Vereinigungstheologie -
Kurzfassung von Young Oon Kim
erste deutsche Auflage 1978
Herausgeber: Vereinigungskirche
e.V.
Über die Autorin:
Frau Young Oon Kim erhielt den Doktor-Titel von
der Kwansei Gakuin Univerität in Japan, wo sie am Methodistischen Seminar
studierte. Später assistierte sie am "Emmanuel-College" an der
Universität Toronto. Diese Grundlagen bildeten die Voraussetzung für ihre
langjährige Professur an der Ehwa-Frauenuniversität in Seoul. Sie hat sich
Zeit ihres Lebens darum bemüht, die religiösen Wahrheiten des Ostens und des
Westens zu analysieren und gemeinsame Wurzeln herauszufinden. Sie war an
verschiedenen ökumenischen Konferenzen in Europa beteiligt und gab mehrere
Vorlesungen auf ihren Reisen durch die Vereinigten Staaten. Zur Zeit lebt und
schreibt sie in Washington DC. Sie besitzt eine Professur für Systematische
Theologie und Weltreligionen am "Unification Theological Seminary" in
Barrytown, NY. Dr. Kim ist Mitglied der Vereinigungskirche. Unter ihren
früheren Werken kommt "Divine Principle and its Application" und
"Unification Theologiy and Christian Thougt" eine besondere Bedeutung
zu.

Gott in Seiner Schöpfung
Die Vereinigungstheologie gründet sich auf eine Deutung der
Welt, in der wir leben. Alles kann von dem Prinzip der Schöpfung abgeleitet
werden. Wie Emil Brunner schrieb:
-
"Das erste Wort der Bibel ist das Wort über den
Schöpfer und seine Schöpfung .... in der Tat, wenn man richtig versteht, was
die Bibel mit dem Schöpfer meint, hat man die ganze Bibel richtig verstanden.
"
Das bedeutet, dass wir das Wesen Gottes verstehen können,
wenn wir das Universum aus einer spirituellen Perspektive untersuchen.
Um Paulus zu zitieren:
-
"Damit, dass Gottes unsichtbares Wesen, das ist
seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen, so man des wahrnimmt, an
den Werken, nämlich an der Schöpfung. . . . "
(Röm. 1:20)
Nach den "Göttlichen Prinzipien" ist der Schöpfer
ein Gott des Herzens. Aus dem Studium von Philosophie, Biologie, Soziologie und
Psychologie wissen wir, dass der Mensch auf unterschiedlichste Art und Weise
definiert worden ist. Da heißt es, der Mensch sei ein Teil des Tierreiches oder
ein vernunftbegabtes Geschöpf, oder er sei von seinem ökonomischen
Hintergrund bestimmt, oder sei von seinen biologischen Trieben kontrolliert.
Für die Vereinigungstheologie jedoch wird der Mensch charakterisiert durch
seine Gefühle. Ein Mensch ist da, wo sein Herz ist ... Aus dem Herzen ergeben
sich die Kernpunkte des Lebens. Darum ist das Herz das Wesensmerkmal des
Menschen.
Wenn der Mensch so ist, dann ist auch Gott so. Gott ist ein
Gott des Herzens, mit tiefen Gefühlen, mit grenzenloser Zuneigung und
unerschöpflichem Wohlwollen. Während viele christliche Theologien ihre
zentrale Aufmerksamkeit auf die überwältigende Macht oder die Weisheit Gottes
richten, betonen die "Göttlichen Prinzipien" das göttliche Herz.
Wonach beurteilen wir die essentielle Menschlichkeit im Menschen? Durch seine
Freuden und Sorgen, durch das, was ihn glücklich macht oder bedrückt. Genauso
bei Gott. Vor allem anderen ist Gott ein Gott des Herzens, ein Gott intensiver
Gefühle, erhabener Neigungen. Für Hosea war die Beziehung des Herrn zu Israel
wie die eines Ehemannes zu seiner Frau - ein Band, so stark, dass niemand es
brechen konnte. Für Jesus war Gott wie der Vater des verlorenen Sohnes, dessen
Herz bei der Abreise des jungen Mannes brach und der mit offenen Armen auf seine
Wiederkehr wartete.
Mann und Frau
Wir wollen den Menschen noch aus einem anderen Gesichtspunkt
betrachten. Die Menschheit besteht aus Männern und Frauen. Es gibt also einen
maskulinen und einen femininen Aspekt in der menschlichen Existenz. Und, wie die "Women's
liberationists" betonen, die Frau ist ebenso wichtig wie der Mann. Um die biblische Ausdrucksweise zu
gebrauchen: das Ebenbild Gottes offenbart sich in der Polarität von Adam und Eva.
Auch das muss bei unserer Sicht von Gott mitbedacht werden.
Bekanntlich ist in zeitgenössischen theologischen Kreisen eine beachtenswerte
Diskussion darüber im Gange, ob das Konzept des Vater-Gottes noch ausreichend
ist. In der Vergangenheit haben wir in einer männlich-dominierten Kultur
gelebt. Können wir jetzt, da die Frauen ihre Rechte beanspruchen und gleiche
Behandlung verlangen, noch mit einer ausschließlich männlichen Interpretation
der göttlichen Natur zufrieden sein?
Jemand hat Häresie definiert als die Entdeckung irgendeines
Aspektes der Wahrheit, der von der Orthodoxie übersehen oder vernachlässigt
wurde. Ungefähr vor einem Jahrhundert lehrte Mary Baker Eddy die Idee vom
Vater-Mutter-Gott. Obwohl ihre These im allgemeinen von der Kirche nicht ernst
genommen wurde, hatte sie vielleicht Recht. jede Stufe der Schöpfung ist
gekennzeichnet durch ein positives und negatives, produktives und rezeptives,
maskulines und feminines Element der Polarität. Nach den Göttlichen Prinzipien
repräsentieren Adam und Eva zusammen das Wesen des Menschen und offenbaren so
die Realität Gottes.
Geist und Körper
Es gibt noch einen dritten Teil der Lehre von Gott in der Vereinigungstheologie. Prof. Richardson hat
hervorgehoben, dass die "Göttlichen Prinzipien"
von der Bedeutung der Beziehungsfähigkeit ausgehen. Wir setzen das Herz des
Menschen zu dem Herzen Gottes in Beziehung und betonen außerdem die
fundamentale Bezogenheit dieser Welt zur geistigen Welt. Es gibt keine starre
Trennung dazwischen. Es gibt keine verschlossene Tür zwischen der irdischen und
den außerirdischen Welten. Im Gegenteil: Der Mensch ist wie eine Brücke
zwischen beiden Welten.
Gott schuf alle Dinge in Subjekt-Objekt-Beziehungen,
Ich-Du-Beziehungen, wie Martin Buber sagt Der Mensch hat sowohl Geist als auch
Körper und genauso ist die Welt. Ebenso wie die physische Welt als Umgebung
für den Körper des Menschen geschaffen wurde, wurde die geistige Welt als
Umgebung für seinen Geist geschaffen.
Der Mensch und das Universum sind ähnlich in ihrer Struktur,
so dass der Mensch ein volles Geben und Nehmen mit der sichtbaren und ebenso mit
der unsichtbaren Welt aufnehmen kann. Gott schuf den Menschen mit physischen und
geistigen Sinnen, damit er Medium der Verbindung zwischen den beiden Welten sein
könne. Er lebt gleichzeitig in beiden Welten. Der Mensch ist das dynamische
Zentrum der Freude und Harmonie zwischen der Erde und der geistigen Welt. Er ist
es, durch den sie ein Geben und Nehmen vollziehen können.
Die Vereinigungstheologie erkennt die glaubhaft bestätigten
Fakten parapsychologischer Erfahrung an. Menschen sind fähig, mit Geistwesen,
die keinen physischen Körper haben, in vielfältiger Weise zu kommunizieren.
Auch haben sie weit öfter Kontakt mit der geistigen Welt als allgemein wahrgenommen wird.
Zugegeben, diese Anerkennung übersinnlicher Wahrnehmung und paranormaler
Kommunikation hebt uns ab von älteren protestantischen Theologien und
herkömmlichen Kirchen. jedoch empfinden wir das eher als Vorteil und weniger
als Belastung.
Wer kann das außergewöhnliche Interesse an Parapsychologie
in der heutigen Zeit leugnen? Was früher "okkult" genannt wurde, ist
heutzutage beliebtes Thema für die Jugend mit höherer Bildung. Aus Protest
gegen den simplizistischen Rationalismus ihrer Professoren und den Mangel an
geistigem Feuer in den etablierten Denominationen haben sich viele unserer
jungen Erwachsenen dem fernöstlichen Mystizismus, der Astrologie, dem Yoga, der
Magie und charismatischen Gruppen zugewandt. Weil sie sich nach direktem Kontakt
mit der geistigen Welt sehnen, sind die Söhne und Töchter von Methodistenen-Diakonen,
presbyterisnischen Ältesten und Gemeindepredigern, Zenmönche, Hare Krishna-Sänger,
Schüler der Scientoligie oder Jesus-Freaks geworden.
Aus verständlichen Gründen haben die Protestantischen
Kirchen der Vergangenheit das Streben nach parapsychologischen Erfahrungen missbilligt. Dies war für die Reformer des 16ten Jahrhunderts notwendig, um das
Christentum von vielen oberflächlichen Glaubensinhalten und Praktiken zu
reinigen, die mit dem Katholizismus im dunkelsten Mittelalter verbunden worden
waren. Diese Haltung war auch für die Protestanten späterer Perioden
unbedingte Voraussetzung, um sich der Aufklärung anzupassen mit ihrem Hang zu rationalem Forschen,
wissenschaftlicher Einsicht und Skepsis. Jedoch der Preis, den wir für unseren
Frieden mit dem Zeitalter der Vernunft bezahlt haben, war weit höher als das,
was wir dafür eingetauscht hatten. Ich muss es wiederholen, die christliche
Gemeinschaft muss akzeptieren, dass der Mensch mit der geistigen Welt
kommunizieren kann und es auch tut.
Der gefallene Zustand des Menschen
Nach der Betrachtung des Wesens Gottes müssen wir als
nächstes den Zustand des Menschen untersuchen. Wie auch orthodoxe Protestanten
und Katholiken glaubt der Vereinigungstheologe, dass der biblische Bericht
von Adam, Eva und der Schlange im Garten Eden eine annehmbare Darstellung des
gegenwärtigen Zustandes des Menschen liefert. Wir glauben an den Sündenfall
und an die Tatsache der ursprünglichen Sünde. Natürlich bedeutet das
andererseits, dass die Vereinigungstheologie es nicht als ein wahres Bild vom
Menschen empfindet, wenn die Theorie einiger Biologen den Menschen als Teil des
Tierreiches erklärt oder ihn als Ergebnis eines unvermeidlichen Gesetzes des
evolutionären Fortschrittes hinstellt. Den "Göttlichen Prinzipien"
zufolge ist der Mensch ein gefallenes Geschöpf. Im allgemeinen stimmen wir hier
mit der paulinischen Interpretation der menschlichen Natur überein, so wie sie
von Augustinus entwickelt und formuliert wurde.
Jedoch ist unsere Exegese der Genesis-Geschichte verschieden
von der konventionellen. Wie sie wissen, konnte man innerhalb und außerhalb der
Kirche nur schwer die Auffassung akzeptieren, dass Gott Adam und Eva nur
deswegen aus Eden vertrieben habe, weil sie ihm - indem sie die Frucht eines
Baumes im Garten aßen - nicht gehorchten. Eine beachtliche Zahl Bibelgelehrter und Theologen hat öffentlich
behauptet, dass der Genesis-Bericht nichts als eine primitive Legende darstelle,
die in ferner Vergangenheit von den Völkern des Nahen Ostens geschaffen wurde
und die heute ohne Bedeutung sei.
Eine symbolische Interpretation
Die Vereinigungstheologie zieht eine symbolische
Interpretation der Garten-Eden-Geschichte vor. Was die Genesis sagt, ist in
tieferem Sinne wahr, als es eine rein buchstäbliche Interpretation nahelegen
würde. Liegen die Modernisten falsch, wenn sie den Bericht verwerfen, so haben
die Fundamentalisten gleichermaßen Unrecht, wenn sie ihn buchstäblich
interpretieren. Als Ergebnis sorgfältiger Studien de vergleichenden Mythologie
sind wir heute in der Lage, die Absicht des biblischen Schreibers zu
verstehen. Hinter der nahöstlichen Symbolik liegt ein tiefe Wahrheit über den
Ursprung der Entfremdung des Menschen von Gott verborgen.
Jedoch unterscheiden sich hier die "Göttliche
Prinzipien" wiederum von der gemeinhin akzeptierten Erklärung vom Fall. Es war nicht einfach ein Akt des
Ungehorsams. Es war nicht das erste Beispiel für den Stolz des Menschen. Es war
auch nicht ein Zeichen des rebellischen Versuchs des Menschen, sich selbst zum
Rivalen Gottes zu erheben.
Vergleichende Religion
Die gelehrten Experten in vergleichender
Religionswissenschaft haben festgestellt, dass der Bericht vom Garten Eden
offensichtlich sexuelle Begriffsinhalte hat. Die Schlange ist ein wohlbekanntes
Symbol der Männlichkeit- und die Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und
Bösen symbolisiert den weiblichen Aspekt der Zeugung. Wie Jean Cardinal
Danielou, der berühmte französische Gelehrte frühen christlichen
Denkens sagte: "In der Eden-Erzählung stößt man auf Materialien,
die von den Fruchtbarkeitskulten der alten nahöstlichen Zivilisationen bezogen
worden sind."
Diese Interpretation entspricht einer Deutung, die man sowohl
in der jüdischen Literatur der intertestamentalen Periode als auch bei einigen
christlichen Schreibern der nachapostolischen Zeit wiederfindet. Was
Einzelheiten betrifft, möchte ich auf das Buch von Prof. F. R. Tennant
verweisen: "The sources of the Doctrines of the Fall and Original Sin"
oder auf mein eigenes Buch "Unification Theology and Christian Thought".
Wie die Historiker berichten, war der Sündenfall kein
größeres Diskussionsthema bei den jüdischen Rabbis der vorhellenistischen
Periode, aber für die Christen der paulinischen Zeit war es eine fundamentale
Doktrin. Auf jeden Fall ist anhand von Dokumenten belegbar, dass in den zwei
Jahrhunderte vor der Niederschrift des Neuen Testamentes und den zwei
Jahrhunderten vor dem Konzil von Nizza die sexuelle Interpretation des
Sündenfalles eine der Erklärungen war, die in Rabbiner- und Christenkreisen
zirkulierten.
Vielleicht mögen Sie jetzt fragen, warum diese Interpretation nicht autorisiert wurde. Warum zog Augustinus es vor, die
ursprüngliche Sünde als Ungehorsam, Stolz und Rebellion zu erklären? Wir haben keine Möglichkeit, eine sichere Antwort auf solche Fragen zu geben, aber
man kann doch einig vernünftige Vermutungen anstellen. Die frühere Kirche musste
die Gnostiker widerlegen, die das Fleisch mit dem Bösen identifizierten,
und zweifellos hätte eine sexuelle Erklärung von Genesis 2 missbraucht werden
können, um den gnostischen Dualismus noch mehr zu unterstützen.
Auch förderte die Augustinische Definition der ursprünglichen Sünde - als Ungehorsam, Stolz und
Rebellion - die Tugenden des
Gehorsams, der Demut und der Unterwerfung zu einer Zeit, in der da römische
Reich sich in der Gefahr des Zerfalls befand. Was die Reformer des 16.
Jahrhunderts betrifft, wollten sie bei ihrem Versuch, zur Schrift zu
rückzukehren, wohl kaum etwas finden, was ihr Angriffe auf das klerikale
Zölibat und das Mönchtum hätte schwächen können.
Was noch bedeutender ist, hilft uns nicht die sexuelle
Erklärung der ursprünglichen Sünde, die heikle Lage des Menschen zu verstehen. Seit den Tagen von Freud
haben Psychiatrie und Psychotherapie die destruktive Kraft missbrauchter Liebe
aufgezeigt. Sicherlich liegt hier die Krankheit, die die menschlichen
Beziehungen vergiftet und den Menschen von Gott trennt. Sie richtet die Familie
zugrunde. Sie verzerrt die reinen Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Sie
ist ein dominierender Faktor bei weitverbreiteten sozialen Problemen wie
Jugendkriminalität, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, Missachtung von Recht
und Gesetz usw. Gibt es eine bessere Erklärung für die Aggressivität, die
Frustration, den Hass und die innere Verzweiflung, die die Menschheit so
fürchterlich bedrängen, die die Gesellschaft spalten und den Menschen von
seinem Schöpfer entfremden?
In der Tat kann man auf der Grundlage einer solchen Exegese
der Garten-Eden-Erzählung erkennen, warum das Laster sexueller Gier die Quelle
aller anderen menschlichen Übel ist, eine Tatsache, die die traditionelle
katholische Ethik schon immer herausgestellt hat.
Ziel der Schöpfung
Trotz der ererbten Neigung des Menschen zu sündigen hat Gott ein Ziel der Schöpfung und ist entschlossen, es
zu verwirklichen. Um eines meiner früheren Bücher zu zitieren: "Das Wort
wurde Mensch, ein sichtbares Ebenbild Gottes. Indem er Sein ganzes Wesen in
Seine Werke projizierte, brachte Gott den Menschen hervor, um Sein unsichtbares
Selbst in Form eines sichtbaren und fassbaren Ebenbildes zu manifestieren. So schuf Gott den Menschen, um Freude zu
fühlen". ( aus "Divine Principle and its Application" S. 11 )
Die Erlösungslehre der Vereinigungstheologie entspringt
einem Vers in der Genesis. Nachdem Gott Adam und Eva geschaffen hatte, segnete
Er sie und sagte: "Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die
Erde und machet sie euch untertan, und herrschet (l. Mose 1:28)
Wir finden in diesem Text drei Segnungen. Gottes erste
Segnung: "Seid fruchtbar" bedeutet, dass jeder Einzelne Körper und
Geist vereinigen sollte, indem er sein Leben auf Gott ausrichtet. Durch die
Erfüllung dieser Segnung wird jede Person ihrem Schöpfer ähnlich. So wird der
Mensch ein vollkommenes Einzelwesen und ein substantielles Objekt, an dem sich
Gott erfreuen kann. In einem Referat, das die östlichorthodoxen Theologen für
die Nairobi-Versammlung des Weltkirchenrates vorbereitet hatten, erinnerten
sie die Delegierten anderer Denominationen daran, dass das Ziel des Menschen und
die Bedeutung der Erlösung in der Doktrin gefunden werden kann, die "Theosis"
genannt wird. Letztendlicher Zweck des Menschen sei es, die Einheit mit Gott zu
verwirklichen.
Die zweite Segnung, die Vermehrung, wird erfülIt, wenn ein
vervollkommneter Mann und eine vervollkommnete Frau sich vereinigen und Kinder
hervorbringen. Für die Vereinigungstheologie ist die Familie die fundamentale
Einheit der Gesellschaft. Primäre Aufgabe der Vorsehung ist daher, das
Fundament der Familie zu errichten - mit Gott als Mittelpunkt. Diese Grundlage der vier Positionen Gott, Ehemann,
Ehefrau und Kinder - spiegelt Gott in vollständiger Weise wider als die
individuelle Vollkommenheit und wird somit zum Objekt größerer Freude für
Gott. Der Judaismus hat daher von den Zeiten des alten Testamentes bis heute zu
Recht die zentrale Stellung der Familie betont. Wegen Adams Fall war die erste
Familie mehr auf Satan als auf Gott zentriert. Wiederherstellung bedeutet daher
Neuaufbau des Familienlebens auf der Grundlage der Hingabe an Gott.
Die dritte Segnung bezieht sich auf die Herrschaft des
Menschen über die gesamte Schöpfung. Wenn der Mensch das Geben und Nehmen mit
der Schöpfung mit Gott als Mittelpunkt aufgenommen hat, gewinnt er die
Herrschaft über die Schöpfung als ihr Herr. Da es heutzutage viele Proteste
wegen der rücksichtslosen Ausbeutung der natürlichen Welt durch den Menschen
gibt, muss betont werden, dass "Herrschaft" nur bedeuten kann, dass der Mensch alle Dinge mit Gottes Liebe und Macht regiert, so
dass alle Dinge dem
Menschen gegenüber ihre Schönheit und ihren Dienst entfalten können.
Dadurch, dass er seine Liebe und sein schöpferisches Talent an alle Dinge
weitergibt, befähigt diese kosmische Grundlage der vier Positionen den
Menschen, das Abbild Gottes in einem ausgedehnteren Bereich zu manifestieren und
Gott Freude zu bringen. Weil unsere Produktivität auf einer Ich-Du-Beziehung
zwischen uns selbst und der Natur aufgebaut ist, freut sich Gott und der Mensch
wird glücklich. Darum sollte Arbeit etwas Fröhliches und Heiliges sein "eine
heilige Berufung" wie die Puritaner sagen würden.
Der Gott des Herzens schuf den Menschen so, dass er die
Freude des vollkommenen Gebens und Nehmens erfahren kann. Die Schöpfung
offenbart die Sehnsucht Gottes, geliebt zu werden. Aber der Mensch hat seinem
Schöpfer den Rücken zugekehrt, er hat sich vor Gott versteckt, hat ihn
zurückgestoßen und ist aus seiner Anwesenheit geflohen. Können Sie sich
vorstellen, was Gott da angetan wurde? Denken Sie an Sein Leid, Seine
Traurigkeit, Seine Qual. Der Schöpfer all dessen, was ist, ist zu einem Gott
des gebrochenen Herzens geworden, wie Jesus in seinem berühmten Gleichnis
lehrte. Gott ist wie der Vater des verlorenen Sohnes. Gott sehnt sich danach, dass
Sein geliebtes Kind nach Hause zurückkommt. Tag für Tag wartet Er an der
Tür und sucht am fernen Horizont in der Hoffnung, Sein Kind zurückkommen zu
sehen. Nacht für Nacht, ein Jahrhundert nach dem anderen ist schmerzende
Einsamkeit und Leere im göttlichen Herzen, weil der verlorene Sohn in einem
fernen Land ist.
Die Vereinigungstheologie wagt es sogar, eine noch kühnere
Analogie vorzuschlagen. Gott ist der Liebende und wir sind geschaffen, seine
Geliebten zu sein. Die großen Schriftsteller und Dichter haben immer gesagt, dass
es nichts Tieferes und Befriedigenderes gibt als die vollkommene Einheit
eines Mannes und einer Frau, die Vertrautheit zweier Ehepartner.
Wiederherstellung, Neuschöpfung oder Erlösung bedeutet dann, dass Gott den
Menschen umarmt und sich in der heiligen Ehe mit dem Menschen vereinigt. Bevor
Gott und der Mensch nicht die höchste Freude von Braut und Bräutigam erfahren,
wird die letzte Erfüllung des ehelichen Glückes, wird das Ziel der Schöpfung nicht verwirklicht sein.
Jesus und Christologie
Nachdem wir das Wesen Gottes, die Sündigkeit des Menschen
und das Ziel der Schöpfung behandelt haben, müssen wir nun die Mission Jesu
und die Bedeutung der Christologie betrachten. Für eine große Anzahl
Bibelgelehrter und auch für die Vereinigungstheologen ist der Schlüssel zum
Neuen Testament in der Antwort Petri zu finden, die er auf die Frage Jesu gab:
"Wer, sagt ihr, dass ich bin? " Petrus spricht stellvertretend für
alle jünger und antwortet: "Du bist der Christus". Den
"Göttlichen Prinzipien" entsprechend war Jesus von Gott berufen, von
Ihm gesalbt und beauftragt, die messianische Mission durchzufahren. Aber was
heißt es denn eigentlich, der Christus zu sein? Dazu ein Zitat eines
jüdischen Gelehrten:
"Die jüdische geistige Wiederbelebung, die den Erfahrungen
der Nation mit Antiochus und seinen Nachfolgern folgte, brachte ein erneuertes Bewusstsein
für Israels Bestimmung und Mission hervor. Die prophetische Vision
der letztendlichen Brüderlichkeit des Menschen unter der Herrschaft des einen
Gottes und Vaters aller Menschen wurde verbunden mit einem göttlichen Plan zu
ihrer Verwirklichung gesehen .... Die Theokratie Israels würde die
überzeugende Illustration einer Welt-Theokratie sein." ( H. J. Schonfield,
"Those incredible Christians" S. 32 )
Da die Juden die messianische Hoffnung so lang bewahrt haben,
besitzen sie ein klares Verständnis davon, was sie bedeutet - was sie vor der
Geburt des Christentums bedeutete und was es für die bedeutete, die Jesus
hörten. Dem Evangelisten Markus zufolge predigten Jesus und Johannes der Täufer:
"Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen." Jüdische
Gelehrte sind ungewöhnlich einmütig in ihrer Forderung, dass die Herrschaft
Gotte eher diesseitig als jenseitig sein sollte. Jesus hätte dem zugestimmt. Er
lehrte seine jünger zu beten: "Dein Reich komme, Dein Wille geschehe auf
Erden......" Jesus hatte den Auftrag, die Herrschaft Gottes in dieser Welt zu
errichten. Sein Konzept vom Reich Gottes war nicht auf das Glück im Hirnmel
gerichtet.
Der historische jesus
Mehr als eineinhalb Jahrhunderte waren die neu testamentlichen
Gelehrten auf der Suche nach de historischen Jesus. In dieser Periode war es da
Hauptanliegen, das "Menschsein des Meisters" aufzudecken ( um den
Ausdruck von Dr. Harry Emerson Fosdick zu gebrauchen ). In unserer Zeit waren einige
der hilfreichsten Studien auf diesem die Bücher über die Beziehung Jesu zu dem
prophetischen Judaismus, über seine Beziehung zu den sektenähnlichen
jüdischen Bewegungen, wie sie von de Gemeinde am Toten Meer repräsentiert
werden, und über seine Beziehung zu den zelotischen Freiheitskämpfern. All
diese Gruppen entsprangen, wen auch in den verschiedensten Formen, dem apokalyptischen und eschatologischen Milieu im Palästina
des 1. Jahrhunderts. Man mag über die Details streiten, doch die Forschung nach dem historischen
Jesus bedeutet, dass er ein Mann war, dessen messianische Rolle die Errichtung des Reiches
Gottes auf Erden einschloss.
Auf was bezieht sich dann die Rolle des Messias? Sie bezieht
sich darauf, die Macht Satans auf Erden zu brechen. Sie bezieht sich darauf, den
Menschen von satanischer Kontrolle zu befreien. Sie bezieht sich darauf, das
Reich des Dunkels zu verbannen und unsere Welt mit göttlichem Licht zu
erhellen. Um einen traditionellen katholischen Ausdruck zu gebrauchen ( der auch
einmal im protestantischen Bereich üblich war ), Reich Gottes heißt:
"Christus Rex" ( Christus, der König ) und "Christus
Victor" ( Christus, der Sieger ) .
Wenn das die Rolle des Messias ist, für Juden, für die Jünger und für Jesus, dann ist offensichtlich,
dass Jesus starb, bevor diese
Mission erfüllt werden konnte. Für die Juden war Jesus nicht der Messias, weil
er nicht das messianische Zeitalter herbeibrachte. Auch für orthodoxe Christen
hat Jesus das Reich Gottes nicht zu Lebzeiten eingeleitet, sondern sein irdisches
Leben war nur ein Vorgeschmack des messianischen Zeitalters, das, wie sie
sagen, in der Zukunft kommen soll. Wir haben nicht die Zeit, zu zeigen, was aus
der Stimmung eschatologischer Erwartung, die die Christenheit des Neuen
Testamentes charakterisierte, geworden ist. Der Basler Martin Werner hat in
diesem Zusammenhang eine aufschlussreiche Studie verfasst, die zeigt, wie die
"Entstehung des christlichen Dogmas" eigentlich Geschichte einer
graduellen De-Eschatologisierung der ursprünglichen Botschaft Christi ist.
Apokalyptisches Denken
Nach dem Ersten und mehr noch nach dem Zweiten Weltkrieg
erfuhr die Christenheit eine Wiederbelebung des apokalyptischen Denkens und der
eschatologischen Hoffung. Die Vereinigungstheologie fordert die Christen
heraus, sich auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten. Wir wiederholen die
Botschaft Jesu: "Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! "
Man braucht nicht besonders hervorzuheben, dass es zahlreiche
Kritiken an der Ankündigung der "Göttlichen Prinzipien"
von der unmittelbar bevorstehenden Ankunft des Messias gegeben hat.
Diese Kritik kam von den Fundamentalisten, die sagen, wir leugneten
ab, dass Jesus schon das Werk der Erlösung vollbracht hat. Kritik kommt auch
von den Kirchenleuten, die glauben, dass das Reich schon verwirklicht sei in der
sakramentalen Gnade, die durch den Sühnetod Jesu Christi ermöglicht wurde. Und
schließlich kommt Kritik von denen, die ableugnen, dass wir Oberhaupt jemals
das Kommen des Reiches Gottes erwarten können.
Viele hingebungsvolle Christen scheinen sich jedoch zu
erregen, weil sie empfinden, dass wir, weil wir für den Messias, der kommen
soll, beten und arbeiten, das Werk von Jesus von Nazareth herabsetzen.
Dies bestreiten wir. Wie könnte man die zahlreichen Beiträge Jesu zur geistigen
Bereicherung der Menschheit übersehen?
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Satans vertritt. Wenn Sie in die Kirchengeschichte
zurückblicken, werden sie entdecken, dass nahezu jeder Gründer einer neuen
Bewegung im Christentum als Antichrist denunziert wurde. Untersuchen Sie jedoch
die Standard-Kommentare der Gelehrten zum Buch der Offenbarung, dann werden Sie
finden, dass jüdische und christliche apokalyptische Literatur den Antichrist
als unterdrückerische, politische Macht identifiziert, die versucht, den Thron
Gottes an sich zu reißen. Die jüdische Apokalyptik lehrt, dass "der
Greuel des Elends" ( "the abomination of desolation" ) jemand
sein wird wie der Eroberer Antiochus Epiphanes, der den Tempel entwürdigte und
ein Schwein auf dem Altar des Berges Zion opferte. Dagegen identifizieren die
christlichen Apokalypsen den Antichrist mit römischen Imperatoren wie Nero, Caligula oder Domitian, die die Heiligen verfolgten und beanspruchten, selbst ein
Gott zu sein.
Identifizierung des Antichrist
Der biblischen Gewohnheit folgend sieht die
Vereinigungstheologie den Antichrist im politischen Diktator, der sich zum
atheistischen Materialismus bekennt und die Menschen dem Terror des totalitären
Staates unterwirft. Wollen Sie die Fußspuren des Antichrist sehen? Wer baut
eine Mauer um seinen Herrschaftsbereich und erschießt die, die zu entkommen
versuchen? Wer schickt Wissenschaftler und Schriftsteller in die Arbeitslager?
Wer verurteilt Dissidenten und steckt sie in Nervenheilanstalten? Wer
tritt die Religionsfreiheit mit Füßen und verweigert Menschenrechte? Wer
beansprucht die absolute Autorität des Staates und massakriert Millionen, um an
der Macht zu bleiben? Wer ist der Nero, der Caligula, der Domitian in unserer
Zeit? So ist also der Antichrist nicht unter den zahlreichen kontroversen oder
vielgeschmähten religiösen Minderheiten unserer Tage zu finden, wie manche
Prediger Sie glauben machen wollen.
Der kommende Christus, So lehrt die Vereinigungstheologie,
wird als Mensch kommen, wie ein Mensch leben, als Mensch gegen Satan kämpfen
und ihn schließlich unterwerfen. Im ersten Jahrhundert erwarteten die Menschen
einen übernatürlichen Messias, eine übermenschliche Figur, als Führer einer
Armee von Engeln. Statt dessen sandte Gott Jesus, den Sohn eines Zimmermannes.
Auch in unserem Zeitalter erwarten fundamentalistische Prediger einen Besucher
von den Wolken. Aber der Herr der Wiederkunft wird kommen wie Jesus - mit der
Opferbereitschaft Jesu, als jemand, der sich so für die Errichtung des Reiches
Gottes hingeben wird, dass er Satan vollkommen unterwerfen, das ganze Universum
wiederherstellen und Gott die Freude des Sieges überbringen wird. Wir glauben, dass
in unserer Zeit alles für Gott bereit ist, einen anderen zu salben, damit
die unvollendete Arbeit Jesu abgeschlossen werden kann.
Woran erkennen wir, dass unser Zeitalter das der Verheiß
ist? Christen aller Richtungen haben Schritt für Schritt gelernt, wie sie als
eine Familie Gottes zusammen leben und arbeiten sollen.
Alle Weltreligionen wagen das Abenteuer, aufeinander
zuzugehen, sich gegenseitig zu verstehen und gemeinsam ihre Hilfe anzubieten.
Die jahrhundertealten Feindseligkeiten zwischen Wissenschaft
und Religion schwinden.
Die technologische Revolution hat sich über den Erdkreis
ausgebreitet und bietet zum ersten Mal allen Menschen die Gelegenheit, in
gewissem Wohlstand zu leben.
Befreiungsbewegungen verschiedenster Art gewinnen an Stärke,
so dass alle Männer und Frauen an der Freiheit der Kinder Gottes teilhaben
können.
Am bedeutendsten aber: der Geist Gottes wirkt in der Welt,
und inspiriert Leute, danach zu fragen, was Religion im tiefsten Sinne bedeutet. Eine geistige
Wiederbelebung innerhalb und außerhalb der Kirchen
breitet sich aus.
Lassen Sie mich mit einem Spruch von Jesus enden:
"An dem Feigenbaum lernet ein Gleichnis. Wenn
sein Zweig jetzt saftig wird und Blätter gewinnt, so wisst ihr, dass der Sommer
nahe ist. Also auch wenn ihr das alles sehet, so wisset, dass es nahe
vor der Tür ist. " (Matth. 24:32-33)