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Calvin, Wesley, Augustinus und Sun Myung Moons SündenfallverständnisEin Gesichtspunkt der Doktrin der Vereinigungskirche, die Betrachtungsweise der Sünde und ihre Übertragbarkeit, ist allerdings ungewöhnlich für eine Föderaltheologie, die bisher nie das Problem der menschlichen Natur und der Übertragung der ursprünglichen Sünde ganz lösen konnte. Im allgemeinen wandte sich die Föderaltheologie jedoch gegen die Auffassung, dass Adams Sünde von Generation zu Generation (und besonders durch den sexuellen Akt) übertragen worden sei. Sie betonte eher, dass die Sünde Adams - genauso wie die Rechtschaffenheit Christi -, den Nachkommen Adams durch einen Rechtsspruch zugeschrieben worden sei. Das bedeutet, sie glaubte, dass Gott die gesamte Menschheit als "Verbündete" Adams betrachtete, sodass - vom juristischen Standpunkt her - alle Menschen an Adams Sünde beteiligt waren. Diese Ansicht wurde nie allgemein anerkannt (obwohl sie z. B. von Jonathan Edwards vertreten wurde). Aber sie entsprach systematisch der orthodoxen protestantischen Behauptung, dass wir durch Christus eher "stellvertretend gerecht" als "wirklich gerecht" geworden sind. Logisch zu folgern wäre deshalb: wenn Erlösung durch einen Rechtsspruch geschieht (stellvertretende Gerechtigkeit), dann muss unser gefallener Zustand auch durch einen Rechtsspruch bewirkt worden sein (zugeschriebene Sünde). Die Vereinigungstheologie steht zwar mit dem prinzipiellen Rahmen der Föderaltheologie in Einklang, verneint aber deren Behauptung der Übertragbarkeit von Sünde und Erlösung durch das Gericht. In dieser Beziehung ist die Vereinigungstheologie wesleyanisch, d. h., sie glaubt an eine echte geistige Neugeburt in der Christenheit, so dass alle wirklich gerecht werden. Sie stimmt mit Wesley darin überein, dass nicht einfach Vergebung, sondern geistige Vollkommenheit unser Ziel ist. Daraus ergibt sich dann auch die folgerichtige Behauptung der Vereinigungstheologie, dass der Mensch wirklich - und nicht nur durch einen Rechtsspruch - sündig ist, und die Sünde Adams durch die Deformationen im sexuellen Leben des Menschen an jede nachfolgende Generation übertragen wird. Rev. Moon greift an diesem Punkt lediglich die Doktrin des Heiligen Augustinus auf, die bestätigt, dass Sünde mit Begierde oder Missbrauch von Liebe verknüpft ist. Für Rev. Moon liegt jedoch die Zerrüttung der menschlichen Liebesbeziehung nicht in der Sexualität an sich begründet, sondern in einer gewissen Selbstsucht, die jede menschliche Liebesbeziehung, die sexuelle miteingeschlossen, beeinflusst und stört. Nach Moon ist jede Liebesbeziehung, die nicht auf Gott ausgerichtet ist, gestört und sündig. Aus diesem Grund glaubt er, dass der Schlüssel für die Erlösung das Schaffen einer auf Gott ausgerichteten Liebe ist, - die auf Gott ausgerichtete sexuelle Liebe miteingeschlossen. Die Vereinigungstheologie betont die Wichtigkeit der Existenz einer auf Gott ausgerichteten sexuellen Liebe (und nicht bloß auf Gott ausgerichtete Liebe für Gott allein), denn es war Gottes vorrangiger Plan in der Schöpfung, eine menschliche Familie zu schaffen, die Ihn als ihren Himmlischen Vater im Mittelpunkt haben sollte. - Die Vereinigungstheologie bestätigt so also die Theorie des Calvinismus, dass Erlösung gleichbedeutend ist mit Wiederherstellung der Schöpfung; die Lehre Wesleys, dass das Ziel des Lebens in der Errichtung geistiger Vollkommenheit liegt und die augustinische Doktrin von der Sünde als Begierde. Sie kritisiert jedoch den Augustinismus insofern, als aus ihrer Sicht die Überwindung der sexuellen Begierde nicht durch Unterdrückung der Sexualität erfolgen kann, sondern nur durch eine in der richtigen Weise ausgerichtete sexuelle Liebe, in der alle engen menschlichen Beziehungen die Liebe und den Dienst an Gott zum Mittelpunkt haben. Diese Kritik an der augustinischen Position erklärt, warum die Vereinigungskirche nicht sexuelle Enthaltsamkeit (Keuschheit), sondern die auf Gott ausgerichtete Familie als Grundeinheit für die Erlösung betrachtet. Diese auf Gott zentrierte Familie beginnt mit dem einfachen monogamen Ehepaar und breitet sich dann aus, um alle christlichen Familien in einer einzigen geistigen Familie Gottes einzuschließen. Die Vereinigungskirche ist bestrebt, eine solche Familie darzustellen; und diese Familie wird als die neue zweite Menschheit verstanden. |
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04.08.2003 |