Ich möchte Sie hier um Vorsicht bitten, die Bedeutung des Wortes
"geistig" nicht falsch zu interpretieren. Es wäre ein Irrtum,
anzunehmen, dass die Lehren der "Göttlichen Prinzipien" über die
geistige Welt einen Spiritualismus darstellen. Sie sind für Rev. Moon
eher ein Mittel, um zu erklären, wie der Mensch ein Schöpfer sein
kann. Nach Rev. Moon hat Gott sowohl eine geistige als auch eine
materielle Welt geschaffen. Gott übt eine direkte Herrschaft über die
geistige Welt aus, während Er die materielle Welt indirekt regiert, d. h.
durch die Wesen der geistigen Welt (wie Engel und vervollkommnete
Menschen in der geistigen Welt). Nach Rev. Moon hat Gott diese
zweifache Ordnung geschaffen, um dem Menschen die Möglichkeit zu
geben, unmittelbarer Herr über die physische Welt zu sein, genauso
wie Gott unmittelbarer Herr der geistigen Welt ist.
Gott hat den Menschen geschaffen, damit er Schöpfer werde, und
ihm deshalb auch die nötige Voraussetzung für Kreativität
mitgegeben: ein physisches Leben in Raum und Zeit. Die direkte
Herrschaft über Raum und Zeit kann nur von Wesen ausgeübt
werden, die freie physische Wesen sind. Wir können unmittelbar in
der physischen Welt handeln, weil wir physische Körperbesitzen. Weil
wir Seele und Körper sind, d. h. geistig und physisch, können wir
Schöpfer innerhalb der materiellen Welt werden. Dies zu tun
bedeutet, die Erfüllung der dritten Segnung Gottes. ("Machet euch die
Erde untertan", 1. Mose 1:28)
Ich denke, dass Rev. Moon die Idee der Existenz einer geistigen und
einer materiellen Schöpfung in einzigartiger und bemerkenswerter
Weise durchdacht hat. Darüber hinaus ist seine Sicht völlig orthodox,
denn Geist bedeutet für ihn die Realität der menschlichen Freiheit,
und Gottes "indirekte Herrschaft" über die materielle Welt ist das, was
die klassischen Theologen gewöhnlich als "Welt-Logos"
bezeichneten. Unter diesen Voraussetzungen ist es leicht
verständlich, warum Rev. Moon die Wissenschaft so hoch einschätzt.
Der Zweck der Wissenschaft ist es, dem Menschen beim Gestalten
der Welt behilflich zu sein, in dem Prozess, der Menschheitsfamilie
Glück und Frieden zu bringen.
Zusammengefasst stellen "Die Göttlichen Prinzipien" eine Theologie
dar, die sich primär an der Frage orientiert: Warum erschuf Gott die
Welt? Darin unterscheidet sie sich von vielen anderen Theologien, die
diese Frage nicht einmal aufwerfen können, weil sie annehmen, Gott
genüge sich selbst völlig und brauche überhaupt nichts anderes mehr.
Rev. Moons allgemeingültiges Prinzip der Wechselbeziehung
zwischen Subjekt und Objekt ermöglicht es ihm, die Welt von Gott
geschaffen zu sehen, mit der Intention, dass Gott (und dies ist nicht
Rev. Moons Sprache) Seinen eigenen Charakter in ihr reflektiert
sehen konnte. Rev. Moons Korrelationsprinzip (Geben und Nehmen)
rechtfertigt seine Lehre, dass Gott die Welt schuf, um ein Bild von
sich selbst zu haben.
Nach Rev. Moons Ansicht ist der Zweck der Schöpfung, Gott Freude
zu geben. Dies liegt der Sprache der traditionellen westlichen
Theologie gar nicht so fern, in der es der Zweck der Schöpfung ist,
Gott Ehre zu geben. In der traditionellen theologischen Sprache ist
der Zweck allen Lebens, Gott zu geben, was Gottes ist und was Gott
sucht. Es ist bezeichnend, dass Rev. Moons Theologie radikal
theozentrisch ist, d. h. sie ist eine Theologie, die sich ganz auf den
göttlichen Zweck ausrichtet. Es ist außerdem bedeutsam, dass das,
was diese radikal theozentrische Theologie davor bewahrt,
menschliches Leben herabzusetzen, ihr Prinzip der doppelten
Schöpfung ist; ihr Konzept, dass Gott ein Abbild Seines eigenen
Zweckes sucht, indem Er Schöpfer schafft. Gott braucht uns nicht als
Geschöpfe; Er sehnt sich danach, dass wir auch freie Schöpfer
werden.
Die traditionelle westliche Theologie hat dieses Problem der radikalen
Gottzentriertheit nie ganz gelöst, ohne die Rolle der Menschheit zu
verringern; denn gewöhnlich verbindet sich mit der Annahme, dass
die Schöpfung Objekt sei, die Vorstellung, sie sei geringer als Gott. In
Rev. Moons Theologie wird die Schöpfung zwar als Objekt
verstanden, aber trotzdem, wegen der Beziehung des Gebens und
Nehmens, als gleichwertig zu Gott gesehen. Das heißt, Rev. Moon
sieht, dass die Schöpfung Gott das zurückgeben soll, was Gott ihr
gegeben hat, und dass Gott in dieser Erwiderung Freude findet. Ich
finde diese Auffassung aus theologischer Sicht sehr schöpferisch und
psychologisch gesehen gesund.