Bezugsorientiert denken
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Das Ursprungsprinzip

Von der Struktur her betrachtet, beinhaltet Rev. Moons Theologie nicht nur eine Bezughaftigkeit zwischen Schöpfer und Schöpfung, sondern auch in Gott selbst. Eine derartige Beziehung setzt in Gott eine Dualität von Prinzipien voraus: Positivität und Negativität. Diese Prinzipien werden aber nicht als das absolut Elementare verstanden, weil auch ein erstes Ursprungsprinzip existiert.

Warum besteht Rev. Moon neben der Dualität von Positivität und Negativität zusätzlich noch auf einem ersten Ursprungsprinzip? Mir scheint, dass sein Ursprungsprinzip nicht als etwas funktioniert, das die Dualität der Kräfte überschreitet oder sogar mehr verkörpert. Es stellt vielmehr formell gesehen die völlige Einheit der dualen Kräfte dar. Dieses erste Ursprungsprinzip ist letztendlich die Versicherung, dass zwei Pole eher schöpferische und harmonische Beziehungen zueinander haben, als Beziehungen, die letztlich Konflikte hervorriefen. Auf diese Weise vermeidet Rev. Moon das Problem des dualistischen Manichäismus, der zwei Prinzipien postuliert, aber kein letztes Prinzip der Einheit, um beide zusammenzuhalten. In Rev. Moons Theologie wird diese ursprüngliche Einheit nicht als ein Prinzip der Transzendenz heraufbeschworen, sondern als ein Prinzip schöpferischer Harmonie zwischen den beiden Kräften Gottes. Es ist das Prinzip der Bezughaftigkeit. Dies mag Ihnen abstrus oder unwichtig erscheinen. Doch Rev. Moons Lösung ist in der Tat brillant gegenüber dem immerwährenden, schrecklich destruktiven Dilemma innerhalb des westlichen Denkens. Ich möchte Ihnen zeigen, wieso.

Welches sind die zwei Kräfte in Gott, die durch dieses erste Ursprungsprinzip in schöpferischer Harmonie zusammengehalten werden? Die Antwort lautet: Positivität und Negativität, Maskulinität und Femininität, Subjekt und Objekt. Keines dieser Begriffspaare ist der westlichen Tradition vertraut. Doch wie steht es mit dem Folgenden: "Vernunft und Wille" (oder Wort/Weisheit)? Hier ist eine Kombination von absoluten Begriffspaaren, die schon immer Verwirrung in der westlichen Philosophie und Theologie hervorgerufen haben.

Plato warf das Problem auf. Ist Gerechtigkeit gut, weil sie von Gott gewollt ist, oder ist sie von Gott gewollt, weil sie gut ist? Was kommt zuerst, Vernunft oder Wille? Welches ist der Ursprung des anderen? Thomas von Aquin behauptete, es sei die "Vernunft" und entwickelte das "natürliche Gesetz"; Calvin sagte, es sei der Wille und bestätigte die "Prädestination". Rationalisten und Voluntaristen haben in den 2 000 Jahren westlicher Theologie miteinander im Kampf gelegen. Der Kampf schien sinnvoll zu sein, da immer bewiesen werden konnte, dass entweder die Vernunft oder der Wille Ursprung war. Zu sagen, sie seien verschieden, doch beide ursächlich, erschien als Dualismus. Niemand sah, was Rev. Moon erkannt hat, nämlich, dass Vernunft und Wille zwei verschiedene Ursprungskräfte sind, die nur durch ihre Beziehung zueinander existieren.

Diese Beziehung ist das erste Ursprungsprinzip. Wer hat sonst noch in der christlichen Theologie dieses Problem erkannt und gelöst?

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04.08.2003