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Dr. Young Oon Kim
VEREINIGUNGSTHEOLOGIE
Eine Annäherung
III. DAS PRINZIP DER SCHÖPFUNG
REALITÄT UND NATUR GOTTES
Göttliche Polarität
Gott der Schöpfer ist unendlich, unkörperlicher Geist und in keiner
endlichen, sichtbaren Weise voll greifbar. Doch es gibt Schlüssel, mit deren
Hilfe die Menschen Gott erkennen können.
Das Universum existiert im Rahmen einer spezifischen Ursache und eines
bestimmten Zwecks, welcher gemäß den „Göttlichen Prinzipien“ Herz/Geist des
Universums ist. Dieses Herz/dieser Geist ist Gott. Er wird indirekt oder
symbolisch von der ganzen Schöpfung widergespiegelt. Sie ist Sein Körper oder
Seine äußere Form. Doch am genauesten wird Gott in Mann und Frau offenbar, die
das direkte Bild Gottes darstellen und sowohl geistige wie physische Fähigkeiten
besitzen.
Alles in der Schöpfung existiert in Paarbeziehungen von männlich und
weiblich, Innen und außen, Subjekt und Objekt, aktiv und rezeptiv. Einige
Beispiele solcher Beziehungen sind männliche und weibliche Tiere, Pollen- und
Stempel bei Pflanzenblüten, Protonen und Elektronen, die Sonne und die Planeten,
Hitze und Licht, Ost und West, Nord und Süd. Alles schließt ein subjektives und
ein objektives Element ein, die einander ergänzen. Da der Mensch dem Universum
in bezug auf Polarität, Elemente, Strukturen und Funktionen ähnelt, stellt der
Mensch einen Mikrokosmos dar.
Um einen Menschen nach seinem Ebenbild zu schaffen, erschuf Gott Mann und
Frau (Gen 1,27). Somit existiert der Mensch als Bild Gottes in diesen beiden
unterschiedlichen Ausformungen, die zusammen ein Paar ausmachen. Das zeigt, daß
Gott in Polarität existieren muß. Er muß in Sich selbst die duale Charakteristik
von Männlichkeit und Weiblichkeit enthalten, die in Seiner Natur in vollkommener
Harmonie bestehen. Indem er Eva als Adams Gefährtin erschuf, vervollständigte
Gott die Erschaffung des Menschen nach Seinem vollen Ebenbild. Adam und Eva
waren dazu bestimmt, sich aufeinander zu beziehen und einander als Subjekt und
Objekt, Inneres und Äußeres oder Aktives und Rezeptives (Gen 2, 18) zu ergänzen.
Mann als Subjekt sollte Liebe (aktive, kreative Energie) und Eva als Objekt
sollte Schönheit (antwortende, anregende Energie) verkörpern. Die Erschaffung
des Menschen als Paar war die äußere und objektive Manifestation der Polarität
Gottes selbst. Desgleichen hat jedes Individuum Geist und Körper Sowie Herz und
Verstand.
In der Weit der Natur gibt es eine große Vielfalt bipolarer Aspekte und
Kräfte, wie inneres/äußeres, unkörperlich/körperlich, vertikal/horizontal.
Subjekt/Objekt, Ursache/Wirkung, Positivität/ Negativität, männlich/weiblich,
Herz/Verstand. Güte/ Wahrheit. Liebe/Weisheit und andere. In all diesen Facetten
der Schöpfung offenbaren sich Wirklichkeit und Eigenschaften Gottes als
Polarität (Sung-Sang/Hyung-Sang). Gestützt auf diese universale Tatsache der
Polarität und auf den biblischen Bericht (Gen 1,27) lehrt die
Vereinigungstheologie. daß Gott als unendlicher Geist in ewiger, harmonischer
Polarität existiert.(1)
Primärenergie
Laut den ,,Göttlichen Prinzipien“ ist Gott ewige, selbsterzeugende Energie.
Er ist Erste Ursache und Quelle aller Energie. Diese Primärenergie Gottes
interagiert in den Polaritäten von Männlich und Weiblich sowie Sung-Sang und
Hyung-Sang. Das Geben und Nehmen zwischen ihnen bildet die Basis Seiner ewigen
Existenz. Die Primärenergie entfaltet ihre Wirkung in der gesamten Schöpfung und
bildet den Grund ihrer Existenz und ihres Fortbestehens. Gottes Energie zeigt
sich im Prozeß von Geben und Nehmen, der bewirkt. daß alle Dinge in Beziehungen
des Gebens und Nehmens existieren.
Geben und Nehmen
Alle Dinge bestehen in Paarbeziehungen von Subjekt und Objekt. Es gibt eine
Grundstruktur des Aussendens und Empfangens zwischen Subjekt und Objekt, wo
immer sie durch das Wirken der universalen Primärenergie in Beziehung treten.
Dieses Grundmuster wird der Vorgang des Gebens und Nehmens (Wechselbeziehung)
genannt. Geben und Nehmen bringt Energie hervor; die Energie für Existenz,
Bewegung und Vermehrung. Wenn Geben und Nehmen erfolgt, werden Subjekt und
Objekt eins. Dieser Zustand der Einheit fungiert als Grundlage der
Wechselbeziehung, d.h. als Voraussetzung, damit Gottes Geist empfangen werden
kann. Gott wirkt, wo immer Er Sein Spiegelbild oder diesen Grundlage der
Wechselbeziehung vorfindet. Wenn Gott wirkt, wird Energie vermehrt. Die von Gott
ausgehende Primärenergie ist vertikal, während die durch Geben und Nehmen von
Subjekt und Objekt produzierte Energie horizontal ist. Somit manifestiert sich
die Primärenergie im ganzen Universum in Form von Geben und Nehmen. Indem durch
Abläufe des Gebens und Nehmens ständig Grundlagen der Wechselbeziehung gebildet
werden, existiert die gesamte Schöpfung auf Dauer und hält ihre Bewegung
aufrecht. Demzufolge bildet eine Grundlage der Wechselbeziehung die Basis jeder
Existenz.
Es gibt keine Geschöpfe, die nicht die Polarität Gottes widerspiegelten. Es
gibt keine Schöpfung, in der Gottes Geist nicht wirkte. Auf diese Art ist Gott
allgegenwärtig. Wenn die Energie Gottes in einer einzigen Linie fortströmt und
nicht zurückkommt, ist keine Schöpfung möglich; die Energie wird verschwendet.
Doch wenn Seine Energie in einem Kreislauf vom Objekt her zurückkehrt, bringt
sie die Schöpfung weiter. Die Erschaffung des Alls, die verschiedenen
Naturphänomene, Bewegung und Veränderung ereignen sich durch Wechselbeziehungen
zwischen zahllosen Subjekt-Objekt-Paaren.
So werden zum Beispiel Atome durch das Geben und Nehmen zwischen Protonen und
Neutronen gebildet. Geben und Nehmen zwischen positiven und negativen Ladungen
bringt den Fluß der Elektrizität hervor. Im Pflanzenreich produziert das Geben
und Nehmen von Stempel und Pollen den Samen. Pflanzen brauchen den Kohlenstoff,
der von den Mitgliedern des Tierreiches ausgeatmet wird, und geben ihrerseits
Sauerstoff ab, den Tiere und Menschen zum Leben brauchen So geschieht Geben und
Nehmen zwischen dem Pflanzen- und Tierreich ähnlich wie zwischen männlichen und
weiblichen Tieren. Einatmung und Ausatmung, das Wirken der Venen und der
Arterien, das Funktionieren des sympathischen und des parasympathischen
Nervensystems sind Beispiele der Wechselbeziehung von Geben und Nehmen im
menschlichen Körper. Im weiteren Umfang manifestiert sich Geben und Nehmen in
Rotation und Umdrehung der Himmelskörper im Universum. Ebenso bildet dieser
Vorgang das Fundament für alle Einheiten der Gesellschaft. Familien haben ein
Geben und Nehmen zwischen allen Mitgliedern, Nationen zwischen Regierung und
Volk, die ganze Welt zwischen den Nationen.
Ehemann und Ehefrau als unmittelbares Abbild der Polarität Gottes haben die
Fähigkeit, eine vollkommen gegenseitige Beziehung zu bilden und untereinander
das Geben und Nehmen der Liebe zu aktivieren. Der Zweck der Heirat ist es. einen
Mann und eine Frau zu vereinigen, so daß sie Gott als eine Einheit widerspiegeln
und für immer in einem vollkommenen Austausch mit Ihm stehen. In dieser
Beziehungswirklichkeit bilden sie eine Dreieinigkeit mit Gott. In solch einer
Ehe können Mann und Frau miteinander die Energie des Lebens erfahren, einander
stimulierende Freude und Glück schenken. In der Vereinigungslehre wird solch ein
Paar mit seinen Kindern das Vier-Positionen -Fundament genannt. Solche auf Gott
ausgerichtete Familien werden zur Matrix, zur Urzelle des Reiches Gottes.
In anderen Glaubenswelten finden wir Konzepte, die dem der Polarität partiell
ähnlich. In der griechischen Mythologie wurde Zeus als Himmelsvater verehrt, der
in wesentlicher Beziehung zur Erdmutter Demeter stand; die beiden standen sich
in Ergänzung gegenüber. Die Kanaanäer verehrten Baal, den Sturmgott, und
Ashera,
die Fruchtbarkeitsgöttin. Später verehrten viele Hebräer Ashera als Königin des
Himmels und Erdmutter in Verbindung mit Jahwe.(2)
Im Hinduismus ist Brahman das schöpferische Prinzip und die Ursache alles
Existierenden. Das höchste Brahman wirkt durch Ischwara, den personalen
Schöpfergott, in der Gestalt des Brahma, Wischnu oder Schiwa. Es besteht eine
Polarität zwischen dem höchsten Brahman, der Ursache, und Seinen
Manifestationen. Es besteht auch eine Polarität zwischen Seinen Manifestionen
und deren weiblichen Gegenstücken. Das alte China glaubte stets, Tien (der
Himmel) sei der Vater und Kun (die Erde) die Mutter aller Dinge. In Lao-tses Tao
Te King steht Tao (wörtlich Weg) für den absoluten, göttlichen Grund, und Te
steht für die Kraft der Tugend zur Entfaltung der göttlichen Möglichkeiten. Im 1
Ging wurde die Welt als Ausdruck des Großen Letzten (Tai-chi) gedeutet,
manifestiert in der Dualität von Yin und Yang. Die Yin-Yang-Philosophie ist
nicht dualistisch-antithetisch. Männlichkeit und Weiblichkeit kommen aus einer
gemeinsamen Quelle und sind dazu bestimmt, sich gegenseitig zu
ergänzen.(3)
In der Russischen Orthodoxie stellt Sophia (Heilige Weisheit) den weiblichen
Aspekt der Gottheit dar. Als der Heilige Geist, der alle Menschheit und Natur
durchdringt, ist sie die göttliche Immanenz parallel zum transzendenten
Vatergott. Dieser weiblich göttliche Geist dient als Brücke zur Vereinigung von
Gott und Welt.(4)
Für Swedenborg besteht Gott aus göttlicher Weisheit und Liebe, worin sich
männlicher und weiblicher Aspekt Seines Wesens spiegeln. Swedenborg sah auch die
Übereinstimmung zwischen der geistigen und der natürlichen Welt. Die
fundamentale Polarität zwischen Mann und Frau in der Ehe offenbart für ihn den
höchsten Ausdruck von Gottes Gesamtnatur.(5)
C.G. Jung enthüllte mehrere fundamentale Polaritäten in der menschlichen
Seele: Vernunft und Instinkt, Bewußtsein und Unterwußtsein, vor allem aber die
Polarität von männlich und weiblich, zwischen den Geschlechtern und innerhalb
jeder Person. Jeder Mann hat ein wenig vom Weiblichen in seiner Seele (die
Anima), und jede Frau hat ein männliches Element in sich (den Animus). Jung
besteht darauf: Zur Ganzheit zu wachsen erfordert volle Akzeptanz dieser
seelischen Polaritäten. (6)
Viele Religionen erkennen die Wechselwirkung von Sung-Sang und Hyung-Sang
oder männlichen und weiblichen Elementen innerhalb der Gottheit an. ,,Die
Göttlichen Prinzipien“ beschreiben allerdings in ganz eigener und dynamischer
Art das Geben und Nehmen als Grundbeziehung, wie es sich in Gottes Schöpfung
spiegelt. Durch die Wechselbeziehung dieser bipolaren Qualitäten werden Gottes
kosmische Energie erzeugt, höchste Freude fühlbar und kraftvolle Kreativität
sichtbar. Alles dies sind Widerspiegelungen der vollkommenen Harmonie von Gottes
Weisheit und Liebe, des göttlichen Herzens und der göttlichen Intelligenz in
ihrem Wirken.
DAS ZIEL DER SCHÖPFUNG
Die Vereinigungsprinzipien erklären das Ziel der Schöpfung in den Begriffen
von Gottes innerstem Bedürfnis zu lieben und geliebt zu werden. Mit der
Erschaffung von Adam und Eva nach seinem Ebenbild verband Gott die Absicht, dass
sie zu vollkommenen Einzelpersonen reifen würden, die auf Gott ausgerichtet
sind. Dann würde Er sie in der Ehe segnen. Gott fände dann in ihnen ein
vollkommenes Objekt und einen Partner Seiner tiefen Liebe und Freude. Ohne diese
Erfahrung ist Gottes Liebe unvollständig. Obwohl Er absolut vollkommen in sich
selbst ist, kann Gottes Vollkommenheit nicht voll erfüllt werden, wenn Seine
Liebe unvollständig bleibt. Das primäre Ziel der Schöpfung Gottes bestand darin,
ein vollkommenes Gegenüber und einen Partner Seiner Liebe zum Leben zu
bringen.
Ein anderes wichtiges Ziel der Schöpfung lag für Gott in der Möglichkeit,
Sich selbst In physischer Weise zu verkörpern. Die ,,Göttlichen Prinzipien“
entfalten eine sakramentale Theologie: der Mensch war erwählt, Gott als Gefäß
Seiner Liebe und Tempel Seiner Gegenwart zu dienen, wie das Neue Testament
bezeugt.(7) Mit anderen Worten, Gott, der unendliche Geist, erschuf
endliche, menschliche Wesen nach seinem Bild, die Möglichkeit für Ihn, sich zu
inkarnieren. Der Prolog des vierten Evangeliums besagt. daß das Wort Gottes von
Anfang an dazu bestimmt war, Fleisch zu werden. Warum strebte Gott danach,
inkarniert zu sein? Er wollte in der physischen Dimension der Existenz wohnen,
um die volle Breite der menschlichen Erfahrung zu fühlen. Gott verlangte danach,
in Körper und Seele des Menschen, auf physischer Ebene zu wohnen. Daher könnten
wir sagen, daß Gott den Menschen als Seinen Leib erschuf.
Solch eine Sicht ist der etablierten christlichen Theologie nicht völlig
fremd. Die griechischen Väter haben eine tiefe Inkarnationstheologie erarbeitet.
Sie lehrten, daß das Ziel des Menschen in der Vergöttlichung (theosis)
bestehe.(8) Gott wünsche, daß wir wie Er selbst seien. Christus sei
gekommen, um uns zu befähigen, die Inkarnation Gottes zu sein. Somit hat die
östliche Theologie als Gottes primäres Schöpfungsziel für den Menschen erkannt,
daß er eine sichtbare, greifbare Manifestation der göttlichen Natur sei.
Nach den Vereinigungsprinzipien sollten Adam und Eva die ersten
Verkörperungen des göttlichen Geistes werden. Als vollendete und wahre Eltern
der Menschheit sollten sie als Prophet, Hoherpriester und König der menschlichen
Familie dienen: Prophet, indem sie die Menschen über Gott unterrichten,
Hoherpriester, weil sie als Vermittler Gottes dienen, und Herrscher, weil sie
die Vertreter der göttlichen Autorität sein sollten. Auf diese Weise hätten sie
das dreifache Amt Christi erfüllt, wie Calvin und Brunner es interpretieren.
Wenn Gottes Plan mit dem ersten Paar voll erfüllt worden wäre, hätten alle
nachfolgenden Menschen als Instrumente der fortgesetzten Menschwerdung Gottes
gedient. Darin liegt das Ziel der Menschheit: eine sichtbare Manifestation
Gottes und wahre Herrscher der ganzen Schöpfung zu werden.
Manche mögen hier die Frage aufwerfen, ob solch eine Inkarnationstheologie
Gott Seiner Würde beraubt. Christen erkennen stets die radikale Transzendenz und
Einzigkeit Gottes an. Doch die Theosis (Vergöttlichung) als das letzte Ziel des
Menschen zu sehen, beraubt weder Gott seiner Autorität und Macht, noch beseitigt
es die Unterscheidung zwischen Kreatur und Schöpfer. Gott wird durch die
Inkarnation im Menschen in keiner Weise herabgesetzt. Vielmehr wird die
Spannweite göttlicher Aktivität ausgedehnt, indem Gottes Gegenwart expandiert.
Indem er einzigartig als Schöpfer bleibt, teilt Gott doch auf jede Weise das
leben Seiner Söhne und Töchter, so daß Er in ihnen lebt und sich bewegt und
Seinen Ort hat. Das Buch der Geheimen Offenbarung berichtet über das Kommen des
Gottesreiches: ,,Siehe da, das Zelt Gottes bei den Menschen, und Er wird bei
ihnen wohnen, und sie werden Sein Volk sein, und Gott Selbst wird bei ihnen sein
und ihr Gott sein« (Offb 21, 3).
Wie kann sich diese ideale Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch
verwirklichen? Gott setzte Adam und Eva mit dem Wunsch in den Garten Eden, sie
mögen zur vollen Bewußtheit Seiner Liebe gelangen. Hätten sie das Ziel der
Schöpfung verwirklicht, wären sie die wahren Eltern einer glücklichen.
harmonischen Menschenfamilie geworden. Mit ihren Nachkommen wären Adam und Eva
Gottes Repräsentanten auf der Erde geworden (die Vier-Positionen-Grundlage),
wodurch er Seine volle Souveränität über die Welt hätte ausüben können. In einem
Wort sollten Adam und Eva als Wurzel einer Gott-zentrierten Familie dienen, die
sich zu Sippe, Stamm, Nation und globaler Gemeinschaft ausgedehnt hätte. Ohne
den Sündenfall wäre die ganze Erde ein Himmelreich geworden, ein Reich der
Freude, Harmonie und Rechtschaffenheit. Es war diese Welt, die Jesus das
Königreich Gottes nannte. (9)
DAS HERZ GOTTES
Auch wenn Gott stets unser universeller Vater ist, so kann man doch ehe
persönliche Beziehung zu Ihm haben. Eine Theologie der Polarität stellt die
Liebe in den Mittelpunkt. Reinhold Niebuhr beharrte darauf, daß Liebe im
direkten Kontakt von Person zu Person bestehe und darauf beschränkt werden
müsse.(10) Unsere Kommunikation mit Gott kann und sollte in solchem
Kontakt von Herz zu Herz gründen. Darum wurde die höchste Gemeinschaft mit Gott
mit der Einheit von Ehemann und Ehefrau verglichen.
In der Bibel heißt Herz die innerste Quelle der menschlichen Persönlichkeit,
offen für Gott, inspiriert von Seinem Einfluß. Das Herz sucht Gott und vertraut
Ihm. Das Wort Gottes wohnt im Herzen, und dort entfaltet sich der Glaube an
Gott. Gott will dem Menschen ein neues Herz erschaffen und Sein Gesetz ins Herz
schreiben.
Die Vereinigungstheologie legt grössten Wert darauf die zutiefst persönliche
Eigenart Gottes zu betonen, den Gott des Herzens. Gott ist nicht einfach eine
Kraft, die Gerechtigkeit schafft. Nicht nur der unbewegte Beweger. Nicht
allmächtiger Wille. Nicht kosmische Ordnung und Naturgesetz. All diese Aspekte
mögen etwas über Gott aussagen, doch offenbaren sie nichts von Seinem stärksten
Charakteristikum: dem göttlichen Herzen.
In unserer Zeit finden es viele religiöse Menschen schwierig, an einen
personalen Gott zu glauben. ,,Ist das nicht zu anthropomorph gedacht?“
fragen sie. Weil wir Personen sind, versuchen wir das ganz weite Universum in
menschliche Begrifft zu fassen. Sicher übersteigt Gottes Natur bei weitem die
unsere. Dennoch müssen wir Ihn mit dem höchsten gleichsetzen, das uns zugänglich
ist. Wenn wir Gott als eine Person beschreiben, gestehen wir, daß Er das beste
ist, das wir uns vorstellen können. (11) Hingegen tendieren die, die
Gottes Personalität leugnen, oft dazu, Seine Natur in geringeren als
menschlichen Maßstäben zu erklären: als unpersönliche kosmische Kraft zum
Beispiel.
Wenn wir uns einmal dazu entschließen, Gott Eigenschaften wie die unseren
zuzuschreiben, stoßen wir auf ein anderes Problem. Welche menschlichen
Charakteristika sind die besten? Seit die alten griechischen Philosophen wurde
die Vernunft als das Maß menschlicher Größe gewertet. Die Vernunft macht uns den
Göttern verwandt, hieß es. Dies jedoch präsentiert sich als eine überaus
intellektualisierte Definition des Selbst. Gibt es nicht etwa Größeres im
Menschen als seine Denkfähigkeit?
Die „Göttlichen Prinzipien" verkünden, grundlegender als der Verstand sei das
Herz. Nicht so sehr wie ein Mensch denkt, als wie er fühlt, macht einen Menschen
wirklich menschlich. Wir werden mehr nach der Tiefe und Weite unserer Gefühle
gelobt und beurteilt als nach dem Umfang unseres Wissens. Aus diesem Grund
stellt das Neue Testament die Liebe an die Spitze der Tugenden, höher als sogar
als den Glauben.
Von den großen modernen protestantischen Theologen war es Schleiermacher, der
die Religion des Herzens und die Wichtigkeit der persönlichen Gottesbegegnung
betonte. Er beschrieb Religion als etwas viel Lebendigeres denn Lehren und etwas
viel Intimere denn ethische Grundsätze. Religion ist ,,eine Intuition und ein
Gefühl für das All". Glauben bedeutet, eine lebendige Beziehung zu Gott zu
haben. Der echte Gläubige wird „eins mit dem Unendlichen in der Mitte der
Endlichkeit. Wir fühlen uns Gott so nahe, daß wir uns zur Gänze von Ihm abhängig
fühlen, sagt Schleiermacher. (12)
Wenn das Herz den inneren Kern der menschlichen Persönlichkeit symbolisiert,
dann sollte von Gott ähnlich gesprochen werden. Vor allem anderen ist Er ein
Gott des Herzens. Unser Gottes Verständnis muß von einer Würdigung des
menschlichen Fühlens ausgehen. Gott fühlt zumindest so intensiv, wie wir fühlen.
Er ist zumindest so sensibel für das, was in der Welt vorgeht, wie wir es sind.
Wenn er ein Gott des Herzens ist, dann erfährt Er die ganz Bandbreite der
Emotionen von Einsamkeit und intensivem Kummer bis hin zu wundervoller Freude.
Wenn Er ein vergebende Gott ist, dann wird auch Er durch Leid verwundet, Gott
kann lieben und ebenso berechtigte Empörung ausdrücken. Weil Gott also ein Gott
des Herzens ist, kann er von den Geschehnissen betroffen werden, die in Seiner
Schöpfung vor sich gehen.
Die meisten Religionen der Welt haben dem Herzen Gottes ein gewisses Maß an
Anerkennung gezollt: In ihrer alttestamentlichen Geschichte berichteten die
Schreiber der Bibel nach dem Babylonischen Exil ausdrücklich, wie Gott die
Menschen als Seine Kinder behandelt; Er sorgt sich um sie, Er versogt, nährt und
führt sie. Doch oft antworteten sie nicht auf Gottes Anruf und lehnten sich
gegen ihn auf. Dann wurde Gott enttäuscht und traurig in Seinem Herzen (Jes 2-3;
Hos 2-4). Es reute Gott, die Menschheit erschaffen zu haben. Gottes Natur steht
weit höher als die unsere. Nichtsdestoweniger müssen wir Ihn am Höchsten messen,
das wir kennen. Wenn wir Gott als eine Person beschreiben, dann gestehen wir zu,
daß Er Grund hatte, Bedauern zu fühlen, den Menschen erschaffen zu haben, als Er
die Bosheit und Verdorbenheit des Zeit Noahs sah (gen 6,5f). Gott grämte sich
auch darüber, den König Saul geschaffen zu haben, als er Gottes Geboten
nicht gehorchte (1 Sam 15,11).
Der Gott des Herzens läßt sich vom Flehen Seiner Gläubigen bewegen, mindert
Seinen Ärger und ändert Seine Pläne (Gen 18,22-33; Ex 32,7-14). Er wird auch
durch die Gewissensbisse und Reue von Menschen, wie etwa dem Volk von Ninive
(Jon 3,3-10), bewegt und zieht seine Gerichtsdrohung zurück.
Das Herz Gottes, seine elterliche Angst und Freude sind höchst dramatisch und
rührend ausgedrückt in Jesu Gleichnissen vom verlorenen Sohn, vom guten
Samariter, vom verlorenen Schaf, von der verlorenen Münze, vom Richter und der
hartnäckigen Witwe (Lk 15,18; Mt 18). So reflektiert die tiefste Ebene der
jüdisch-christlichen Religion den Gott des Herzens.
In der modernen Theologie war es nicht allein Schleiermacher, der eine
Religion des Herzens betonte, sondern auch Alfred North Whitehead. Seine
Prozeß-Theologie betrachtet Gott von zwei Perspektiven: einer grundlegenden
sowie einer folgernden. Gottes grundlegende Natur ist die Einheit aller
möglichen Begriffe, die Summe aller ewigen Objekte. In seiner folgernden Natur
ist Gott das Bewußtsein um das Verstehen und die Wertschätzung all der
Aktualitäten der sich entwickelnden Menschheit.
Whiteheads bedeutendster Schüler, Charles Hartshorne, schrieb eine Arbeit
über Gott als den liebenden Vater, der von den Aktivitäten seiner Kinder
beeinflußt sein muß. Er ist angetan von Ihren Freuden und verletzt von ihrem
Versagen. Wenn Gott personal ist, muß Er die ganze Sensibilität menschlicher
Wesen aufweisen, ja sogar weit über dieses Maß hinaus sensibel sein. Da Gott die
Realität des Fühlens ist, definieren Prozeß-Theologen den Menschen als ein
Geschöpf des Fühlens. Somit wertet ein Trend in der modernen Theologie das Herz,
die Liebe, die Sensibilität eines elterlichen Gottes höher als den
transzendenten Gott der Allmacht und der absoluten Vernunft. Wir wollen nun
betrachten, wie Vertreter verschiedener geistiger Traditionen den Gottes des
Herzens priesen.
Von Zeit zu Zeit trifft ein Strahl göttlichen Lichtes die Erde. Solch ein
Strahl ist sicherlich im 18. Jahrhundert in Podolien, einer Provinz Polens
(jetzt Teil der Ukraine) angekommen - in der Person des Israel ben Eliezer, dem
der Titel Baal Schem Tow (Meister des Guten Namens) verliehen wurde und der den
Chassidismus, die mystische Bewegung des Judentums, ins Leben rief. Seit
frühester Jugend fühlte sich Baal Schem Tow zu einsamer Kontemplation
hingezogen. Als junger Mann in seinen Zwanzigern ging er ins Gebirge, um über
die Wege Gottes und des Menschen zu meditieren. Bereits mit 36 Jahren war er ein
anerkannter geistiger Lehrer und Heiler. Seine Persönlichkeit und sein
Lebenszeugnis müssen höchst lebendig gewesen sein, denn sein reiner, gottinniger
Geist lebt ungeschwächt im Chassidismus unserer eigenen Zeit weiter; tanzend und
singend mit Gottes eigener Freude. Anders als die Rabbiner seiner Tage glaubte
er, dass jeder Mensch - wie einfach und ungebildet auch immer - Gott direkt
durch Gebet und Gottesdienst erreichen könne. Baal Schem Tow wandte sich nicht
durch theologisches Debattieren oder Studium oder Riten an Gott. Vielmehr lehrte
und lebte er ein totales Sicheinlassen auf Gott -eine freudige, ekstatische
Erfahrung. In seinem ungehinderten Bewußtwerden des Göttlichen fand und verehrte
Baal Schem Tow Gott überall. Im richtigen Geiste, so glaubte er, könne man Gott
beim Schnüren der Schuhe ebenso nahe sein wie beim formellen Gottesdienst. Die
Strahlkraft von Baal Schem Tows persönlicher Erleuchtung reicht bis in unsere
Tage, und die erdnahe Intensität seines Lebens mit Gott überbrächt für die
Chassidim weiterhin den Graben zwischen den Höhen religiöser Ekstase und der
Realität des weltlichen Lebens. (13)
Im Hinduismus trat eine herzzentrierte Spiritualität besonders bei Sri
Ramakrishna (1836-86) in Erscheinung. Als Jugendlicher sehnte er sich nach einer
Vision der Göttin Kali und litt unerträgliche Qual. Aus Verzweiflung riß er ein
Schwert vom Altar, um sein Leben zu beenden. In diesem Moment offenbarte sich
Mutter Kali plötzlich. Während er in Bewußtlosigkeit fiel, erfuhr Ramakrishna
eine Woge dichter Seligkeit. Mit ca. dreißig Jahren zog Rama-krishna seinen
Geist vollständig von allen Gegenständen der Sinne und allen Gestalten ab und
überstieg selbst die Welt der Götter und Göttinnen, um die Einheit mit Brahman
zu erfahren. Drei Tage lang verweilte er in ekstatischer Trance. während er
Samadi (Überberwusstheit)erführ. Darin verblieb nur noch die reine Existenz;
alle Ideen von Subjekt und Objekt schwanden dahin.
Mit Hilfe eines Sufis wurde Rarnakrishna in die islamische Tradition
eingeführt. Er betete fünfmal am Tag zu Allah, trug Muslimkleider und erlebte
das Paradies des islamischen Glaubens. Nach Ablauf dreier Tage kam Allah in der
Gestalt eines strahlenden alten Mannes zu Ramakrishna. Darin tauchte Allah ins
Brahmam ein und war kein getrenntes Wesen mehr.
Als er ein Gemälde mit der Madonna mit dem Kind bewunderte, nahm Ramkrishna
die plötzliche Belebung des Bildes wahr, Lichtstrahlen von Jesus und Maria
traten in ihn ein und versetzten ihn in eine Trance. Vier Tage später, als
Ramkrishna herumschlenderte, sah er Jesus sich ihm nähern. Jesus umarmte ihn und
tauchte dann in ihn ein. Sofort fiel Ramakrishna bewußtlos in Trance, geeint mit
Brahman.(14)
Die letzten Worte Sri Ramakrishnas waren: Wenn du dich unter andere Leute
begibst, solltest du alle lieben. Frage nicht, wer an einen persönlichen Gott
glaubt, wer an einen unpersönlichen Gott glaubt, wer ein Hindu, ein Christ oder
ein Moslem ist. Solche Unterscheidungen bestehen, weil Gott verschiedene
Menschen erschaffen hat, die ihn auf verschiedene Weise verstehen.. Wenn wir das
wissen, sollten wir mit allen eng und in Liebe verbunden sein.(15)
Der wesentlichste Charakterzug des Buddhismus ist die Tugend des Mitleids.
Diese Tugend wird am besten vom Bodhisattva (Erkenntnis-Sein) verkörpert. dessen
Wesen Bodhicitta (Erkenntnis-Herz) ist. Dieses Bodhicitta ist in den Herzen
aller empfindenden Wesen gegenwärtig, doch nur in Buddhas voll erwacht und
aktiv. Das Bodhicitta ist wie das Mondlicht. Wenn der Mond mit seinem silbrigen
Licht am klaren, wolkenlosen Himmel scheint, wird er von jedem Tropfen und jeder
Wasserfläche auf der Erde reflektiert. Vielleicht sind manche Teiche schlammig,
doch der Mond weigert sich nicht, sein makelloses Bild in ihnen zu spiegeln. So
ist es mit dem Bodhicitta: wo immer etwas Herzenswärme existiert, da kann es
sich ohne Fehl in seiner Herrlichkeit spiegeln.
Da die wesentliche Natur der Bodhisattvas Bodhicitta ist, sind sie große
liebende Herzen voll Mitleid, Liebe und Bereitschaft, sich zu opfern, um
empfindende Wesen aus ihrem Elend zu erheben.(16)
Mystiker der Muslime und Sufi-Heilige haben stets die Religion des Herzens
betont. Mohammed soll die Offenbarung empfangen haben; ,,Meine Erde und Mein
Himmel umfassen Mich nicht, aber das Herz Meines gläubigen Dieners umfaßt Mich.
- Wenn du nach Mir suchst1 so suche in solchen Herzen. - Das Herz, in welchem
die Strahlen des Mondes aufgehen, ist für den Mystiker das Öffnen der Tore der
Offenbarung. - Der Glanz der ewigen Schönheit ist nicht außen, sondern innen.
Das Herz ist der Thron Gottes und das Zentrum der göttlichen Offenbarung."
(17)
Al-Ghazali teilte das spirituelle Leben ein in praktische Erfahrung
(hingegebenes Handeln) und die direkte komtemplative, intuitive Erfahrung mit
Gott. (18) Ubaydullah Ahrar (13. Jahrhundert) betont: ,,Die
Vollkommenheit eines Sufi liegt in den guten Werken. Ekstase allein ist nicht
genug, um vollkommen zu sein." (19)
Nach den Sufis war Mohammed vom Schöpfer bei seiner Auffahrt in den Himmel
eingeladen worden, doch er wollte dort nicht bleiben und kam auf unsere Welt
zurück, um der Menschheit zu dienen. Er sagt: ,,Menschen sind die Familien
Gottes, und diejenigen, die von Gott am meisten geliebt werden, sind solche, die
Seinen Familien am nützlichsten und hilfreichsten sind." Der Koran sagt:
,,Handle! Allah wird deine Handlungen sehen und so auch Sein Botschafter und die
Gläubigen, und du wirst zurückgebracht werden zu Dem, der das Unsichtbare und
Sichtbare kennt, und Er wird dir sagen, was du früher getan hast" (9,105).
Alt al-Hawas sagt: ,,Der vollendetste Heilige ist der, der in die Welt kommt,
gute Werke tut und die Welt wieder verlässt, ohne unter den Menschen sehr
bekannt gewesen zu sein."
Seraphim, der bekannteste Heilige Rußlands im 19, Jahrhundert, wurde mit
achtzehn Mönch und lebte fünfzehn Jahre lang im Sarov-Kloster. Dann verbrachte
er einunddreißig Jahre in völliger Abgeschiedenheit mit Gebet und Kontemplation
im Wald und später im Kloster.
Wenn er krank war, wurde Seraphim von der Mutter Maria Sowie vom heiligen
Petrus und Johannes besucht. Maria wandte sich zu den Aposteln und sagte über
Seraphim: ,,Er ist einer von unserer Familie." Dann berührte sie den Kopf und
die Seite des kranken Mannes mit ihrem Stab und heilte Seraphim auf der Stelle,
wobei sie ihm eigene Heilkraft mitteilte.
Im Alter von sechsundsechzig Jahren gab er seine Abgeschiedenheit auf und
kehrte als ein Seher, ein großer Heiler und geistiger Führer in die Welt zurück.
Vier- bis fünftausend Menschen am Tag suchten ihn wegen geistlicher und
physischer Hilfe auf. Er drängte seine Besucher, im beständigen Geist des
Gebetes zu leben: ,,Ob ihr arbeitet oder in der Kirche steht, laßt
immerwährendes Gebet auf euren Lippen und in euren Herzen sein. Solches Gebet
wird euch Frieden, geistliche und körperliche Reinheit geben und euch helfen, im
Heiligen Geist zu verweilen, der Quelle aller guten Dinge.“
Seraphim lehrte: ,,Wahre Hoffnung sucht nur das Reich Gottes... Das Herz kann
keinen Frieden haben, bis es sich diese Hoffnung erworben hat. - Langeweile wird
durch Gebet geheilt, durch Enthaltung von leerem Reden, durch Arbeit mit der
Hand, gemäß unseren Kräften, durch Leben des Wortes Gottes und durch Geduld und
nicht durch Kränkungen der anderen verwirrt zu werden. Ebenso vermeidet, über
andere zu urteilen. Durch Nicht-Urteilen und Schweigen wird der Frieden der
Seele bewahrt. Wenn ein Mensch in solch einer Geistesverfassung lebt, dann
empfängt er göttliche Offenbarungen."21
Für Konfuzius sind die beiden höchsten Ideale: 1. Menschenfreundlichkeit
(jen) zu praktizieren und 2. das Prinzip der kindlichen Treue zu verwirklichen,
nicht allein den eigenen Eltern gegenüber, sondern auf jeder Ebene der sozialen
Ordnung. Diese beiden Ideale sind im menschlichen Herzen verwurzelt. Für
Mendicus, den späteren wichtigsten Schüler des Konfuzius, lauten die vier
wesentlichen Tugenden der menschlichen Natur Menschlichkeit oder Mitleid (ren),
Gerechtigkeit, Anstand und Weisheit. Sie alle sind im menschlichen Herzen
verwurzelt. Für Konfuzius und Mendicus waren diese Gebote die Aufträge des
Himmels. Mendicus lehrte, daß wir unsere menschliche Natur in Besitz nehmen,
wenn wir unser Herz voll ausleben, daß wir dann um die (menschliche) Natur und
den Himmel (Tien) wissen. Die Konfuzianer glaubten, dass das menschliche Herz
natürlicherweise bereit ist, auf den Weg des Himmels zu antworten.
Andere Religionen und Theologien schätzen das Andachtsleben, die
Herzensliebe, das Gefühl letzter Abhängigkeit, geistige Ekstase freudvolle
Gottesliebe, begeistertes Zeugnis und mitfühlende Identifizierung mit Gottes
Leiden hoch ein - womit Mitglieder der Vereinigungskirche vollkommen
übereinstimmen. Doch Reverend Sun Myung Moon geht viel tiefer. In seinem tiefen
geistigen Forschen entdeckte er das abgründige han (uralt verborgener Kummer
ungelöster Schmerz und zurückgehaltene Empörung) des Himmlischen Vaters und die
Ursachen davon. Er beschloß, diese Ursachen zu beheben, Gottes han, die
kosmische Tragödie, zu entwirren und zu heilen. Dies sollte zu seiner
Lebensaufgabe werden.
Was ist die Ursache der kosmischen ,“Tragödie? Der Abfall von Adam und Eva,
verursacht durch ihre Verbindung mit dem betrügerischen Luzifer, war ein
schwerwiegender Verrat an Gott durch drei. Der verschlagene, rebellische
Erzengel beraubte Gott seiner Kinder, die sonst die intimsten, unmittelbarsten
Objekte und Partner Seiner ewigen Liebe geworden wären. Dadurch hatte Er Seinen
Halt auf der Erde verloren. Reverend Moon hat all seinen Feinden demütig gedient
und so Satan dazu gebracht, sich freiwillig zu ergeben. So hat er durch
Handlungen der Wiedergutmachung alles Gott zurückgebracht, was Satan Ihm geraubt
hatte.
Wenn einer wahrhaftig das han des Himmlischen Vaters erfasst, kann er nicht
mehr ruhen. Mit einem Gefühl äußerster Dringlichkeit und Bestimmtheit muß er
andere Menschen aufwecken und erleuchten, sich in der kosmischen Schlacht zu
engagieren. Das Ziel der Erlösung ist nicht bloß, göttliche Vergebung für
persönliche Sünden zu erlangen und in den Himmel zu kommen. Die
Vereinigungstheologie lehrt: Das wahre Ziel besteht darin, Gottes Leiden zu
lindern und Seine universelle Souveränität wiederherzustellen.
PARTNERSCHAFT ZWISCHEN GOTT UND MENSCH
Der Prozeß des Gebens und Nehmens wird in der Bibel durch die Vorstellung
eines göttlich-menschlichen Bundes illustriert. Gott schließt seinen Bund mit
Noah, Abraham und Moses. Christen nennen ihre heiligen Schifften das Neue
Testament, den Neuen Bund, im Gegensatz zum Alten Bund Gottes mit den Kindern
Israels1 Die Idee des Bundes ist eine der Schlüssellehren der Heiligen
Schrift.22
Was bedeutet es, einen Bund zu schließen? Oft ist ein Bündnis ein politisches
oder militärisches Abkommen zwischen zwei Nationen. Jede Seite akzeptiert
gewisse Pflichten als Gegenleistung für das Versprechen gewisser Vorteile. Als
daher das weltliche Wort „Bund“ auf die Religion angewandt wurde, bezog es sich
auf die Geben-und-Nehmen-Beziehung zwischen Mensch und Gott. Jede Seite willigte
ein, einige ganz bestimmte Verantwortungen zu übernehmen, um einige bestimmte
Vorteile zu erhalten.
In der Reformationszeit wurde die Wichtigkeit des Bundesgedankens
wiederentdeckt.23 Von daher formulierten die Puritaner des siebzehnten
Jahrhunderts die Bundestheologie, die das Prinzip des Gebens und Nehmens
betonte. Diese Calvinisten gingen von vier Ebenen der Gegenseitigkeit aus:
Erstens: Eine Nation entsteht durch den Gesellschaftsvertrag zwischen
Regierenden und Regierten. Die Regierung verspricht Schutz der natürlichen
Menschenrechte und die Regierten geloben Gehorsam gegenüber der bürgerlichen
Autorität. Zweitens: Eine Kirche entsteht als Resultat eines freiwilligen
Vertrags zwischen Christus und seinem Volk. Jede Seite hat gewisse Privilegien
wie auch entsprechende Verpflichtungen. Drittens: Es gibt soziale, moralische
und religiöse Bindungen zwischen Ehemann und Ehefrau. Ehe sollte als ein
feierlicher Bund betrachtet werden. Wie das Neue Testament nahe legt, kann die
ehe mit der Einheit Christi und seiner Kirche verglichen werden. Viertens:
Dieselbe Regel gilt schließlich auf der persönlichen Ebene für die Beziehung des
einzelnen zu Gott. Nach den Bundestheologen bedeutet Christwerden: Einhaltung
der göttlichen Gebote geloben, um ewigen Segen zu erlangen. In ihrem Denken Gott
setzt sich auf jeder Ebene, vom Individuum bis zur Kirche, des Gesetzes des
Gebens und Nehmens.
Obwohl die Bundestheologie die Würde der göttlich-menschlichen
Partnerschaft anerkennt, bediente sie sich einer eher geschäftlich und
legalistisch klingenden Sprache. In einer früheren Epoche hatte Joachim von
Fiore die Beziehung zwischen Gott und Mensch in personalen Begriffen
ausgedrückt..24 Für Joachim besteht das Ziel der Geschichte in Freundschaft mit
Gott. Wenn das Reich Gottes auf Erden anbricht, werden die Menschen die höchste
und endgültige Form der Beziehung mit Ihrem Schöpfer erreicht haben. Beim
Anbruch des messianischen Zeitalters werden die Menschen endlich „Freunde
Gottes“ werden nicht Gottes Knechte, auch nicht seine Kinder, sondern seine
Freunde sein. Vereinigungskirchenmitglieder würden Joachim’s Prophezeiung
zustimmen, jedoch konktreter ausarbeiten, wie die Menschen Freunde und intime
Partner Gottes werden können.
Das Vereinigungsprinzip hält dafür, daß Gott Adam und Eva nach ihrer
Erschaffung drei Segen gab: 1. fruchtbar zu sein, 2. sich zu vermehren und die
Erde zu bevölkern. 3. sich die Erde untertan zu machen und Herrschaft über die
gesamte Schöpfung auszuüben (Gen 1,28).
Dieser dreifache Segen kennzeichnet Gottes ursprüngliches und fortdauerndes
Ziel für die Menschheit. Diese Deutung der Rolle des Menschen erscheint als
einzigartige Lehre der „Göttlichen Prinzipien“. Keine andere moderne Theologie,
ob jüdisch oder christlich, hat sich so klar auf diese besondere Passage der
Schrift konzentriert und daraus eine Lehre vom Menschen erarbeitet.
Doch was bedeutet dieser biblische Segen? Gottes erste Segnung bezieht sich
auf die Vervollkommnung der Individualität des Menschen. Um all seine
Möglichkeiten zu verwirklichen, muß das Individuum seinen Geist und seinen
Körper miteinander in Einklang bringen. Die meisten Menschen erleben sich selbst
in der gleichen Zerrissenheit, wie sie der heilige Paulus beschreibt: das
Fleisch und Geist liegen im Krieg miteinander. Daher muß ein Mensch, wie Platon
lehrte, seine Lebensweise anschirren, kontrollieren und leiten. Wir haben
unseren Körper zu zähmen und zu disziplinieren, damit sie der Seele angemessen
dienen können.
Zugleich war es aber fälsch, zu denken, Körper und Geist seien unvereinbare
Gegensätze. Anders als manche anderen Religionen hat das Christentum sich
niemals wirklich die dualistische Auffassung zu eigen gemacht, daß Fleisch und
Geist natürliche Feinde seien. Wie die Vereinigungstheologie sagt, besteht das
Ideal darin. eine frei fließende Wechselbeziehung zwischen den körperlichen und
geistigen Aspekten der menschlichen Natur herzustellen. Wenn eine Person einmal
Gott-zentriert ist, können Körper und Geist zusammenarbeiten, um ihr Leben zu
bereichern und zu vervollkommnen. Für den einzelnen kommt wahres Glück aus der
Errichtung einer dynamischen Grundlage der vier Positionen. Geleitet von Gott,
interagieren Geist und Körper und bringen eine integrierte Persönlichkeit
zustande. Die höchste Freude erwächst im für beide Seiten fruchtbaren
Zusammenwirken der sichtbaren und der unsichtbaren Dimensionen der menschlichen
Natur. Von Gottes Standpunkt her sollte jeder Aspekt unserer Natur mit Achtung
behandelt, ihm Entfaltung ermöglicht und seine Fruchtbarkeit gefördert werden.
Natürlicherweise nimmt die Verwirklichung der individuellen Möglichkeiten
Zeit in Anspruch. Vollständiges Gottes-Bewußtsein. um Schleiermachers Ausdruck
zu verwenden. Ist niemals ein Akt des Augenblicks. Wie biblische Offenbarung und
moderne Wissenschaft übereinstimmend lehren, stellt die Schöpfung einen Prozeß
kontinuierlicher Entwicklung dar. Von daher spricht die Vereinigungstheologie
von drei Stadien in der Vervollkommnung der ursprünglichen Natur des Menschen.
Weil leicht mißverstanden werden kann, was das Vereinigungsprinzip mit
vollkommener Individualität meint, möchte ich versuchen, diesen Gedanken hier zu
verdeutlichen. Vollkommenheit bezeichnet nicht Ende des Wachstums. Das Leben
eines Menschen kann immer noch weiter durch neue Erfahrungen angereichert
werden, sowohl in diesem Leben wie auch im nächsten. Vollkommenheit ist daher
kein statischer Zustand, sondern etwas dynamisches. Vollkommenheit zu erreichen
heißt, die Erbsünde zu tilgen, das Haupthindernis zwischen dem Selbst und Gott.
Vollkommen zu sein heißt, endlich frei zu sein, sein wahres Sein als Kind Gottes
zu verwirklichen. Dann können wir John Wesleys Ideal der christlichen
Vollkommenheit ausleben, nämlich Gott völlig hingegeben zu sein und in jeder
Handlung diesen Glauben auszudrücken. Wenn ein Mensch Gott erlaubt, in seinem
Herzen zu regieren, wird seine Natur so verwandelt werden, daß er keine anderen
als gute und reine Handlungen vollbringen wird. Gottes Geist wird sein ganzes
Sein durchdringen, wie der Blutstrom den ganzen physischen Körper versorgt.
Gemäß den „Göttlichen Prinzipien“ fühlt ein vollkommenes Individuum wie Gott
fühlt, als ob Gottes Gefühle seine eigenen wären. Es ist völlig geeint mit
Gottes Herzen. In uneingeschränktem Geben und Nehmen liebt es Gott mit seinem
ganzen Herzen, mit Seele. Geist und aller Kraft. Daher vervollkommnet es seine
eigene Menschlichkeit, indem es Gott ermöglicht, höchste Freude zu erfahren.
Aufgrund ihres mystischen Erbes versteht die östliche Orthodoxie die Bedeutung
dieser ersten Segnung. Was orthodoxe Theologen „Vergöttlichung" nennen.25 kommt
der Lehre der „Göttlichen Prinzipien“ sehr nahe.
Die Vereinigungstheologie geht indessen über die meisten Formen der
christlichen Gottesvermittlung hinaus, indem sie den höheren Wert von Gottes
zweitem Segen betont. Wenn uns die Bibel lehrt, uns zu vermehren und die Erde zu
füllen, heiligt sie die Ehe. Die Vereinigungstheologie erklärt dies damit, daß
Gott in Polarität existiert und daher Mann und Frau zusammen in höherem Maße
Seine dualen Wesenszüge spiegeln können. Jeder Partner erfährt größere Liebe und
Freude, als er dies allein könnte.
In den „Göttlichen Prinzipien“ wird die Partnerschaft von Mann und Frau auch
in Begriffen von Liebe und Schönheit ausgedrückt. Wenn eine Frau attraktiv ist.
ruft sie Liebe von ihrem Partner hervor und umgekehrt. Weil Gott die Liebe
selbst ist, ist er strahlend schön, wie Karl Barth in seiner Darlegung der
göttlichen Herrlichkeit sagt. Der Mensch ist hingerissen von Gott, weil Gott so
göttlich schön ist. Durch Seine gänzlich liebende Natur erfüllt Er uns mit
Freude. Seine unvergleichliche Schönheit ist die Ursache Seiner
unausschöpflichen Herrlichkeit.
Ähnlich beschreibt auch Pater Andrew Greeley in „Der Marien-Mythos“ (1977)
Gott als leidenschaftlich zärtlich, verführerisch attraktiv, unwiderstehlich
inspirierend und huldvoll heilend. Daher ist Er für alle Männer und Frauen
unendlich anziehend und faszinierend. Wir finden Ihn unbedingt vertrauenswürdig,
daher fühlen wir uns inspiriert. Ihm gegenüber vertrauensvoll und treu zu sein.
Indem wir dankbar auf Seine Liebe antworten, werden wir in Seinen Augen sogar
noch schöner.
Folgerichtig definieren die „Göttlichen Prinzipien" diese dynamische
Wechselbeziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf sowie zwischen Mann und Frau als
Liebe und Schönheit. Solche Liebe und Schönheit sind zwei Aspekte einer
einzelnen Beziehung. In einer gott-zentrierten Familie spiegeln daher die
Beziehungen zwischen den Mitgliedern - Mann und Frau, Eltern und Kindern - die
Liebesnatur Gottes wider. Mann und Frau werden sich der gegenseitigen Achtung
und Zuneigung erfreuen. Beide werden durch die Bande der Treue und Loyalität
geeint sein. Auf diese Welse vertieft das Vereinigungsdenken erheblich die
Perspektive der Bundestheologie.
Gottes dritter Segen - die Herrschaft des Menschen über die Schöpfung - dehnt
die Wechselbeziehung von Geben und Nehmen noch weiter aus. Gott schuf den
Menschen als Mikrokosmos des ganzen Makrokosmos der Schöpfung. Der Mensch kann
durch seine Vernunft. Vorstellungskraft und Sensibilität über das ganze
Universum „herrschen“, eben weil er so innig auf seine Umgebung bezogen ist.
Was heißt aber: die Schöpfung „beherrschen“? Heutige Ökologen haben oft die
jüdisch-christliche Tradition kritisiert, weil die rücksichtslose und dumme
Ausbeutung der Natur durch eine derartige Ausdrucksweise gerechtfertigt werde.26
Einige empfehlen, den Gedanken der „Herrschaft" über die Schöpfung aufzugeben.
Waren nicht die sogenannten primitiven Religionen weiser, indem sie die
„Verwandtschaft allen Lebens" betonten? Sollten wir die Natur nicht wie eine
Mutter behandeln, von der wir alle herkommen und der wir zärtliche Sorgfalt
schulden? Hatte Albert Schweitzer nicht Recht, alle Ethik auf die alles
einschließende „Ehrfurcht vor dem Leben" zu begründen?
Ebensowenig wie die Bibel verteidigt die Vereinigungstheologie eine
Ausbeutung unserer natürlichen Umwelt. Natur ist nicht einfach eine Ansammlung
von „Ressourcen", die gedankenlos benutzt werden können. Was die „Göttlichen
Prinzipien" lehren, ist daß die Menschen eine volle Wechselbeziehung mit dem
Universum als ganzem aufnehmen sollten. Wir sind dazu herausgefordert, eine
Vier-Positionen-Grundlage mit der ganzen Schöpfung zu errichten, ausgerichtet
auf Gott.
Das Hoheitsrecht des Menschen über die Schöpfung meint zwei Dinge. Negativ
bedeutet es, daß wir durch die Welt nicht gebunden sind. Mensch sein heißt,
fähig sein, die Begrenzungen unserer physischen Umwelt zu transzendieren. Wir
können diese ändern, indem wir die Kräfte der Natur kontrollieren. Der Mensch
übt Souveränität über die Schöpfung aus, indem er sie für seine eigenen Zwecke
nutzt. Wie die Theologen des Zweiten Vatikanums vertreten, leben wir nun in
einem ständig wachsendem Maße in einer selbstgeschaffenen Welt. Wir haben die
Natur weitgehend dahin geformt, daß sie menschlichen Bedürfnissen entspricht.
Aber das menschliche Hoheitsrecht über die Schöpfung hat noch eine andere
Bedeutung. Was ist an unserer gegenwärtigen Haltung gegenüber der natürlichen
Welt falsch? Der bekannte Anthropologe Loren Eiseley konstatiert, daß die
Menschen die Natur nicht wirklich erobert haben, weil wir uns selbst nicht
erobert haben. Um uns selbst zu meistern und die Natur mit Weisheit zu nutzen,
sagt er, müssen wir die tatsächliche Einzigartigkeit des Menschen verstehen. Der
Mensch hat nicht überlebt, weil er zäh und stark ist. Er hat durch Zärtlichkeit
überlebt. Wäre der Mensch im Herzen nicht ein Geschöpf der Zärtlichkeit
gegenüber seinesgleichen, ein auf besondere Weise liebendes Geschöpf, hätte e
längst seine Knochen den wilden Hunden überlassen. 27
Wie soll also der Mensch seine Hoheit über die Schöpfung ausüben? Wenn wir
die Natur bloß zu unserem Vergnügen nutzen, ohne Rücksicht auf den Willen
Gottes, mißbrauchen wir die Schöpfung. Wir müssen volle Wechselbeziehung mit dem
Universum auf der Grundlage unserer Gottesliebe aufnehmen. Wenn wir die Natur
für Gott nutzen, dankbar und anerkennend, wird sie verherrlicht.
Dadurch, daß der Mensch die drei Segen verwirklicht - und zwar vollkommene
Einheit mit Gott auf der individuellen Ebene, eine auf Gott ausgerichtete
Einheit mit seinem Ehepartner und Schutz und Sorge für die Schöpfung - bildet
der Mensch eine kosmische Vier-Positionen-Grundlage. Dann wird der Mensch Gott
gegenüber der Schöpfung repräsentieren. Die Schöpfung wird dann über den
Menschen Gott dienen und Ihn verherrlichen. Auf diese Weise werden wir Menschen
Mitgestalter unserer Partnerschaft mit Gott in Liebe und Verantwortung als
Individuum, als Familie und als Menschheit im ganzen. Dieses Konzept einer
theozentrischen Vier Positionen-Grundlage ist für das Verständnis der
„Göttlichen Prinzipien" sehr zentral. Es handelt sich hier um einen
charakteristischen Begriff, der in keiner anderen Theologie oder religiösen
Philosophie zu finden ist. 28
DIE BEDEUTUNG DER FAMILIE
Im zwanzigsten Jahrhundert haben protestantische Lehren vom Menschen die
Betonung auf die Bezogenheit und Verantwortlichkeit des Menschen gelegt. Ein
Individuum wird eine reife Person durch seine Verbindungen zu anderen. Keiner
kann wirklich durch sich selbst und für sich selbst bestehen. Die Menschen sind
soziale Geschöpfe. Sie werden in eine Gesellschaft hineingeboren und werden von
ihrer Gruppe geformt. Prozeß- und Befreiungstheologie betonen diese soziale
Dimension des Menschen. Beide stellen sich gegen eine rein individualistische
Deutung der menschlichen Natur. Wer wir sind und was wir tun. hängt von unserer
Einbindung in das Leben einer Gruppe und deren Aktivitäten ab.
Die Neo-Orthodoxie hob die Verantwortungsnatur des Menschen hervor. Wir haben
Verpflichtungen füreinander und sogar noch offensichtlicher gegenüber Gott. Als
Bonhoeffer im Gefängnis darauf wartete, wegen seines Widerstands gegen die Nazis
zur Hinrichtung geführt zu werden, verfaßte er ein Gedicht über die christliche
Lehre vom Menschen. „Wer bin ich?“ fragte er. War er der angeklagte Kriminelle,
der trotz seiner Gefangenschaft ruhig und stark blieb? War er ein Mensch, der
mit seinen Häschern „freimütig sprach“, wie seine Wächter dachten? Oder war er
die ruhelose, ärgerliche und müde Person, als die er sich selbst fühlte?
Letztlich nichts von alledem. Mehr als alles andere gehörte er Gott. „Wer immer
ich bin. Ich bin Dein, o Gott", bekannte er.29 Ein Christ erkennt, daß er Gott
Loyalität schuldet. Da Gott den Menschen erschuf, ist der Mensch moralisch
verpflichtet. Ihm zu dienen.
Auch Brunners Theologie der göttlich-menschlichen Begegnung war auf der
Anerkennung unser fundamentalen Verantwortlichkeiten aufgebaut.30 Gott hat uns
erschaffen, damit wir Seinen Willen ausführen. Daher fordert Er uns heraus.
Seine Souveränität anzunehmen. Er zwingt uns zur Entscheidung für oder gegen
Ihn. Zu glauben bedeutet, sich zur Treue gegenüber Gott verpflichten. unsere
Egozentrik beseite zu lassen und gegenüber Seinem heiligen Willen gehorsam zu
werden. Weil wir Menschen sind, sind wir berufen, unsere Verpflichtungen
gegenüber Gott und unseren Mitmenschen anzunehmen.
Die Vereinigungstheologie trägt der menschlichen Bezogenheit und
Verantwortlichkeit Rechnung, indem sie die Familie als Modell benutzt. Für die
„Göttlichen Prinzipien“ stellt die Gott-zentrierte Familie das beste Beispiel
dafür dar, wie Gott in der Geschichte wirkt. Gott erschafft Männer und Frauen,
um das Zusammensein zu suchen. Ihre Vereinigung führt zu Fortpflanzung,
persönlicher Erfüllung und sozialem Fortschritt. Als eine Basis von vier
Positionen weisen die Familienbeziehungen, die Gott. Mann. Frau und Kinder
zusammenbinden, das fundamentale Muster für alle lohnenden Formen menschlicher
Verbundenheit auf. Von daher zeigen die „Göttlichen Prinzipien" die
familienzentrierten Grundlagen für das kommende Gottesreich. Eine ideale
Gesellschaft kann dann errichtet werden, wenn einmal eine wahre Gott-zentrierte
Familie ins Leben tritt.
Wie kommen die menschlichen Beziehungsmuster und die menschliche
Verantwortung in der Familie zum Tragen? Als Individuen leben und wachsen wir im
Schoß einer Familie. Unsere Eltern lehren uns, was es bedeutet, wertvolle
Personen zu sein. Unter ihrer Führung wachsen wir an Einsicht und Größe. Von
ihnen lernen wir zu lieben und Verantwortung zu tragen. Daher haben die
Antworten, die wir unserer familiären Umwelt geben, einen entscheidenden Einfluß
auf die persönliche Reifung unserer Kinder. „Wie der Vater, so der Sohn“ oder
„wie die Mutter, so die Tochter“, sagen wir. Wenn die Eltern dem Willen Gottes
gemäß leben. werden die Kinder sie achten, ihnen gehorchen und ihrem Beispiel
folgen. Gott bringt die Familienstruktur hervor und macht aus ihr ein Instrument
zur Verwirklichung Seiner elterlichen Liebe und Autorität. Doch fast ebenso
wichtig sind die Antworten, die wir unseren Vätern, Müttern, Brüdern, Schwestern
und Kindern geben. Nur wenn diese Verwandtschaftsbeziehungen positiv und kreativ
sind. ist es möglich, die volle Wechselbeziehung der Liebe mit Gott und unseren
Mitmenschen zu manifestieren.31
Auch unsere soziale Verantwortung erlernen wir hauptsächlich in der Familie.
Dadurch, daß wir unsere Eltern ehren und ihren Anweisungen gehorchen, lernen
wir, unsere Pflichten Gott gegenüber anzunehmen. Durch die Erfahrungen der
Beziehungen zu jedem Mitglied unseres Familienkreises lernen wir, uns auf die
Gesellschaft zu beziehen. Mit wenigen Ausnahmen entwickelt sich und erblüht der
natürliche Sinn eines Menschen für Verantwortung in der familialen Umgebung
seiner ersten sechs Lebensjahre - oder aber er wird verkrüppelt. Aus diesem
Grund liefert die Gott-zentrierte Familie die wichtigste
Vier-Positionen-Grundlage für die Wiederherstellung der Persönlichkeit sowie der
Gesellschaft.
Doch auch auf der individuellen Ebene besteht eine
Vier--Positionen-Grundlage. Jede Person kann dadurch, daß sie ihr Leben auf Gott
ausrichtet, eine kreative Wechselbeziehung zwischen ihrem Körper und Geist
erfahren. Der Mensch hat die Fähigkeit verliehen bekommen, seinen Verstand und
sein emotionales Leben zu koordinieren und zu harmonisieren. Wenn einmal ein
Individuum seinen Körper und seinen Geist, seine Vernunft und sein Herz
integriert hat. wird sein Leben produktiv, nützlich und glücklich. Auf der
anderen Seite werden Männer und Frauen ohne Ausrichtung und Stabilität.
Wirkungen der Hingabe des Lebens an Gott, tragische Opfer von Frustration,
Langeweile und Depression. Wie eines der alttestamentlichen Sprichworte sagt:
„Ohne Vision vergehen die Völker." Eine Gott-zentrierte Person ist daher
zielgerichtet, energisch, idealistisch und hilfsbereit, weil sie eine Vision von
Gottes Gegenwart und Zielsetzung hat.
Wenn zwei Gott-zentrierte Menschen sich in der Ehe vereinen, legen sie den
Grund für eine Gott-zentrierte Familie. Gott-zentrierte Familien ermöglichen
eine Gott-zentrierte Gesellschaft. In dem Maß, in dem sich deren Einfluß
ausdehnt, ist der Weg für Gott-zentrierte Nationen und eine Gott-zentrierte Welt
offen. Von daher betont die Vereinigungstheologie die Wichtigkeit des
Individuums und der Familie als Stufen zur Verwirklichung des Guten im ganzen.
Wenn Gott einmal die Möglichkeit hat, Seine direkte Herrschaft der Liebe über
Individuen und Familien auszuüben, ist die grundlegende Arbeit für seine direkte
Herrschaft über die ganze Schöpfung schon vollbracht.
Wie viele bemerkt haben, bestehen offensichtlich Ähnlichkeiten zwischen
der familienzentrierten Ethik der Vereinigungstheologie und der konfuzianischen
Moral. Doch möchte ich hervorheben, daß Reverend Moon keineswegs bewußt eine
synkretistische Verbindung zwischen Konfuzianismus und Christentum schaffen
wollte. In Korea macht die konfuzianische Lehre einen normalen Teil des
traditionellen Kulturmilieus aus. Vielleicht als Folge dieser Tatsache war
Reverend Moon fähig, einen Aspekt der biblischen Offenbarung zu erkennen, der im
christlichen Westen wegen der vornehmlich individualistischen Art des
Protestantismus und des kirchenzentrierten Denkens des Katholizismus oft
übersehen worden war. Jedenfalls wirft das familienorientierte Denken der
Vereinigungstheologie ein neues Licht auf die jüdisch-christliche Lehre vom
Menschen.
Die konfuzianische Lehre kann sehr hilfreich sein, ein neues Christentum
hervorzubringen, das für unsere Zeit paßt. Die familien-orientierte Ethik
vermeidet die Extreme des Individualismus auf der einen und die des
Kollektivismus auf der anderen Seite. Wenn wir sorgfältig die Botschaft des
Meister Kung studieren, vermögen wir vielleicht, die Schwächen zweier
rivalisierender westlicher Philosophien zu korrigieren, die einerseits einen
selbstzentrierten Libertinismus und andererseits eine rücksichtslose
Entmenschlichung hervorgebracht haben.
Nach dem Konfuzianismus muß eine gültige persönliche wie soziale Ethik auf
einem Verständnis der grundlegenden Rolle der Familie aufbauen. In der
konfuzianischen Ethik schließt die Natur des Menschen fünf Große Beziehungen
ein: die zwischen Regierendem und Untertanen, zwischen Vater und Sohn, zwischen
Eheleuten, zwischen älterem und jüngerem Bruder, zwischen Freund und Freund. Was
haben all diese Beziehungsmuster gemeinsam? Nach der Auffassung des Konfuzius
ist es für ein Gelingen all dieser verschiedenen Beziehungsmuster nötig. Jen
auszuüben. Jen ist auf viele Arten übersetzt worden, doch eine der besten
Definitionen ist „Hochherzigkeit". Wie ein menschliches Wesen leben heißt, sich
über das Verhalten wilder Tiere zu erheben. Es bedeutet, alle Menschen
menschlich zu behandeln. Jen leitet uns an, mehr für das Wohlergehen der
Gesellschaft zu leben als bloß an privatem Glück oder an selbstsüchtigen
Vergnügungen interessiert zu sein. Jen wächst aus dem fundamentalen Gesetz der
Gegenseitigkeit hervor. Da wir mit anderen zu leben haben, sollten wir lernen,
jeden wohlwollend zu behandeln. Die Goldene Regel des Konfuzius lautet: „Tu
nicht anderen, was du nicht willst, das man dir tue."
Der Konfuzianismus lehrt, daß die Lektionen über Achtung, Verläßlichkeit und
Mitleid, die in der Familienatmosphäre gelernt werden, in der Gesellschaft als
ganzer von Wert sind. Sie personalisieren und vertiefen die Bande, die die
Menschen zusammenbinden, um zum gemeinsamem Wohl voranzuschreiten. So ist die
kindliche Verehrung in der Familie die Grundausrüstung für eine stabile,
gerechte und friedliche Gesellschaftsordnung.
Das besondere Verdienst des Konfuzianismus liegt heute darin daß er die
Familie als Modell für die gesamte Gesellschaft nimmt.31
Im Westen sprechen die Menschen oft von der „Regierungsmaschinerie", als ob
eine Nation unpersönlich, fast mechanisch reguliert würde. Oder sie beziehen
sich auf das „Regierungsgeschäft", als ob die Gesellschaft eine bloß
kommerzielle Angelegenheit wäre, in der lediglich Geld gesammelt und ausgegeben
wird. Ist es nicht besser, die Gesellschaft als eine große Familie zu sehen?
Dieses Denken schließt ein, daß wir alle Menschen mit derselben Zuneigung,
Sorgfalt und Ehrerbietung behandeln sollten, mit der wir unsere Blutsverwandten
behandeln. Die Gesellschaft mit solchen Augen zu sehen, wird den Weg für ein
großes Bündnis des Gemeinwohls (ta tung) bereiten, einen Zustand weltweiter
Harmonie und weltweiten Glücks. Aus diesen Gründen ist es wertvoll, die
Ähnlichkeiten zwischen Vereinigungstheologie und konfuzianischer Weisheit
anzuerkennen.
Es gibt jedoch zwei fundamentale Unterschiede zwischen Vereinigungstheologie
und Konfuzianismus. Da sie auf dem biblischen Erbe aufbauen, steht in den
„Göttlichen Prinzipien" Gott im Mittelpunkt und nicht so sehr der Mensch, wie es
im konfuzianischen Humanismus oft der Fall ist. 33 Anders als die meisten Formen
des Konfuzianismus. glauben Vereinigungskirchenmitglieder, daß das Ziel des
Menschen nicht einfach familiärer Wohlstand, sondern Erfüllung des göttlichen
Willens ist. Durch all unsere Beziehung mit anderen Menschen lernen wir von
Gottes Liebe und vollziehen sie, wodurch wir Seine Freude auf jede nur
erdenkliche Art und Weise vermehren. Am Familiemodell erkennen wir, wie Gott
arbeitet, um den Grundentwurf für seine Schöpfung zu verwirklichen. Dasselbe
Muster gilt für die weiteren Beziehungen in Sippe, Stamm, Nation und
Weltgesellschaft.
In einer zweiten Hinsicht unterscheidet sich die Vereinigungstheologie vom
Konfuzianismus; sie erläutert Gottes Pläne für die Menschheit am Modell des
Zwecks von Adam und Eva. Sie waren geschaffen, um die Grundlage für eine
Gott-zentrierte Familie zu bilden. Adam und Eva sollten die währen Eltern für
eine rechtschaffene Menschheit sein. Wenn daher Gottes ursprünglicher Plan für
die Schöpfung umgesetzt werden soll, ist es notwendig, daß ein neuer Adam und
eine neue Eva als Gottes Vertreter eine zentrale Rolle spielen.
Natürlich ist der Konfuzianismus neben der Vereinigungsbewegung nicht das
einzige ethische System, das die Wichtigkeit der Familie vertritt. Jede
Gesellschaft, so haben Anthropologen herausgefunden, anerkennt, daß
Gruppenstabilität und Solidarität von positiven Familienbeziehungen abhängen.
Römische Ethiker wie Seneca betonten den Wert der Treue des Ehemannes, der Liebe
der Frau und der kindlichen Achtung ihren Eltern gegenüber.34 In Nachahmung der
hellenistischen Lehrer und Prediger seiner Zeit. fügte der heilige Paulus fast
immer ethische „Hausregeln“ in seine Briefe an die christlichen Gemeinden ein.
Darin wurden die verheirateten Paare ermahnt, einander zu dienen, und die Kinder
angewiesen, ihre Eltern zu ehren.35 Im Hinduismus besteht eine der vier
wesentlichen Stadien der Reifung eines Menschen in der Erfahrung der Ehe und der
elterlichen Verantwortung.36 In diesem Sinne bestätigt die Vereinigungslehre
einfach ein Ideal, das alle Kulturen für einen Ausdruck natürlichen Gesetzes und
des Gottes der Natur hielten.37 Auch das Judentum hat die Tugenden des
Familienlebens betont. Wie rabbinische Gelehrte berichten, waren die Juden stets
sorgsam auf stabile und produktive Ehen bedacht.38 Dabei ging es ihnen nicht
einfach um das Wohlergehen von Mann und Frau, sondern die Familie an sich war
und ist für das Judentum von größter Bedeutung. Jahrhundertelang haben die
Rabbis intensiven Familienzusammenhalt gepriesen.
Im Gegensatz zum Konfuzianismus, zum Judentum und anderen familienzentrierten
Bekenntnissen betrachtet die Christenheit die Versöhnung mit Gott oft vorrangig
als individuelle Angelegenheit. Glaube wird als eine tiefgreifend persönliche
Begegnung mit Gott definiert. Wie Whitehead schrieb: Religion ist das. was der
Mensch mit seiner Einsamkeit anfängt. Obwohl dieser Gedanke sehr wahr ist. legen
die „Göttlichen Prinzipien" Wert darauf, daß Erlösung auch die Wiederherstellung
der Familie bedeutet. Kierkegaard erkannte, daß der geistige Tod der tragischste
Tod für den Menschen ist. Wer nicht liebt und nicht lieben kann, ist tot. Solche
Individuen sind wirklich im höchsten Maße selbstverstrickt und elend. Wo sonst
können sie lieben lernen außer in der Familie, die der natürlichste Kindergarten
ist? Als Kind empfangen wir Liebe und Pflege von unseren Eltern. Diese Liebe ist
weitgehend passiv und rezeptiv. Wenn jemand herangewachsen ist und in die Ehe
eintritt, versteht er oder sie die Wichtigkeit der gegenseitigen Liebe. Wenn
jemand zum Elternteil wird, liebt er bedingungslos und ohne daß er dafür etwas
erwartet. Elterliche Liebe opfert sich. Auf diese Weise stellt eine gute
Familie, besonders eine Gott-zentrierte Familie, auf natürliche Weise eine
ideale Umgebung zum Erlernen der drei Grundformen der Liebe dar. Von daher
beleuchten die „Göttlichen Prinzipien“ sehr stark die zentrale Stellung der
Familie: nämlich, die Wiederherstellung der Liebe, was Gottes Ziel mit der
Schöpfung erfüllen würde. Eine derartige Lehre scheint in unserer Zeit ziemlich
neu zu sein.
LEBEN IN ZWEI WELTEN
Alle Religionen lehren, der Mensch sei ein Bewohner zweier Welten. Neben der
sichtbaren Welt, die unseren körperlichen Sinnen offensteht, gibt es einen
geistigen Bereich. Diese nicht-irdische Welt kann gefühlt und wahrgenommen
werden, was bedeutet, daß sie ebenso real und wichtig ist wie der Bereich der
gewöhnlichen sinnlichen Erfahrung. Wie zahlreiche objektive Studien zeigen,39
kann die Existenz dieses geistigen Bereiches mit Beweismaterial aus der
Parapsychologie aufgezeigt werden. Sie machen eine reguläre Wechselwirkung
zwischen der physischen und außersinnlichen Welt deutlich. Aus diesem Grund
vergleichen die „Göttlichen Prinzipien" die Beziehung dieser Welten zueinander
mit der Polarität von Geist und Körper.40 Wenn der Geist dazu bestimmt ist, den
Körper zu leiten und zu kontrollieren, so soll die geistige Welt die physische
Welt verwenden, um ihre höheren Ziele zu verwirklichen. Wie der Mensch seine
vollen Möglichkeiten nicht verwirklichen kann, ohne sich mit Gott zu einen, so
kann die sichtbare Welt nicht ihren wahren Wert gewinnen, wenn sie nicht eine
positive und dauerhafte Beziehung mit der geistigen Welt unterhält.
Die Lehre der Vereinigungskirche über die geistige Welt könnte den Eindruck
erwecken, hier vollziehe sich eine seltsame Abwendung vom konventionellen
christlichen Denken. Zum einen behandeln die Theologen normalerweise die Lehre
von der Bestimmung des Individuums als einen Teil der Eschatologie. Dagegen
macht die Vereinigungstheologie den Glauben an die menschliche Unsterblichkeit
zu einem wesentlichen Inhalt ihrer Schöpfungslehre. Wir leben nach dem Tod nicht
einfach weiter. Von Anfang an und durch das ganze Leben hindurch leben wir in
beiden Welten. Selbst wenn wir uns dieser Tatsache nicht bewußt sind, so sind
wir doch von einer großen Wolke von Zeugen umgeben. Obwohl sie entkörperte
Geistwesen sind. existieren sie um uns herum, beeinflussen unser Leben und
leiten uns in den alltäglichen Angelegenheiten.
Die römisch-katholische sowie die orthodoxe Theologie bestätigen diese
Wahrheit in ihrer Lehre von der mystischen Gemeinschaft der Heiligen. Der
Katholizismus vertritt die Meinung. daß es einer dauernden Austausch zwischen
der physischen Welt und der geistigen Welt gibt. Infolgedessen betonen sie die
Wichtigkeit der Fürsprache der heimgegangenen Heiligen sowie ihre ständige Sorge
um das geistige Wohl dieser Welt. Der ausgeprägte Marienkult (Mariologie) beruht
auf dem Glauben, daß entkörperte Seelen an unserem Leben teilnehmen können und
es auch tun. Katholiken lehren auch, daß jeder Mensch einen Schutzengel hat, der
einen hilft, das Böse zu meiden und rechtmäßig zu handeln. Somit ist für den
Katholizismus die Vorstellung einer unsterblichen Seele nicht auf die Lehre von
den Letzten Dingen (Eschatologie) begrenzt, sondern spielt in vielen Aspekten
der Theologie eine entscheiden de Rolle.
Darüberhinaus anerkennt der Katholizismus die Existenz und der irdischen
Einfluß zahlreicher böser Geister. Anders als die meisten Formen des modernen
Protestantismus lehrt die katholische Theologie eine sorgfältig ausgearbeitete
Dämonologie. Statt das neutestamentliche Bild einer dämonenverseuchten Welt
abzulehnen, akzeptiert die katholische Kirche die Tatsache dämonischer
Besessenheit und hat stets Exorzisten ausgebildet, um solche Fälle zu
behandeln.41 Da die Evangelien klar lehren, daß Jesus an die Macht der
dämonischen Kräfte glaubte und der Exorzismus en wichtiger Teil seines Wirkens
war, fühlen Katholiken, daß die Realität der bösen Geister als Grundtatsache
theologischer Überlegungen angenommen werden muß.
Doch ist der Glaube an gute und böse Geister nicht unwissenschaftlich? Müssen
moderne Christen nicht das überholte Weltbild der Evangelien entmythologisieren,
wie Bultmann behauptet? William James, Harvard Psychologe und Philosoph, hat
denen, die meinen, der Glaube an geistige Phänomene sei unwissenschaftlich,
etwas sehr Gewichtiges zu sagen. Er führt aus, daß Wissenschaftler die
mystischen Phänomene oft mit einer verächtlichen Mißachtung behandeln.
Nichtsdestoweniger, so fügt er hin zu, sind die Phänomene da und liegen in
großer Offensichtlichkeit überall auf der Oberfläche der Geschichte. Es spielt
keine Rolle, welche Seite im Buch der Geschichte man aufschlägt: man finde Dinge
wie Vorherwissen, Inspirationen, dämonische Besessenheit, Erscheinungen,
Trancezustände, Exstasen, wunderbare Heilungen und okkulte Kräfte. Warum dann
lehnen Wissenschaftler geistige Phänomene so heftig ab? Nach James deshalb, weil
diese Fakten nicht leicht durch die mechanistische und materialistische
Wissenschaftstheorie erklärt werden können, und weil diese Fakten die gängige
wissenschaftliche Weltsicht aufzubrechen drohen.42 Seit James 1896 seine
Ansprache an das Präsidium der Gesellschaft für parapsychologische Studien
gehalten hatte, hat sich die Situation etwas verbessert. Später widmete er seine
Gifford Vorlesungen unter dem Titel „Die Verschiedenheit der religiösen
Erfahrung“ (Varieties of Religious Experience) einer Betrachtung der mystischen
Phänomene. Und der Oxforder Zoologe Sir Alister Hardy kam etwa ein halbes
Jahrhundert später in seinen Gifford Vorlesungen auf das Thema der
parapsychologischen Erfahrungen zurück.43 Beide Wissenschaftler insistierten,
daß geistige Phänomene für die Entwicklung einer überzeugenden natürlichen
Theologie wichtig seien.
Im Gegensatz zur katholischen Billigung der Idee einer dauernden Beziehung
zwischen Himmel und Erde sind protestantische Konservative geneigt, die beiden
Bereiche zu trennen. Für die Fundamentalisten bedeutet das Suchen nach Einsicht
in geistige Phänomene soviel wie Herumpfuschen in verbotenen Regionen,
etikettiert als das Okkulte. Diese Haltung mutet recht seltsam an, da die Bibel
voller parapsychologischer Erfahrungen steckt. Wie kann man die Visionen von
Jesaja und Ezechiel. die prophetischen Traume von Joseph und Daniel, die
Dämonenaustreibungen durch Jesus und die pfingstliche Gabe des Sprechens in
fremden Sprachen übergehen? Jeder biblische Prophet beansprucht, übernatürliche
Botschaften empfangen zu haben. Sowohl das Alte wie das Neue Testament berichten
über Ereignisse mit Engelsbesuchen, die eine direkte Kommunikation zwischen
dieser und der jenseitigen Welt zur Voraussetzung haben. Haben wir, wenn in der
Vergangenheit derartige Erfahrungen gemacht wurden, logische Gründe, anzunehmen,
daß sich ähnliches heute nicht ereignen könne? Durch ihre Lehre, daß körperliche
und geistige Bereiche in Polarität zueinander existieren, bestätigt die
Vereinigungstheologie die grundlegende Weltsicht der Heiligen Schriften. Wenn
Protestanten die beiden Bereiche radikal trennen, haben sie sich von einer der
Grundvoraussetzungen der biblischen Offenbarung losgesagt. Der talmudische und
mystische Judaismus, der Hinduismus, der Buddhismus und der Islam glauben
ebenfalls an regelmäßige Interaktion zwischen physischem und geistigem Bereich.
Daraus läßt sich schließen, daß dies eine normale Begleiterscheinung der
religiösen Erfahrung ist
Wenn der Mensch eine multidimensionale Persönlichkeit besitzt warum leugnen
dann heute so viele die Existenz einer geistiger Welt? Der Hauptgrund findet
sich darin, daß wir in den vergangenen Jahrhunderten gelehrt wurden, unsere
Aufmerksamkeit aufs Physische zu lenken. Aus Protest gegen die exzessive
Jenseitigkeit des Mittelalters hat sich der moderne Mensch auf die
Verwirklichung des Glücks im Hier und Jetzt konzentriert. Daher haben
Philosophen (wie Locke, Hume, Hobbes, Comte, Marx und Dewey und Wissenschaftler
seit der Aufklärung eine mehr oder wenige materialistische Weltanschauung
vertreten. Wir wollen die positiven Seiten einer solchen Vorgehensweise nicht
leugnen. Durch die Konzentration auf diese Welt haben die Menschen große
Entdeckungen in den Naturwissenschaften gemacht und soziale Reformen
vorangetrieben.
Auf der anderen Seite wird dadurch das menschliche Bewußtsein auf die
Wahrnehmung des Körpers und seiner Bedürfnisse eingeschränkt. Trotz der
Tatsache, daß andere Wirklichkeiten überall um uns herum existieren, ignorieren
wir ihr Dasein und ignorieren alle Anregungen, die von ihnen ausgehen. Es ist,
als ob wir unsere Augen schlössen, um besser zu hören. Wir hören besser, das ist
wahr, wenn wir nicht durch visuelle Empfindungen abgelenkt werden; aber wir
schneiden uns selbst von lebenswichtigen Aspekten unserer Welt ab.
Infolge dieser Zusammenhänge hat es seit dem Zweiten Weltkrieg ein großes
Wiederaufleben des Interesses an geistigen Erfahrungen und mystischen Phänomenen
gegeben. Weite Kreise von Mensehen werden sich jetzt des Wertes bewußt, den das
öffnen de inneren Sinne und die Ausdehnung unserer Wahrnehmung haben.44 Diese
neue Suche nach Spiritualität legt Dimensionen der Realität frei, die früher nur
wenigen Sehern und Medien bekannt waren.
Nach der Vereinigungstheologie ist der Glaube an die geistige Welt
vernünftig; weil deren Existenz logisch von der universalen Tatsache der
Polarität hergeleitet werden kann. Unsere materielle Welt erfordert ein
geistiges Gegenstück. Da wir ebenso einen Geist wie einen Körper haben, muß eine
objektive geistige Welt parallel zu physischen Umgebung existieren.
Medial begabte Menschen aller Religionen haben erkannt, daß die geistige Welt
nicht völlig anders als unsere sichtbare Welt ist. Auch wenn die geistige Welt
ihren Eigencharakter hat, gibt es eine fundamentale Ähnlichkeit zwischen dem
Leben hier und unserer Erfahrung danach. Swedenborg betonte, daß die unsichtbare
Welt mit der natürlichen Welt korrespondiere. Unsere irdische Vitalität und
Kreativität setzen sich in einer anderen Dimension fort.
Medial begabte Menschen stimmen auch darin überein, daß das Leben nach dem
Tode verschiedene Umgebungen bereithält, die zu den jeweiligen Stufen der
individuellen Entwicklung passen. Dantes „Göttliche Komödie" zum Beispiel
spiegelt die Erfahrung des mittelalterlichen Katholizismus, Hölle, Fegefeuer und
Himmel spiegeln die Lebensweisen, an die Menschen sich im irdischen Leben
gewöhnt hatten.
Somit gibt es nicht nur eine einzige Art des Lebens nach dem Tode für
jedermann. Was einer im Jenseits findet, hängt von dem ab, was er hier auf Erden
aus sich gemacht hat. Nach dem vierten Evangelium gibt es im Hause des Vaters
viele Wohnungen (Joh 14,2). Dieser Vers bedeutet, wie uns die
Bibelwissenschaftler sagen, daß der Himmel eine Vielzahl von Regionen oder
Gebieten umfaßt. Der griechische Originalwortlaut in dieser Passage legt die
Vorstellung nahe, daß das Jenseits eine Reihe von Herbergen oder
Aufenthaltsplätzen für die Seele bereithalte. Der individuelle Geist wird sich
nach dem Tod an seinem angemessenen Platz finden. Wir werden in der Wohnstätte
erwachen, an die wir durch unsere größte Vorliebe gebunden sind, die unser
irdisches Leben bestimmt hat.
Die „Göttlichen Prinzipien" bieten weitere Informationen über die geistige
Welt. 45 Und was am wichtigsten ist, sie erklären Zweck und Hintergrund für die
Kooperation der geistigen Welt mit den Menschen und für geistige Besessenheit
hier auf der Erde. Zum Beispiel wird einem in Kunst oder Wissenschaft
herausragenden Wunderkind Hilfe von einem längst verstorbenen Geistgenie zuteil.
Wohltätige Geister helfen den Menschen, ihr Werk für Gott schneller
voranzubringen und können im Gegenzug durch die Personen, denen sie helfen, auf
eine höhere Ebene aufsteigen.
Im Gegensatz dazu kann ein rachsüchtiger Geist von jemandem Besitz ergreifen
und ihn zwingen. Gewalttaten zu vollbringen. Niedrige Geister ergreifen Besitz
von Menschen, um destruktive Handlungen auszuführen, womit sie ihrer
tiefsitzenden Frustration und Bitterkeit Luft machen. In diesem Fall muß der
Mensch dem bösen Impuls standhaft widerstehen und ihn überwinden. Sonst kann er
sich nicht vom dämonischen Einfluß befreien.
Geister werden stets von Personen mit ähnlichem Temperament und ähnlicher
Berufung angezogen. Es muß eine Basis der Gegenseitigkeit da sein, sei es bewußt
oder unbewußt. Ferner findet in einer Epoche großer geistiger Umwälzung in der
Geschichte dementsprechend ungewöhnlicher Zufluß von geistiger Aktivtät statt.
Wir sehen also, wie eng die beiden Welten aufeinander bezogen sind und daß
niemand dem Einfluß ihrer Wechselwirkung entkommt.
Im zwanzigsten Jahrhundert haben große Änderungen im wissenschaftlichen
Weltbild stattgefunden, die den Glauben an Realität der geistigen Welt
erleichtern. Seit Isaac Newton hat sich die Wissenschaftler das Universum als
eine große Maschine vorgestellt, die von unveränderlichen Gesetzen regiert
werde. Mensch, hieß es, sei auf eine Welt von Raum und Zeit eingeschränkt, die
ihn strikt begrenzt. Unsere menschliche Natur dachte man sich durch die
Wechselwirkung von Erbanlagen und Umwelt als streng determiniert. Unsere
Gedanken seien durch elektrische Wellen in unserem Gehirn verursacht, und unsere
Gefühle würden durch das Funktionieren unserer Drüsen reguliert. Solch
„wissenschaftliches" Weltbild hatte natürlich für die geistige Welt keinen
Platz.
Diese materialistische Deutung seitens der Wissenschaft wird heute jedoch
weitgehend in Frage gestellt. Im Lichte zeitgenössischer wissenschaftlicher
Vorstellungen sind Tatsache und Einfluß geistigen Welt nun ziemlich annehmbar
geworden. Zum einen sich unser Verständnis von der Natur der materiellen
Welt drastisch verändert. Frühere Wissenschaftler reduzierten die Materie
auf winzige, feste, unzerstörbare Teilchen, aus denen alles Universum bestehe.
Im Gegensatz dazu interpretieren moderne Wissenschaftler den physischen Bereich
in Begriffen von unsichtbaren Energiemustern. Eine scharfe Trennung von
Physischem und Geistigem gibt es nicht mehr.
Zweitens bietet die Tiefenpsychologie, besonders die C.G. Jungs, ein neues
Menschenbild. Wir sind nicht einfach Geschöpfe des Raumes und der Zeit, geformt
von Erbanlagen und Umwelt. Neben dem Einfluß der bewußten Gedanken und Gefühle
ist jedes Individuum zutiefst von einem mächtigen Bereich des Unbewußten bewegt,
der sich in Träumen enthüllt und In alten Mythologien beschrieben wird. Diese
nicht-physische Welt ist Teil unserer Umwelt und betrifft in hohem Maße unsere
Gesundheit wie unser sonstiges Wohlergehen. Das Unbewußte ist für Jung das
geistige Reich. Ein Drittes: Seit ungefähr einem Jahrhundert sind
wissenschaftliche Untersuchungen über parapsychologische Phänomene durchgeführt
worden. Wie die sorgfältigen Studien der britischen und amerikanischen
Gesellschaften für parapsychologische Forschungen zeigen, existiert eine
geistige Dimension, verifiziert durch außersinnliche Wahrnehmungen.
Hellsichtigkeit, durch Aussagen von Medien in Trance, durch Präkognition und
außerkörperliche Erlebnisse. Schließlich: In der Anthropologie und
vergleichenden Kulturstudien hat man begonnen, die Religionen der sogenannten
primitiven Völker wohlwollend zu interpretieren. Man ist sich des universalen
Glaubens an übernatürliche Mächte bewußt geworden, die mit dem Menschen in
Kontakt stehen und sein Verhalten beeinflussen. Auf diese Weise unterstützen die
moderne Physik, die Psychiatrie, die Parapsychologie und die Kulturanthropologie
die Sicht der „Göttlichen Prinzipien", daß wir in zwei Welten leben.
Bedenken wir, was es bedeutet, nach Gottes Bild geschaffen zu sein. Sie und
ich werden für immer leben. Was bedeutet Unsterblichkeit? Wir sind denkende
Lebewesen und liebende Geschöpfe. Diese beiden Fähigkeiten zeigen unsere
Verwandtschaft mit dem ewigen Gott. Sie geben uns Anteil an der unendlichen
geistigen Welt. Wir werden für immer denken und lieben.
So wird unsere Weisheit ständig wachsen und unsere Liebe kann immer mehr
bereichert werden. Das ist es, was Swedenborg lehrte. Es wird keinen scharfen
Bruch zwischen dem diesseitigen und dem jenseitigen Leben geben. Was wir hier
beginnen, setzt sich in gleicher Qualität fort und weitet sich unendlich aus.
Der immer lebendige Gott erschafft jeden von uns, daß er und sie für immer mit
Ihm Gemeinschaft habe.
Wenn also diese Welt schön ist, so ist es die geistige noch viel mehr. Wenn
diese Welt gut ist, die kommende Welt ist es noch viel mehr. In unseren tiefsten
Augenblicken sehnen wir uns danach, liebender, weiser und schöner zu sein. Die
geistige Welt gibt uns Gelegenheit, diese Sehnsucht zu stillen. Daher ist die
andere Welt ebenso dynamisch, ebenso lebendig und eine genauso große
Herausforderung wie diese hier.
Anmerkungen 1 Die Göttlichen Prinzipien (1972). 35-44. 2 R.
Patai. The Hebrew Goddess (1967). 3 William deBary u.a.(Hrsg.).
Sorces of Chinese Tradition (1960). 96-99. 4 N. Zemov. The Russian
Religious Renaissance of the Twentieth Century (1963), 283-308. 5 E.
Swedenborg. The Divine Love and Wisdom (1763). Conjugal Love (1768); C(
Sigstedt. The Swedenborg Epic (1952), 354-359. 6 V.S. de Laszio.
Basic Writings of C.G. Jung (1959) 158-182. 496-544; A.B. Ulanov, The Feminine
in Jungian Psychology and in Christian Theology (1971). 7 1 Kor 6,19.
Ein Sakrament ist ein materielles Objekt, das göttliche Kraft übermit-telt..
8 V. Lossky. Orthodox Theology (1978). 136-137. 9 Die
Göttlichen Prinzipien (1972). 10 R. Niebuhr, An Interpretation of
Christian Ethics (1956). 97-123. 11 P.A. Bertocci, The Person God Is
(1970). 17-37. 12 M. Redeker, Schleiermacher: Life and Thought
(1973), 36-48. 13 Abba Eban, Heritage: Civilization and the Jews
(1984, 218-220. 14 Claude A. Stark, God of All (1974),86f.
15 The Gospel of Sri Ramakrishna (1973). 16 D.T. Suzuki,
Outlines of Mahayana Buddhism (1963). 298-301. 17 John Ä. Subham,
Sufism (1970). 63-66. 18 N. Fatemi, Sufism (1976). 80-85.
19 Y. Nouri Ozturk, Sufi Thought (Istanbul 1974), 338. 20
Ebenda 364. 21 F. Jones, The Spiritual Instructions of St. Seraphim
of Sarov (1973) 11.23-26. 22 W. Eichrodt, Theologie des Aken
Testamentes (engl. Ausg. 1973). 23 W.A. Browm, „Covenant Theology”
in: Hastings’ Encyclopedia of Religion and Ethics (l 924). 24 M.
Reeves, Joachim of Fiore (1977) 1-29. 25 Vgl. P.B.T. Bilaniuk, The
Mystery of Theosis or Divinization”. in: Studies in Eastern Christianity (1977)
1,45-67. 26 Vgl. Lynn White, The Historical Roots of our Ecological
Crisis, in: David Eileen Spring, Ecology and Religion in History (1974).
27 L. Elseley, An Evolutionist Looks at Modem Man, in: R. Thuelsen and J.
Kobler (Hrsg.). Adventures of the Mind (1960) 3 u.6. 28 Die
Göttlichen Prinzipien (1972) 41-50. 29 D. Bonhoeffer, Widerstand und
Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft (engl.Ausg.1971), 374-348.
30 E. Brunner. Wahrheit als Begegnung (engl.Ausg. 1964), 18-30.
31 Deshalb beschreiben katholische Theologen die Familie als
entscheidende Erschei-nungsform des „Naturgesetzes“ und die lutherische
Theologie handelt von der Familie als Auftrag oder „Gebot“ von Gottes
Schöpfung. 32 Vgl. Julia Ching, Confucianism and Christianity
(1977). 33 Vgl. Liu Wu-Chi, A Short History of Confucian Philosophy
(1955), 10. 34 Seneca (gest. 75 n. Chr.), ein Zeitgenosse des
heiligen Paulus, war der typischste Ethiker seiner Zeit und der Lehrer des
Kaisers Nero. Vgl. M. Hadas, The Stoic Philosophy of Seneca (1958).
35 Vgl. Kol 3.18-21; Eph 531-6.4. 36 Vgl. S. Radhakrishnan,
The Hindu View of Life (1975), 59-66. 37 Vgl. die
Unabhängigkeitserklärung: Unsere Freiheiten kommen von der Natur und vom Gott
der Natur. Diese Satz im Geiste der Aufklärung zeigt, daß Ethik nicht lediglich
soziale Sitten sind. 38 Der Babylonische Talmud stellt fest: „Wer
kein Weib hat, lebt ohne Freude, ohne Segen und ohne Güte.“ Vgl. Encyclopedia
Judaica (1971) Bd. 6, 1171. 39 Vgl. A. Angoff und D. Barth (Hrsg.),
Parapsychology and Anthropology (1974); B. Shapin und L. Coly, The Philosophy of
Parapsychology (1977). 40 Divine Principle (1973),57-58.
41 Vgl. M. Martin. Hostage to the Devil (1976). 42 W. James.
The Will to Believe and Other Essays in Populär Philosophy (1956), 300-302.
43 A. Hardy. The Living Stream (1965); The Divine Flame (1966).
44 Vgl. die Werke von Morton T. Kelsey, Priester der Episkopalkirche und
Religions-pädagoge an der University of Notre Dame: Encounter with God (1972);
God. Dreams and Revelation (1974); The Christian and the Supernatural
(1976). 45 Divine Principle (1973), 172-176.
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