Bezugsorientiert denken
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Drei metaphysische Prinzipien - zwei philosophische Probleme

Rev. Moon entwickelt seine Theorie der ursprünglich dualen Kraft in Gott, die dem Prinzip von Gottes Schöpferkraft zugrunde liegt, in einer Lehre, die drei metaphysische Grundprinzipien aufzeigt: Das Prinzip einer Beziehung des Gebens und Nehmens, das Prinzip von These-Division-Synthese und die Grundlage der vier Positionen. Dies sind Moons drei metaphysische Prinzipien. Sie sind metaphysische Prinzipien, weil sie absolut allgemeine und universelle Gültigkeit besitzen für alles, was Oberhaupt existiert.

Diese Prinzipien sind tatsächlich so allgemein und universell anwendbar, dass alle Dinge nur in Abhängigkeit von ihnen existieren können. Auch Unordnung und Sünde können nur in einer Form des Prinzips von These, Division und Synthese auftreten. Das bedeutet, dass sogar Sünde von der Struktur des Guten abhängig ist. Deshalb betont Rev. Moon wiederholt etwas, was alle christlichen Theologen glauben, nämlich, dass das Gewissen des Menschen niemals getötet werden kann, und dass das Böse nur in Abhängigkeit vom Guten existieren kann. Der Herrschaftsbereich Satans besteht nur aufgrund seiner Ausnutzung der Schöpfungsstruktur selbst. Hier liegt die Quelle seiner besonderen Macht, aber ebenso auch der Grund für unsere Sicherheit, dass Satans Reich letztlich überwunden werden wird. Auf diese Weise bekräftigt Moon die traditionelle christliche Sicht, wonach alle Unordnung durch die Ordnung bedingt ist.

Wenn Rev. Moon über die Subjekt-Objekt-Beziehung spricht, oder über den Vorgang des Gebens und Nehmens, über die Grundlage der vier Positionen, oder den These-Division-Synthese-Vorgang, so bringt er die Vielfältigkeit in der Schöpfung zur Sprache. Dies ist die große Stärke in Rev. Moons Philosophie. Er beginnt nicht damit, uns ein völlig undifferenziertes Konzept von Gott und der Wirklichkeit vorzustellen, sodass wir nur Überbegriffe sehen oder uns aus der vielschichtigen und komplexen Welt zurückziehen müssen. Vielmehr stellt er uns einen Begriffsapparat zur Verfügung, der viele Dinge ordnet, zu denen wir dann stufenweise und systematisch eine Beziehung herstellen können.

In Rev. Moons differenzierter Konzeption von Leben und Wirklichkeit wird Gott direkt einbezogen in das Leben jedes einzelnen mit seinen vielschichtigen Bereichen.

Ich möchte an dieser Stelle auf zwei andere philosophische Fragen hinweisen. Ein konsequent bezugsorientierter Denker wie Rev. Moon steht zwei metaphysischen Problemen gegenüber: Zum einen stellt sich die Frage, wie "Substanz" als Beziehung aufgefasst werden kann. - Für einen konsequent bezugsorientierten Denker besitzt eine substantielle Wirklichkeit nur innerhalb einer Beziehung eine selbständige Existenz. Sie werden sich daran erinnern, dass die griechischen Philosophen die Wirklichkeit aus individualistischer Sichtbetrachteten; d. h. sie sahen die Identität der Wirklichkeit in individuellen Dingen und stellten sich individuelle Dinge als einzelne "Klumpen" der Materie vor. Die Griechen sahen deshalb Beziehungen als etwas Abgeleitetes an und nicht so sehr als das Ursprüngliche. Zum Beispiel würden sie die Beziehung in der Ehe als Ergebnis der Vereinigung zweier Einzelkörper betrachten. Aus dieser Sicht ist das eheliche Verhältnis, da es sich von zwei Individuen ableitet, weniger real als die beiden Einzelmenschen, die es verbindet.

Rev. Moon hingegen argumentiert, dass Individualität sich aus Rationalität ableitet, dass Beziehungen aber eine höhere Realität zukommt. Deshalb betrachtet er einen Körper als eine Beziehung oder als ein ganzes Netzwerk von Beziehungen. In derselben Weise sieht er eine Ehe oder Familie als wesentlich wichtiger an als die Individuen, die ein Teil davon sind. Rev. Moon ist nicht der Ansicht, die Einzelwesen seien unwichtig; nur glaubt er, dass sich ihre Individualität aus dem Netz der Beziehungen ableite, denen sie angehören. An dieser Stelle stimmt Rev. Moon mit den Spitzenkräften der modernen Soziologie überein.

Das zweite Problem, mit dem ein konsequent bezugsorientierter Denker sich auseinandersetzen muss, ist die Frage, wie man sich Individualität vorzustellen habe. Rev. Moon besitzt in der Tat ein Individualitätskonzept, das er von der ersten der drei Segnungen, die Adam gegeben wurden, herleitet: "Seid fruchtbar, mehret euch und macht euch die Erde untertan." Welcher Zusammenhang besteht nun zwischen der ersten der drei Segnungen "Seid fruchtbar" und der Entwicklung der Individualität? Zuerst einmal müssen wir hier beachten, dass Rev. Moon die Heilige Schrift an dieser Stelle symbolisch auslegt. Zweitens müssen wir sehen, dass er den Satz "seid fruchtbar und mehret euch" nicht als eine, sondern als zwei Aussagen betrachtet. Damit bringt er zum Ausdruck, dass man keine bezugsorientierte Beziehung haben kann, ohne zunächst eine eigene Persönlichkeit entwickelt zu haben. Dies ist das Prinzip der Bezugsorientiertheit.

In gewissem Sinne setzt also Rev. Moon Individualität vor einer bezugsorientierten Beziehung an. Das bedeutet, dass die Individualität, auf die er sich hier bezieht, die Entwicklung der Einzelperson durch ihre Beziehung zu Gott ist. Diese entwickelte Individualität ist das Fundament für die Fähigkeit der Einzelperson, sich vielfältig auszudrücken, d.h. gute gesellschaftliche Beziehungen zu haben. (Was also zeitlich primär liegt, ist in der "natürlichen Ordnung" nicht an erster Stelle.) Aus dieser Vorrangigkeit der individuellen Entwicklung sollte die praktische Konsequenz gezogen werden, dass für jeden Menschen die Vorbereitung auf die Ehe eine längere Zeit geistigen Trainings zur Vervollkommnung der eigenen Individualität einschließen sollte. Die Ehe sollte nicht als eine Gelegenheit zum individuellen Wachstum angesehen werden, sondern als etwas, das nur zu Persönlichkeiten herangereifte Menschen eingehen sollten. Ehe ist demnach die zweite Bestimmung des Menschen, die sich aus der zweiten Segnung ableitet.

Um ein theologisches System zu entwickeln, muss man sich auf die Ideen eines begrenzten Bereiches konzentrieren, und das ist bei Rev. Moon die Schöpfungslehre. Der Schöpfung gilt Rev. Moons Hauptaufmerksamkeit. Konträr dazu sieht beispielsweise eine Theologie, die sich allein auf Jesus konzentriert, nur das, was uns zu Jesus hinführt, wie Glaube, Zungenreden oder die Sakramente und vernachlässigt unvermeidbar alles andere. Doch Rev. Moons Theologie möchte nicht, dass wir unser Leben auf eine Person ausrichten, sondern auf die ganze Welt. Es ist Gottes Ziel, dass der Mensch die Herrschaft über die Erde haben soll. Dies geschieht, indem Gott Seine Schöpferkraft auf den Menschen überträgt.

 

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04.08.2003