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Gott als VaterIch möchte nun darlegen, wie dieses bezugsorientierte Denken ganz allgemein in den "Göttlichen Prinzipien" zum Ausdruck kommt. Hier sind wir mit einem theologischen Problem konfrontiert: "Aus wieviel Hauptteilen setzt sich ein Buch zusammen, das die gesamte christliche Theologie behandelt?" In der traditionellen christlichen Theologie heißt die Antwort gewöhnlich drei oder vier. In einer Theologie mit drei Hauptthemen sind dies die Themen: Vater, Sohn, und Heiliger Geist. In einer aus vier Hauptthemenbestehenden Theologie sind dies: Vater, Sohn, Heiliger Geist und Kirche. Einige Theologien ordnen bis zu zehn Grundthemen in ihr System ein: Vater, Sohn, Heiliger Geist, Kirche, Vergebung, Auferstehung, ewiges Leben, christliches Leben und so fort. Einmal mit dieser Art von Analyse beginnend, ist es leicht, von zehn auf 47 zu springen. Beispielsweise tendierte die Auffassung des berühmten katholischen Theologen Bernard Lonergan zu solch großer analytischer Präzision, dass man ihn beim Lesen gelegentlich erwähnen hörte: " . . . und an 37. Stelle . . ." Solch ein stures Festhalten an Präzision führt zu nichts. Wieviele Bereiche umfasst Moons theologisches System? Drei oder vier? Seine Theologie besitzt nur zwei Hauptteile. Natürlich sind die "Göttlichen Prinzipien" in viele Untereinheiten gegliedert, doch sie haben nur zwei Hauptteile, nämlich die Lehre von der Schöpfung und die Lehre von der Wiederherstellung. Einer der größten Theologen der Moderne, Friedrich Schleiermacher, besaß ebenfalls ein aus zwei Einheiten bestehendes theologisches System, die Schöpfungslehre und die Erlösungslehre. So ist also eine Zweiteilung nichts Neuartiges. In der Tat besitzt ein solches System große logische Aussagekraft, da seine zwei Komponenten immer in Spannung zueinander gehalten werden können. Wir wollen deshalb einmal die praktischen Auswirkungen betrachten. Zuerst möchte ich darauf hinweisen, dass es für einen Theologen oft sehr schwierig ist, seine Gedanken folgerichtig zu Ende zu führen und alle seine Grundpositionen konsequent weiterzuentwickeln. Es ist doppelt schwer, konsequent zu sein, wenn man versucht, alle Lehren des christlichen Glaubens zu behandeln. Wenn man dann einem Theologen begegnet, der sämtliche christliche Lehren in durchgehend konsequenterweise abhandelt, so versetzt das einen in großes Erstaunen. Es ist, als ob man einem großartigen Symphoniekonzert zuhöre. Diese Art von Erregung erlebe ich beim Lesen der "Göttlichen Prinzipien", und deshalb möchte ich Ihnen hier einige meiner Erfahrungen mitteilen. Überraschend ist, dass Rev. Moons Theologie keine eigenständige Gottesdoktrin hat. Erinnern Sie sich an meine Aussage, dass das traditionelle westliche Christentum eine drei oder vier Themen umfassende Theologie besitzt, deren erster Teil immer "Gott-Vater" ist. Rev. Moon spricht nicht in derselben Weise von Gott. Der erste Teil von Moons Theologie ist nicht "Gott", sondern die Schöpfung. Als Teil seiner Abhandlung über die Schöpfung spricht Rev. Moon selbstverständlich von Gott. Aber dies bedeutet, dass er niemals abstrakt über Gott spricht, sondern immer in Beziehung zu uns. Wir lernen Gott immer in unserer Beziehung zu Ihm als unserem Vater und unserem Schöpfer kennen, und niemals außerhalb dieser Beziehung. Es ist gerade so, als sei man in einer Gruppe von Menschen, die über einen Mann sprechen, und man stellt plötzlich fest, dass sie über den eigenen Vater sprechen. Obwohl andere Menschen Jimmy Carter mit "Herr Präsident" anreden, sagt seine Tochter Amy "Papa" zu ihm. Für sie ist das vollkommen richtig. Gleichermaßen, behauptet Rev. Moon, sei es völlig berechtigt, wenn wir Gott "Vater" nennen, da wir Gott nur in dieser Vater-Kind-Beziehung kennenlernen können. Weil jedoch das traditionelle Christentum versuchte, Gott zuerst unabhängig von Seiner Schöpfung zu definieren, blieb es uns versagt, Gott mitvollem Recht Vater nennen zu dürfen. Wir meinen es im übertragenen Sinne so. Das heißt, dass Gott nicht wirklich unser Vater ist. Das traditionelle Christentum fügt allerdings hinzu, dass Gott eine gewisse Art von Vaterschaft besitze. Sie wird auf sehr verschiedenartige Weise erklärt. Rev. Moons Entscheidung, mit dem Gottesbegriff des Schöpfervaters zu beginnen, ist brillant, denn sie weist uns gleich von Anfang an auf den Zweck unseres Lebens hin, nämlich auf das vollkommene Schöpfertum, oder unsere Heranreifung zu vollkommenen Abbildern und Kindern Gottes. Vollkommenes Schöpfertum ist mein Ausdruck, doch er zeigt Moons Richtung auf. Wenn wir fragen: "Was ist vollkommenes Schöpfertum?", oder konkreter, "Was heißt es für uns, zum Bilde Gottes geschaffen zu sein?", so lautet die Antwort, dass wir zu göttlichen Geistern werden sollen. Das bedeutet, dass wir selbst Schöpfer werden müssen. Wie können wir Schöpfer sein, wenn doch Gott der Schöpfer ist? Rev. Moon antwortet, dass Gott als Schöpfer eine Welt für uns geschaffen hat, in der wir Schöpfer sind. Gott hat sowohl eine geistige als auch eine physische Welt hervorgebracht und hat uns auch mit einem Geist und einem Körper ausgestattet, sodass wir die Mittlerfunktion zwischen beiden Welten einnehmen können. Weil wir einen Körper besitzen, können wir in der Welt von Zeit und Raum Schöpfer sein, genauso wie Gott in der geistigen Welt Schöpfer und Vater ist. So sind wir zwar in der Beziehung zu Gott Geschöpfe, aber wir sind auch von Ihm dazu bestimmt, Schöpfer zu sein, so wie Er Schöpfer ist. Ich möchte hier ergänzend darauf hinweisen, dass Gott, unser Vater, uns auch geschaffen hat, damit wir zu Vätern werden. Das ergibt sich als logische Folgerung. Es bedeutet, dass die Vereinigungskirche nicht die Vater- und Kindbeziehung betont, sondern die Beziehung des Vaters zum ebenfalls Vater werdenden Kind. Väter sollten ihren Kindern helfen, aufzuwachsen. Wenige Theologen wagen es zu behaupten, dass der Mensch dazu geschaffen sei, Schöpfer zu werden wie Gott ein Schöpfer ist. Gewöhnlich ist "Schöpfer" eine Bezeichnung, die Gott allein beanspruchen konnte und deshalb gebraucht wurde, um die Unterschiedlichkeit zwischen Gott und dem Menschen, der ein Geschöpf ist, aufzuzeigen. Doch die "Göttlichen Prinzipien" sehen das Heranreifen des Menschen zum Schöpfer als eine Vervollkommnung des Bildes Gottes im Menschen. Theologisch interessant ist jedoch, wie Rev. Moon erklärt, dass der Mensch ein Schöpfer wie Gott werden kann. Die Erklärung dafür liegt in Rev. Moons Lehre über die Geistige Welt begründet. |
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04.08.2003 |