Bezugsorientiert denken
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Als Denkrichtung ist Rev. Moons Theologie von elementarer Bedeutung, insofern sie bezugsorientiert ist. Mit anderen Worten, sein Denken strukturiert sich innerhalb bestimmter Bezugsrahmen. Es gibt drei verschiedene Arten, wie Denken strukturiert sein kann: bezugsorientiert, individualistisch oder ganzheitlich. Bezugsorientiertes Denken definiert die Dinge in ihrer wechselseitigen Relation. Individualistisches Denken isoliert die Dinge und betrachtet sie auf ihr eigenes Wesen hin. Ganzheitliches Denken richtet sich auf die Erfassung des Gesamtcharakters aus.

Als ein Beispiel dafür, wie Rev. Moons Denkweise sich vom individualistischen, westlichen Denken unterscheidet, soll sein Begriff von Liebe untersucht werden. Beim Versuch, Liebe zu definieren, bewegt sich westliches Denken in den Bereich der Psychologie hinein. Indem sie Liebe als Ein7,elerscheinung isoliert, definiert sie Liebe als psychologisches Etwas. Im Gegensatz dazu denkt Rev. Moon in bezughafter Weise über Liebe. Das heißt, er bringt sie in Verbindung mit einem äußeren oder objekthaften Begriff. Dieser Begriff ist Schönheit. Rev. Moon definiert dann Liebe als Ausdruck von Schönheit und Schönheit als Ausdruck von Liebe.

Eine große Stärke der bezugsorientierten oder korrelativen Theologie Rev. Moons ist die Ausrichtung allen Denkens auf das Handeln hin. Der Grund liegt darin, dass in Rev. Moons Denken alles, was in Subjektposition steht, sich an etwas orientiert, was dem gegenüber einen objekthaften und äußeren Aspekt in sich trägt. Darüber hinaus endet solch eine Theologie aber nicht nur in einem auf dieses äußere Objekt hin ausgerichteten Handeln, vielmehr wird das Objekt selbst ein Stimulus für die Vertiefung des Verständnisses und Handelns des Subjekts, da eine wechselseitige Beziehung des Gebens und Nehmens zwischen Subjekt und Objekt besteht.

Eine Beziehung des Gebens und Nehmens ist ein wechselseitiger, zeitlicher Vorgang von Aktion und Reaktion, der auf beiden Seiten Neues hervorbringt. Solch ein Geben und Nehmen ist Oberhaupt die Grundlage für eine gesündere Persönlichkeit und für menschliches Wachstum. Weil Rev. Moon diese Theorie des Gebens und Nehmens vertritt, schreibt er der äußeren Welt, oder der Welt, die die Wissenschaft erforscht, den gleichen Wert zu wie der inneren oder geistigen Welt. Er sieht diese beiden Welten, die geistige und die physische Welt, als voneinander abhängig und sich gegenseitig aufbauend. Deshalb unterscheidet sich Moons Ontologie (Seinslehre) grundlegend von der westlichen Ontologie, die auf Grund ihrer griechischen Wurzeln der geistigen Welt höheren Wert beimisst als der physischen Welt. Das griechische Denken betont die Herrschaft der Vernunft über die Natur stärker als den Einfluss der Natur auf den Menschen. Die westliche Tradition interpretierte im allgemeinen die Einflussnahme des Menschen auf die Natur nicht als eine auch wechselseitige Wirkung der Natur auf den Menschen, die zu einer Vertiefung des menschlichen Gemütes führen würde. Aus diesem Grunde wurde Religiosität im traditionellen Denken der westlichen Theologie oft mit Weltflucht gleichgesetzt.

Rev. Moons Verständnis über die wesentliche Aufgabe der objektiven Welt - die Stärkung und Vertiefung der Persönlichkeit im inneren geistigen Leben - bringt eine entscheidende Herausforderung für die westliche Philosophie und Psychologie mit sich. Moon ist in dieser Beziehung kein total radikaler Erneuerer. Seine Erkenntnis ist auch im Calvinismus anerkannt. In der Tat existiert in der gesünderen Version der calvinistischen Arbeitsethik die Überzeugung, dass der Geist oder der Charakter des Menschen durch seine äußere Aktivität oder Arbeit wächst und gestärkt wird.

Doch Moons Denken zeichnet sich durch eine philosophische oder strukturelle Fundierung dieser Behauptungen aus, die man in den meisten theologischen Texten des Calvinismus nicht finden dürfte. Bezugsorientiertheit ist demnach ein Schlüsselpunkt in Rev. Moons Denken.


 

 

04.08.2003