebevolle Familie hineingeboren worden zu sein, wo auch die Beziehungen zu den Großeltern stimmen. Es ist das schönste für ein Kind, wenn es sich angenommen und geborgen fühlt und wenn es in seiner Entwicklung gestützt und geführt, aber auch gefordert wird. Materieller Reichtum mag förderlich oder behindernd sein, aber er kann inneren Reichtum nicht ersetzen. Jugendliche können sich glücklich schätzen, wenn sie in einer solchen Familie aufwachsen durften, in der auch Werte wie Vertrauen und Ehrlichkeit gewachsen sind. Wenn Jugendliche mit allem was sie beschäftigt - freut oder bedrückt - nicht nur jederzeit zu ihren Eltern und Großeltern kommen können, sondern das auch noch gerne tun, schaffen sie sich damit die besten Voraussetzungen für ein glückliches Leben. Junge Eheleute können sich dann am glücklichsten schätzen, wenn sie sicher sind, daß sie sich auf ihre eigene Liebe und die Liebe ihres Ehepartners vollständig verlassen können. Wenn sie dann nach einer neunmonatigen Schwangerschaft und der darauffolgenden Geburt ihrem unbeholfenen und schutzbedürftigen Sprößling, der die Frucht ihrer Liebe und ihr eigenes Fleisch und Blut ist, in die Augen sehen, erreicht das Glücksgefühl einen weiteren Höhepunkt. Dies leitet einen neuen Abschnitt in ihrem Leben ein. Sie sind Eltern geworden. Sie haben damit in der zentralen Linie der Menschheitsgeschichte eine Position erworben, die nie wieder jemals rückgängig gemacht werden kann. Dieses Kind zu beschützen, es voll Stolz und Würde in die Wunder dieser Welt einzuführen und ihm zu zeigen wie man das Leben meistert, ist die wundervollste Aufgabe, die ein Mensch übernehmen kann. Für Eltern bereits erwachsener Kinder gibt es kein größeres Glück, als von ihren Kindern in den "Großelternstand" gehoben zu werden. Gleichgültig wie erfolgreich jemand auf anderen Gebieten auch sein mag, niemand kann sich selbst zu Großeltern machen. Das ist etwas, was nur Kinder für ihre Eltern tun können. All das trifft grundsätzlich auf die Menschen aller Erdteile, aller Hautfarben und aller Religionen zu. Es steht weit über jedem wirtschaftlichen und politischen System. Es steht aber auch, und das mag überraschen, über jeder Religion. Wenn der Mensch zum Bilde Gottes geschaffen ist, so dürfen wir davon ausgehen, daß auch diese Sehnsucht von Gott kommt. Auch er, als Schöpfer der Menschheit, sehnt sich danach, daß seine Kinder glücklich sind und Ihn zu glücklichen Großeltern und Urgroßeltern machen. Worin wurzelt das größte vorstellbare Elend?Wenn Kinder von ihren Eltern nicht gewollt, beschützt, geführt und geliebt, sondern abgewiesen oder gar verachtet und ausgeliefert, mißbraucht oder verstoßen werden, werden sie von einer unbeschreiblichen Einsamkeit, Angst, Wut und Ohnmacht ergriffen. Sie fühlen sich völlig allein auf sich gestellt und können nur mehr sich selbst vertrauen. Diese quälende Enge erzwingt geradezu einen "Wachstumsschub" in Richtung "Selbstschutz durch Abkapselung", so ungefähr nach dem Motto: Jeder denkt an sich, nur ich denk' an mich. Unter solchen Bedingungen entwickeln sich Mißtrauen, Haß, Neid, Eifersucht, Mißachtung der Würde des anderen und des Lebens, Durchsetzung des eigenen Willens - wenn es sein muß auch mit Gewalt -, schon von Kindestagen an wie selbstverständlich. Zu Jugendlichen herangewachsen sind solche Kinder mit der aufkeimenden Sexualität und mit der Berufs- und Arbeitswelt konfrontiert. Sie haben aber niemanden, an den sie sich mit ihren intimsten Fragen, Nöten, Wünschen und Vorstellungen wenden können. Weil sie sich sonst nirgends angenommen fühlen, suchen sie ihren Trost oft in Alkohol, Drogen oder sonstigen Ausschweifungen. Das Thema Partnerschaft, Ehe und Familie stellt in weiterer Folge oft eine große Unsicherheit dar. Einerseits ist der Wunsch nach Geborgenheit, Liebe und Akzeptanz, aber auch die Sehnsucht nach eigenen Kindern meist groß. Das Vertrauen in die Haltbarkeit der ehelichen Beziehung und darin, eigene Kinder großziehen zu können, ist aber oft nur sehr schwach. Die heute so modern gewordenen unverbindlichen Partnerschaften sind eine der Folgen dieser elementaren Unsicherheit. Es ist aber ein Irrglaube, daß der, der sich nicht bindet, nicht verletzt werden kann. Die größte Unsicherheit besteht in der Regel darin, beständige und tragfähige Beziehungen entstehen zu lassen und zu festigen. Diese Unsicherheit beginnt schon mit der Beziehung zu mir selbst - zum eigenen Ursprung, zu den eigenen tiefsten Wünschen, Idealen und Vorstellungen. Kann ich meinen tiefsten Wünschen, meiner Sehnsucht nach Frieden, Glück, Freiheit und Harmonie Vertrauen schenken? Sind sie meine echten Führer oder bloß die geheimen Verführer, die mir eine Welt vorzugaukeln versuchen, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt? Ist Glaube, wie es einer der Wegbereiter der kommunistischen Denkweise einmal beschrieben hat, nicht mehr als "Opium für das Volk?" Dieses tiefsitzende, zermürbende Mißtrauen setzt sich fort in den Beziehungen zu anderen Familienmitgliedern, zu fremden Menschen, zu wirtschaftlichen, politischen und auch religiösen Führungspersönlichkeiten. Viele Menschen können deshalb an eine ideale Welt nicht einmal mehr glauben. Sie ist unvorstellbar geworden. Dann heißt es einfach: So etwas kann es gar nicht geben. Frieden auf der Welt, im Finanz- und Arbeitsmarkt, ja selbst in der Familie und in mir selbst ist nicht mehr, als kindliche Träumerei. Die Realität ist, daß Geiz, Neid, Eifersucht, Haß, Egoismus und Mißtrauen einfach zum Menschen dazu gehören, ja, daß sie sogar etwas spezifisch menschliches sind. Alles andere ist reine Illusion. Wir wollen Krieg, Diktatur und Ausbeutung zwar auch nicht haben, aber das hat es immer gegeben und das wird es auch immer geben. Dieser Sumpf elementarster Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht, ist der erfolgreichste Zertrümmerer aller echten Ideale und der Nährboden für das größte Elend in der Welt. Was braucht die Menschheit in dieser Situation am meisten?Braucht sie eine neue Wirtschaftsidee, eine neue politische Partei oder gar einen Diktator, der uns in einen Krieg führt, damit wir das was wir haben wieder schätzen lernen? In Kriegszeiten, und das ist ja hinreichend bekannt, sind doch die Kirchen voll und die Menschen werden wieder bescheidener. Brauchen wir eine Erneuerung unseres Glaubens oder eine neue Religion? Ist es nicht so, daß wir all diese Dinge in der Geschichte schon oft genug gehabt haben? Was haben sie letztlich gebracht? Was ist es, das die Menschheit noch nie hatte, obwohl sie sich am meisten danach sehnt? Es sind Wahre Eltern. Nur Wahre Eltern können den bodenlos scheinenden Sumpf trockenlegen, der all unsere Hoffnungen einfach verschluckt und ihnen erfolgreich den Garaus macht. Nur sie können den Kindern die ersehnte Geborgenheit, das persönliche Selbstwertgefühl, die Achtung, das Vertrauen in die stabilitätserhaltenden Beziehungen, ja selbst die Beziehung zu Gott, der ja Ureltern aller Eltern ist, zurückgeben. Nur sie können ihren Kindern das geben, was sie brauchen um selbst zu liebevollen Eltern und zu wirklich qualifizierten Herrschern über die Schöpfung zu werden. Was Wahre Eltern der Menschheit schenken können ist Wahre Liebe. Wahre Liebe ist nicht irgendeine abgehobene Gefühlwallung, die in irgendwelchen Luftschlössern oder Drogendilierien zu Hause ist. Wahre Liebe ermöglicht uns vielmehr, beständige Beziehungen aufzubauen. Sie ist der Urgrund, auf dem Vertrauen und damit Sicherheit wachsen kann. Wahre Liebe ist das, was eine Bindung derart belebt, daß die daraus entstehende Verläßlichkeit und Stabilität zur Quelle der größtmöglichen und vielfältigsten Freude wird. Sie ist es, die unsere Gedanken, unsere Vorstellungen, Hoffnungen und Wünsche von Gier, Haß, Neid, Eifersucht und Egoismus zu befreien vermag. Sie ist es, die Martin Luther King's berühmten Traum, daß Friede unter den Rassen herrschen wird, möglich macht. Sie ist es, die jedem Menschen seinen persönlichen, einzigartigen und ewigen, ja göttlichen Wert erkennen und erfahren läßt. Sie ist es, die unsere intimsten Hoffnungen befreit und uns den Weg zeigt, wie wir mit uns selbst, mit unseren Mitmenschen und mit der uns geschenkten Welt umgehen sollen. Sie ist die Hoffnung der Menschheit. Sie ist aber auch die Hoffnung Gottes, der sich nach nichts mehr sehnt als mit seinen Kindern zusammenzuleben. Sie ist die wesentlichste Voraussetzung für die Errichtung des Himmelreiches, und zwar nicht durch Zauberei irgendwo oder irgendwann, sondern hier und jetzt. Wo ist diese Wahre Liebe zu finden? Wo sollen wir suchen? In einer politischen Partei? In einem gut funktionierenden Großbetrieb, in einer fernöstlichen Religion oder in einer unserer Großkirchen? Wahre Liebe kann von nirgendwo anders kommen, als von Wahren Eltern. Wonach haben Idealisten, Philosophen, Religionsgründer, politische und wirtschaftliche Erneuerer am meisten gesucht? Nach der Harmonie, die aus wahrer Liebe kommt. Wonach haben sich Sklaven und Herrscher, verwundete Soldaten und Zivilisten, in Elend und vor Hunger sterbende Kinder, Verfolgte, Gefolterte, Verachtete und Vergewaltigte am meisten gesehnt? Nach Wahrer Liebe. Wonach haben sich Einsiedler und Asketen, Mönche und Nonnen, Märtyrer und Patrioten am meisten gesehnt? Sie sehnten sich nach Wahrer Liebe. Wonach sehnen sich Eltern und Kinder, Jugendliche, Verliebte, Eheleute und Großeltern am meisten? Nach Wahrer Liebe. Hat Gott auch Sehnsüchte? Wenn ja, wonach sehnt er sich am meisten? Warum hat er sich das mit der Schöpfung und mit der Erschaffung des Menschen eigentlich angetan? Er muß damit doch irgenwelche Erwartungen verknüpft haben. Das ist eine sehr wichtige Frage. Wonach sehnt sich Gott? Sehnt er sich nach Macht oder nach Wissen? Möchte er nichts sehnlicher als von uns zerrütteten, engstirnigen und egoistischen, um nicht zu sagen, mißratenen "Erdlingen" verehrt und hochgejubelt zu werden? Bringt ihn das ans letzte Ziel seiner geheimsten Träume? Hebt ihn das in den zwölften Glückshimmel? Nein! Gott sehnt sich, genau so wie wir, nach Wahrer Liebe. Es klingt fast absurd, aber seit der Trennung des Menschen von Gott am Anfang der Menschheitsgeschichte, sehnen sich sowohl der allmächtige Schöpfer des Himmels und der Erde als auch die umherirrende Menschheit nach ein und demselben - nach Wahrer Liebe. Die falsche Liebe wurde von unseren ersten Vorfahren in die Welt gebracht. Seitdem steckt die Menschheit im Sumpf der Hoffnungslosigkeit fest. Aber wenn Gott und Mensch es wollen, kann ein neuer Anfang gemacht werden. Was ist der Zweck, der durch den Sündenfall notwendig gewordenen Suche des Menschen nach Gott? Was ist somit der Zweck der Religion? Seit dem Fall der menschlichen Ureltern war es der einzige Zweck der Religionsgeschichte Gott und Mensch wieder zu verbinden. Hat Gott auch etwas woran er glaubt oder ist er bereits so wunschlos glücklich, daß er über jeder Sehnsucht und Erwartung steht? Aus der Sicht der Vereinigungskirche ist es tatsächlich so, daß Gott auch einen Glauben hat. Woran glaubt Gott? So unglaublich das auch klingen mag, aber Gott glaubt an den Menschen. Er glaubt daran, daß der Mensch eines Tages zu dem wird, wofür er ihn ursprünglich geschaffen hat. Der Mensch ist sein Schicksal, seine Hoffnung, sein Glücksbringer, ja, nach biblischen Aussagen, sein Kind und laut "Göttlichen Prinzipien" sogar sein Partner. Gott hat seinen Glauben an den Menschen niemals aufgegeben und er sucht immer nach einem Weg zur Rettung des Menschen. Wenn wir im gleichen Ausmaß an Gott glauben wie Gott an den Menschen glaubt besteht berechtigte Hoffnung, daß wir in Wahrer Liebe zueinander finden und miteinander eine neue Geschichte beginnen. Hätten sich Adam und Eva nicht von Gott abgewandt, wären sie ganz selbstverständlich zu Wahren Eltern geworden. Was hätten sie als Mann und Frau sonst werden sollen? Sie hätten im Sinne Gottes Kinder gezeugt und sich damit zu glücklichen Eltern und Gott zu glücklichen Großeltern gemacht. Von dieser Familie ausgehend, hätte die Geschichte des Reiches Gottes ihren Anfang genommen. Aber wie wir wissen wandten sie sich von Gott ab. Sie mußten daraufhin das Paradies verlassen um in einer Welt zu leben, die sich mit "Dornen und Disteln" und mit Schmerzen gegen sie stellte und die sich vom Menschen nur im "Schweiße seines Angesichtes" das tägliche Brot abringen läßt. Die Welt, die Gott ihnen sozusagen als Hochzeitsgeschenk übergeben wollte, wurde zu ihrem Feind. Darüber hinaus ermordete Kain, ihr erster Sohn, seinen Bruder Abel - ihren zweiten Sohn. Sie mußten von diesem Zeitpunkt an mit der Tatsache leben, daß ihr erster Sohn ein Mörder und ihr zweiter Sohn der Ermordete ist. Das hat sie sicherlich nicht zu glücklichen Eltern und Gott nicht zu glücklichen Großeltern gemacht. Was geschah mit Gott? Sie ließen ihn allein zurück und mit ihm alles, was er an Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen in sie gesetzt hatte. Damit schütteten sie auch ihre eigenen tiefsten Sehnsüchte und Hoffnungen mit den nagenden Gefühlen des Versagens, der Unsicherheit und des Mißtrauens zu. Sie wurden zum Beginn der Geschichte, die wir kennen - einer Geschichte, die von Krieg und Zwietracht, von Haß, Neid, Eifersucht und Egoismus geprägt ist, einer Geschichte, die wir nicht wollen und gegen die wir uns innerlich und äußerlich auflehnen, der wir aber scheinbar vollkommen machtlos gegenüberstehen. Das Ziel all unseres Sehnens und Suchens ist es, eine friedliche Welt zu errichten. Das kann nur eine Welt sein, in der die Menschheit wie eine große Familie zusammenlebt. Eine Welt, in der Haß, Neid, Eifersucht, Gier, Ausgrenzung und Ichzentriertheit, Ausbeutung und Zerstörung, die ja nichts anderes sind als eine Folge der elementaren Unsicherheit und des daraus entstehenden Mißtrauens, nicht mehr den Ton angeben. Wie kann eine solche Welt beginnen? Was uns dazu fehlt ist Wahre Liebe. Wahre Liebe kommt nur von Wahren Eltern. Sie sind das langersehnte Bindeglied, das Gott und Mensch wieder versöhnt. Sie sind es, die die Trennung zwischen Gott und Mensch wieder beseitigen können, die durch unsere ersten Vorfahren herbeigeführt wurde. Sie sind es, die der Menschheit die Lösung ihrer elementaren Unsicherheiten und des alles zerstörenden Mißtrauens bringen können. Sie sind es, die Gott zu glücklichen Großeltern und die Menschheit zu einer glücklichen Familie machen können. |
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04.08.2003 |